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Reeder und Matrose

Ernst Willkomm: Reeder und Matrose - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
booktitleReeder und Matrose
authorErnst Willkomm
firstpub1857
year1926
publisherLeuchtfeuer-Verlag
addressHamburg
titleReeder und Matrose
pages3-13
created20050628
sendergerd.bouillon
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11

Es war ein trüber, kalter Herbstabend. In den entblätterten Bäumen rauschte der Wind, der seit einigen Stunden scharf aus Nordwest wehte und von Stunde zu Stunde heftiger ward. Die Wogen der Elbe gingen hoch und da sich die Flut einstellte, wanderte mancher Kellerbewohner in der Nähe des Hafens nach dem nächsten Flutmesser, um zu sehen, ob man sich vorsehen und bei Zeiten Anordnungen treffen müsse, damit etwaigen Beschädigungen durch ein Steigen des Wassers über die Normalhöhe vorgebeugt würde.

Aus dem zu ebener Erde gelegenen geräumigen Gastzimmer des Baumhauses glänzten schon längst die Lampen, und von allen Seiten strömten in dem anlockenden Lokal abendliche Gäste zusammen. Der mitten im Zimmer befindliche gewaltige Eisenofen strahlte eine gemütliche Wärme aus, und die beiden in der Mitte durch einen Wandausschnitt in eins vereinigten Zimmer boten durch die große Sauberkeit, die überall bemerkbar war, in der Tat einen recht angenehmen Aufenthaltsort. Die großen, von Rauch etwas geschwärzten Land- und Seekarten, die Gemälde segelnder Schiffe, die zierliche Flaggenkarte und andere Gegenstände an den Wänden gewährten den in Menge hier verkehrenden Seeleuten Unterhaltung und gaben ihnen zugleich Gelegenheit, vorkommenden Falls etwaige geteilte Ansichten und Meinungen über Dinge, welche für Seefahrer wichtig sind, zu berichtigen.

Heute abend war die Gesellschaft im Baumhause besonders lebhaft und das Gespräch sehr laut. Die schon während der Börsenzeit eingetroffene Nachricht von über Erwarten glücklich ausgefallenen Versuchen eines neuen Dampfschiffes, das die Amerikaner erbaut hatten und mit dem sie den Hudson herauf in unglaublich kurzer Zeit gefahren waren, brachte eine förmliche Bewegung hervor. Nicht alle aber freuten sich des Fortschrittes der neuen Erfindung, denn auch unter diesen Leuten gab es manche stark egoistische Natur, die von der Anwendung der Dampfkraft auf Schiffe und von deren größerer Verbreitung arge Nachteile für die Segelschiffahrt befürchtete und schon im Geiste die Verluste überschlug, die jedem einzelnen aus einer solchen Umgestaltung im Schiffswesen erwachsen würden. Nur etwa drei bis vier der versammelten Männer, die teils rauchend truppweise im geräumigen Zimmer standen, teils an den Tischen bei Wein und Grog sich gütlich taten, teils auch sich mit Billardspiel die Zeit vertrieben, nahmen keinen Teil an dem immer lebhafter werdenden Gespräch. Mit auffallend ruhiger Miene hörte namentlich ein schon ältlicher Mann mit starkem grauen Haar dem Gespräch zu. Er hatte neben der vergoldeten Büste des lorbeergekrönten Feldmarschalls Blücher Platz genommen, schlürfte bedächtig sein Glas Arracgrog und rauchte dazu eine dunkelbraune lange Tonpfeife, indem er den bläulichen Rauch des trefflichen Knasters mit großer Virtuosität in einer langen Kette zierlicher Ringe vor sich hin in die Luft blies.

Unfern des Ofens hatte es sich ein jüngerer Mann von starkem Gliederbau eigentümlich bequem gemacht. In halb liegender Stellung sitzend, hing sein rechtes Bein auf der Lehne eines daneben stehenden Stuhles. Den Hut nach vorn gerückt, beschäftigte dieser Mann sich mit dem Zerschnitzeln eines kleinen Stückchen Holz, alles andere, wie es schien, über dieser wichtigen Arbeit vergessend. Ein Dritter nahm die Ecke des Zimmers ein und schlief. Seinem stark geröteten Gesicht sah man es an, daß er dem Wein wohl mit etwas zu großer Ausdauer zugesprochen haben mochte.

