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Reise durch die Sonnenwelt - Erster Band

Jules Verne: Reise durch die Sonnenwelt - Erster Band - Kapitel 10
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titleReise durch die Sonnenwelt ? Erster Band
authorJulius Verne
publisherA. Hartleben's Verlag.
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Zehntes Kapitel

Worin man mit dem Fernrohr vor dem Auge und der Sonde in der Hand einige Spuren der Provinz Algier wiederzufinden sucht.

Die auf den Werften der Insel Wight bewundernswert solid gebaute Dobryna war ein Schiff von 200 Tonnen, das zu einer solchen Rundfahrt mehr als ausreichend erschien. Weder Kolumbus noch Magellan besaßen so große und verläßliche Fahrzeuge, als sie sich über den Atlantischen und den Pazifischen Ozean hinauswagten. Dazu barg die Dobryna in der Kombüse Lebensmittel für mehrere Monate, weshalb sie leicht auch rings um das ganze Mittelmeer fahren konnte, ohne unterwegs Proviant einnehmen zu müssen. Hier sei auch bemerkt, daß es sich als unnötig erwies, bei der Insel Gourbi die Menge des Ballastes zu vergrößern.

Wenn die Goëlette auch seit der Katastrophe, ebenso wie alle materiellen Gegenstände, wesentlich weniger wog, so war doch auch das Wasser um ebensoviel leichter und folglich minder tragfähig geworden. Bei dem Gleichbleiben des Verhältnisses beider Gewichte segelte die Dobryna also auch jetzt unter den nämlichen nautischen Bedingungen.

Graf Timascheff selbst war nicht Seemann. Die Führung, wenn auch nicht das Kommando der Goëlette, lag in Leutnant Prokops Händen.

Dieser Leutnant, ein Mann von dreißig Jahren, war als Sohn eines lange vor dem berühmten Ukas des Kaisers Alexander freigelassenen Leibeignen auf einem Gute des Grafen geboren und hing aus Dankbarkeit, ebenso wie aus Freundschaft, mit Leib und Seele an seinem früheren Herrn. Am Bord verschiedener Kriegs- und Handelsschiffe zum ausgezeichneten Seemann ausgebildet, trat er mit dem Leutnantspatent in der Tasche auf der Dobryna ein. An Bord dieser Goëlette verlebte Graf Timascheff den größten Teil des Jahres auf Seereisen, kreuzte während des Winters hier- und dorthin über das Mittelmeer und besuchte im Sommer die Meere des Nordens.

Leutnant Prokop war, auch außerhalb seines eigentlichen Faches, ein sehr unterrichteter Mann. Er machte Graf Timascheff, ebenso wie sich selbst, dadurch alle Ehre, daß er sich eine seines hohen Gönners vollkommen würdige Ausbildung erworben hatte. Besseren Händen konnte die Dobryna gar nicht anvertraut werden. Auch die Mannschaft verdiente alles Lob. Sie bestand aus dem Mechaniker Tiglew, den vier Matrosen Niegoch, Tolstoy, Etkef und Panofka, und dem Koche Mochel, lauter Söhne von Zinsbauern des Grafen, der auch auf dem Meere den Traditionen der großen russischen Familien treu blieb. Die Seeleute ließen sich wegen der Störung der physikalischen Weltordnung kein graues Haar wachsen, sobald sie wußten, daß ihr angeborener Herr dasselbe Los mit ihnen teilte.

Leutnant Prokop war freilich sehr unruhig und sagte sich, daß mit Graf Timascheff im Grunde dasselbe der Fall sei.

Die Dobryna steuerte unter Dampf und Segel den Kurs West-Ost und mußte bei dem sehr günstigen Winde ohne Zweifel mindestens elf Knoten in der Stunde zurücklegen, wenn die hohen Wellen nicht jeden Augenblick diese Schnelligkeit »gebrochen« hätten.

