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Reisen in die Felsengebirge Nordamerikas ? Band 1

Balduin Möllhausen: Reisen in die Felsengebirge Nordamerikas ? Band 1 - Kapitel 18
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authorBalduin Möllhausen
titleReisen in die Felsengebirge Nordamerikas ? Band 1
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Siebzehntes Kapitel

Das Cottonwood-Tal – Berg der Toten – Mount Davis – Painted Cañon – Aufenthalt auf Round Island – Bekehrungsversuche der Mormonen unter den Mohaves – Abbrennen von Signalraketen – Schwierige Reise – Black Cañon – Auflaufen des Dampfbootes auf einen Felsen – Landen im Black Cañon – Ende der Schiffbarkeit des Colorado – Das Leben in der Schlucht – Vergebliches Harren auf den Train – Formation der Felsen im Black Cañon – Prachtvolle Aussicht – Das Echo – Lieutenant Ives' Fahrt in die Schlucht – Opal im Gebirge – Iretébas Reise nach den Mohave-Dörfern und seine Rückkehr ohne Nachrichten – Eintreffen von Mohave-Indianern – Das Fischen des Mohaves

Nicht uns allein erfreute am 26. Februar der sonnige Frühlingsmorgen, sondern auch Tausende von Vögeln, die mit ihrem Gesang die Luft erfüllten, bald fröhlich auf dem glatten Sand umherhüpften, bald in dem Waldstreifen von Zweig zu Zweig flatterten. Das Dampfboot lag vor einer Untiefe, um hinübergewunden zu werden, und glücklich schätzte ich mich, dadurch einige Stunden Zeit zu gewinnen, die ich meinen Neigungen gemäß verbringen konnte.

Wie sich bei Reisenden eine gewisse Anhänglichkeit, ich möchte sagen Zuneigung zu dem Tier bildet, das ihn Tag für Tag geduldig und sicher auf seinem Rücken trägt, so war auch bei den meisten von uns eine Liebe zu der kleinen, mutigen und kraftvollen »Explorer« entstanden, mit deren Geschick das unsrige nun schon seit Monaten so eng verkettet war. Dies hinderte uns indessen nicht, mit einer Art von Sehnsucht der kommenden Landreisen zu gedenken und freudig jede Gelegenheit zu ergreifen, der geliebten »Explorer« oder dem »Leviathan«,Jetzt würde es heißen »Great Eastern«. wie wir das Schiff auch scherzweise nannten, den Rücken zuzuwenden. Oft, wenn ich mich weitab vom Fluß entfernt hatte und mit innigster Teilnahme die Gewohnheiten und Neigungen kleiner lebender Wesen beobachtete oder versuchte, die mich umgebenden Szenerien, einzelne hervorragende Bäume oder Sträucher als Skizzen in mein Tagebuch einzutragen, dann erschien mir das schrille Pfeifen, mit dem Freund Carrol »alle Mann an Bord« lockte, als eine wahrhaft grausame Störung.

So war es auch an jenem Morgen, als das Dampfboot früher, als ich erwartet hatte, von der Sandbank hinunterglitt und ich aus dem dichten Waldstreifen zurückgerufen wurde. Ich eilte über die sandige Fläche, sprang an Bord, und während ich noch meinen Unmut über die nach meiner Ansicht unzeitige Störung aussprach, erreichte das Fahrzeug das rechte Ufer, wo von neuem gehalten und Holz eingenommen wurde.

Trotz der niedrigen Lage des Talbodens und trotz der zahlreichen, aber sichtbaren Sandbänke wurden wir doch von gutem Fahrwasser begünstigt, und es gelang uns, nach einer Reise von ungefähr sieben Meilen das nördliche Ende des fruchtbaren Teils der Ebene zu erreichen. Das Tal dehnte sich von dort ab freilich noch weit gegen Norden aus, doch war es nur noch eine Sandwüste, die den Strom einfaßte und von der die schon vielfach erwähnte Kiesebene ringsum gleichmäßig anstieg.

Einen merkwürdigen Anblick gewährten eine Reihe schwarzer vulkanischer Hügel, die sich namentlich auf dem rechten Ufer, zwischen den farbigen Felsenketten und dem Fluß, auf der schiefen Fläche erhoben. Sowohl ihrer Farbe als auch ihrer äußeren Form wegen standen sie im grellsten Widerspruch mit ihrer ganzen Umgebung. Sie schienen gleichsam dort nicht hinzugehören, und ich glaube diese eigentümlichen Erscheinungen nicht verständlicher beschreiben zu können, als wenn ich sie mit den Rücken und Schultern kolossaler Elefanten und Mastodonten vergleiche, die eben im Begriff stehen, aus der ungestörten Fläche aufzutauchen.

Lieutenant Ives und seinen Ingenieuren waren diese Berge nicht wichtig genug, um sie mit einem Namen zu belegen, weshalb Dr. Newberry und ich uns veranlaßt fühlten, sie Elefantenberge zu taufen. Wir übernachteten auf dem linken Ufer unter einer prachtvollen Gruppe grüner Cottonwood-Bäumen. Während des ganzen Tages hatte uns diese schon auf das einladendste entgegengeschimmert, und als die Sonne einzelne Bäume mit ihrem vollsten Glanz übergoß, andere dagegen in den Schatten ersterer verhüllte, da war es, als ob ein edler Stein in der grauen Wüste leuchte und mit unwiderstehlicher Gewalt die Blicke anziehe.

Unser Wunsch ging also in Erfüllung; wir erreichten die schöne Baumgruppe gegen Abend, und mit einer wahren Wollust trafen wir unsere Vorkehrungen, endlich wieder einmal unter grünenden Bäumen zu schlafen.

Einfacher Art sind oft die Freuden, welche die Natur dem Reisenden gewährt, doch wo spärliches organisches Leben die Aufmerksamkeit fesselt, da lernt der Mensch, sich andächtig vor der erhabenen Macht zu neigen, die sich in dem kleinsten entfaltenden Blättchen, in den zartesten Keimen der Halme offenbart, und geregelt wird seine Verehrung, die er fast unbewußt beim Anblick einer aufs verschwenderischste geschmückten Naturumgebung empfindet.

Den schönen Bäumen zu Ehren wurde das Tal Cottonwood Valley genannt; hätten wir mit der Benennung bis zu unserer Rückkehr gezögert, so würde vielleicht der Name »Tal des Überflusses« entstanden sein, denn nachdem wir das Ende der Schiffbarkeit des Stroms erreicht hatten, langsam stromabwärts trieben und hungrig und krank abermals unter den freundlichen Bäumen lagerten, wurden wir von unserem Train gefunden, der uns wieder mit einem Überfluß von guten und nahrhaften Speisen versah.

Nur einige Mohave-Familien bewohnten das Cottonwood-Tal; ebenso wie die südlicher lebenden waren sie den Weißen freundlich gesinnt und bewiesen es hinlänglich dadurch, daß sie uns mit Fischen versahen. Selbst als wir uns weiter oberhalb tief im Gebirge befanden, folgten sie uns mit ihren Netzen nach und bezogen manche Schnur Glasperlen von uns für die Erfolge ihrer Fischerei.

