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Reimchronik des Pfaffen Maurizius

Moritz Hartmann: Reimchronik des Pfaffen Maurizius - Kapitel 28
Quellenangabe
typesatire
booktitleReimchronik des Pfaffen Maurizius
authorMoritz Hartmann
year1874
firstpub1849
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleReimchronik des Pfaffen Maurizius
pages220
created20101025
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Kossuth.

          So hat nicht Kapistran,
Nicht Irlands Dan gesprochen,
Wie jener blasse Mann,
Von Kerkerpein gebrochen,
Mit blassem Angesicht,
Mit Augen, welche blauen
Im Schatten dunkler Brauen
Gleich Veilchen zarter Frauen –
Wie Der zum Volke spricht.

Er ist es, der Prophet,
Von dem in heil'ger Kunde
Geschrieben steht: Es geht
Ein Schwert aus seinem Munde.
Kraft inneren Gesichts
In seines Herzens Buche 162
Liest er vom ew'gen Fluche,
Der da die Feinde suche
Der Freiheit und des Lichts.

Und wie das blut'ge Schwert
Dereinst in alten Tagen
Durchs Land von Herd zu Herd
Als Zeichen ward getragen,
Daß neu der Kampf erwacht:
So pilgert seine Rede
Durch Dorf und Stadt und Oede
Und weckt die heil'ge Fehde
Mit apostol'scher Macht.

Und als nach Szegedin
Er kam auf seinen Wegen,
Wo sie empfangen ihn
Mit Kranz und Blumenregen,
Sprach er also:Das Folgende ist fast wörtlich der Rede Kossuths in Szegedin und der Proklamation an die Magyaren entnommen. »Mein Gram
Ist schnell dahin. Ich neige,
O Szegedin, und beuge 163
Mein Haupt vor dir und schweige,
Wo ich zu sprechen kam.

»Vor allen ausersehn
Bist du in Ungarns Auen,
Du bist der Fels, auf den
Ich will die Kirche bauen,
Die soll die Hölle nicht
Mit aller Tücke spalten –
Du wirst die Welt noch halten
Mit riesigen Gewalten,
Wenn sie zusammenbricht.

Und du hast es gethan,
Wenn ich dereinstens bete:
Erlaub, daß von der Bahn,
O Herr, ich Müder trete,
Erlaub mir, hinzugehn –
Ich hab' des Feindes Schaaren
Mit Macht zur Hölle fahren –
Die Heimat der Magyaren,
Ich hab' sie frei gesehn.«

Und diesen Liebesbrief
Schrieb er ans Volk, der sausend 164
Das Land durchflog und rief
An Streiter hunderttausend
Hinaus aufs offne Feld:
»Erwache, Volk, erwache
Für deine heil'ge Sache,
Die Freiheit nur als Rache
Gibst du dem Feind, o Held!

»Wie sich ins weite Meer
Ergießen tausend Bäche,
So strömt's in Strömen her
Gen Wesprims heil'ge Fläche,
Und bald ist es gethan –
Bald wie in alten Tagen
Ist Jellacic geschlagen,
Der uns Verrath getragen
Ins Land, wie Batu-Chan.

»Er brach für euch heran,
Der Tag der Auferstehung;
Kommt an, kommt an, kommt an,
Sonst trifft euch ew'ge Schmähung,
Sonst spricht der Herr, spricht Gott:
Mich reut, daß ich geschaffen 165
Dieß Volk, nicht werth der Waffen,
Nicht werth, daß Wunden klaffen
Auf seiner Brust – ein Spott!

»Wie Parias verflucht
Seid ihr sodann, Magyaren,
Und eure Schmach verbucht
Wird treu die Welt bewahren –
Verwüstet liegt das Feld,
Das einst euch hat ernähret,
Der Stock, der Wein bescheret –
Und von der Noth verzehret,
Durchjammert ihr die Welt.

»Und, die euch einst getränkt,
Vertrocknet stiert die Quelle;
Wohin den Schritt ihr lenkt,
Man säubert schnell die Schwelle –
Im eignen Vaterland,
Im Land des Weins, der Rosen,
Ihr bettelt um Almosen,
Kein Weib wird euch mit Kosen
Gewähren Mund und Hand. 166

»Ihr aber, Ungarns Fraun,
Die wir geliebet haben,
Mit Spaten und mit Haun
Sollt auf der Stepp' ihr graben
Ein großes, großes Grab.
Und senkt ihr dort nicht nieder
Des Feindes todte Glieder –
Beim Klang der Todtenlieder
Senkt Ungarns Ruhm hinab.«

So spricht der blasse Mann
Kossuth zu seinem Volke,
Es weht sein Wort sie an,
Als käm's aus einer Wolke
Von einem Sinai;
Er hat sie ausgerufen –
Und sieh, von goldnen Stufen,
Auf flücht'gen Rosseshufen,
Allüberall kommen sie.

Wer wählt noch lange? Hie
Der große Agitator,
Wie Keiner war – und hie
Der kleine Imperator! 167
Hie Kampf voll Muth und Gluth
Für Freiheit und für Rechte –
Hie unterthän'ge, schlechte,
Mit Gold bezahlte Knechte –
Kossuth, du hast es gut!

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