Obwohl der aus Westen – jetzt dem neuen Osten – herwehende Wind höchstens den Namen einer guten Brise verdiente, so ging das Meer, wenn auch nicht übermäßig hoch, doch ziemlich beträchtlich. Die Ursache ist leicht einzusehen. Die infolge der verminderten Attraktion der Masse der Erde weit leichteren Wassermoleküle erhoben sich durch einen einfachen Effekt der Oszillation zu ganz enormer Höhe. Arago, der das Maximum der Elevation für die höchsten Wogen zu sieben bis acht Meter ansetzte, würde sie hier zu seiner größten Verwunderung bis zu fünfzig oder sechzig Fuß haben ansteigen sehen. Und das waren noch nicht einmal Brandungswellen, die gegeneinander stoßend oft hoch aufspringen, sondern langgestreckte Wasserberge, welche die Goëlette bisweilen mit einer Niveaudifferenz von zwanzig Metern hoben und senkten. Die seit der Abnahme der Schwerkraft ebenfalls verhältnismäßig leichtere Dobryna tanzte ordentlich auf und nieder, und wenn Kapitän Servadac zur Seekrankheit inkliniert hätte, wäre er unter diesen Verhältnisse gewiß ganz jämmerlich gequält worden.

Übrigens traten diese Niveauunterschiede auch nicht so schnell und stoßend auf, da sie nur von einer Art sehr gestreckter hohler See herrührten. Die Goëlette arbeitete dabei nicht mehr, als ob sie gegen die im allgemeinen so kurzen und harten Wellen des Mittelmeeres kämpfte. Das einzige Unbequeme des jetzigen Zustandes der Dinge lag vor allem in der verminderten Fahrgeschwindigkeit des Schiffes.

In einer Entfernung von zwei bis drei Kilometern folgte die Dobryna einer Linie, welche etwa der algerischen Küste entsprechen mußte. Nach Süden hin zeigte sich kein Land. Obwohl Leutnant Prokop nicht im Stande war, den wirklichen Ort der Goëlette durch Planetenbeobachtungen zu ermitteln, da die gegenseitigen Stellungen jener Sterne gestört waren, und obwohl er also kein Besteck machen, d. h. die geographische Länge und Breite durch Berechnung des Höhenstandes der Sonne über dem Horizonte nicht bestimmen konnte und die Resultate einer solchen Berechnung überdies nur nutzlos in die vor dem neuen kosmographischen System bearbeiteten Karten eingetragen worden wären, so ließ sich der Kurs der Dobryna doch mit annähernder Genauigkeit bestimmen. Einesteils reichte für diese beschränkte Seefahrt hierzu die mittels der Logleine zu erlangende Schätzung des durchlaufenen Weges aus, anderenteils sicherten ihn die ganz genauen Angaben des Kompasses.

Glücklicherweise zeigte letzterer keinen Augenblick eine Störung oder Mißweisung. Die kosmischen Phänomene blieben ohne Einfluß auf die Magnetnadel, welche den magnetischen Nordpol noch immer in derselben Richtung, zweiundzwanzig und einen halben Grad vom nördlichen Pole der Welt, markierte. Waren also Ost und West eines an die Stelle des anderen getreten, so hatten doch Nord und Süd ihre Stellung unter den Kardinalpunkten des Horizontes unverrückt beibehalten. Auch ohne die, wenigstens vorläufig unmögliche Benutzung des Sextanten konnte man sich also mit den Angaben des Kompasses und der Logleine begnügen.

Im Laufe des ersten Reisetages erklärte Leutnant Prokop, der in diesen Dingen natürlich mehr Kenntnisse hatte als der französische Stabsoffizier, in Gegenwart des Grafen Timascheff diese verschiedenen Einzelheiten. Er sprach, wie die Russen meistens, vollkommen französisch. Die Unterhaltung wendete sich erklärlicher Weise den Erscheinungen zu, deren letzte Ursache dem Leutnant Prokop freilich ebenso unbekannt war wie unserem Kapitän. Vorzüglich handelte es sich dabei um die neue Bahn, welche die Erdkugel seit dem ersten Januar eingeschlagen hatte.

»Es liegt auf der Hand, Kapitän«, sagte Leutnant Prokop, »daß die Erde, welche eine uns unbekannte Ursache der Sonne nicht unbedeutend genähert, ihre alte Bahn um jene nicht mehr beschreibt.«

»Davon bin ich fest überzeugt«, erwiderte Kapitän Servadac; »doch jetzt ist es von besonderem Interesse, zu wissen, ob wir nach Durchschneidung der Bahn der Venus auch noch die des Merkur passieren werden.«

»Um zum Schluß auf die Sonne zu stürzen und dort elend zugrunde zu gehen«, setzte Graf Timascheff hinzu.