Zwei der lebhaftesten jungen Männer, die schon geraume Zeit das Gesprächsthema ungewöhnlich laut werden ließ, gingen dabei auf und ab im Zimmer und kamen jetzt in das Bereich des Ringe blasenden stillen Rauchers.

»Van Tolten soll sein Urteil fällen«, sprach der eine, ein hoher, blonder Mann zu seinem breitschultrigen, brünetten Gegner. »Was haltet ihr davon, Kapitän van Tolten? Wird ein Dampfschiff, wenn's auch noch so gut gebaut ist, gegen Wind und Flut zugleich anlaufen können? Ihr seid doch ein alter Seewolf, habt viele Reisen gemacht, manchen Orkan überstanden und wißt also, was es heißt, wenn eine wütende See bricht. Heraus also mit eurer Ansicht!«

Van Tolten hatte aufgehört zu rauchen, den jungen Mann, der sich so vertrauensvoll an ihn wandte, ruhig mit gleichgültigen Augen angesehen, und hob jetzt, als der Fragende erwartungsvoll schwieg, die Pfeife wieder zum Munde, um ebenso ruhig weiter zu rauchen. Leider war sie ausgegangen. Van Tolten nahm einen Schluck aus dem neben ihm stehenden Glase, schlug das Auge nochmals zu dem jungen Kapitän auf und rief dann mit wundervollem Phlegma:

»Johann, een Vlammetje!« Hierauf gab er sein Urteil mit dem einzigen Wort: »Abwarten, Mynheer.«

»Verdammtes holländisches Phlegma!« murmelte der junge Kapitän, sich mit seinem lächelnden Gegner entfernend. »Bisweilen kann es einen zur Verzweiflung bringen, obwohl man zugeben muß, daß es auch seine guten Seiten hat. Ich glaube, wenn der alte Holländer sein Schiff mit Mann und Maus versinken sähe, ohne retten zu können, es würde ihn nicht mehr anfechten, als jetzt meine Frage, und seinen Ruf: een Vlammetje! ließ er gewiß unmittelbar darauf nicht weniger ruhig vernehmen.«

»Bei alledem ist er ein sehr tüchtiger Seemann«, versetzte der Brünette, »ein Holländer von jener echten Sorte, ans denen man, wenn es sein muß, de Rhuyters macht. Vor etwa fünfzehn oder sechszehn Jahren verdankte der Reeder, für den Van Tolten noch heute fährt, der Unerschrockenheit und dem nie wankenden Gleichmut dieses entschlossenen Mannes die Rettung seiner ganzen Mannschaft bei der Strandung des Schiffes vor Texel. Ein anderer hätte in gleicher Lage vielleicht kaum die Hälfte an Land gebracht.«

»Nun, das ist brav, jedoch andere verstehen es auch, Kopf und Hände zu gleicher Zeit zu brauchen«, erwiderte der Blonde. »Ich denke, du selber, Ohlsen, hast es bewiesen.«

»Sprich nicht von dieser gefahrlosen Aufnahme einer Anzahl Schiffbrüchiger«, sagte beschwichtigend der Kapitän der Bark ›Marie Elisabeth‹. »Es war höchstens eine Jolle dabei zu riskieren. Aber um wieder auf unser Thema zu kommen, über das wir uns übrigens nicht erzürnen wollen, weißt du auch schon, daß die heutige Nachricht für unsern Platz nicht wirkungslos bleiben wird? Mein Reeder, Peter Thomas Heidenfrei, und einige der bedeutendsten Kapitalisten, die sich bisher am liebsten bloß mit diskontieren beschäftigten, sind entschlossen, auf eigene Kosten ein paar Seedampfschiffe bauen zu lassen. Wer weiß, ob wir beide nicht am Ende noch das Vergnügen haben, die ersten Meerfahrten damit zu versuchen? Dann wird unsere jetzige Streitfrage sich unwiderleglich durch die Praxis entscheiden lassen.«