Nicht ohne ein Gefühl des Bedauerns verließen wir am 27. Februar die gartenähnliche Baumgruppe, denn so weit wir das Land vor uns übersehen und zu beurteilen vermochten, sollten wir es von nun ab nur noch mit starren Gebirgsmassen und dürren Sandstrichen zu tun haben. Stromschnellen hemmten anfangs unsere Reise, ebenso umfangreiche Inseln, um die herum jedesmal erst der für das Fahrzeug hinreichend tiefe Kanal gesucht werden mußte. Auf solche Weise zurückgehalten, brachten wir unseren Tagesmarsch nur bis auf drei Meilen, doch war dies weit genug, um uns mitten in die Wüste hineinzuführen, in der nicht soviel Holz gedieh, wie zur Heizung unserer Maschine notwendig war.

Eine sehr schöne Aussicht erhielten wir an diesem Tag auf das hohe Gebirge hinter uns, an dessen Fuß wir eine Woche früher Jessup's Halt überschritten. Dasselbe bot, von Norden aus gesehen, eine hervorragende Gruppe mit durchaus malerischen Linien und Formen. Iretéba, dem es nicht entging, daß wir unsere Aufmerksamkeit den mächtigen Gebirgsmassen zuwandten, teilte uns bereitwillig mit, daß dieser Berg für die Eingeborenen des Colorado Tals eine besondere Bedeutung habe, da er der Aufenthaltsort aller Seelen der dahingeschiedenen Mohaves sei; sein von den Coco-Maricopas erschlagener Bruder befinde sich schon dort, und er selbst würde dereinst auch in diesen Berg einziehen. Daraus, daß der gutmütige Indianer seinen Bruder an jenen Ort versetzt glaubte, zog ich den Schluß, daß der Berg nur den guten Menschen als letzte Heimat angewiesen sei; jedenfalls war dies das einzige Mal, daß ich von einem der dortigen Eingeborenen eine aus freien Stücken gegebene Anspielung auf das Fortleben der Seele vernahm.

Lieutenant Ives legte dem Gebirge den Namen »Berg der Toten« zu. Ein anderer, unbedeutenderer, aber auch abgesonderter Berg, dessen Fuß wir gegen Abend erreichten, wurde nach Jefferson Davis, dem früheren Kriegsminister der Vereinigten Staaten, Mount Davis genannt. Mehrfach suchte ich Lieutenant Ives zu überreden, zu indianischen Namen seine Zuflucht zu nehmen, doch erklärte er sich entschieden gegen so heidnische Bezeichnungen, die niemand weder zu buchstabieren noch auszusprechen vermöge; sogar als ich die Namen Iretéba und Kairook aus Pietät für die bald dahinschwindenden Nationen als Denkmal auf Berge zu übertragen wünschte, machte er Einwände, die mir damals sowenig wie jetzt einleuchteten.

Gegen Mittag erreichten wir eine Schlucht, die nicht durch zusammengedrängte Felsmassen gebildet war, sondern wo sich der Strom seinen Weg durch einen felsigen Teil der Hochebene hindurchgewühlt hatte. Die Wände erhoben sich ebenfalls senkrecht aus dem Wasser, doch nur bis zu einer Höhe von etwa sechzig Fuß, und sie bestanden nicht wie bei früheren Gelegenheiten aus horizontalen Schichten von Konglomerat und Kies, sondern im wildesten Durcheinander wechselten zu beiden Seiten blauschwarze Lava- und Trachytmassen, grellfarbige Porphyrsäulen, graue Konglomerate und bunter Sandstein.

Wir hatten überhaupt auf der Strecke von einer halben Meile oder der ganzen Länge des Cañons ein so merkwürdiges Farbenspiel vor Augen, wie wir es nur an den Riverside Mountains zu beobachten Gelegenheit fanden, und mit Rücksicht darauf wurde jenem Punkt der Name »Painted Cañon« oder »Gemalte Schlucht« beigelegt.

Mit einer kurzen Biegung gegen Osten endete die Schlucht; die niedrige Sandeinfassung war wieder vorherrschend, und wir hatten an dieser Stelle das eigentümliche Schauspiel eines scheinbar schiefen Wasserspiegels vor uns. Die Täuschung entstand wohl teils infolge der Strömung, indem, durch die kurzen Windungen des Flußbettes veranlaßt, das Wasser von den Felsen zurückprallend einen zweiten Kanal bildete, der sich mit dem ersten zu einer breiten Fläche vereinigte, jedoch in entgegengesetzter Richtung an diesem hineilte. Dann aber auch spiegelte sich die schiefe Ebene in den Fluten, und zwar in einer Weise, daß die Fläche des Stroms als eine Fortsetzung des sich gegen Westen zu senkenden Bodens erschien.

Beim ersten Anblick traute ich kaum meinen Augen, doch erhielt ich Beweise genug, daß unsere Gesellschaft dem Eindruck dieser Täuschung unterworfen war. Bald darauf fuhren wir westlich am Mount Davis vorbei, dessen lavaartige Abhänge bis an den Fluß reichten, und wiederum schlug das Brausen starker Stromschnellen an unser Ohr. Ehe wir indessen einen Blick auf die sich laut verkündenden Hindernisse gewannen, wurden wir gewahr, daß sich der Strom in zwei Arme teilte, aus denen beiden uns das Wasser mit gleicher Heftigkeit entgegeneilte. Auch in der Breite war kein wesentlicher Unterschied bemerkbar, und so ließ sich denn Kapitän Robinson in der Wahl der einzuschlagenden Richtung von der äußeren Erscheinung des Wassers leiten und steuerte das Boot in den östlichen Arm, wo sich trotz der bald sichtbaren Schnellen tieferes Fahrwasser verriet.

Nur eine kurze Strecke zogen wir noch an dem rechten Ufer dahin; durch das heftig andringende Wasser arbeitete sich die »Explorer« zwar noch hindurch, doch über die gefährliche Bank von Kies und Geröll, die den Flußarm in seiner ganzen Breite verstopfte und die an den tiefsten Stellen von kaum zehn Zoll Wasser bedeckt war, sahen wir keine andere Möglichkeit, hinüberzugelangen, als nach Erleichterung des Fahrzeugs. Wir landeten daher und befanden uns dort, wie sich bald erwies, auf einer großen runden Insel, deren Sand- und Kiesanhäufungen mit großen Massen von Treibholz bedeckt waren; hin und wieder wucherten kleine Gruppen von Weidengesträuch auf den feuchteren Stellen, drei oder vier mißgestaltete Cottonwood-Bäume am Rand des Wassers neigten ihre halbverdorrten Kronen den eilenden Fluten zu, doch im übrigen verdiente die Insel ebenso wie die angrenzenden Ländereien den Namen einer dürren, beängstigenden Wildnis.

Wir waren nunmehr schon im Bereich der Payute- oder Pai-Ute-Indianer. Die neuesten Zeichen von Eingeborenen, die wir auf der Insel entdeckten, waren schon mehrere Monate alt, doch warnten Iretéba sowohl wie Mariando uns wiederholt, indem es wohl anzunehmen sei, daß viele dieser wilden Gebirgsbewohner uns von ihren Schlupfwinkeln aus beobachteten und nur auf eine günstige Gelegenheit warteten, um ihre verräterischen Absichten an uns oder einzeln umherstreifenden Mitgliedern der Expedition auszuführen. Wir verdoppelten daher unsere Wachsamkeit, und außer unseren Soldaten, deren Zahl sich nur auf fünfzehn Mann belief, erhielten auch die Arbeiter und Bootsleute Befehl, sich an den nächtlichen Wachen zu beteiligen.