»Das wäre demnach ein Fallen, ein entsetzliches Fallen!« rief Kapitän Servadac.

»Nein, nein«, bemerkte da Leutnant Prokop, »ich glaube versichern zu können, daß die Erde augenblicklich nicht von einem solchen Sturze bedroht ist. Sie bewegt sich nicht geradlinig nach der Sonne, sondern beschreibt unzweifelhaft eine neue Bahn rund um dieselbe.«

»Kannst du für diese Hypothese Beweise beibringen?« fragte Graf Timascheff.

»Ja, Vater«, erwiderte Leutnant Prokop, »und einen Beweis, der dich überzeugen wird. Wenn die Erdkugel nämlich im Fallen begriffen wäre, so stände auch die endliche Katastrophe sehr nahe bevor und wir müßten dem Zentrum der Attraktion schon sehr nahe sein. Wenn es ein Fallen wäre, so müßte die Tangentialkraft, welche in Verbindung mit der Anziehungskraft der Sonne die Planeten in ihre elliptischen Bahnen um letztere zwingt, augenblicklich aufgehoben worden sein, und unter dieser Bedingung würde die Erde nur vierundsechzig und einen halben Tag brauchen, um auf die Sonne zu fallen.«

»Und Sie folgern aus dem allen? ...« fragte Kapitän Servadac.

»Daß wir eben sicher nicht im Fallen sind«, erklärte Leutnant Prokop. »Bedenken Sie, daß die Erdbahn schon einen ganzen Monat geändert und die Erdkugel doch noch kaum an der Venus vorübergekommen ist. Sie hat sich in diesem Zeitraume der Sonne also nur um sechs Millionen von den etwa zwanzig Millionen Meilen, dem Halbmesser der Erdbahn, genähert. Wir haben also alle Ursache, die jetzige Bewegung der Erde nicht als ein Fallen aufzufassen. Gewiß ist das ein Glück zu nennen. Übrigens glaube ich sogar, daß wir uns wieder von der Sonne zu entfernen anfangen, denn die Temperatur hat sich allmählich vermindert, und die Hitze auf der Insel Gourbi erscheint nicht bedeutender, als sie es auch in Algier sein würde, wenn dieses noch unter dem sechsunddreißigsten Breitengrade läge.«

»Ihre Schlußfolgerungen sind ohne Zweifel richtig, Leutnant«, stimmte Kapitän Servadac diesen Ausführungen bei. »Nein, die Erde ist nicht auf die Sonne gestürzt worden, sondern kreist noch immer um diese.»«

»Nicht minder sichtbar ist aber«, fügte Leutnant Prokop hinzu, »daß infolge der Umwälzung, nach deren Grunde wir vergeblich forschen, das Mittelmeer samt dem anliegenden Küstenstriche Afrikas plötzlich in die äquatoriale Zone versetzt wurde.«

»Wenn es noch afrikanische Küstenländer gibt«, sagte Kapitän Servadac.

»Und überhaupt noch ein Mittelmeer«, vervollständigte Graf Timascheff.

Wie viele Fragen tauchten da wohl auf! Jedenfalls schien es zur Zeit festzustehen, daß die Erde sich nach und nach von der Sonne entfernte und daß ein Fall auf das Zentrum der Attraktion nicht zu befürchten sei.

Was war aber von jenem afrikanischen Kontinente übrig, dessen Reste die Goëlette zu entdecken suchte?

Vierundzwanzig Stunden nach der Abfahrt von der Insel hatte die Dobryna offenbar die Punkte passiert, an denen längs der Küste Algiers Tenez, Chercell, Koleah und Sidi-Ferruch liegen mußten, ohne daß eine dieser Städte auch mittels des Fernrohres zu entdecken gewesen wäre. Unbegrenzt wälzte das Meer auch da seine Wogen hin, wo ihnen sonst der Festlandswall ein Halt! gebot.

