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Reimchronik des Pfaffen Maurizius

Moritz Hartmann: Reimchronik des Pfaffen Maurizius - Kapitel 19
Quellenangabe
typesatire
booktitleReimchronik des Pfaffen Maurizius
authorMoritz Hartmann
year1874
firstpub1849
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleReimchronik des Pfaffen Maurizius
pages220
created20101025
sendergerd.bouillon@t-online.de
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IV. Traumgesicht:
Vom Augsburger Hof.

            Mein Männlein, das ihr nun schon kennt,
Es führte mich aus dem Parlament –
Im Traum, versteht sich – weit hinaus,
Hinaus und in ein altes Haus,
In ein Gewölbe hoch und tief,
Durch welches manche Spinne lief
Und mancher Tropfen nieder trof,
Daß ich: Wo bin ich? staunend rief. – 122
»Du bist hier im Augsburger Hof.«
Ich sah mich um, und ringsumher
Sah zu Paketen ich gewunden
Sehr viele Menschen – ungefähr,
Wie sonst Zigarren sind gebunden –
Und jedes Päckchen auf der Stirne
Trug Qualität und Preis und Firme.
Wie, rief ich ängstlich fast und stutzend,
Wie Das? bei meinem Seelenheil!
Hat man hier etwa Menschen feil
In Schock und Mandel oder Dutzend? –
»Mein lieber Freund – sieh du nur hin,
Du merkst es bald, bei meiner Ehre –
Wir sind ja hier im Magazin
Der künftigen Staatssekretäre;
Das ist ja hier die Niederlage
Der Grundsatzlosen, die sich holen
Bei jeglicher Ministerfrage
Beim edlen Gagern die Parolen.
Mit jedem Ministerium
Durch Schlecht und Gut, durch Klug und Dumm,
Durch Kalt und Warm, durch Dünn und Dick
Zu gehn, ist ihre Politik.
Sie haben alles eigne Denken 123
Für Gagern längst schon aufgegeben
Und stehn nur auf von ihren Bänken,
Wenn die Minister sich erheben.
Sie sprechen immer nur, wenn sie
Sind aufgezogen erst von Oben,
Und stimmen nach der Melodie
Der Walze, die man eingeschoben –
Spieluhren sind's, mit Einem Worte,
So Leutchen von der rechten Sorte.
Doch sind sie keine Automaten,
O nein! sie sind nur Diplomaten.
Wenn dir's gefällt, such dir was aus,
Zu haben ist die ganze Zahl.
Bist du Minister erst im Haus,
Hast du hier offne freie Wahl.

»Siehst du den Riesser dort, den Braven? –
Ach! hier vergaß er, wie so schlecht
Das Leben schmecket ohne Recht,
Das Leben mit der Schmach des Sklaven.
Was er dereinst mit starkem Glauben
Für seine Juden wollt' im Streit –
Das will er, nun er's selbst hat, rauben
Dem Manne, den die Arbeit weiht. 124
O Mann, du rechnest wahrlich schlecht,
Gib Acht, daß man nicht balde spricht –
Man spricht es schon sogar – vom Knecht,
Vom Sklaven, der die Kette bricht!

»Der Gagern gab nach Klubbeschluß
Ihm unlängst einen edlen Kuß,
Drum doppelt es Niemand Wunder nimmt,
Daß er für ein beschnittnes Deutschland stimmt.

»Das ist der Laube dort, der Deutsche!
Einst fraß er täglich hundert Slaven,
Jetzt will er aber deutsche Sklaven
Verkaufen ihrer Knut' und Peitsche.
Ja, die vertrauend ihn gesandt,
Daß man es sag' im deutschen Land,
Wie warm die deutschen Herzen schlagen
Tief in den schönen Fichtelbergen,
Er gibt sie preis dem Czechenschergen,
Um sich bei Gagern zu behagen.
Bei Gott, er ist der Schlechtsten einer!
Einst hat er oder jetzt gelogen,
Und, die ihn sandten, hat, wie Keiner
Der andern Boten, er betrogen. 125
Die Waffe, die der deutsche Sohn
Aus Böhmens Bergen ihm gegeben,
Er braucht sie wider ihn zum Hohn,
Zu schneiden in sein innerst Leben;
Er ward aus einem Volksvertreter,
Wie Viele, ach! – ein Volksverräther.

»Der Biedermann, Das ist der Dritte« –
Laß ab, rief ich, laß ab, ich bitte!
Und Biedermann, der schon öfters machte,
Wenn ich gewacht, daß ich entschlief,
Er machte jetzt, als man seinen Namen rief,
Daß ich vor Schreck vom Schlaf erwachte.

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