Für den Rest der Reise wurden diese Vorsichtsmaßregeln nicht wieder vernachlässigt, und wenn uns auch raubgierige Horden umschwärmten, was ich jetzt bei ruhigem Nachdenken und Zusammenstellen von Umständen nicht mehr bezweifle, so wagten dieselben sich doch nie in unsere Nähe, wo ihnen bei der Wachsamkeit unserer Leute gewiß ein verderblicher Empfang zuteil geworden wäre.

Der Abend hatte sich allmählich eingestellt, die Insel war nach allen Richtungen hin durchforscht worden, und mit einem gewissen Gefühl der Sicherheit lagen wir am Rand des sandigen Ufers und ergötzten uns an der überaus schönen Beleuchtung des vollen Mondes, welche dieser Wüste sogar einen so eigentümlichen Reiz verlieh.

Auf meinen einsamen Wanderungen – die mich vielfach in die ödesten und unwirtlichsten Winkel im Innern des amerikanischen Kontinents führten, habe ich häufig empfunden, daß besonders zur nächtlichen Stunde die Umgebung dann am unheimlichsten erscheint, wenn kein Geräusch, weder das Geheul beutesuchender Tiere noch das kaum vernehmbare Lispeln des Windes zwischen Blättern und Halmen, die allgemeine Stille unterbricht. Es ist wie das Bild des Todes, und gespannt lauscht man auf das geringste Lebenszeichen der Natur; selbst das Gekläff der Füchse und Kojoten wird mit einer Art Freude begrüßt, und es raubt schon viel von dem Gefühl, dem man durch den Gedanken an eine unendliche Einsamkeit leicht anheimfällt. Befindet man sich in solchen Wüsten in der Gesellschaft von Menschen, und dazu noch in der Mitte fröhlicher Kameraden, so schwindet allerdings der Eindruck, den eine scheinbar leblose Naturumgebung auf den einzelnen zurücklassen würde.

Eine ähnliche Stille ruhte auch an jenem Abend auf der ganzen Landschaft; das Brausen des fallenden Wassers drang wohl deutlich an unser Ohr, doch waren wir an ein derartiges Brausen schon so sehr gewöhnt, daß uns deshalb auch nicht das leiseste Geräusch entgangen wäre. Auf eine andere, lieblichere Weise als durch den heiseren Ruf des Uhus oder das Geheul der wilden Bestien offenbarten sich uns in dieser feierlichen Ruhe inmitten der schrecklichen Wüste Leben und rastloses Wirken der Natur. Vor uns lag der Mount Davis; schwarz und scharf zeichneten sich seine unregelmäßigen Außenlinien auf dem monderleuchteten Himmel ab, während der Mond selbst, noch tief verborgen hinter den dunklen Felsmassen, sich langsam ihrem oberen Rand näherte.

Westlich von uns in der Ferne erhoben sich hohe Gebirgszüge; in bläulichem Licht schwammen die Kuppen, die über den Mount Davis hinwegzuschauen vermochten, während schwarze Schatten die Abhänge und die Kiesebene verhüllten. Auch wir befanden uns in tiefem Schatten und beobachteten mit Aufmerksamkeit die milde Beleuchtung der Höhen, die das Dunkel verdrängend an den Abhängen hinunterglitt und, auf der Ebene angekommen, mit verdoppelter Schnelligkeit auf uns zueilte. Deutlich traten die Senkungen und Unregelmäßigkeiten des Bodens hervor; Schatten verschwanden, neue Schatten entstanden; die Büsche auf dem rechten Ufer des Stroms kleideten sich in unbestimmtes Licht, hell schimmerten die langen, gebleichten Treibholzstämme, und fast mechanisch wandten sich jetzt die Blicke nach dem Gipfel des Mount Davis, wo ein milchweißer Dunstkreis die Stelle bezeichnete, an der uns zwischen zerklüftetem Gestein der Mond sichtbar werden sollte. Wie ein strahlender Stern drängte er sich jetzt aus einer Spalte hervor, er wuchs schnell, und bald trennte sich die volle Scheibe des Mondes von den schwarzen Felsen, sich tausendfach spiegelnd in den Wellen des bewegten Colorado. Die Abhänge des Mount Davis aber blieben im tiefsten Schatten liegen, und spät erst, als wir uns in die Zelte zurückzogen, begann der höher steigende Mond die Schluchten und Klüfte zu erhellen.

Der 28. Februar, ein Sonntag, wurde wiederum zur allgemeinen Rast bestimmt und würde gewiß durch die Wärme, die bis auf 80° Fahrenheit stieg, ein angenehmer Tag gewesen sein, wenn sich nicht ein starker Wind erhoben hätte, der auf die mutwilligste Weise den leichten Flugsand gleichsam aus allen Winkeln zusammensuchte und wie toll auf der Insel umherwirbelte. Die Wassergrenze, die uns von allen Seiten umgab, schnitt uns größere Ausflüge ab, und so waren wir denn gezwungen, in unseren Zelten der trägen Ruhe zu pflegen. Unsere Indianer gingen von einem zum anderen, und indem sie sich selbst die Zeit zu verkürzen suchten, verschafften sie auch uns einige Unterhaltung, die um so willkommener war, als Sand und Staub uns von ernsteren Beschäftigungen abhielten.

So teilte uns unter anderem Iretéba mit, daß die Mormonen auch schon bei den Mohaves mit ihren Bekehrungsversuchen den Anfang gemacht und mehrere dieses Stammes – unter ihnen Kairook und Navarupe – getauft hätten. Mariando übersetzte uns Iretébas Erzählungen Wort für Wort, und beide schienen aus dem Lachen nicht herauskommen zu können, als sie uns umständlich die Szene beschrieben, in der die neuen Anhänger des Mormonentums von ihren Bekehrern mit dem Kopf im fließenden Wasser untergetaucht worden waren. Navarupe kauerte in unserer Mitte, hörte mit halb verschämten Gesicht die Unterhaltung an und versicherte, daß er trotz des mehrfachen Untertauchens noch lange kein Mormone sei. Überhaupt schien dieses Verfahren, das den Getauften jedesmal zum Gegenstand allgemeiner Verspottung bei seinem Stamm machte, den Mormonen bei der Verbreitung der neuen Lehre eher nachteilig als fördernd gewesen zu sein, denn ich erinnere mich nicht, einen einzigen getauften Eingeborenen gesehen zu haben, der an diese Zeremonie anders, als an einen groben Scherz gedacht hätte.

Angenehm war es uns, zu bemerken, wie besorgt unsere Dolmetscher für unsere Sicherheit waren, denn obgleich sie selbst bei einem Überfall keine sonderliche Gefahr liefen, hörten sie doch nie auf, uns vor den Pai-Utes als den Verbündeten der Mormonen zu warnen.

