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Reise um den Mond

Jules Verne: Reise um den Mond - Kapitel 6
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typefiction
authorJules Verne
titleReise um den Mond
publisherA. Hartleben's Verlag
year1874
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Fünftes Capitel

Die Kälte des Weltraums.

Diese Enthüllung war ein Donnerschlag. Wer hätte sich auch eines solchen Rechenfehlers versehen? Barbicane wollte nicht daran glauben. Nicholl revidirte seine Ziffern. Sie waren genau. Die Richtigkeit der Formel, worauf die Rechnung beruhte, ließ sich nicht bezweifeln, und eine wiederholte Prüfung ergab als ausgemacht, daß eine Anfangsgeschwindigkeit von sechzehntausendfünfhundertfünfundsiebenzig Meter in der ersten Secunde nothwendig war, um den neutralen Punkt zu erreichen.

Die drei Freunde sahen sich schweigend an. An Frühstück kein Gedanke. Barbicane schaute mit verbissenen Lippen, gerunzelter Stirne, krampfhaft geballter Faust durch die Fensterlucke. Nicholl kreuzte die Arme, und prüfte seine Berechnung. Michel Ardan brummte:

»Da seht mir diese Gelehrten! Sie haben nie Andere gescheit gemacht! Ich gäb' zwanzig Pistolen darum, wenn wir auf das Observatorium zu Cambridge fielen und es sammt allen Ziffernpfuschern drinnen zertrümmerten!«

Plötzlich richtete der Kapitän eine Bemerkung direct an Barbicane. »Jetzt ist es, sagte er, um sieben Uhr frühe. Wir sind also schon zweiunddreißig Stunden unterwegs. Ueber die Hälfte unserer Fahrt ist gemacht, und soviel ich wüßte, fallen wir nicht!«

Barbicane schwieg. Aber nach einem raschen Blick auf den Kapitän ergriff er einen Compaß, der ihm zum Messen des Winkelabstands des Erdballs diente. Darauf stellte er durch das Bodenfenster eine sehr genaue Beobachtung an, in Betracht der scheinbaren Unbeweglichkeit des Projectils. Dann stand er auf, trocknete den perlenden Schweiß von seiner Stirne und warf einige Ziffern auf's Papier. Nicholl begriff, daß der Präsident beschäftigt war, aus dem Maß des Erddurchmessers die Entfernung des Projectils von der Erde zu berechnen. Er sah ihm gespannt zu.

»Nein! rief Barbicane nach einigen Augenblicken, wir sind nicht im Fallen begriffen! Wir sind schon über fünfzigtausend Lieues von der Erde entfernt! Wir sind schon über den Punkt hinaus, wo das Projectil hätte stille stehen müssen, wenn seine Geschwindigkeit bei der Abfahrt nur elftausend Meter betragen hätte! Wir fahren immer noch aufwärts!«

– »'s ist offenbar, erwiderte Nicholl, und es ist daraus abzunehmen, daß unsere Anfangsgeschwindigkeit durch die Wirkung der viermalhunderttausend Pfund Schießbaumwolle die geforderten elftausend Meter überstieg. Daraus erkläre ich mir, daß wir schon nach dreizehn Minuten dem zweiten Trabanten begegneten, dessen Bahn über zweitausend Lieues von der Erde entfernt ist.

– Und diese Erklärung ist um so wahrscheinlicher, fügte Barbicane hinzu, als das Projectil, nachdem das zwischen den Verschlägen befindliche Wasser hinausgetrieben war, plötzlich an Gewicht um ein Beträchtliches leichter wurde.

– Richtig! sagte Nicholl.

– Nun! mein wackerer Nicholl, rief Barbicane, dann sind wir gerettet!

– Nun denn, versetzte ruhig Michel Ardan, da wir gerettet sind, machen wir uns an's Frühstück.«

Wirklich, Nicholl irrte sich nicht. Die Anfangsgeschwindigkeit war zum Glück höher gewesen, als das Observatorium zum Cambridge angegeben hatte, aber dieses hatte sich ebenfalls nicht geirrt.

Als die Reisenden sich von dem falschen Schrecken erholt hatten, begaben sie sich zu Tische und frühstückten lustig. Man speiste reichlich, und sprach noch mehr. Die Zuversicht nach »dem Zwischenfall der Algebra« war größer, wie zuvor.

