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Reimchronik des Pfaffen Maurizius

Moritz Hartmann: Reimchronik des Pfaffen Maurizius - Kapitel 29
Quellenangabe
typesatire
booktitleReimchronik des Pfaffen Maurizius
authorMoritz Hartmann
year1874
firstpub1849
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleReimchronik des Pfaffen Maurizius
pages220
created20101025
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die 150 Husaren.

              In der böhmischen Schenke sitzen
Fünf Husaren still und stumm;
Traurig ihre Augen blitzen,
Aber sie wissen selbst nicht, warum.

Ferne sind sie der Heimat, ferne,
Schwer ist ihr Herz, von Kummer schwer;
Manchmal dünkt ihnen, ob die Kaserne
Für sie nur ein Gefängniß wär.

Ach, so ferne dem Vaterlande,
Und doch haben sie Mancherlei
Schon gehört, wie am Thißastrande
Kampf und wildes Raufen sei.

Ist es wahr, was schon kluge Leute
Ihnen gesagt, daß man sie hinaus 168
Hat geschickt aus Ungarn ins Weite,
Daß sie nicht helfen den Brüdern zu Haus?

Ach, sie wagen nicht, auszusprechen,
Wie ihr Herz das Heimweh klemmt –
Und im Lande der düstern Czechen
Ist es ihnen so kalt und so fremd.

Wie sie da sitzen und ins Getränke
Schauen düster und schweigend hinein –
Sieh, da tritt in die einsame Schenke
Leise und schüchtern ein Männlein herein.

Kaum, daß man seine Schritte höret,
Wie er hineinschleicht und wie er schaut,
Ob kein arger Lauscher ihn störet,
Wenn er sich zu reden getraut.

Meistens nennt man Emissäre
Solche Männlein, wie dieser war,
Und die wissen oft gute Lehre
Ueber Dinge, die nicht klar.

Prüfend schaut er, forschend und lange
Jenen Fünfen ins Gesicht –
Und es wird ihnen weh und bange,
Wie er auf Ungrisch zu ihnen spricht: 169

Brave Magyaren, arme Huszaren,
Ach, gewiß, ihr wißt es nicht,
Seid ja fort seit langen Jahren,
Was zu Hause Traurigs geschicht.

Wißt es nicht, daß die Pußten wimmeln,
Daß es lärmt auf dem Rakoschfeld,
Daß auf Rappen und auf Schimmeln
Sich der Csikos zum Landsturm stellt.

Denn es ist sehr traurig im Lande,
Wie in der alten Türkenzeit:
Kirchen und Hütten stehen im Brande,
Und das Blut fließt weit und breit.

Und die Traube verdirbt an den Reben,
Und der Wolf zerreißt das Schaf,
Und Das thut uns der König eben,
Aber die Brüder schlagen sich brav.

Schweigend hören's die Ungarsöhne,
Schweigend und traurig, aber es drängt
Aus den Augen sich die Thräne,
Rollt und fließt, bis im Schnurrbart sie hängt. 170

Weiter das Männlein: Brave Huszaren,
Groß ist die Schmach und groß der Verrath:
In dem heiligen Land der Magyaren
Schaltet und waltet der Dieb, der Kroat.

»Bassamteremte, auf ungrischer Erde
Der Kroat, der diebische Hund –
Der Kroat – zu Pferde! zu Pferde!
Da schlag gleich das Wetter in Grund!«

Und am Morgen frühe reiten
Hundert und fünfzig Husaren hinaus –
Zwar sie kennen den Weg nicht, den weiten –
Finden ihn doch, er führt ja nach Haus.

Durch die Schluchten der böhmischen Berge
Geht es dahin und durchs Mährenland –
Ueberall verfolgt sie der Scherge,
Ueberzählig, gewaffneter Hand.

Ueberall erhebt sich der Slave,
Ungarns Feind, der sie halten will,
Oestreichs allergetreuster Sklave –
Aber das Häuflein hält nicht still.

Fort in Trab und Schritt geht's weiter,
Kämpfend, hungernd, blutend gar – 171
Ob auch verblutet schon mancher Reiter,
Fort, immer fort zieht die übrige Schaar.

Und, um den Brüdern daheim zu schaffen,
Was sie brauchen, auf ihrem Ritt
Nehmen sie gerne allerlei Waffen,
Flinten und Kanonen mit.

Endlich, endlich nach langer Beschwerde,
Ist die theuere Heimat erreicht –
Niederstürzen sie, küssen die Erde,
Und die Augen sind thränenfeucht.

»Mutter!« – sie rufen – »als brave Huszaren
Aus der Ferne kommen wir,
Für dich zu sterben, o Land der Magyaren,
Ja, für dich und bei dir, bei dir!«

Und als Das der Landtag hörte,
Rief er ihnen ein »Eljen« mit Macht,
»Daß sie sich« – der Landtag erklärte –
»Um die Heimat verdient gemacht.«Historisch. 172

Und ich über die Fünfzig und Hundert
Hab' wie gerne dieß Lied gemacht –
Hab' sie nicht als Helden bewundert,
Aber es hat mir das Herz gelacht.

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