Gemäß einer Verabredung, die Lieutenant Ives mit Lieutenant Tipton getroffen hatte, ließen wir an diesem Abend zur bestimmten Stunde zum erstenmal in Abständen von zehn Minuten drei Signalraketen steigen. Wir alle schauten zu derselben Zeit gegen Süden, doch vergeblich – keine Antwort zeigte sich am nächtlichen Horizont, und wir mußten daher annehmen, daß der Train das Tal der Mohaves noch nicht erreicht hatte und wir noch längere Zeit auf Bohnen und Mais als unsere nunmehr fast einzige Nahrung angewiesen bleiben würden. Die Folgen dieser Lebensweise, die besonders durch den Mangel an Salz widerwärtig wurde, zeigten sich immer deutlicher unter unseren Leuten, denn nicht nur Magenkrankheiten stellten sich ein, sondern auch der Skorbut begann das Zahnfleisch einzelner anzugreifen und sich auf der Haut des Körpers in Flecken auszuprägen, und diesem Umstand ist es allein zuzuschreiben, daß wir so großen Wert auf Gegenstände legten, deren wir unter anderen Verhältnissen wohl kaum gedacht haben würden.

In der Frühe des folgenden Tages begannen unsere Leute damit, die Fracht mittels des Ruderbootes einige hundert Schritt stromaufwärts zu schaffen und am Ufer aufzustapeln. Auch das Wasser wurde aus dem Dampfzylinder gepumpt, wodurch der Tiefgang des Bootes auf fünfzehn Zoll zu stehen kam. Doch trotz dieser Erleichterung nagten die scharfen Kiesel an dem eisernen Boden, und der ganze Tag verging, ehe es gelang, die ihrer Dampfkraft beraubte »Explorer« wieder in tiefes Wasser zu bringen. Unsere Reise beschränkte sich daher auf etwa zweihundert Schritt und unsere Erfahrungen auf das, was wir eben auf unseren Spaziergängen auf der Insel zu beobachten imstande waren. Ein Paar Spechte hatte sich dorthin verirrt, und ich war so glücklich, das männliche Exemplar für meine Sammlung zu erbeuten. Sonst erblickte ich nichts von lebenden Wesen, selbst Mäuse und Eidechsen schienen dort selten zu sein, was ich mit der niedrigen Lage der Insel und den häufigen Überschwemmungen in Zusammenhang brachte.

Wie am vorhergehenden Abend sandten wir, nachdem die Dunkelheit eingetreten war, drei Raketen empor, und wie an beiden vorhergehenden Abenden beobachteten wir zur späteren Stunde den prachtvollen Aufgang des Mondes, und zwar immer mit derselben bewundernden Andacht; denn ein Naturschauspiel, sooft es sich auch wiederholen mag, bleibt für den fühlenden Menschen ewig neu, frisch und anziehend.

Am 2. März in der Frühe verließen wir endlich die Insel Round Island, und da wir nur auf solche Stromschnellen stießen, die uns eine freie Bewegung gestatteten, legten wir sogleich sieben Meilen ohne erhebliche Unterbrechung zurück. Der Mount Davis blieb rechts von uns liegen, buntfarbige Felsmassen von geringerer Höhe drängten sich zu beiden Seiten bis an den Strom und wechselten mit den hohen, wallförmigen Überresten der Kiesebene ab, die, solange und vielfach wir diese auch beobachtet hatten, nicht die geringste Veränderung in ihrem äußeren Charakter zeigte. Seltener wurden aber die grünen Weidenbüsche, die sich wenige Meilen unterhalb noch reihenweise in den Fluten spiegelten, und trostloser erschien die nackte Wildnis mit ihren phantastisch geformten Gebirgszügen, den dürren Flächen und dem lehmfarbigen Strom, der bald wild schäumend, bald kaum merklich fließend die größte Aufmerksamkeit unseres kundigen Steuermanns erforderte.

Sieben Meilen waren wir also schon gereist. »Wenn es so fortgeht, dann befindet sich das Ende der Schiffbarkeit des Stroms noch ferne von uns.« So sprachen wir, und gleich darauf, bei einer Biegung, lag unser Fahrzeug wieder regungslos auf einer Kiesbank, und wiederum ging der Rest des Tages mit Ausladen, Winden und Einladen dahin. Viel Schwierigkeit machte es uns jetzt schon, einen hinreichenden Vorrat an Brennholz zu erhalten, und oft war Kapitän Robinson genötigt, Leute im Ruderboot ans Ufer zu senden, um einen einzeln stehenden Baum oder einige Stücke Treibholz herbeizuholen.

Wir landeten auf dem linken Ufer an einem schmalen Sandstreifen, der sich am Fuß der 200 Fuß hohen Kiesberge hinzog. Die Sonne stand noch ziemlich hoch, und neugierig, etwas von dem Terrain, das vor uns lag, kennenzulernen, begaben sich mehrere von uns auf den Weg, die nächsten Höhen zu ersteigen. Ich folgte einem alten Indianerpfad, der mich an einer Stelle auf das Hochland führte, wo sich eine weite Aussicht auf die verworrenen Gebirgszüge bot und zugleich auch der Fluß auf eine Strecke sichtbar blieb.

Unbeschreiblich ist die Einsamkeit, die dort oben herrschte; alles ringsum war tot und starr, die trachytischen Gebirge mit ihren domähnlichen Auswüchsen wie die graue, ansteigende Ebene mit ihren Rinnen und tiefen Einschnitten; und über dies alles hin wölbte sich der lichtblaue, mit Abendrot geschmückte Himmel in seiner unvergleichlichen Klarheit. Die scheidende Sonne sandte ihre Strahlen nach dem Gipfel der Berge hinüber, wie glühend schimmerten die Lichtreflexe, doch die Landschaft belebten sie nicht.

Ist es möglich, daß hier Menschen leben? dachte ich, als ich auf dem kaum sichtbaren Pfad dahinschritt und eine kleine, im Halbkreis roh aufgeführte Mauer entdeckte. Die etwa zwei Fuß hoch übereinanderliegenden Steine schlossen einen Raum ein, auf dem zwei zusammengekauerte Menschen notdürftig Platz finden konnten, und das Ganze war augenscheinlich als Versteck und zum Spähen hergestellt worden. Im Inneren des nestähnlichen Mauerwerks hatten die Erbauer sorgfältig alle kleinen scharfen Steine vom Boden entfernt, um ihren nackten Körpern dadurch eine bequemere Lage zu verschaffen.

Als ich in die nächste Schlucht hinabstieg, traf ich mit meinen Kameraden zusammen, die emsig beschäftigt waren, Blumen in den feuchten Ritzen und Spalten des Gesteins zu suchen. Ich gesellte mich zu ihnen; auch auf mich machten die Blumen, die, von nur wenig grünen Blättern umgeben, dem unfruchtbaren Boden entsproßten, einen angenehmen Eindruck, und wie jene botanisierte ich bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Am 3. März legten wir fünf Meilen zurück und verbrachten die Nacht auf dem linken Ufer. Nur wenig Gelegenheit fanden wir, die Tagebücher durch Notizen über Beobachtungen zu bereichern. Wir erblickten hart am Wasser wiederholt die merkwürdigen Kieswälle, die zuweilen lebhaft an die grauen Ruinen mittelalterlicher Bauwerke erinnerten. Im Hintergrund dagegen ragten die prächtigsten vulkanischen Bergformationen empor, reich an malerischen Linien und an schönen Farben; im Spiegel des Stroms aber, wie auch in der Wirklichkeit, lagen die stets wechselnden Bilder einer wüsten, in ihrer Wirkung auf das Gemüt indes erhabenen Natur vor uns.