Der Blonde wollte sich damit noch nicht zufrieden geben, Ohlsen aber ließ sich nicht weiter auf eine Widerlegung seiner Einwürfe ein, sondern brach das Gespräch mit der Querfrage ab: »Darüber, Freund, stehe ich ein andermal Rede, jetzt sage mir lieber, ob der nette Junge, von dem du mir in New-Orleans erzähltest, wirklich als Matrose mit dir hierher gefahren ist?«

»Welchen meinst du? Doch nicht den Miguel?«

»Ich glaube, so hieß er – ja, ganz recht.«

»Ich nahm ihn als Überzähligen und Freiwilligen mit. Geheuert wollte er nicht sein.«

»Nicht geheuert?« wiederholte Ohlsen. »Aber weshalb denn nicht? Versteht er nichts vom Seewesen?«

»Doch, er ist tüchtig, tüchtiger vielleicht, als mancher, der als Vollmatrose dient, aber es hat mir dem Jungen eine eigene Bewandtnis. Bisweilen beschlich mich der Gedanke, er sei nicht, was er scheine, dann glaubte ich wieder, er würde, einmal hier angekommen, seine Maske abwerfen, mir sagen, was er wolle, weshalb er diese weite Reise unternommen habe und wie er sich wirklich nenne, zuweilen aber besorgte ich auch, er gehe nicht freiwillig, sondern gezwungen mit, und nur, um diesen Zwang nicht merken zu lassen, stelle er sich, als liebe er das Meer und werde von einer unwiderstehlichen Leidenschaft zum Seedienst fortgerissen. Seit ich hier bin, urteile ich allerdings anders.«

Ohlsen nahm seinen Freund am Arm und führte ihn aus dem Gedränge der Übrigen in das weniger gefüllte Billardzimmer, wo nur drei Spieltische der Spieler warteten. Dem schnitzelnden Stummen den Rücken zukehrend, nahmen beide Kapitäne an der Wand Platz, welche den großen Raum in zwei Hälften trennte.

»Wäre es nicht möglich, Claus«, sprach der Sylter, »den wahren Namen dieses jungen Mannes zu erfahren? Es liegt mir daran, zu wissen, wie er heißt, wer seine Eltern sind oder waren, wo er geboren ist, was er in frühester Jugend getrieben hat und auf welche Weise er zu dir aufs Schiff und zwar in dieser Begleitung aufs Schiff gekommen ist?«

»Mit Don Gomez und seinem närrischen Diener, meinst du?«

»Ganz recht, just mit diesen beiden Menschen.«

»Und das interessiert dich so sehr?«

»Außerordentlich, lieber Claus, denn ich fürchte, es hat eine arge Spitzbüberei zwischen diesen drei Personen stattgefunden.«

Bei diesen Worten zog der Schnitzelnde sein Bein von der Stuhllehne, rückte den zu weit nach vorn gefallenen Hut in den Nacken und setzte sich aufrecht, die linke Schulter gegen die Wand lehnend, hinter welcher die beiden Freunde das anziehende Gespräch führten. An den Gesichtszügen des Schnitzelnden sah man, daß er aufmerksam auf jedes Wort der Sprechenden horchte, dabei schnitzelte er jedoch ununterbrochen so eifrig fort, als müsse er sich mit dieser nutzlosen Spielerei das Brot verdienen.