»Warum sollten wir nicht Erfolg haben?« fragte wiederholt Michel Ardan. »Warum sollten wir nicht ankommen? Wir befinden uns auf der Fahrt ohne Hinderniß vor uns, ohne Steine auf dem Weg. Die Bahn ist frei, freier als die des Schiffs, welches mit den Wellen zu kämpfen, freier als der Ballon, der mit den Winden zu ringen hat! Wenn nun ein Schiff ankommt, wohin es segelt; wenn ein Ballon aufsteigt, wo es ihm beliebt, warum sollte unser Ballon nicht an dem beabsichtigten Ziel anlangen?

– Er wird dasselbe erreichen«, sagte Barbicane.

»Und wär' es auch nur, um das amerikanische Volk zu ehren, fügte Michel bei, das einzige Volk, welches im Stande war, eine solche Unternehmung gut auszuführen, das einzige, das einen Präsidenten Barbicane hervorbringen konnte! Ach! ich denke, da wir nicht mehr darüber in Unruhe zu sein brauchen, was aus uns werden wird, werden wir uns königlich langweilen!«

Barbicane und Nicholl gaben mit einem Wink ihre Nichteinstimmung zu erkennen.

– Aber ich habe schon dafür gesorgt, meine Freunde, fuhr Michel fort. Sie brauchen sich nur auszusprechen. Schach, Damenbret, Karten, Domino stehen zu Diensten! Nur ein Billard fehlt!

– Wie? Solch Spielzeug hast Du mitgenommen?

»Allerdings, erwiderte Michel, und zwar nicht allein zu unserm Zeitvertreib, sondern auch in der löblichen Absicht, die Wirthshäuser der Seleniten damit auszustatten.«

– »Mein Freund, sagte Barbicane, wenn der Mond Bewohner hat, so sind diese schon einige tausend Jahre vor den Erdbewohnern zum Dasein gekommen, denn es ist nicht daran zu zweifeln, daß dies Gestirn älter als das unserige ist. Wenn also Seleniten seit Hunderttausenden von Jahren existiren, wenn ihr Gehirn gleich dem des Menschen organisirt ist, so haben sie alle Erfindungen, die wir bis jetzt gemacht haben, bereits selbst gemacht, und noch jene dazu, die wir in den folgenden Jahrhunderten machen werden. Sie haben nichts von uns zu lernen, wir dagegen von ihnen.

– Wie? erwiderte Michel, Du meinst, sie hätten Künstler gehabt, wie Phidias, Michel Angelo oder Raphael?

– Ja.

– Dichter, wie Homer, Virgil, Milton, Göthe, Schiller, Lamartine, Hugo.

– Ganz gewiß.

– Philosophen wie Plato, Aristoteles, Descartes, Kant?

– Ohne Zweifel.

– Gelehrte wie Archimedes, Euklides, Pascal, Newton?

– Darauf wollt' ich schwören.

– Komiker wie Arnal, und Photographen wie ... Nadar?

– Ich bin's überzeugt.

– Dann aber, Freund Barbicane, wenn die Seleniten uns darin gleich sind und sogar übertreffen, warum haben sie nicht versucht, sich mit der Erde in Verkehr zu setzen? Warum haben sie nicht ein Projectil vom Mond zur Erde entsendet?

– Wer sagt Dir denn, daß sie's nicht gethan haben? erwiderte Barbicane ernst.

– In der That, fügte Nicholl bei, war dies für sie leichter, als für uns, aus zwei Gründen: erstens weil auf der Oberfläche des Mondes die Anziehungskraft sechsmal geringer ist, als auf der Erdoberfläche, weshalb ein Projectil leichter aufsteigen kann; zweitens, weil man es nur achttausend Lieues anstatt achtzigtausend zu schleudern braucht, was eine zehnmal geringere treibende Kraft erforderlich macht.

– Dann, fuhr Michel fort, frage ich nochmals: Warum haben sie's noch nicht gethan?

– Und ich wiederhole, versetzte Barbicane: Wer sagt Dir, daß sie's noch nicht gethan haben?

– Wann?

– Es sind Jahrtausende verflossen, ehe der Mensch auf der Erde auftrat.

– Und die Kugel? Wo ist eine solche? Die möcht' ich sehen!