Mit vieler Mühe gelangten wir am 4. März zweieinhalb Meilen weiter, und am 5. beschränkte sich unsere Reise sogar auf eine halbe Meile; als wir dagegen am 6. zur gewöhnlichen Stunde das Ufer verließen, befanden wir uns sogleich in gutem Fahrwasser, und mit voller Dampfkraft arbeitete sich die kleine »Explorer« stromaufwärts. Wir saßen auf der Plattform und richteten unsere Blicke auf die furchtbaren Felsmassen, die sich bis zu tausend Fuß hoch senkrecht erhoben und die uns den Anfang des vielfach besprochenen und verschrienen Cañons bezeichneten. Das Strombett verengte sich bedeutend, und an dem dumpfen Getöse, mit dem die Schaufeln des Rades in die Fluten tauchten, vermochten wir die ungewöhnliche Tiefe zu erkennen, über die wir hinglitten. In dem Maß, in dem die Felsen zu beiden Seiten näher zusammenrückten, verstärkte sich auch die Strömung, die zu bekämpfen größere Dampfkraft erzeugt werden mußte.

Äußerst willkommen war es uns daher, als wir in einem von Felsen gebildeten Winkel mehrere abgestorbene Bäume erblickten, die uns einen reichen Vorrat an Brennholz lieferten; eine Aushilfe, auf die wir in der sich vor uns öffnenden Schlucht nicht rechnen durften. Wir landeten, und ich benutzte die dadurch gebotene Zeit, um mir eine Skizze von dem Felsentor zu sichern, das in der Entfernung von einigen hundert Schritt vor uns lag. Die ersten Felswände überstiegen kaum die Höhe von dreihundert Fuß, doch hinter diesen hoben sich immer neue, überhängende Massen schwarzen, vulkanischen Gesteins, die, von der Morgensonne beleuchtet, dunkle Schatten weithin über den Strom warfen. Zwei Meilen hatten wir schon zurückgelegt, doch aufgemuntert durch die Tiefe des Stroms, glaubten wir noch weit in den Cañon eindringen zu können, ehe die einbrechende Nacht uns zum Halten zwingen würde.

Nachdem das Holz eingeladen war, nahmen wir voll der besten Hoffnungen unsere Plätze ein. Egloffstein und Bielawski thronten nach alter Weise auf dem Radkasten, Robinson fegte mit seiner Steuerstange fast über das ganze Dach der Kajüte, und Dr. Newberry, Lieutenant Ives und ich saßen auf Kisten, hart am Rand der Plattform, so daß wir eine freie Aussicht auf die Szenerie vor uns behielten, zugleich auch den Kapitän nicht in seiner wichtigen Arbeit hinderten. Hell beschien uns noch die Sonne; ein kühler, feuchter Luftzug strömte uns aus der schattigen Schlucht entgegen und kräuselte die Fluten, welche durch die Spiegelung der schwarzen Felswände eine dunkle Farbe angenommen hatten. Immer neues trockenes Holz wurde in den Ofen geschoben, der Dampf zischte, und mit voller Gewalt wälzte er das Rad um, das im Kampf gegen die heftige Strömung den gelben Schaum hoch emporspritzte.

Wir erreichten endlich das Tor; eine Stromschnelle hemmte dort den Lauf der »Explorer«, doch auf den tiefen Stellen sich hin und her windend, überwand sie glücklich das Hindernis, und gleich darauf vernahmen wir von dem Mann mit der Meßstange die Worte: »Kein Boden!«

»Bravo!« hieß es von allen Seiten; das Boot glitt weiter.

»Kein Boden!« erschallte es wieder; die Schatten der hohen Felswand bedeckten uns, weithin vermochten wir die Stromesfläche zu überblicken, und uns zur Fahrt durch den Cañon Glück wünschend, beobachteten wir mit festem Vertrauen den Mann, der vorn auf dem Rand des Bootes stand und unablässig die Tiefe des Wasser untersuchte.

»Kein Boden!« hieß es nochmals, doch kaum war das letzte Wort verhallt, als ein furchtbarer Stoß das in seinen Fugen krachende Dampfboot erschütterte und zugleich die grenzenloseste Verwirrung folgte.

Von dem, was in den nächsten Augenblicken vorging, sah ich nichts, und ich erzähle hier nur das, was ich den Mitteilungen jedes einzelnen entnahm. Das Boot war mit voller Gewalt auf einen verborgenen Felsen gerannt, und der Mann mit der Meßstange war durch den Stoß über Bord geschleudert worden. Die Leute neben dem Dampfzylinder hatte die Erschütterung samt dem Brennholz übereinandergeworfen; der Heizer, eben im Begriff, die Glut zu schüren, war mit dem Kopf ins Ofenloch gefahren; Dr. Newberry, Lieutenant Ives und ich, die wir nebeneinander saßen, hatten unsere Stellung insoweit verändert, daß wir uns in ähnlicher Ordnung wie oben, aber mit dem Kopf nach unten und die Kisten auf uns, an dem Boden des Fahrzeugs wiederfanden; Egloffstein und Bielawski waren vom Radkasten hinunter auf die Plattform geschleudert worden, und in der Mitte lag der ebenfalls niedergestürzte Kapitän Robinson.

»Rette sich, wer kann!« hieß es jetzt, denn einzelne Teile der Maschinen hatten sich verbogen, heißer Dampf entströmte den geöffneten Fugen, drohte die beschädigten Röhren vollständig zu sprengen und alle sich in der Nähe Befindlichen aufs gräßlichste zu verbrühen. Wir drei, die wir von oben heruntergestürzt waren, lagen gerade unterhalb der gefährlichsten Stellen; doch schnell wie ein Gedanke sprangen wir unter Kisten und Koffern hervor, kletterten an der Außenseite des Bootes herum, und kaum fünf Sekunden nach dem Stoß befanden wir uns wieder auf der Plattform und suchten von unseren Sachen soviel wie möglich zu retten, weil wir jeden Augenblick erwarteten, das Fahrzeug in die Tiefe sinken zu sehen.

Kapitän Robinson hatte indessen seine Kaltblütigkeit nicht verloren, und nachdem er sich durch einen Blick überzeugt hatte, daß das Boot nicht sogleich sinken würde, versuchte er es nach einer etwa fünfundzwanzig Schritt weit entfernten Sandbank hinüberzusteuern, die in Verbindung mit dem felsigen Ufer stand. Die Maschinerie war indessen in Unordnung geraten, denn als Carrol die zischenden Dampfröhren öffnete, drohte das aus seiner Lage gerissene Rad die ganze Kajüte zu zerschmettern. Dem Dampf wurde daher schleunigst ein Weg ins Freie gebahnt und die ganze Aufmerksamkeit dem Ruderboot zugewandt, in denen auf den Befehl des Kapitäns ein Teil der Bemannung mit Stricken ans Ufer geeilt war, um das Dampfboot in seichteres Wasser und wenn möglich ganz in Sicherheit zu bugsieren.

