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Reimchronik des Pfaffen Maurizius

Moritz Hartmann: Reimchronik des Pfaffen Maurizius - Kapitel 10
Quellenangabe
typesatire
booktitleReimchronik des Pfaffen Maurizius
authorMoritz Hartmann
year1874
firstpub1849
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleReimchronik des Pfaffen Maurizius
pages220
created20101025
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweite Taubenpost.

        Aus Norden den stammverwandtsten Gruß,
Schon wieder des Fitzkönigs Schiffe erspäht man, 62
Trotz unserem Reichskommissarius,
Dem süßen, sentimentalischen Stedtmann.

Bald wird auflodern des Kampfes Gluth,
Dann werden wir Waitz, den herrlichen Recken,
Eine Rede halten sehn mit Muth,
Um sich am andern Tag zu verstecken.

Dann wird der Francke frank und frei
Mit einem Antrag die Dänen bekämpfen,
Und nur, weil's verbietet die Polizei,
Wird Dahlmann seine Begeisterung dämpfen.

So hat er gethan, wie er selber erzählt,
Im Jahre eintausend achthundert und dreizehn –
Heil Allen, die das Gesetz beseelt,
Heil Francken und Droysen und Waitzen!

Von ihnen kann man's sagen voraus
Mit allertröstlichster Gewißheit,
Sie bleiben loyal und gesetzlich zu Haus,
Wenn Deutschland in tausend Stücke zerriß heut.

Nur Beseler wird mit deutschester Hast
Hineilen als qualifizirter Schiffsjung
Und rufen: »O, nagelt die Flagg' an den Mast!«
– Er kriegt auch dafür eine Beseler-Stiftung. 63

All dieses Große wird geschehn,
Wenn Rußland glaubt, daß es uns zum Heil ist –
Wo nicht, so werden wir nächstens sehn,
Wie auch Kleindeutschland lieblich getheilt ist.

Indessen können wir Gott vertraun
Und ruhig träumen und weiter schlafen –
Wir lassen ja eine Flotte baun –
Der Herr wird sorgen für Anker und Hafen.

Der »Gagern« heißt das erste Schiff.
Es fährt mit starker Blähung und Spannung –
Am Hintern das Bild vom kühnen Griff,
Doch vorne fehlt noch die Bemannung.

Das zweite ist der »Heckscher« genannt,
Ein altes, schmutziges Proviantschiff,
Aus alten Zeiten als Kaper bekannt,
Der oft im Sturm auf schlüpfrigen Sand lief.

Der »Bassermann« ist das dritte genannt,
Es dreht nach dem Wind sich in allen Wettern;
Es ist von Schauergestalten bemannt,
Sein Segel genäht aus Zeitungsblättern.

Das dort so wackelt, so altersschwach,
Das ist der »Mathy,« der alte Brander, 64
Er schwimmt dem windigen Bassermann nach,
Wie nach seiner Hero schwamm Leander.

Die matte Fregatte, der »Beckerath
Sie bebt und schwebt bei jedem Hauche,
Und weil sie gar nichts von Mannschaft hat,
Trägt sie Süßwasser und Süßholz im Bauche.

Der »Arndt,« das ist ein altes Wrack,
Von Stürmen und Kämpfen abgetakelt,
Drum sei's ihm verziehn, daß hinterm Pack
Er altersschwach dahergewackelt.

Der »Jahn« stinkt sehr nach Schmeer und Theer,
Es ist ein purzelbaumender Kutter –
Der Kauffahrer»Merck« wälzt sich tänzelnd daher,
Freihändlerisch zu Gunsten der Mutter.

Der »Schmerling« ist ein künstliches Schiff,
Wie das der Nero der Mutter ließ schenken,
Um tückisch sie beim ersten Riff
(Die Mutter Deutschland) zu ertränken.

Der »Radowitz« ist ein geretteter Rest
Von der spanischen Armada,
Im seinem Innern hängen noch fest
Die Instrumente des Torquemada. 65

Als Leuchtthurm steht der »Vincke« am Strand,
Im weichenden Sand auf des Rechtsbodens Stätte,
Für Gott, König und Vaterland
Ernährt er die Flamme vom eigenen Fette.

Der »Jordan« ist Marinerath
(Man nennt ihn boshaft das Gegentheil auch),
Das Schiff nach ihm heißt: »der Apostat
Doch hat es einen Leck und ist feil auch.

So hätten wir denn doch etwas erreicht,
Trotz unserer Feinde Höhnen und Spotten,
Bald sehen wir, wie bescheiden hinstreicht
Unser Flöttchen mit anderen Flotten.

Bald sehn wir gebändigt, Gott sei Dank,
Den Unterthanenverstand, den beschränkten,
Wie er rudert auf der Galeerenbank
Mit Kopf und Rücken, den tief gesenkten.

Doch Das ist Eure Flotte für heut,
Bald werden wir eine andere bauen –
Wie pfeift so lustig der Sturm der Zeit
In Raa'n und Segeln und Masten und Tauen.

Das werden Geisterschiff', auf mein Wort,
Wie des fliegenden Holländers, des flinken – 66
Wir werfen euch einen Brief an Bord,
Und eure Schiffe versinken, ertrinken.

An unser Geistergaleerenschiff
Wir wollen euch binden und schmieden –
Da wird euch kein kühner Griff, kein Kniff
Befreien, nicht jenseits und nicht hienieden.

Ich selbst erbitte mir die Gunst,
Anschmieden zu dürfen die Kühnen und Edeln,
Die mit der unterthänigen Brunst
Um Fürstenthrone kriechen und wedeln.

Schon dieses Lied ist kein Narrenschiff,
Wie das vom Brant, dem alten Dichter.
Es ist ein verfluchtes Verbrecherschiff,
Am Ruder sitzt und wachet der Richter.

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