– Mein Freund, erwiderte Barbicane, fünf Sechstel unserer Erdkugel sind mit Meer bedeckt. Daher giebt's fünf triftige Gründe, anzunehmen, daß, wenn ein Projectil vom Mond abgeschleudert wurde, dasselbe jetzt im Grunde des Meeres, des Atlantischen oder des Stillen, versenkt steckt, sofern es nicht zur Zeit, als die Erdrinde noch nicht völlig sich gebildet hatte, in eine Spalte hinein gedrungen ist.

– Mein werther Barbicane, erwiderte Michel, Du hast auf Alles eine Antwort, und ich verbeuge mich vor Deiner Weisheit. Doch schmeichelt mir eine Annahme vor allen anderen; nämlich daß die Seleniten, die doch älter als wir sind, nicht das Pulver erfunden haben!«

In diesem Augenblick mischte sich Diana mit lautem Bellen in die Unterhaltung. Sie verlangte ihr Frühstück.

»Ueber diesem Disputiren, sagte Michel Ardan, vergessen wir Diana und Trabant.«

Und sogleich wurde dem Thiere ein ansehnliches Gericht bereitet, das mit Heißhunger verschlungen wurde.

»Siehst Du, Barbicane, sagte Michel, wir hätten aus diesem Projectil eine Arche Noë machen, und von allen Hausthieren ein Paar mitnehmen sollen!«

– Allerdings, erwiderte Barbicane, aber es mangelte dafür an Raum.

– Richtig! sagte Michel, und rückte etwas näher bei.

– Unstreitig, erwiderte Nicholl, würden Ochse, Kuh, Pferd, alle Wiederkäuer uns auf dem Mond sehr nützlich sein. Leider konnte dieser Waggon nicht zu einem Stall werden.

– Aber wenigstens, sagte Michel Ardan, hätten wir einen Esel mitnehmen können, nur ein kleines Thier, so muthig und geduldig, wie das, worauf der alte Silenus so gerne ritt! Ich bin ein Freund dieser armen Esel! Diese Thiere sind wohl in der ganzen Schöpfung am meisten zurückgesetzt. Man behandelt sie nicht nur bei Lebzeiten mit Schlägen, sondern auch noch nach dem Tod!

– Wie so? fragte Barbicane.

– Weil man, sagte Michel, aus ihrer Haut Trommelfelle macht.

– Barbicane und Nicholl konnten sich bei dieser abgeschmackten Bemerkung des Lachens nicht erwehren. Aber ein Schrei ihres munteren Genossen stimmte sie anders.

Derselbe hatte sich über Trabant's Lager gebückt, und richtete sich auf mit den Worten:

»Gut! Trabant ist nicht mehr krank.«

– »Ach! sagte Nicholl.

– Nein, fuhr Michel fort, er ist verendet. Das ist, fuhr er kläglich fort, doch bedauerlich. Ich fürchte sehr, arme Diana, daß Du auf dem Mondgebiet keine Sprößlinge mehr bekommen wirst!«

Wirklich hatte der unglückliche Trabant seine Wunden nicht zu überleben vermocht. Er war mausetodt. Michel Ardan blickte verstört seine Freunde an.

»Nun tritt die Frage ein, sagte Barbicane, was sollen wir in den achtundvierzig Stunden, die wir noch haben, mit dem Hund anfangen?«

– Wir können ihn allerdings nicht bei uns behalten, erwiderte Nicholl, aber unsere Fensterlucken, deren Läden mit Charnieren geschlossen sind, lassen sich öffnen. Wir machen eine auf und werfen den Leichnam hinaus.

Der Präsident überlegte eine Weile, dann sagte er: »Ja, das müssen wir thun, aber mit äußerster Vorsicht.«

– Weshalb? fragte Michel.

– Aus zwei Gründen, die Dir einleuchten werden, erwiderte Barbicane. Erstens, von der im Projectil enthaltenen Luft darf so wenig wie möglich entweichen.

– Aber wir erneuern ja diese Luft!

– Nur zum Theil. Wir ergänzen nur den Sauerstoff, lieber Michel, – und in dieser Hinsicht haben wir aufzupassen, daß unser Apparat denselben nicht so reichlich liefere, denn dieses Uebermaß würde in bedenklicher Weise Störungen unseres Gesundheitszustands herbeiführen. Aber den Stickstoff erneuern wir nicht, welchen die Lungen nicht einathmen, und der vollständig bleiben muß. Dieser Stickstoff nun würde durch die Lucken rasch entweichen.

