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Reimchronik des Pfaffen Maurizius

Moritz Hartmann: Reimchronik des Pfaffen Maurizius - Kapitel 13
Quellenangabe
typesatire
booktitleReimchronik des Pfaffen Maurizius
authorMoritz Hartmann
year1874
firstpub1849
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleReimchronik des Pfaffen Maurizius
pages220
created20101025
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünfte Taubenpost.

        Und heut einen parlamentarischen Gruß!
Von der Paulskirch komm' ich geflogen,
Es hat mich dahin ein süßes Muß
Unwiderstehlich gezogen.

Ich habe gelauscht – Das hat gehallt!
Es zitterte Mauer und Scheibe,
Wie ein Mensch erbebt, wenn mit edler Gewalt
Das Herz ihm schlägt im Leibe.

Der Uhland sprach – das singende Herz
Vom schönen Schwabenlande – 72
Es sang aus ihm der bezwingende Schmerz
Ueber Deutschlands neue Schande.

Der Uhland war es – die Nachtigall,
Die holde und kampfbewährte –
Der deutschen Dichtung alter Marschall
Mit rosenumwundenem Schwerte.

Der Uhland war's, deß greises Haar
Wohl wie der Gletscher helle –
Doch unterm Eise mächtig und klar
Springt noch der Jugend Quelle.

Er sprach vom Rauschen der Adria,
Vom Gruß der Alphorntöne,
Die er gehört, so oft er sah
In Deutschland Oestreichs Söhne.

Er sprach von der erblichen Adlerbrut,
Die werden muß ausgerottet,
Wenn's werden soll mit Deutschland gut,
Mit Deutschland, das man verspottet.

Er sprach: Die Kron', die die Eiche ziert,
Steigt aus der Wurzel zur Wolke,
O, sorget, daß, wer Deutschland regiert,
Aufwachse aus dem Volke. 73

Er sprach: Nicht regieren wird, o glaubt,
Ueber Deutschland, dem armen, halben,
Dem wir nicht mit einem Tropfen das Haupt –
Demokratischen Oeles salben.

Das klang so mächtig wie Schlachtgesang,
Ob auch die Stimme gezittert;
Das hatte so prophetischen Klang –
In mancher Brust hat's gewittert.

Das klang mit zwingender Gewalt
Wie Sturm und Landsturmglocken –
Es ist verschollen, es ist verhallt
An Seelen dürr und trocken.

Wo ist, der zu erwärmen vermag
Gefrorne Professoren? –
Da ist der Menschheit Lust und Klag
Verloren, ach! verloren.

Das Wort, das an ihnen machtlos verhallt,
Wir wollen es weiter tragen,
In bessern Herzen wird es bald
Tiefinnere Wurzel schlagen.

Wer diesen Professoren beut
Das Größte und das Süßte, 74
Er ist und bleibet – morgen wie heut –
Ein Prediger in der Wüste.

———
So ist nun meine Taube – seht!
Ich glaube, sie hat Krallen
Und spricht manchmal wie ein Poet. –
Mein
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