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Redgauntlet

Walter Scott: Redgauntlet - Kapitel 2
Quellenangabe
pfad/scott/redgaunt/redgaunt.xml
typefiction
authorWalter Scott
titleRedgauntlet
publisherVerlag von Carl Zieger
seriesWalter Scott's sämmtliche Werke
volumeZweiundzwanzigster Band
translatorKarl Weil
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20110418
projectid75ceb586
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Erster Brief.

Darsie Latimer an Allan Fairfort.

Dumfries...

Cur me exanimas querelis tuis? zu deutsch: warum betäubst du mich mit deinen Zänkereien? Hallt doch noch immer in meinen Ohren der betrübende Ton wieder, mit welchem du zu Noble-House Abschied von mir nahmst, dein elendes Gäulchen bestiegst, um zurückzukehren zur Sklaverei der Jurisprudenz. Er schien mir sagen zu wollen: »O du glückliches Thier! du kannst nach Herzenslust über Berg und Thal laufen, kannst jeden neuen Gegenstand, der sich deiner Neugierde darbietet, verfolgen, und die Jagd aufgeben, wenn sie das Interesse verliert; und ich – ich, älter und besser als du, ich muß in der Blüthezeit zurückkehren in meine enge Stube, zu meinen staubigen Büchern.«

Das war wohl so ziemlich der Inhalt der Betrachtungen, mit welchen du die Abschiedsflasche verbittertest, und so muß ich nothwendiger Weise die melancholischen Ausdrücke deines Lebewohls erklären.

Aber warum muß es denn so sein, Allan? warum um alle Welt kannst du mir in diesem Augenblick in eben dieser behaglichen Das Wort comfortable gebraucht der Engländer sehr oft von einem Zustande behaglicher Bequemlichkeit, die er über Alles liebt. Sollte dem geehrten Leser allenfalls der Studentenausdruck: pomadig bekannt sein, so kennt er genau den Sinn des Wortes. Anmerk. d. Uebers. Herberge zum Ritter St. Georg nicht gerade gegenüber sitzen, die Füße an der Kaminthüre, in Gedanken vertieft, indem du deine juristischen Augenbraunen wie eine Päoni zusammenziehst? Warum kann ich endlich, wenn ich dieses Glas mit Wein fülle, es nicht gegen das deinige anstoßen und sagen: »Fairford, ich trinke dir vor!« Warum kann das Alles nur darum nicht sein, weil Allan Fairford nicht den wahren Freundschaftssinn gegen Darsie Latimer hegt, und meine Börse nicht wie meine Empfindungen theilen will?

Ich stehe allein da in der Welt; mein einziger Versorger schreibt mir von einem großen Vermögen, welches mir eingehändigt werden soll, wenn ich das 25ste Jahr völlig erreicht habe; mein gegenwärtiges Einkommen ist, du weißt es wohl, mehr als hinreichend für alle meine Bedürfnisse; und dennoch beraubst du, Verräther an der Sache der Freundschaft, mich des Vergnügens deiner Gesellschaft, und unterwirfst dich lieber, damit mich nur meine Reise nicht einige Guineen mehr koste, deine Selbstüberwindung ganz abgerechnet. Sage, geschieht das aus Schonung für meine Börse, oder ist es ein Tribut, deinem Stolze dargebracht? Aber ist es nicht gleich abgeschmackt und unvernünftig, es komme nun, aus welcher Quelle es auch sei. Was mich betrifft, so habe ich dir ja schon gesagt, daß ich mehr als genug für uns Beide habe, und haben werde. Eben dieser pünktliche Mr. Samuel Griffiths in der Ironmonger-Gasse in Guildhall zu London, dessen Briefe eben so sicher wie das Quartal ankommen, hat mir, wie ich dir sagte, auf meinen 21sten Geburtstag die doppelte Summe geschickt, und hat mich nach seiner lakonischen Weise dabei versichert, daß sie die zukünftigen Jahre noch verdoppelt werden würde, und zwar so lange, bis ich die Verwaltung meines eigenen Vermögens übernehmen kann. Bis zu meinem zurückgelegten 25sten Jahre soll ich es vermeiden, Englands Boden zu betreten, und er empfiehlt mir an, alle Nachforschung, meine Familie und meine Verhältnisse betreffend, für jetzt noch zu unterlassen.