Langsam folgte die »Explorer« den vereinten Anstrengungen der Leute, und während der Kahn zwischen dem Ufer und dem Dampfer hin und her flog, um die des Schwimmens unkundigen Leute zuerst zu retten, trafen wir auf der Plattform schnell Vorkehrungen, um dem gänzlichen Verlust unserer Sammlungen vorzubeugen. Wir schnürten nämlich Fischleinen mit dem einen Ende an die gefüllten Kisten und versahen das andere Ende mit einem leicht schwimmenden Stückchen Holz, um dadurch Mittel an der Hand zu haben, die etwa versinkenden Gegenstände wiederfinden zu können. Tagebücher und Zeichnungen befestigten wir an unserem Körper, etwas Munition wurde unter den Hut geschoben, und mit der Büchse in der Hand standen wir am Rand der Plattform, um im entscheidenden Augenblick das Weite zu suchen. Doch die »Explorer« hielt sich über Wasser; Zoll für Zoll näherte sie sich dem Ufer, und mit einem gewissen Wonnegefühl hörten wir endlich den Sand unter den eisernen Planken knirschen. Mochte das Boot auch zur ferneren Reise unbrauchbar geworden sein, so hatten wir doch keinen Verlust an Menschenleben oder an unseren Sammlungen erlitten, und noch im Besitz von Lebensmitteln, waren wir imstande, die Ankunft des Trains zu erwarten. Anders würde es für uns ausgesehen haben, wenn das Boot in 16 bis 20 Fuß Wasser gesunken oder der Unfall uns tief in der Schlucht zugestoßen wäre, wo sich schwerlich eine rettende Sandbank zu unserer Aufnahme gezeigt hätte. Für den Augenblick hatten wir nur den Doktor zu beklagen, der mit der Brust auf die Dampfröhre gefallen war und eine innere Verletzung befürchtete. Glücklicherweise bestätigten sich unsere Besorgnisse nicht, und in einigen Tagen hatten wir die Freude, unseren Doktor wieder von den schmerzhaften Folgen des Sturzes befreit zu sehen.

Wir befanden uns also auf der sandigen Fläche, die einen Winkel in den verworrenen Felsmassen des rechten Ufers ausfüllte. Es war ein trostloser Aufenthaltsort, den der Zufall uns angewiesen hatte, denn wo nicht tiefer Sand unsere Schritte hemmte, da lag scharfes, vulkanisches Geröll, und wo festerer Boden das Gehen einigermaßen erleichtert hätte, da wucherten dornige Mesquitebäume. Brennholz fehlte ganz, und von Glück konnten wir sagen, vor der Einfahrt in die Schlucht noch einen Vorrat desselben eingenommen zu haben, der uns jetzt trefflich zustatten kam. Unsere Weiterreise war nunmehr vorläufig abgeschnitten, und so mußten wir denn mit allem so vorliebnehmen, wie es uns geboten wurde, und uns mit der Hoffnung auf bessere Zeiten begnügen.

Kaum lag die »Explorer« an dem sandigen Ufer und kaum hatte sich die erste Aufregung etwas gelegt, als auch wieder rüstig ans Werk geschritten wurde, vorläufig den eigentlichen Umfang des Unglücks kennenzulernen. Kapitän Robinson ließ vor allen Dingen die ganze Fracht sowie alle losen Gegenstände aus dem Dampfboot entfernen und es stellte sich dann nach einer genauen Untersuchung heraus, daß einige Fugen sich allerdings dem Wasser geöffnet hatten, daß aber unbegreiflicherweise der Rumpf nicht so beschädigt war, daß er nicht hätte mit Leichtigkeit ausgebessert werden können.

Anders verhielt es sich mit der Maschine, denn es bedurfte bei dieser Carrols ganzer Geschicklichkeit, um sie wieder in brauchbaren Zustand zu versetzen.

Weitere Arbeiten wurden an diesem Tage nicht mehr vorgenommen, und nur mit viel Mühe gelang es uns, bei dem heftig wehenden Wind die Zelte auf dem sandigen Boden zum Stehen zu bringen. Der Abend rückte heran, und deutlich trat bei der ganzen Expedition eine Verstimmung zutage, die wohl hauptsächlich aus dem krankhaften Befinden der meisten entsprang und durch den Gedanken, längere Zeit in dem abgeschlossenen Winkel ausharren zu müssen, bedeutend gesteigert wurde.

Am folgenden Tag aber, dem 7. März, war dieser Gedanke schon wieder zur Gewohnheit geworden; das milde Wetter mochte dazu beitragen, vielleicht mehr aber noch eine angemessene Beschäftigung, der diejenigen, die es nicht vorzogen, den ganzen Tag über ruhig auf dem erwärmten Sand liegenzubleiben, sich ganz nach Wohlgefallen hingeben konnten. Dr. Newberry und ich, die wir reichlich mit Fischgerätschaften versehen waren, teilten nämlich Angeln und Schnüre an die Leute aus, und in der Tat erblickten wir auch bald nachher vielfach Gestalten, die wie versteinert auf dem Ufer standen oder saßen und unermüdlich ihre Blicke auf die Angelschnur gerichtet hielten. Leider erfreuten sich die Fischer nur eines geringen Erfolgs, was nach einigen Tagen ein teilweises Einschlafen der künstlich hervorgerufenen Leidenschaft bewirkte.

Die Wachsamkeit, zu der unsere Indianer beständig mahnten, wurde übrigens keinen Augenblick vernachlässigt, im Gegenteil noch gesteigert, denn wenn wir wirklich an jenem Punkt von den Mormonen und den von ihnen geführten Eingeborenen angegriffen wurden, so steckten wir in einer äußerst bedenklichen Lage, indem wir als einzige Deckung nur die umherliegenden Felsblöcke und die eisernen Wände des Dampfbootes sowie der Maschine besaßen, während unsere Feinde imstande gewesen wären, mit wenigen guten Büchsenschützen die Zacken und Klüfte der nahen Felsen in Festungen umzuwandeln und von dort aus mit Sicherheit auf uns zu schießen. Wir stellten daher unsere Haubitze an geeigneter Stelle auf, legten einige Dutzend Kartätschenpatronen in deren Nähe, und auf diese Weise mit der ganzen uns zu Gebote stehenden Macht gerüstet, blickten wir, auf unser gutes Glück bauend, furchtlos in die Zukunft.

Lieutenant Ives' nächster Plan war, die Schlucht vor uns, die den Namen »Black Cañon« erhielt, mittels des Ruderbootes untersuchen zu lassen. Wenn wir auch wirklich das Ende der Schiffbarkeit des Colorado schon erreicht hatten, woran niemand mehr zweifelte, so war ein solches Unternehmen von um so größerer Wichtigkeit für unsere Expedition. Da nun Lieutenant Ives sich selbst an der Fahrt zu beteiligen beabsichtigte und stündlich auf Nachricht von Peacock und dem Train hoffte, so wurde die Ausführung dieses Plans noch einige Tage verschoben.

Obgleich warmes Wetter uns begünstigte und wir vielfach kleine Ausflüge in die nahen Felsregionen unternahmen, so schlich uns die Zeit doch über alle Beschreibung träge dahin. Solange die Schatten der über achthundert Fuß hohen Felsen die Sandbank bedeckten, herrschte auf dieser eine empfindliche Kälte; wenn dann in den Mittagsstunden die Sonne mit voller Kraft in unseren abgeschlossenen Winkel hineinstrahlte und ringsum das Gestein erwärmte, dann wurde die Hitze drückend, und zwar so, daß wir zuweilen Bücher und Zeichenmappen zur Seite legten und nach kühlen, schattigen Höhlen zwischen dem zerklüfteten Gestein suchten. Gleich am ersten Tag hatte ich unter einer überhängenden Felswand eine derartige Stelle entdeckt und zugleich auch gefunden, daß diese von den dortigen Eingeborenen benutzt worden war. Die ganze Einrichtung bestand aus dünnen Weidenzweigen, die lagenweise den Boden bedeckten und bei weitem nicht soviel Sorgfalt verrieten, wie ein wildes Tier beim Bau seines Lagers verwendet. Ich war sehr gespannt darauf, einige Exemplare dieser von Grassamen und Wurzeln lebenden Menschen kennenzulernen, doch wurde mein Wunsch erst später erfüllt, als wir den Colorado schon längst verlassen hatten und uns in der Wildnis zwischen dem großen und dem kleinen Colorado befanden.

