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Reimchronik des Pfaffen Maurizius

Moritz Hartmann: Reimchronik des Pfaffen Maurizius - Kapitel 11
Quellenangabe
typesatire
booktitleReimchronik des Pfaffen Maurizius
authorMoritz Hartmann
year1874
firstpub1849
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleReimchronik des Pfaffen Maurizius
pages220
created20101025
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Dritte Taubenpost.

        Aus Osten einen tapfern Gruß!
Der Windischgrätz, der größte der Helden,
Hat mit den Magyaren viel Verdruß
Trotz allen Bülletins von Welden. 67

Der Windischgrätz, der sich jetzt Friedland nennt,
Dem scheint man tüchtig das Fell zu gerben –
Es erbt sich schwerer des Friedlands Talent,
Als sich gestohlene Güter erben.

Der Perczel steht im offenen Feld
Und jagt die bezahlten sklavischen Schaaren –
Dembinsky, der alte Polenheld,
Rächt seine Heimat im Land der Magyaren.

Der Csikos wirft sich aufs Pferd und flieht
Ins Lager über die grasigen Wellen,
Und über die Heide zittert das Lied
Rakoczy's, des unvergeßnen Rebellen.

Das Lied ist so heiß und so süß zugleich,
Wie goldener, perlender Tokayer –
Es singet todesmuthig und weich:
Und sterb' ich auch, so sterb' ich ein Freier!

Mit Zither, Zymbal, Geigenklang
Fortträgt's der Zigeuner mit wallenden Haaren,
Und mit dem ererbten Schlachtgesang
Erwacht der Schlachtengeist der Magyaren.

Der Helmbusch weht – der Sporn erklirrt,
Und Heere werden die wilden Horden – 68
Das Roß, das noch gestern die Heide durchirrt,
Es ist ein fliegendes Schlachtroß worden.

Der Roßhirt schlief, wo Türkenblut
Getränkt den Grund den die Rosse beweiden,
Was Wunder, daß er mit heiliger Gluth
Hinreitet, zu schlagen die neuen Heiden!

Du Gott der Freiheit, hilf, o hilf!
Daß sie der Tyrannen Nacken brechen
Und beugen und mähen, wie Rohr und Schilf,
Und die geschändete Freiheit rächen.

Sie haben ja von barbarischer Nacht
Die Lande und Völker Europa's gerettet,
Und ihre Väter hat wilde Schlacht
Für uns unter Bergen von Leichen gebettet.

O, daß sie trieben, wie Sturm die Spreu,
Den Städteverwüster von ihren Schwellen –
O, daß sie brächen die Fessel entzwei,
Die edlen Magyaren, die braven Rebellen! –

O – hör' ich rufen mit wüstem Gebrüll –
Wo ist, wo bleibt dein Patriotismus?!
Ich sag's: wer den Sieg der Knechte will,
Weil's Landsleut' sind – Das ist Kretinismus. 69

Den Patriotismus, ihr lieben Herrn,
Den lass' ich für Windischgrätz' Verehrer,
Den miss' ich gern und lass' ihn gern
Der Spinne Wuttke, dem Polenverzehrer.

Ich würde jubeln, wenn der Prinz
Von Windischgrätz und seine Thebaner
Zurückgetrieben würden bis Linz
Und hinter die Thürme der Liguorianer.

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