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Raffles als Richter

Ernest William Hornung: Raffles als Richter - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
authorErnest William Hornung
titleRaffles als Richter
publisherVerlag von J. Engelhorns Nachf.
year1912
translatorBerta Pogson
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20150121
projectid9367aa33
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Siebentes Kapitel. Eine verlorene Partie

Levy kam herein mit langflatternden Rockschößen, den Zylinder in der Hand; er war augenscheinlich auf die Begegnung mit uns schon vorbereitet, und Raffles benahm sich ebenfalls, als hätten wir nur auf Levys Eintreten gewartet. Von mir kann ich nicht das gleiche behaupten, denn ich war auf eine schlimme Szene gefaßt. Raffles aber war einfach großartig, und unser Feind – ich muß es gerechterweise gestehen – gab ihm nichts nach. Mit weltmännischer Gewandtheit nickten sie einander lächelnd zu, und niemand ahnte die verborgene Feindseligkeit auf der einen und die übermütige Herausforderung auf der andern Seite, die sich hinter diesem Lächeln versteckte. Kein Ton verriet, wie die Sachen zwischen uns standen, denn ich nahm mir noch zur rechten Zeit die beiden Widersacher zum Muster, um den Waffenstillstand nicht zu brechen. Unterdessen war der alte Garland, obwohl in großer Sorge und wirklich leidend aussehend, nicht weniger geschickt im Verbergen seiner Erregung. Er sprach etwas mürrisch seine Befriedigung darüber aus, daß wir uns alle schon zu kennen schienen, nur Fräulein Belsize mache wohl eine Ausnahme, und deshalb stellte er ihr Levy vor, als sei dieser ein alltäglicher Gast in seinem Hause.

»Diese junge Dame ist mir durchaus keine Fremde,« rief der würdige Herr mit großem Nachdruck. »Ich kenne Sie recht gut von Ansehen, Fräulein Belsize; und Ihre Frau Mutter, Lady Laura Belsize, ebenfalls.«

»Wirklich?« sagte Kamilla nur, ohne ihm das Kompliment zurückzugeben.

»Der versteht sich auf seinen Vorteil,« flüsterte Raffles mir ironisch zu. Für Levys Ohren waren diese Worte nicht bestimmt, wurden aber doch von ihm aufgefangen und sofort beantwortet.

»Ein schlechter Kaufmann, der sich nicht auf seinen Vorteil versteht,« sagte er. »Ich ziehe nicht oft den kürzern, Herr Raffles; wenn ich es aber einmal tue, so hat der andre es gewöhnlich hinterher zu bereuen.«

Aus Rücksicht auf die Dame wurden diese Worte mit tönendem Lachen gesagt, uns aber traf ein scharfer harter Blitz aus den kleinen Augen. Raffles lachte recht herzlich und ließ den Blick unbeachtet. Ich bemerkte, daß Fräulein Belsize die beiden zu beobachten begann und nur darin unterbrochen wurde, als der Tee kam und der alte Garland sie bat, die Wirtin zu machen. Herr Garland ließ seine Blicke angstvoll von einem zum andern wandern, sehnsüchtig hingen sie an Raffles, als brenne er darauf, ihn für sich allein zu haben; daß er aber auf jede Annäherung verzichtete und eine gewisse Unterwürfigkeit gegen den Wucherer zeigte, erweckte in mir den Eindruck, daß nicht mehr allein das Schicksal seines Sohnes sein Herz beschwerte.

»Und doch scheinen Sie vor einiger Zeit den kürzern gezogen zu haben, Herr Levy,« sagte Fräulein Belsize, als wir uns zum Tee um den Kamin gruppierten.

»Wo war das, Fräulein Belsize?«

»Irgendwo auf dem Kontinent, glaube ich. Ich las etwas darüber in der Zeitung, habe aber den Namen des Ortes vergessen.«

»Meinen Sie, als meine Frau und ich in Karlsbad beraubt wurden?«

Mir stockte der Atem, Raffles aber lächelte nur in seine Teetasse hinein, als wisse er alles, was nun kommen würde.