– O! es ist Zeit, den armen Trabant hinauszuwerfen, sagte Michel.

– Ich stimme bei, aber verfahren wir rasch.

– Und der zweite Grund? fragte Michel.

– Zweitens darf die außen befindliche, äußerst große Kälte nicht in das Projectil dringen, wollen wir nicht erfrieren.

– Doch, die Sonne ...

– Die Sonne wärmt wohl unser Projectil, das ihre Strahlen aufsaugt, aber nicht den leeren Raum, in welchem wir uns eben bewegen. Wo keine Luft ist, ist auch ebenso wenig Wärme als Licht verbreitet, und da, wohin die Sonnenstrahlen nicht direct fallen, ist's ebenso kalt wie dunkel. Diese Temperatur ist daher nicht höher, als die von den Strahlen der Sterne herrührende, d.h. diejenige, welche der Erdball haben würde, wenn die Sonne nur einen Tag erlöschte.

– Das ist aber nicht zu fürchten, versetzte Nicholl.

– Wer weiß? sagte Michel Ardan. Uebrigens, geben wir auch zu, daß die Sonne nicht erlösche, ist's nicht möglich, daß die Erde sich von ihr entferne?

– Gut! sagte Barbicane, das sind wieder Michel's Ideen!

– So! fuhr Michel fort, ist's nicht bekannt, daß die Erde im Jahre 1861 durch den Schweif eines Kometen gegangen ist? Denken wir uns nun einen Kometen von größerer Anziehungskraft, als die der Sonne ist, so wird die Bahn der Erde sich nach dem Wandelstern hin ausbiegen, und die Erde wird so weit als sein Trabant hinweggezogen werden, daß die Sonnenstrahlen nicht mehr auf ihre Oberfläche einwirken können.

– Das könnte wohl wirklich geschehen, erwiderte Barbicane, aber die Folgen einer solchen Aenderung in der Bahn möchten wohl nicht so fürchterlich sein, als Du annimmst.

– Und warum?

– Weil dann immer noch auf unserem Erdball Kälte und Wärme sich im Gleichgewicht halten würden. Man hat ausgerechnet, daß, wenn die Erde im Jahre 1861 vom Kometen wäre mit fortgezogen worden, sie bei seiner weitesten Entfernung von der Sonne nicht eine sechzehnfach größere Wärme empfunden haben würde, als die ist, welche wir vom Monde bekommen, welche im Brennpunkt der stärksten Linsen concentrirt, durchaus keine merkbare Wirkung äußert.

– Nun? sagte Michel.

– Warte ein wenig, erwiderte Barbicane. Man hat auch berechnet, daß bei seiner Sonnennähe, seinem der Sonne am nächsten kommenden Stand, die Erde eine achtundzwanzigtausendfach größere Hitze auszustehen haben würde, als in unserem Sommer. Aber diese Hitze, welche die Erdstoffe zu Glas zerschmelzen und die Gewässer in Dunst aufzulösen fähig sein würde, hätte einen dicken Ring von Gewölk gebildet, welches die übermäßige Hitze gemindert haben würde. Daraus ergiebt sich eine Ausgleichung zwischen der Kälte der Sonnenferne und der Hitze der Sonnennähe, und ein vermuthlich erträgliches Mittelmaß.

– Aber wie hoch schätzt man die Temperatur der Planetenräume? fragte Nicholl.

– Früher, erwiderte Barbicane, hielt man diese Temperatur für äußerst niedrig. Indem man das wachsende Sinken des Thermometers berechnete, rechnete man Millionen von Graden unter Null heraus. Fourier, ein Landsmann Michel's und berühmter Gelehrter der Akademie der Wissenschaften, hat diese Zahlen auf richtigere Maße zurückgeführt. Ihm zufolge sinkt die Temperatur des Weltraums nicht unter sechzig Grad herab.

– Pöh!

– Das ist, fuhr Barbicane fort, ungefähr die in den Polargegenden, auf der Insel Melville oder auf dem Fort Reliance, beobachtete Temperatur, nämlich sechsundfünfzig hunderttheilige Grad unter Null.