»Was berechtigt dich zu dieser Vermutung?«

»Nichts, wenn du willst, und doch auch wieder sehr viel. Hast du nie gehört oder gelesen, daß man jemand seinen ehrlichen Namen gestohlen und den so schmachvoll Befohlenen dadurch in das tiefste Elend, in Armut, ja Sklaverei gestürzt hat?«

»Ähnliche Schurkereien sind wohl vorgekommen, unsere Zeit aber, dünkt mich, ist zu aufgeklärt, die Menschen sind zu gebildet und die Augen der Gerechtigkeit zu wachsam, als daß derartige Verbrechen ungestraft jetzt noch begangen werden könnten.«

Ohlsen zuckte die Achseln. »Verbrechen sind immer, auch unter den besten Gesetzen möglich«, sagte er, »und mich plagt schon seit einigen Tagen eine schlimme Ahnung. Uns Inselfriesen hängt – du weißt es – immer ein Stückchen Aberglauben an, das uns die Mütter schon in die Wiege legen. Ganz wird es auch der Vorurteilsfreiste niemals los, und so schleppe auch ich einen Nest dieses altfriesischen Eigentums, oft zu meiner eigenen Qual, mit mir herum. Die Vermutung, die ich eben geäußert habe, würde mir niemals in den Sinn gekommen sein, hätte nicht der Zufall bereitwillig die Rolle eines Vermittlers übernommen. Der Reeder Heidenfrei wünschte mich dieser Tage zu sprechen, um mir verschiedene Mitteilungen zu machen, Erkundigungen über die Verhältnisse und die Volksstimmung in der neuen Welt, namentlich im brasilianischen Staat einzuziehen; denn er geht, wie ich aus allem entnehmen konnte, stark damit um, dort neuerdings große Ländereien anzukaufen und eine deutsche Kolonie oder so etwas anzulegen. Na, ist seine Sache und geht mich nichts an. Nachdem ich ihm Auskunft gegeben hatte, sah er mich plötzlich mit seinen merkwürdig großen Augen scharf an und fragte mit Bestimmtheit:

›Kapitän Ohlsen, ist Ihnen ein junger Matrose, namens Miguel bekannt?‹

Unbefangen erwiderte ich den Blick des Reeders und sagte, deiner Begegnung mich erinnernd, ebenso unbefangen:

›Bekannt nicht, Herr, aber ich weiß, daß von New-Orleans aus ein Matrose, der sich Miguel nannte, als Überzähliger entweder wirklich Dienste auf einem hamburgischen Schiffe genommen hat oder doch nehmen wollte.‹

›Name des Schiffes‹, fuhr Heidenfrei kurz fragend fort.

Ich nannte den von dir geführten Schoner. Der Reeder sagte nichts, nur das Schiff und dessen Eigentümer notierte er sich. Noch damit beschäftigt, brachte ein Diener ein Billet. Heidenfrei erbrach es, überflog die Zeilen und entließ den Bedienten mit der schnell gegebenen Antwort:

›Superbe. Bitte mein Kompliment zu machen und Sennor Don Alonso Gomez würde sehr angenehm sein.‹

›Don Alonso Gomez!‹ wiederholte ich halblaut und vor mir stehen sah ich im Geiste die Gestalt des abenteuernden Mexikaners, von dessen Verlobung mit dem schönsten Mädchen New-Orleans' damals die halbe Louisiana sprach, dessen trübes Geschick tausend schöne Augen in der Hoffnung beweinten, sie alle würden so viel Kraft und Schmelz besitzen, den tief Betrübten jetzt in ihre Zaubernetze zu verlocken.

›Kennen Sie Don Gomez, Kapitän Ohlsen?‹ fragte Heidenfrei arglos.

›Ein wenig.‹

›Ein superber Mann‹, sagte er.

›Schön, jung, einschmeichelnd, reich und gefährlich‹, gab ich zur Antwort.

›Superber Gesellschafter! Ist gegenwärtig sehr beliebt hier. Wird in dieser Saison ohne Frage die erste Rolle spielen.‹«

Das Gesicht des Schnitzelnden hatte sich langsam immer weiter vorgeschoben und konnte jetzt die beiden Männer ins Auge fassen. Kapitän Ohlsen fuhr in seiner Erzählung fort:

»Ich erwiderte keine Silbe auf diese Bemerkung, denn Don Gomez stand so leibhaftig vor meines Geistes Augen, daß ich Mühe hatte, seine schattenhafte Gegenwart nicht für etwas mehr als bloße Sinnentäuschung zu halten. Und wie ein Gespenst der Rache tauchte jetzt neben ihm der Matrose Miguel auf, so zornigen, vorwurfsvollen Blickes, so zerbrochen und doch wieder jugendlich trotzig, daß ich unmöglich zweifeln konnte, es müsse zwischen diesen beiden jungen Männern etwas vorgefallen sein, das sie in unversöhnliche Feinde verwandelt habe. Ich weiß nicht, wie es kam, aber ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, daß eine unheimliche, in Nacht gehüllte Freveltat beide trenne und doch wieder verknüpfe. Und wie es uns Nordfriesen in so erregter Stimmung häufig zu geschehen pflegt, es knüpfte sich an diesen unwillkürlichen Gedanken Vergangenes und Zukünftiges. Ein Meer, eine Welt von Nebelbildern stürmte chaotisch vorüber vor meinem träumerischen Auge und überall standen als starre, erbitterte Kämpfer der Mexikaner und der finstere Miguel einander gegenüber, bis unter rollendem Gewölk, Sturmgebraus und strudelndem Wogengezisch alles in Nacht und Graus vor mir versank. Ich mußte mich im Anschauen dieses Gesichtes – meine Landsleute nennen es ›Vorspuk‹ – wohl etwas verändert haben, denn Heidenfrei fragte teilnehmend, ob mir unwohl sei. Von jener Stande an befinde ich mich in einer seltsamen Unruhe, und da ich zufällig in Erfahrung gebracht habe, daß auch dem Reeder daran gelegen ist, zu ermitteln, wo dieser Miguel sich aufhält, wer der junge Mann eigentlich sein mag, habe ich nicht Ruhe noch Rast, bis ich ihm begegnen werde.«

»Dazu kann Rat werden«, versetzte Claus, »zuvor jedoch möchte ich wissen, welche Gründe dich bewegen, ein so besonderes Augenmerk dem uns beiden jedenfalls ganz unbekannten und gleichgültigen Menschen zu schenken.«

»Mir ist der Ärmste nicht gleichgültig«, erwiderte Kapitän Ohlsen, »denn ich trage die feste Überzeugung in mir, er ist ein Betrogener, ein schwer Beleidigter. Don Gomez hat ihm Vermögen und Ehre gestohlen.«

»Don Gomez?«

»So vermute ich, und diese Vermutung wird, ich hoffe es, dereinst sich in eine unzweifelhafte Tatsache verwandeln.«

Der Schnitzelnde warf einen stechenden, giftigen Blick auf die Sprechenden, zog sich zurück und ließ seinen schweren Körper mit solcher Gewalt wieder auf den Stuhl fallen, daß die Freunde ihr Gespräch abbrachen und aufstanden. Der Amerikaner hatte seine frühere Lage wieder eingenommen, auch sein Fuß hing wieder auf der Stuhllehne, und als die Kapitäne zurücktraten in den größeren Raum, mußten beide glauben, die schnitzelnde Maschine habe kein Glied bewegt.

Im Vorübergehen reichte Claus seinem Freunde die Hand, indem er ihm leise zuflüsterte: »Mein Wort darauf, du sollst Miguel sehen und sprechen, wenn nicht morgen und übermorgen, doch jedenfalls schon in den nächsten Tagen.«

Der alte Holländer saß noch immer bei seinem dampfenden Grog, von dem er eine unglaubliche Menge vertilgen konnte; auch seiner Tonpfeife entstiegen nach wie vor malerische Ketten sich drehender Rauchringe.

»Nun, wie steht's, Alter«, sagte Ohlsen, »habt ihr euch jetzt auf eine Antwort besonnen?«

Van Tolten sah phlegmatisch aus, blies einen großen Rauchreif und sagte noch phlegmatischer:

»Hab' mich besonnen.«

»Und wie lautet eure Antwort?«

»Abwarten! – Een Vlammetje, Johann!«

Der Gerufene reichte dem bequemen, trockenen Holländer den verlangten Fidibus, und die Freunde verließen lachend den schweigsamen Alten, der heute noch weniger als sonst aus seiner beschaulichen Ruhe und seiner Wortkargheit herauszubringen war.

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