»Ja, Karlsbad war es,« stimmte Fräulein Belsize zu, als sei dies von großer Wichtigkeit. »Jetzt fällt es mir wieder ein.«

»Das kann man wohl kaum ›den kürzern ziehen‹ heißen,« sagte der Geldverleiher. »Ein unbewaffneter Mann mit einer geängstigten Frau neben sich ist wohl kein gleichwertiger Gegner einem verwegenen Verbrecher gegenüber, der den geladenen Revolver in der Hand hält.«

»War es wirklich so schlimm?« flüsterte Kamilla Belsize.

Bisher hatte sie dies unglückselige Thema weiter gesponnen mit der besten Absicht, eine Unterhaltung in Gang zu bringen; jetzt aber war ihr Interesse geweckt, und sie wünschte Näheres zu erfahren, doch war Dan Levy nicht geneigt, ihr Aufschluß zu geben.

»Die Sache würde sich recht gut erzählen lassen, aber ich will lieber damit warten, bis der Mann gefaßt ist,« sagte er. »Wenn Sie jedoch gern Einzelheiten hören wollen, Fräulein Belsize, so wenden Sie sich nur an Herrn Raffles; er wohnte im selben Hotel und hat die ganze Aufregung miterlebt.«

»Raffles war in Karlsbad?« rief der alte Garland verwundert.

Fräulein Belsize starrte ihn nur in stummem Erstaunen an.

»Ja,« sagte Raffles, »dort hatte ich ja das Vergnügen, Herrn Levy kennen zu lernen.«

»Wußten Sie nicht, daß er dort war?« fragte dieser unsern Wirt und warf einen scharfen Blick auf Raffles, als Garland antwortete, er erfahre es erst jetzt.

»Wir haben uns ja noch kaum gesprochen,« erklärte Raffles, »bis auf die paar Minuten heute früh, und da sagte ich Ihnen, daß ich erst gestern abend zurückgekommen sei.«

»Sie haben aber kein Wort davon gesagt, daß Sie in Karlsbad waren.«

»Das ist ein etwas heikles, unangenehmes Thema,« erwiderte Raffles mit komischem Seufzer. »Daran rührt man nicht gern, nicht wahr, Herr Levy?«

»Sie scheinen das allerdings zu finden,« antwortete der Wucherer.

Sie standen einander gerade gegenüber, beide an den massiven Kamin gelehnt und von den flackernden Flammen hell beleuchtet; Kamilla Belsize hatte noch kein Auge von ihnen verwandt, und ich beobachtete alle drei abwechselnd aus der Tiefe der Halle.

»Sie sind aber doch der gesündeste Mensch, den ich kenne, Raffles,« verfolgte der alte Garland das Thema weiter. »Was in aller Welt taten Sie in Karlsbad?«

»Ich brauchte die Kur,« sagte Raffles, »dort kann man gar nichts andres tun, wie Ihnen Herr Levy bestätigen wird.«

Levy antwortete, während er die Augen durchdringend auf Raffles heftete: »Falls man sich nicht etwa mit einem feinen Gauner deckt, der Ihnen die Juwelen Ihrer Frau stiehlt und dann so sehr die Courage verliert, daß er sie wieder zurückerstattet.«

Mit der gleichen prononcierten Betonung hatte Dan Levy am Morgen in seinem Bureau zu Raffles und mir gesprochen.

»Hat er die Juwelen denn zurückgebracht?« fragte Kamilla mit atemlosem Eifer.

Raffles wandte sich sofort zu ihr.

»Man fand die Juwelen im Wald vergraben,« sagte er. »Jeder glaubte natürlich, der Dieb habe sie dort versteckt, aber Herr Levy ist ohne Zweifel besser unterrichtet.«

Ein höhnisches Lächeln glitt über Levys Züge. Jetzt folgte ich Fräulein Belsizes Beispiel und warf ein Wort dazwischen.