Bezüglich des von der Dobryna gesteuerten Kurses konnte Leutnant Prokop sich nicht wohl täuschen. Unter Berücksichtigung der Kompaßangaben, der ziemlich gleichbleibenden Richtung der Winde, ferner der mittels Log bestimmten Schnelligkeit der Geölette und der gleichzeitig wirklich durchlaufenen Strecke konnte er an diesem Tage annehmen, daß das Schiff sich unter 36° 47' der Breite und 20° 44' östlicher Länge von Ferro, d. h. an der Stelle befinde, wo die Hauptstadt Algiers zu suchen war.

Die Stadt Algier aber, ebenso wie Tenez, Cherchell, Koleah und Sidi-Ferruch, war ebenfalls in der Tiefe verschwunden.

Mit gerunzelter Stirne und zusammengepreßten Lippen richtete Kapitän Servadac die wild aufflammenden Augen über das Meer, welches sich über den unbegrenzten Horizont hinaus erstreckte. Alle Erinnerungen seines Lebens tauchten wieder in ihm auf. Sein Herz klopfte zum Zerspringen. Hier, an der Stelle der Stadt Algier, in der er einst mehrere Jahre verlebte, traten die Bilder seiner Freunde, die nun nicht mehr waren, vor seine Seele. Sein Gedanke schweifte weiter nach der Heimat, nach Frankreich. Er fragte sich, ob die furchtbare Erdrevolution nicht auch dort verheerend aufgetreten sein möge. Dann suchte er in der Tiefe des Wassers einige Spuren der verschlungenen Hauptstadt zu entdecken.

»Nein«, rief er verzweifelt, »eine solche Katastrophe ist doch reinweg unmöglich! Eine Stadt verschwindet doch nicht im Handumdrehen mit Mann und Maus! Es müßten doch wenigstens einige Trümmer umherschwimmen. Von der Kasbah, von dem hundertfünfzig Fuß hohen Fort Empereur würde doch eine Spitze das Wasser überragen! Und wenn nicht ganz Afrika tief in die Eingeweide der Erde verschlungen wurde, müssen wir doch einige Spuren desselben wiederfinden!«

Es erschien in der Tat auffallend, daß kein Trümmerstück auf dem Meere schwamm, kein entwurzelter oder gebrochener Baum, dessen Äste doch fortgetrieben wären, keine Planke von den vielen Fahrzeugen in der prächtigen, zwanzig Kilometer langen Bai, die sich noch vor einem Monat zwischen Kap Matifou und der Landspitze Pescade erstreckte.

Wenn das Auge aber nur über die Meeresoberfläche Aufschluß gab, konnte man dann nicht eine Sonde benutzen und mit deren Hilfe irgendein Überbleibsel der auf so sonderbare Weise verschwundenen Stadt zu erlangen suchen?

Graf Timascheff, der Kapitän Servadacs Gemüt von jedem Zweifel entlasten wollte, gab Befehl zu sondieren. Das Bleigewicht sank in die Tiefe.

Zur größten Verwunderung aller und vorzüglich zum größten Erstaunen Leutnant Prokops wies die Sonde einen Grund von fast konstantem Niveau und nur in fünf bis sechs Faden Tiefe nach. Zwei Stunden lang ward diese Sonde über eine weite Strecke dahingeschleppt und verriet dabei doch niemals nur andeutungsweise jene Niveauunterschiede, wie sie eine Stadt wie Algier, die wie ein Amphitheater gebaut war, zeigen müßte. Sollte man nun auch noch annehmen, daß die Wogen während der Katastrophe auch die ganze Umgebung der Hauptstadt Algiers eingeebnet hätten?

Das war doch etwas zu unwahrscheinlich.

Der Meeresboden selbst bestand weder aus Felsen, noch aus Schlamm, weder aus Sand, noch aus Muscheldetritus. Die Sonde lieferte nur einen durch sein lebhaft goldiges Schimmern ausgezeichneten Metallstaub, dessen eigentliche Natur für jetzt nicht weiter zu bestimmen war. Jedenfalls entsprach der Befund sehr wenig den im Mittelmeere durch Sondierungen gewöhnlich erlangten Resultaten.