Erinnerte ich mich nicht meiner armen Mutter in ihrem traurigen Wittwengewande, mit einer Miene, die nie lächelte, sie müßte denn mich angeblickt haben – und selbst dann düster und trübe, gleich der Sonne, wenn sie durch Aprilwolken scheint; entfernte nicht ihr mildes matronenartiges Angesicht und ihre Gestalt solch einen Verdacht, so würde ich mich für den Sohn eines Directors der indischen Compagnie oder irgend eines reichen Bürgers halten, der mehr Reichthum als Grazie besaß, und eine kleine Dosis Scheinheiligkeit obendrein, und der Jemanden, dessen Dasein ihn beschämt, heimlich erziehen und bereichern will. Aber wie gesagt, ich denke an meine Mutter, und bin eben so sehr überzeugt, daß auch nicht der leiseste Gedanke an Schande aus einer Sache entstehen kann, worin sie verwickelt ist, wie ich es vom Dasein meiner Seele bin. Indessen bin ich wohlhabend, bin allein, was kann nun meinen einzigen Freund zurückhalten, meinen Wohlstand zu theilen?«

Bist du denn nicht mein einziger Freund?« Hast du dir denn nicht ein Recht erworben, meinen Wohlstand zu theilen? Beantworte mir das, mein Allan. Als ich von der stillen Einsamkeit der Wohnung meiner Mutter in den Tumult der Classe auf die hohe Schule kam – als ich meines englischen Accentes wegen – als ein englisches Schwein mit Schneeballen geworfen – als ein sächsischer Pudding in der Rinne herum gewälzt ward, wer war da mit kräftigen Gründen und noch kräftigeren Stößen mein Beschützer – wer als Allan Fairford? Wer prügelte mich aber auch wacker durch, wenn ich in unserer kleinen Republik die Anmaßung eines einzigen Sohnes, und späterhin die eines verzogenen Buben durchsetzen wollte? wer anders als Allan? Wer lehrte mich den Ball schlagen, den Drachen steigen zu lassen, auf dem Eise schleifen? wieder mein Allan. Bin ich der Stolz des Schulhofes und der Schrecken der Trödler in den Gängen der hohen Schule geworden, so geschah es unter deinem Schutz; ja deinetwegen hätte ich mich selbst begnügt, durch die Wälle des Kuhthors zu gehen, ohne auf die Anhöhen zu klettern, hätte selbst Kittle nine-sleps Ein enger Weg am Felsen des Castells, wo es nur einer Ziege oder einem Schulbuben möglich ist, zu gehen, ohne in den Abgrund zu stürzen. nie näher als von Bareford's Park aus gesehen. Du lehrtest mich, meine Finger fern von dem Schwachen zu halten, aber meine Faust gegen den Starken zu ballen – lehrtest mich nicht aus der Schule zu schwatzen – da zu stehen, wie ein wahrer Mann – dem strengen Befehl des Pande manum gehorchend, meine Schläge ohne Klage zu ertragen, gleich einem, der entschlossen ist, sich deßwegen nicht zu bessern. In einem Worte, ehe ich dich kannte, kannte ich nichts.

Im College war es eben so. War ich so träge, daß kein Lehrer mich bessern konnte, dein Beispiel, deine Aufmunterungen spornten mich zu geistigen Uebungen an, zeigten mir den Weg zu geistigen Genüssen. Du machtest einen Geschichtsforscher, einen Metaphysiker aus mir (invita Minerva) – ja, beim Himmel, du hättest fast einen Advokaten aus mir gemacht, weil du es bist. Um mich nur nicht von dir zu trennen, habe ich lieber ein langweiliges Semester in dem College über das schottische Landrecht, und ein noch langweiligeres in dem über das bürgerliche Recht zugebracht; und kann mein noch vorhandenes Heft, angefüllt mit Carricaturen von Professoren und Studenten, mir nicht noch jetzt bezeugen, mit welchem Nutzen ich sie hörte?