– Es bleibt noch zu beweisen, sagte Nicholl, daß Fourier sich nicht bei seinen Schätzungen geirrt hat. Irre ich nicht, so schätzt ein anderer Franzose, Pouillet, die Temperatur des Raumes auf hundertundsechzig Grad unter Null. Darüber wollen wir das Richtige feststellen.

– Nicht in diesem Augenblick, erwiderte Barbicane, denn die direct auf unser Thermometer wirkenden Sonnenstrahlen würden im Gegentheil eine sehr hohe Temperatur ergeben. Aber wenn wir auf dem Mond angekommen sind, während der vierzehntägigen Nächte, welche abwechselnd auf seiner Oberfläche stattfinden, werden wir Zeit genug haben, dieses Experiment zu machen, denn unser Trabant bewegt sich im leeren Raum.

– Aber was verstehst Du unter leer? fragte Michel, giebt's etwas absolut Leeres?

– Der von Luft absolut leere Raum.

– Und worin nichts anderes die Luft ersetzt hat?

– Ja. Der Aether, erwiderte Barbicane.

– Ach! Aether, was ist das?

– Aether ist eine Masse unwägbarer Atome, welche bezüglich ihrer Dimensionen, sagen die Lehrbücher der Molecularphysik, ebenso von einander getrennt sind, wie die Himmelskörper im Weltraum. Ihr Abstand von einander beträgt jedoch nicht ganz ein drei Milliontheil eines Millimeters. Diese Atome bringen durch ihre Schwungbewegung das Licht und die Wärme hervor, indem sie in einer Secunde vierhundertunddreißig Trillionen Schwingungen machen, bei einer Größe von vier bis sechs Zehntausendtheilen eines Millimeters.

– Milliarden von Milliarden! rief Michel Ardan; man hat also diese Schwingungen gemessen und gezählt! Das Alles, Freund Barbicane, sind Ziffern der Gelehrten, welche das Ohr in Schrecken setzen und dem Geist nichts sagen.

– Man muß doch gut ziffern können ....

– Nein! Besser ist vergleichen. Eine Trillion bedeutet Nichts. Ein Vergleichungsgegenstand sagt Alles. Zum Beispiel: Wenn Du mir noch so oft vorsagst, der Massengehalt des Uranus sei sechsundsiebenzigmal so groß, als der der Erde, die Masse Saturn's sei neunhundertmal größer, Jupiter's dreizehnhundertmal, der Sonne dreizehntausendmal, so bin ich damit nicht viel weiter. Auch ziehe ich die alten Vergleichungen des Double Liégeois weit vor, der ganz einfach aussagt: »Die Sonne ist ein Kürbis von zwei Fuß Durchmesser, Jupiter eine Orange, Saturn ein Api-Apfel, Neptun eine kleine Süßkirsche, Uranus eine dicke Kirsche, die Erde eine Erbse, Mars ein dicker Stecknadelskopf, Merkur ein Senfkorn, Juno, Ceres, Vesta, Pallas bloße Sandkörner! Man weiß wenigstens, woran man sich halten soll!«

Nach diesem Ausfall Michel Ardan's gegen die Gelehrten, und diese Trillionen, welche sie in einem Augenblick an einander reihen, schritt man zur Bestattung Trabant's. Es handelte sich darum, den Leichnam hinauszuwerfen, wie die Matrosen es auf dem Meere machen. Doch, wie Barbicane anempfohlen hatte, verfuhr man dabei rasch, um so wenig Luft als möglich dabei zu verlieren, die durch ihre Elasticität reißend schnell entwichen wäre. Die Bolzen der Oeffnung auf der rechten Seite, die etwa dreißig Centimeter maß, wurden sorgfältig abgeschraubt, indeß Michel in voller Betrübniß den Hund zum Hinauswerfen fertig machte. Die Fensterscheibe, durch einen starken Hebel in Bewegung gesetzt, der den Druck der inneren Luft überwand, drehte sich rasch vermittelst seiner Charnière, und Trabant flog hinaus. Es entwichen kaum einige Elementartheilchen Luft, und es ging dabei so rasch her, daß Barbicane später kein Bedenken hatte, sich auf diese Weise noch anderer unnützer Trümmer zu entledigen.

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