»Ich hätte nicht geglaubt, daß es in der Wildnis von Österreich solche Gauner gibt,« sagte ich ruhig.

»Gibt es auch nicht,« stimmte der Geldverleiher sofort zu. »Aber unser wirklich vornehmer Gauner kennt den ganzen Kontinent so gut wie Piccadilly Circus. Er hat natürlich sein Standquartier in London, aber eine kurze Reise bringt ihn rasch genug dahin, wo eine ansehnliche Beute lockt. Das Halsband meiner Frau wurde allerdings in Karlsbad gestohlen, aber taxiert und bewertet wurde es wohl in einem Londoner Theater – oder Restaurant, meinen Sie nicht, Herr Raffles?«

»Ich fürchte, darüber kann ich kaum ein Sachverständigenurteil abgeben,« sagte Raffles höchst vergnügt, als ihre Augen sich begegneten. »Wenn der Dieb aber Engländer war und Sie als Engländer kannte, dann hätte er Sie doch wohl in der Heimatsprache angefahren.«

»Wer sagt Ihnen, daß er das nicht tat?« schrie Levy mit einem solch erfreuten Grinsen, daß man über seinen Hintergedanken nicht im Zweifel blieb. Ich hatte von Anfang an gefürchtet, daß er diesen Verdacht hege, aber das Aussprechen war entschieden ein Fehler.

»Wer hat mir denn überhaupt etwas von der ganzen Geschichte gesagt,« gab Raffles gelassen zurück, »außer Ihnen und Ihrer Frau? Ihre Berichte widersprachen einander zwar gelegentlich etwas, aber darin waren Sie sich beide einig, daß er Sie auf deutsch bedrohte.«

»Wir hielten es für Deutsch,« fing Levy gewandt den Hieb auf. »Es hätte geradeso gut Hottentottisch oder Chinesisch sein können. Nur über den Revolver blieben wir nicht im unklaren; ich sehe noch, wie der Kerl auf mich zielte und wie sein Auge sich über den Lauf weg in das meinige bohrte – genau so deutlich, wie ich jetzt Ihnen ins Auge sehe, Herr Raffles.«

Raffles lachte hellauf.

»Ich bin hoffentlich ein angenehmerer Anblick! Ich erinnere mich, daß Sie mir damals erzählten, der Kerl habe wie ein riesiger grauenhafter Meuchelmörder ausgesehen.«

»Das tat er auch,« antwortete Levy, »er sah viel schrecklicher aus, als nötig gewesen wäre. Sein Gesicht war ganz geschwärzt und verändert, aber seine Zähne waren genau so weiß wie die Ihrigen.«

»Entdecken Sie vielleicht noch andre Ähnlichkeiten?«

»Ich sah mir die Hand, die den Revolver hielt, genau an.«

Raffles streckte ihm beide Hände hin.

»Vielleicht betrachten Sie die meinigen auch einmal genau.«

»Seine waren freilich geschwärzt wie das Gesicht, aber selbst die Ihrigen sind nicht glatter oder besser gepflegt.«

»Nun, hoffentlich gelingt es Ihnen noch, die Handschellen darum zu legen.«

»Ihr Wunsch wird in Erfüllung gehen, Herr Raffles, das verspreche ich Ihnen.«

»Wollen Sie denn behaupten, daß Sie die Spur gefunden haben?« rief Raffles munter.

»Ich werde ihn im Auge behalten,« sagte Dan Levy mit durchdringendem Blick.

»Und wollen Sie uns nicht verraten, wer es ist?« fragte Raffles und gab den tödlichen Blick mit kühlem Lächeln zurück.