»So war ich stets mit ganzer Seel' dir nah',« und das, in Wahrheit, blos um denselben Weg mit dir gehen zu können. Aber es geht wirklich nicht, mein Allan. Ich hätte eben so viel Neigung, einer der geschäftigen Krämer in den Hallen des Parlamentes zu werden, welche den kleinen Knaben Kreisel, Bälle, Stöcke und hölzerne Degen verkaufen, als ein Mitglied der langröckigen Brüderschaft im Innern, welche den Land-Edelleuten mit ihren gestickten Mänteln imponiren. Aber ich bitte dich, lese es ja deinem Vater nicht vor, Allan, denn so viel ich weiß, mag er mich Samstag Abends wohl leiden; aber in den übrigen Wochentagen hält er mich für keine sonderlich empfehlenswerthe Gesellschaft; und darin liegt, glaube ich, auch der wahre Grund, warum du es ausschlägst, bei diesem köstlichen Wetter einen Streifzug mit mir durch die südlichen Grafschaften zu machen. Ich glaube, der gute Mann denkt übel von mir, daß ich so unruhigen Geistes bin, Edinburg zu verlassen, ehe noch die Gerichtssitzungen geschlossen worden sind, vielleicht ärgert ihn auch, nicht zwar mein Mangel an Ahnen, sondern mein Mangel an Bekanntschaften. Er hält mich für ein verlassenes Geschöpf, Allan, und wirklich bin ich es auch, weil ich keinen Antheil vom gemeinen Wesen fordern kann, so scheint ihm das ein hinlänglicher Grund zu sein, daß du meinen Umgang meiden solltest.

Glaube aber nicht, daß ich vergesse, was ich ihm schuldig bin dafür, daß er mich vier Jahre lang unter seinem Dache beherbergte; liebt er mich nicht, so muß meine Dankbarkeit dafür um so viel größer gegen ihn sein. Er ist noch überdieß böse darüber, daß ich kein Jurist werden will oder kann, und betrachtet mich also in Bezug auf dich als ein pessimi exempli, wie er sich ausdrücken würde.

Aber er braucht wahrlich nicht zu fürchten, daß ein junger Mann mit deiner Ausdauer sich von einem vom Wind bewegten Rohr influenciren lassen würde. Du wirst deinen Gang fortgehn, mit Dirleton zweifeln, mit Steward diese Zweifel lösen, bis endlich von der Ecke der Bank more solito mit bedecktem Haupte die pathetische Rede gehalten werden wird – bis du geschworen hast, die Freiheiten und Privilegien des Justizcollegii aufrecht zu erhalten – bis der schwarze Mantel um deine Schultern gehängt wird, und du so gut wie einer aus der hochehrwürdigen Facultät, die Erlaubniß hast, anzuklagen und zu vertheidigen. Dann aber will ich vortreten, Allan, und zwar mit einem Charakter, den selbst dein Vater nützlicher für dich halten wird, als hätte ich den glänzenden Beschluß deiner Rechtsstudien getheilt. In einem Worte, kann ich auch kein Consulent sein, so will ich doch ein Client werden, und zwar eine solche Person, ohne welche der Proceß so langweilig wäre wie eine aufgestellte Rechtsfrage. Ja, ich bin entschlossen, dir die ersten Sporteln zu lösen zu geben. Man kann, ich bin es überzeugt, leicht in einen Rechtsstreit gerathen, nur müßte man darauf denken, ihn ein wenig verwickelt zu machen. Dann sollen schon einige Sessionen meine Geduld nicht ermüden, habe ich nur deinen lieben Vater zum Sachverwalter, dich zu meinem rechtsgelehrten Consulenten, und den ehrwürdigen Mr. Samuel Griffith im Rückhalt.

Kurz und gut, ich werde wohl schon Eingang in das Gericht bekommen, sollte es mich auch die Mühe kosten, ein delict oder wenigstens ein quasi delict zu begehen. Du siehst, daß nicht alles an mir verloren ging, was Erskine schrieb und Wallace lehrte.