Unsere Umgebung, die aus Felsen von dreihundert bis tausend Fuß Höhe bestand, war durchgehend vulkanischer Art. Die senkrechten Wände, die, aus dem Fluß hoch emporragend, das linke Ufer bildeten, zeigten ungeheure Trapp- und Trachytmassen; auf dem rechten Ufer dagegen reihten sich aneinander in mannigfaltigen Schattierungen buntfarbige Porphyrfelsen und grünlich schimmernder Obsidian; über diese hinaus ragten dann wieder die schwarzen, stufenförmig übereinanderliegenden Schichten von lavaartigem Basalt und Trapp. Auch Granit erblickte ich hin und wieder sowie Quarz in geringen Mengen und in den Bruchstücken des auf der Sandbank umherliegenden Trachytgerölls zahlreiche braune, aber nicht durchscheinende Granaten (Melanit).

Nach gewöhnlicher Weise brannten wir des Abends zur bestimmten Stunde die drei Signalraketen ab und spähten zugleich von den Höhen aus nach einer Antwort, doch vergeblich; nichts verriet uns die Nähe der längst erwarteten Hilfe, und etwas beunruhigt über das Geschick derselben, suchten wir die nächtliche Ruhe zwischen unseren mit Sand beschwerten Decken.

8. März. Den Versuch, den ich am frühen Morgen unternahm – zwischen den Felsen und dem Strom tiefer in die Schlucht hineinzuwandern –, mußte ich bald wieder aufgeben. Ich gelangte zwar um den nächsten Vorsprung herum, was ungefähr eine halbe Meile oberhalb des Lagers war, doch erreichte dort die Sandbank, die meinen Weg bildete, ihr Ende, und auf beiden Seiten erhoben sich die Felsen wieder unmittelbar aus dem Wasser, jedes weitere Vordringen auf dem Landweg abschneidend. Aber auch auf dem Wasserweg erblickte ich Schwierigkeiten und Hindernisse, die für die »Explorer« wohl zu mächtig gewesen wären und höchstens nur in einem leichten Ruderboot überwunden werden konnten.

An der letzten Ecke, von wo aus ich die südliche Öffnung des Cañons übersehen konnte, setzte ich mich nieder, um eine Skizze des als »Head of the navigation« (Ende der Schiffbarkeit) so wichtigen Punktes zu entwerfen, und wohl war es ein schönes Bild, das dort vor mir lag.

Die majestätischen Felsformationen am Colorado habe ich in diesem Werk schon so vielfach zu schildern versucht, daß ich es kaum noch wage, mich in Darstellungen zu ergehen, die notwendigerweise zuletzt als Wiederholungen erscheinen müssen. Wenn auch in der Wirklichkeit der Eindruck, den einander gleichende, ja sich scheinbar wiederholende Naturszenen auf das Gemüt zurücklassen, stets den Reiz der Frische und der Neuheit behält, so sind doch Worte zu arm, um von diesen auch nur annähernd ähnliche Wirkung erwarten zu dürfen. Und wenn es mir auch gelingt, die bis in den blauen Äther hinaufreichenden kolossalen Felswände, die, sich gleichsam zueinander hinneigend, dem wilden Strom ein enges, aber unerschütterliches Tor öffnen, zu verbildlichen – wie sollte ich wohl auf verständliche Weise die Gefühle beschreiben, die durch einen solchen Anblick geweckt werden? Es ist ja nicht nur das regungslose, aber majestätisch übereinandergetürmte Gestein, das zur Bewunderung hinreißt, sondern auch der sonnige Himmel, der sich darüber wölbt und grell kontrastiert mit den tiefen Schatten der Klüfte und senkrechten Abhänge.

An jenem Morgen, als ich zeichnend auf der Sandbank saß und die Blicke auf die Öffnung des Cañons richtete, wurde die schöne Aussicht auf liebliche Weise durch den Hintergrund vervollständigt, indem der weithin sichtbare Spiegel des Stroms, strahlend im Sonnenglanz und eingefaßt von lichtgrünen Weidenstreifen, sich in das von hohen Felsen umrahmte Bild hineindrängte; in weiter Ferne erhob sich, eingehüllt in duftiges Blau, der »Berg der Toten« mit all seinen Zacken und Türmen, und gerade unter demselben, auf falscher Flut, lag die kleine »Explorer«. Das Dampfboot verschwand gleichsam in seiner Umgebung, und wie ein Pünktchen erschien es gegenüber so gewaltigen Naturwerken.

Als ich meine Arbeit beendet hatte und mich zur Heimkehr ins Lager rüstete, schoß ich meine Büchse ab und erfreute mich an dem Echo, das anfangs den Knall mehrfach wiederholte, dann aber wie ein langgedehnter und allmählich schwindender Donner über dem Wasser hinrollte und den Windungen des Cañons sowie der Nebenschluchten folgte.

Sechs kurz hintereinander abgefeuerte Schüsse des Revolvers verstärkten die Wirkung des Echos auf zauberische Weise, doch als wir im Lager einen Schuß aus der Haubitze in die Schlucht hineinsandten, da schien es, als ob die Felsen in ihren Grundfesten erbebten und über uns hinstürzen wollten; Donner folgte auf Donner, je nachdem der Schall immer neue Schluchten erreichte und an den verschiedenen Felswänden abprallte. Auch mit Musik und Gesang versuchten wir es am Abend dieses Tages, den Widerhall zu wecken, und trotz unserer rauhen Stimmen klang es von der anderen Seite des Colorado nach jeder Strophe wie leiser Geisterruf zu uns herüber. Wir alle freuten uns, und mehrfach wurde die Bemerkung laut: »Wie schön wär' es hier, wenn wir nicht so hungern müßten!«

Am 9. März brach Lieutenant Ives endlich zu seiner Reise in den Cañon auf; wir alle hätten ihn gern begleitet, doch der Kahn war zu schwach und konnte überdies nur mit zwei Ruderern bemannt werden, weshalb es sich von selbst verstand, daß Lieutenant Ives als Kommandeur der Expedition die Fahrt allein unternahm. Mit etwas Lebensmitteln, Sextanten, Chronometer und Barometer versehen, von Kapitän Robinson und einem Bootsmann begleitet, empfahl sich also Lieutenant Ives. Wir wünschten ihm Glück zur Reise, und bald darauf verschwand das Boot hinter dem nächsten Felsvorsprung.

Das schöne Wetter, mehr aber noch der Wunsch, frisches Fleisch herbeizuschaffen, hatte bei den meisten unserer Leute die Jagdlust angeregt, doch erhielt wegen der Sicherheit nur ein kleiner Teil die Erlaubnis, sich zu entfernen. Daß dort von der Jagd nicht viel zu erwarten sei, hatten uns Iretéba und Navarupe schon mitgeteilt; sie selbst wanderten freilich auch zuweilen ins Gebirge, doch nur, um Eidechsen und große, fleischige Molche zu fangen, die sie mittels kleiner Stäbchen geschickt aus den Felsenritzen hervorzutreiben wußten. Sie brachten mir jedesmal ihre Beute, und ich zahlte ihnen für das, was mir wertvoll erschien, die beliebten weißen Perlen; die Tiere dagegen, die ich verschmähte, rösteten sie auf Kohlen und verzehrten sie danach als ganz besondere Leckerbissen.

