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Redgauntlet

Walter Scott: Redgauntlet - Kapitel 38
Quellenangabe
pfad/scott/redgaunt/redgaunt.xml
typefiction
authorWalter Scott
titleRedgauntlet
publisherVerlag von Carl Zieger
seriesWalter Scott's sämmtliche Werke
volumeZweiundzwanzigster Band
translatorKarl Weil
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110418
projectid75ceb586
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Schluß

von Doktor Dürrwiestaub in einem Briefe an den Verfasser des Waverley.

Es thut mir in der That leid, mein würdiger und geehrter Herr, daß ich trotz der sorgsamsten Nachforschungen in Briefen, Tagebüchern oder sonstigen Denkwürdigkeiten nicht im Stande war, mehr von der Geschichte der Familie Redgauntlet zu entdecken, als ich bis jetzt übersandt habe. Aber ich finde in einem alten Zeitungsblatte, genannt Whitehallgazette, von der ich glücklicherweise einige Jahrgänge besitze, daß Sir Arthur Darsie Redgauntlet Sr. letztverstorbenen Majestät bei einer Cour von General Campbell vorgestellt worden sei. Ueber diesen Vorfall macht der Herausgeber in Form eines Kommentars die Bemerkung, daß wir mit vollen Segeln in das Interesse des Prätendenten hinein steuerten, da ein Schotte einen Jakobiten bei Hof vorgestellt habe. Da die Postfreiheit nur auf Briefe geht, die eine Unze wägen, so habe ich keinen Raum für seine weitern Bemerkungen, welche die Absicht haben, zu zeigen, daß viele wohlunterrichtete Personen jener Zeit befürchteten; der junge König möchte selbst zur Partei der Stuarts übertreten! – eine Katastrophe, vor der indeß der Himmel diese Königreiche bewahrt hat.

Aus einem Ehekontrakt in den Familien-Archiven ersehe ich ebenfalls, daß Miß Lilias Redgauntlet ungefähr achtzehn Monate nach den von Ihnen erwähnten Vorfällen mit Allan Fairford, Esquire Advokat, von Clinkdollar, sich vermählt habe, welcher, wie wir, glaube ich, nicht ohne Grund schließen können, der nämliche ist, dessen Name in Ihrer Erzählung so oft vorkommt. Auf meinem letzten Ausflug nach Edinburgh war ich so glücklich einen alten Gerichtsschreiber zu entdecken, von dem ich mit Hülfe einer Flasche Whisky und eines halben Pfunds Tabak die wichtige Nachricht herausbrachte, daß er den Peter Peebles gekannt, und manches Gläschen zur Zeit des alten Gerichtsschreibers Fraser mit ihm ausgetrunken habe. Er sagte, derselbe hätte noch zehn Jahre nach König Georgs Thronbesteigung gelebt, sei in steter Erwartung, seinen Prozeß zu gewinnen, jeden Tag und zu jeder Sitzungszeit gewesen, und endlich todt niedergefallen in einem Anfall von perplenité, wie mein Berichterstatter sich ausdrückte, als man ihm in der Vorhalle einen Vergleichsvorschlag machte. Ich habe meines Berichterstatters Auszug beibehalten, da ich nicht im Stande bin, genau zu bestimmen, ob das Wort verdorben ist aus Apoplexie, wie mein Freund Mr. Oldbuck vermuthet; oder der Name einer besondern Krankheit, die denjenigen zustößt, welche in Gerichtshöfen zu thun haben, wie manche Berufsarten und Lebensverhältnisse der Menschen ihre eigenen Krankheiten haben. Derselbe Gerichtsschreiber erinnerte sich auch des blinden Willie Stevenson, der wandernde Willie genannt, der seine Tage zufrieden im Hause des Sir Arthur Darsie Redgauntlet schloß. Er hatte der Familie manchen guten Dienst geleistet, wie er sagte, besonders als ein Edelmann aus der Grafschaft Argyle herunter kam gegen die, welche den »alten Sauerteig« noch im Herzen hatten, die er Alle gefangen genommen und ohne weiteres gehängt oder geköpft hätte. Aber Willie und einer seiner Freunde, genannt Robert, der Wanderer, hatten die Melodien angestimmt, wie die »die Campbells kommen heran« und dgl., wodurch sie zeitige Warnung erhielten, um zu entfliehen. Ich habe nicht nöthig, mein würdiger Herr, Ihrem Scharfsinn anzudeuten, daß sich dieß auf eine ungenaue Nachricht von den Verhandlungen zu beziehen scheint, woran Sie so sehr Antheil zu nehmen scheinen.

Was Redgauntlet betrifft, von dessen späterer Geschichte Sie besonders gern genaue Nachricht gehabt hätten, so habe ich von einem ausgezeichneten Manne, der Priester in einem Schottenkloster zu Regensburg war, vernommen, daß er zwei oder drei Jahre in dem Gefolge des Chevaliers lebte, und es endlich nur wegen einiger Uneinigkeiten in dieser melancholischen Hofhaltung verließ. So wie er dem General Campbell andeutete, vertauschte er auch wirklich jenen Aufenthalt mit dem Kloster und entfaltete in den letzten Jahren seines Lebens eine strenge Beobachtung der Pflichten der Religion, die er in seinen früheren Tagen zu sehr vernachlässigt hatte, da er mit politischen Plänen und Intriguen beschäftigt war. Er gelangte in dem Kloster, wo er lebte, und welches zu einem sehr strengen Orden gehörte, zu der Würde eines Priors. Manchmal empfing er seine Landsleute, welche der Zufall nach Regensburg und die Neugier in das Kloster des – brachte. Man bemerkte aber, daß er mit Interesse und Aufmerksamkeit zuhörte, wenn das Gespräch auf Großbritannien oder Schottland insbesondere kam, doch führte er nie dieß Gespräch herbei, verlängerte es auch nicht, bediente sich nie der englischen Sprache, fragte nie nach englischen Angelegenheiten, und namentlich nie nach seiner Familie. Seine strenge Beobachtung der Regeln seines Ordens gab ihm bei seinem Tode einige Ansprüche darauf, heilig gesprochen zu werden, und die Brüder des Klosters des – machten große Anstrengungen deßhalb, und brachten einige annehmliche Beweise von Wundern vor. Aber es war ein Umstand da, der die Sache zweifelhaft machte, und das Consistorium verhinderte, den Wünschen der würdigen Brüder nachzugeben. Unter seinem Kleid, in einem kleinen Silberbüchschen verwahrt, hatte er stets um seinen Hals eine Locke Haar getragen, von der die Väter behaupteten, sie sei eine Reliquie. Aber der Advokat des Teufels, als er pflichtgemäß die Ansprüche des Heiligkeitskandidaten bestritt, machte es wenigstens ziemlich wahrscheinlich, daß die vermeintliche Reliquie vom Haupte des Bruders des verstorbenen Priors sei, welcher wegen seiner Anhänglichkeit an die Familie Stuart im Jahre 1746 hingerichtet worden sei: und das Motto: haud obliviscendum (nicht zu vergessen) schien einen Anstrich weltlicher Gesinnung und Andenken an Beleidigungen anzudeuten, die es wenigstens zweifelhaft machten, ob Vater Hugo auch in der Stille und Düsterheit des Klosters die Leiden des Hauses Redgauntlet und die Kränkungen vergessen habe, die es erfuhr.

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