So weit hätte ich nun gescherzt, doch, Allan, ist mir innerlich nicht wohl. Ich fühle schmerzlich, daß ich allein da stehe, und diese Einsamkeit ist mir um so viel drückender, da sie nur mir allein eigen ist. In einem Lande, wo Jederman einen Cirkel von Blutsverwandten hat, der sich bis auf den sechsten Grad erstreckt, bin ich ein einsames Individuum, das nur ein theures Herz besitzt, das gleich schlägt mit dem seinigen. Müßte ich mein Brod verdienen, ich würde, glaube ich, diese mir eigene Art von Entbehrung weniger fühlen. Die nothwendigen Verbindungen zwischen Herrn und Diener würden wenigstens einen Knoten knüpfen, der mich dem übrigen menschlichen Geschlechte näher brächte – doch wie es jetzt ist, scheint meine Unabhängigkeit selbst die Eigenheit meiner Lage zu vergrößern. Ich bin wie ein Fremder in einem besuchten Kaffeehause, er kommt, verlangt irgend eine Erfrischung, zahlt seine Rechnung, und wird vergessen, sobald der Aufwärter: »Ich danke Ihnen, mein Herr,« sagt.

Ich weiß, dein guter Vater nennt das eine Sünde gegen die Dankbarkeit und fragt: wie es mir wohl zu Muthe sein würde, wenn ich, statt daß ich jetzt meine Rechnungen wegwerfen kann, die Rache des Wirthes ertragen müßte, wenn ich sie nicht zahlen könnte. Ich weiß nicht, wie es ist; aber obschon diese ganz richtige Bemerkung meine Gedanken durchkreuzt, obschon ich gestehen muß, daß 400 Pfund jährliches Einkommen jetzt, 800 in Zukunft und Gott weiß, wie viel Hundert noch künftig eine ganz hübsche und annehmliche Sache sind, so gäbe ich doch gerne die Hälfte dieser Summe darum, deinen Vater Vater nennen zu können, sollte er mich auch stündlich meiner Trägheit wegen zanken, und dich, mein Allan, meinen Bruder, wenn auch die Verdienste dieses Bruders die meinigen gänzlich verdunkeln würden.

Oft kömmt mir der schwache, unwahrscheinliche Gedanke ein, daß dein Vater mehr von meiner Geburt und von meinen Verhältnissen weiß, als er sagen will; es ist doch höchst unwahrscheinlich, daß man mich in einem Alter von 6 Jahren in Edinburg gelassen habe, ohne andere Empfehlung, als die regelmäßige Zahlung meines Kostgeldes an den alten M. in der hohen Schule. Von dem, was früher geschah, erinnerte ich mich nur, wie ich dir schon sagte, einer unbegrenzten Nachsicht von Seite meiner Mutter und der tyrannischsten Ausübung meiner Launen von der meinigen. Ich erinnere mich immer noch, wie bitterlich sie seufzte, wie vergebens sie mich zu besänftigen suchte, wenn ich mit aller Energie des Despotismus wie zehn Kälber um eine Sache schrie, die man mir unmöglich verschaffen konnte. Sie ist dahin, die liebende, schlecht belohnte Mutter. Ich erinnere mich der langen Gesichter – der finsteren Stube – der schwarzen Umhänge – des geheimnißvollen Eindrucks, den die Trauer und Leichenwagen aus mein Gemüth machten und wie schwer es mir ward, das Alles mit dem Verschwinden meiner Mutter zusammenzureimen. Ich wüßte nicht, daß ich vor dieser Begebenheit eine Idee vom Tode gehabt hätte, oder daß ich nur von dem nothwendigen Ende aller lebenden Geschöpfe hätte reden hören. Die erste Bekanntschaft, die ich mit ihr machte, beraubte mich meiner einzigen Verwandten.

Ein Geistlicher von ehrwürdigem Ansehen, der einzige Mensch, der uns besuchte, war mein Führer auf einer ziemlich großen Reise; unter der Aufsicht eines andern ältlichen Mannes, der seine Stelle einnahm, vollendete ich meine Reise nach Schottland, doch weiß ich weder wie, noch wie so – und das ist Alles, dessen ich mich erinnere.