Unsere Indianer befanden sich überhaupt bei der ganzen Expedition am wohlsten, denn während wir alle mehr oder weniger erkrankten, schien ihnen die Lebensweise vortrefflich zu behagen, und diese wich ja auch nicht von ihren eigenen Bräuchen und Gewohnheiten ab. An Vogelwild erbeutete ich an jener Stelle nur eine schöne Tauchente, doch beobachtete ich hin und wieder kleine Flüge von anderen Enten, die mit der Schnelligkeit eines Pfeils dicht über dem Spiegel des Stroms hinflogen, sowie auch rötlich gefärbte Falken, die hoch oben zwischen unzugänglichen Felsenzacken horsteten.

Die Jäger kehrten gegen Abend, wie vorherzusehen war, ohne die geringste Beute zurück, ja sie hatten nicht einmal Spuren von Wild erblickt und wußten nur von einer schrecklichen Felsenwildnis zu erzählen, in der sie während des ganzen Tages umhergeirrt waren. Nur der Schiffszimmermann, der überall nach Gold und Edelsteinen umhersuchte, brachte uns Proben von Gestein mit, die unsere Aufmerksamkeit erregten und die sowohl den Doktor wie mich veranlaßten, einige Tage später in derselben Richtung das Gebirge zu durchstreifen. Es waren dies nämlich Opale, wie sie in trachytischen Trümmern vorkommen, und Quarzkristalle, die bald als strahlenreiche Sterne, bald in Nestform lose an den Abhängen umhergelegen oder noch fest an dem vulkanischen Gestein gehaftet hatten.

10. März. Die Unruhe, die wir darüber empfanden, daß unsere Signale noch immer unbeantwortet blieben, vergrößerte sich mit jedem Tag. Uns allen war es nämlich nicht fremd, daß Lieutenant Tipton, der Kommandeur der Eskorte, trotz seines besten Willens hinsichtlich seiner Erfahrung der Stellung nicht gewachsen war, in der er sich zu jener Zeit befand. Zwar wußten wir den sehr erfahrenen und braven Peacock an seiner Seite, doch war nicht anzunehmen, daß der junge Offizier, der die in der Schule gewonnenen Vorurteile noch nicht abgestreift hatte, sich dem Rat einer ihm in mancher Beziehung weit überlegenen Zivilperson fügen würde. Was wir daher am meisten befürchteten, war ein durch Unvorsichtigkeit herbeigeführter Bruch der Soldaten mit den Eingeborenen, was besonders zu jener Zeit, wo alle Gemüter durch den Mormonenkrieg aufgeregt waren, notwendigerweise den Untergang der ganzen Expedition herbeiführen mußte. Wie nahe ein solcher Bruch mehrmals bevorstand, erfuhren wir später aus zuverlässiger Quelle, und es kann gewiß nicht gutgeheißen werden, daß zum Beispiel mit einer Pistole – glücklicherweise ohne zu treffen – auf mutwillige, ja ich gehe weiter und sage böswillige Indianer geschossen wurde, wo festes und wohlüberlegtes Einschreiten jedem ernsten Zusammenstoß am sichersten vorgebeugt hätte.

Da wir nicht lange in jener Lage bleiben durften, vor der Ankunft des Trains aber kein Entschluß gefaßt werden konnte, so sandten wir unseren dienstfertigen Iretéba zurück nach den Mohave-Dörfern im Cottonwood-Tal, um dort die neuesten Tagesereignisse für uns kennenzulernen.

Bei der Schnelligkeit, mit der nämlich Nachrichten, sogar unter verstreut lebenden Eingeborenen, teils durch Läufer,Der Brauch, wichtige Nachrichten durch Läufer zu befördern, hat sich bei den eingeborenen Stämmen von Nordamerika sowohl als von Südamerika aus dem grauesten Altertum bis auf den heutigen Tag erhalten. Je nach der Stufe der Kultur, aber auch der Bodengestaltung, finden wir die Art der Beförderung von Nachrichten bei den verschiedenen Völkern ausgebildet und organisiert. Während vor Jahrhunderten der erschöpfte peruanische Läufer auf der Kunststraße des Inkas dem an der Station harrenden Weiterbeförderer schon aus der Ferne die betreffenden Nachrichten zurief, wandert jetzt der Bewohner des Coloradotals mühsam auf gefährlichen Pfaden über zackige Gebirge oder benutzt, ähnlich den schwimmenden Postboten des unteren Rio de Guancabambo in Südamerika, den Strom als seine Straße. Bündel leicht schwimmender Binsen unterstützen den Coloradoboten, wie der leichte Holzblock den südamerikanischen Schwimmer. teils durch Signalfeuer verbreitet werden, glaubten wir jedenfalls erfahren zu können, ob und wann unser Train das südliche Tal der Mohave-Indianer erreicht habe. Iretéba, ein tüchtiger Fußgänger, legte die Reise zu den nördlichsten Dörfern in achtzehn Stunden zurück und überbrachte uns die Nachricht, daß unsere Gefährten noch nicht eingetroffen seien und daß man dies so genau wisse, weil am vorhergehenden Tag ein Läufer von Kairooks Dorf angelangt sei, der weder von Soldaten noch von langohrigen Pferden (Maultieren) etwas gewußt habe. Keine Nachricht war in diesem Fall auch eine Nachricht, und zwar eine solche, die etwas niederschlagend auf uns wirkte. Daß der Train wirklich Fort Yuma verlassen hatte, wußten wir schon seit geraumer Zeit, sogar der Tag der Abreise war uns durch Lieutenant Tipton in einem Brief von der Monumentbergkette aus bekanntgemacht worden; um so unerklärlicher mußte es uns also erscheinen, daß weder Train noch Nachrichten von diesem eintrafen.

Zugleich mit Iretéba langten noch vier andere Mohaves bei uns an; sie führten Fischergerätschaften mit sich und waren dieselben Leute, welche uns schon bei einer früheren Gelegenheit im Cottonwood-Tal mit Fischen versorgt und später nachzufolgen versprochen hatten. Da mir Lieutenant Ives zum Tauschhandel mit den Eingeborenen die von dem Gouvernement zu solchen Zwecken bestimmten Artikel zur Verfügung gestellt hatte, so wurde es mir nicht schwer, durch einige Streifen von weißem Baumwollzeug die Indianer zu immer erneuten Anstrengungen aufzumuntern, und es herrschte infolgedessen auf einige Tage ein Überfluß an Fischen in unserem Lager. Ich bemerkte indessen stets nur die beiden Spezies, die ich schon früher erwähnte, und erhielt ein Exemplar von solcher Größe, daß dieses allein schon reichte, unsere ganze Mannschaft mit einer Mahlzeit zu versorgen.

Diese Abwechslung auf unserem Tisch war besonders dem menschenfreundlichen Doktor willkommen, der seine antiskorbutischen Mittel fast ganz erschöpft hatte und daher jede Gelegenheit, die sich zu einer Veränderung in unserer Lebensweise bot, begrüßte.

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