»Da sehen Sie, Leutnant«, sagte Hector Servadac, »wir sind entfernter von der Küste Algiers, als Sie glauben.«

»Wenn wir weit davon weg wären«, entgegnete kopfschüttelnd der Angeredete, »so würden wir nicht fünf Faden Tiefe, wohl aber zwei- bis dreihundert finden.«

»Nun dann? ...« fragte Graf Timascheff.

»Ich weiß nicht, was ich hiervon denken soll.«

»Herr Graf«, begann da Kapitän Servadac, »ich wage die Bitte, Ihr Schiff gefälligst nach Süden gehen zu lassen, um dort vielleicht zu finden, was wir hier vergeblich suchen!«

Graf Timascheff wechselte einige Worte mit dem Leutnant Prokop, und da die Witterung günstig erschien, ward der Beschluß gefaßt, die Dobryna etwa sechsunddreißig Stunden lang nach Süden steuern zu lassen.

Hector Servadac dankte seinem Wirte, der dem Untersteuermann Befehl gab, den neuen Kurs einzuhalten.

Mit größter Sorgfalt wurde nun im Laufe der nächsten sechsunddreißig Stunden das Fahrwasser untersucht. Man begnügte sich dabei nicht allein mit der Sondierung des verdächtigen Meeres, das noch immer bei vier bis fünf Faden Tiefe einen durchweg ebenen Boden zeigte, sondern schleppte über letzteren auch eiserne Schaufeln hin, welche indessen weder einen bearbeiteten Stein, noch ein Stückchen Metall, einen abgebrochenen Zweig oder eine einzige Wasserpflanze, noch eines jener zahllosen Seetiere zutage förderten, die sonst auf dem Meeresgrunde zu nisten pflegen. Welcher Erdboden vertrat also jetzt wohl die Stelle des früheren Grundes im Mittelländischen Meere?

Die Dobryna segelte bis zum 36. Grade der Breite. Die Eintragung in die an Bord vorhandenen Karten ergab unzweifelhaft, daß das Schiff sich zur Zeit über dem vormaligen Sahel, einem Bergrücken, der das Meer von der gesegneten Mitidja-Ebene scheidet, und zwar genau an dem Punkte befand, wo sich früher die höchste Spitze desselben, die Bouzareah, bis auf vierhundert Meter erhob. Nach der Überflutung des umgebenden Landes hätte doch dieser Gipfel die Fläche des Ozeans als Eiland überragen müssen!

Weiterhin dampfend, gelangte die Dobryna über Douere, den Hauptort der Sahelberge, hinaus, passierte Bouffavic, die Stadt mit den breiten, von Platanen beschatteten Straßen, und ließ auch Blidah hinter sich, von dessen den Qued-el-Kebir um vierhundert Meter überragendem Fort nicht eine Spur aufzufinden war.

Leutnant Prokop, der sich auf dieses unbekannte Meer allzuweit hinaus zu wagen fürchtete, schlug zwar vor, wieder einen nördlichen oder wenigsten östlichen Kurs zu nehmen; auf Kapitän Servadacs dringendes Ersuchen ward indes die Richtung nach Süden vorläufig noch beibehalten.

So setzte man diese Entdeckungsreise fort bis zu den Bergen von Mouzafa mit ihren sagenhaften Grotten, welche früher den Kabylen als Zuflucht dienten, wo ehemals Johannesbrot- und Nesselbäume und Eichen aller Art grünten, während Löwen, Hyänen und Schakale hier ihre Lager hatten. Der höchste Berggipfel, der sich noch vor sechs Wochen zwischen Bou-Roumi und Chiffa erhob, hätte sich eigentlich weit über die Fluten erheben müssen, denn er erreichte eine Höhe von nahe sechzehnhundert Meter! ... Aber nichts, gar nichts war zu sehen, weder an der Stelle selbst, noch am Horizonte, wo sich Himmel und Wasser vermählten.

Man sah sich also gezwungen, nach Norden umzukehren, und bald schaukelte die Goëlette wieder auf den Wogen des früheren Mittelmeeres, ohne eine Spur des Landes wiedergefunden zu haben, das ehedem die Provinz Algier bildete.

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