Ich wiederhole diese kleine Geschichte jetzt, so wie ich es früher schon hundert Mal that, nur um einen Zusammenhang darin zu finden. Wende also deinen scharfen, weitsehenden Juristen-Verstand auf denselben Gegenstand – bearbeite meine Geschichte, als protocollirtest du das tölpelicht ausgedrückte Zeugniß eines blau-bemützten, hartköpfigen Clienten in einer Auseinandersetzung der Facta und Umstände, dann sollst du, nicht mein Apollo – quid tibi cum lyra? – sondern mein Lord Stair sein. Unterdessen habe ich mich aus meiner üblen Laune herausgeschrieben blos dadurch, daß ich darüber brütete, und nun will ich mich eine halbe Stunde mit dem Roan Robin im Stalle unterhalten. Der Bursche kennt mich schon und wiehert, sobald ich nur den Fuß auf die Schwelle des Stalles setze.

Der Rappe, den du gestern morgen rittst, verspricht ein vortrefflicher Renner zu werden, jetzt trabt er eben so leicht mit Sam und dem Felleisen, wie mit dir und deiner Last Rechtsgelehrsamkeit.

Weil sich in meinen Gedanken Alles um die Axe des großen Geheimnisses meiner Geburt dreht; so will ich dir in's Gedächtniß zurückrufen, was mir einmal dein Vater sagte, als er mich mit Sam in vertrautem Gespräch überraschte. »Es ziemt Ihres Vaters Sohn nicht, so vertraut mit Sams Vaters Sohn zu sprechen.« Ich frug dich, was wohl dein Vater möglicher Weise von dem meinigen wissen könnte; und du antwortetest: »Ich denke, er weiß so viel von deinem Vater, als er von Sams Vater weiß, es ist so ein sprichwörtlicher Ausdruck.« Das genügte mir nicht, ob ich gleich nicht weiß, warum. Aber ich komme auf einen fruchtlosen und erschöpften Gegenstand zurück. Fürchte nicht, daß ich wieder auf dieses oft betretene und doch bahnlose Feld von Vermuthungen zurückkommen möchte. Ich kenne nichts nutzloseres, faderes und verächtlicheres, als das Ohr des Freundes mit nichtigen Klagen zu erfüllen.

Ich will dir gern versprechen, daß meine Briefe eben so unterhaltend, als regelmäßig und von gehöriger Länge sein sollen. Wir haben einen bedeutenden Vortheil voraus, vor jeglichem Paare der Freunde in den Tagen der Vorzeit. Weder David und Jonathan, weder Orestes und Pylades, noch Damon und Pythias – ob zwar besonders den letzteren ein Brief durch die Post gewiß recht angenehm gewesen sein müßte – correspondirten je zusammen; wahrscheinlich konnten sie nicht schreiben, Ei, ei, Mr. Darsie Latimer, soll wohl der große Psalmendichter nicht schreiben gekonnt haben? Schrieb er z. B. nicht den Brief des Urias? Anm. des Uebers. und gewiß hatten sie weder Post- noch Freischein, sich gegenseitig ihre Herzensergießungen mitzutheilen. Da hingegen du, wenn du den Freibrief des alten Pairs schonsam benutzest, vorsichtig öffnest und mir zurückschickst, uns während meiner vorhandenen Reise ganz von Sr. Majestät Post-Porto befreien kannst. Gott sei uns gnädig, Allan, was für Briefe werde ich dir nicht mit Berichten von allen den Dingen schicken müssen, die ich auf meinem wilden Streifzuge sammeln kann, sie seien nun annehmlich oder selten. Alles, was ich mir bedinge, ist, daß du sie dem Schottischen Magazin nicht mittheilst; denn obgleich du mir über meine Fortschritte in den höhern Zweigen der Literatur Complimente machst, dabei aber verblümt zu verstehen gibst, es geschehe auf Kosten meines Studiums der Rechtsgelehrsamkeit, so bin ich doch nicht kühn genug, in die Pforte eingehen zu wollen, welche der gelehrte Ruddinam so gütig den Zöglingen der Musen öffnet. Vale, sis memor mei.

D. L.

P. S.

Adressire deine Briefe an das Postamt hier. Ich werde es so anordnen, daß man mir sie nachschicken wird.

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