Levy hatte bei den letzten Worten den Ton geändert; bis dahin hätte alles als bloßes Wortgeplänkel selbst vor den schärfsten Augen und Ohren in Europa bestehen können, und nur ich wußte, welch eine Schlacht die beiden Männer hinter der lächelnden Miene ausfochten. Ich allein konnte die feinen Schattierungen verfolgen, das wechselnde Mienenspiel und die leichten Deckungen des Kampfes. Jetzt sah ich wohl, wie Levy mit sich zu Rate ging, ob er die unverschämte Herausforderung annehmen und Raffles gleich auf der Stelle denunzieren solle. Ich sah ihn zögern und nachdenken. Das grobe, schlaue und ausdrucksvolle Gesicht war leicht zu lesen. Und als plötzlich ein verderbliches Licht in den Augen erschien, fühlte ich, daß wir vor etwas noch Teuflischerem auf unsrer Hut zu sein hatten.

»Ja,« flüsterte da eine Stimme, die ich kaum wiedererkannte, »wollen Sie uns nicht sagen, wer es ist?«

»Noch nicht,« antwortete Levy und sah Raffles dabei voll an. »Aber ich weiß jetzt genau über ihn Bescheid.«

Ich blickte auf Fräulein Belsize, denn sie war es, die gesprochen hatte; ihr Gesicht war sehr bleich und ihre Lippen zitterten. Ich dachte an ihre vielen Fragen über Raffles und überlegte, ob ich auch wirklich der einzige sei, der alles verstanden hatte, was vorgegangen war.

Herrn Garland war jedenfalls keine Ahnung von dem wahren Sachverhalt aufgedämmert, und doch lag sogar auf seinem gütigen Gesicht eine leichte Verachtung und stille Pein, die aber sofort schwand, als unsre Augen sich begegneten. In den seinigen tauchte plötzlich ein freudiges Licht auf, er erhob sich wie verjüngt und verwandelt; auf den Treppenstufen hörte man einen raschen Schritt, und im nächsten Augenblick stand der Ausreißer, Teddy, mitten unter uns.

Herr Garland eilte ihm mit ausgestreckten Händen entgegen, doch kam von seinen Lippen keine Frage und kein Ausruf des Erstaunens; nur Teddy stieß einen Freudenschrei aus, umarmte seinen Vater und sprudelte Frage auf Frage hervor, als seien sie ganz allein in der Halle. Was bedeutete die Nachricht in den Abendzeitungen? Wer hatte das einsetzen lassen? War etwas Wahres daran?

»Nein, Teddy,« sagte der Vater mit leichter Bitterkeit, »ich habe mich nie im Leben gesünder gefühlt.«

»Dann begreife ich es nicht,« rief der Sohn außer sich. »Vermutlich ist es ein toller Spaß, dann aber würde ich viel darum geben, den Spaßvogel zwischen die Finger zu kriegen!«

Noch immer schien er nur seinen Vater zu sehen, oder er hatte nicht den Mut, den andern entgegenzutreten. Er sah viel ordentlicher und wohler aus als in der vergangenen Nacht und machte in seinem leidenschaftlichen Zornausbruch einen weit männlichern Eindruck, als da ich ihn so erniedrigt und gedemütigt sah.

Raffles kam vom Kamin herüber.

»Unter uns sind einige, die dem Kerl nicht so gram sein können, daß er dich endlich von Lords nach Hause lockte! Du mußt doch bedenken, daß ich der einzige bin, der dort war und den ganzen Tag über wenigstens etwas von dir sah.«

Ihre Augen trafen ineinander, und einen Augenblick schien es, als wolle Teddy diese kühne » suggestio falsi« zurückweisen und eingestehen, wo er wirklich gewesen war; das war aber nicht möglich, wenn er Raffles nicht Lügen strafen wollte, und außerdem fand er Kamilla in vollkommenster Unwissenheit über sein Verschwinden, wo er geglaubt hatte, alle Welt sei davon unterrichtet, daß beides ihn fast übermannte. Er griff nach der Hand des jungen Mädchens und stammelte eine Entschuldigung, die völlig überflüssig war, denn jeder hatte gesehen, daß er nur Augen für seinen Vater gehabt hatte, als er so überraschend hereinkam, und daß all seine Gedanken sich nur mit der Gesundheit des Vaters beschäftigten. Fräulein Belsize machte aber den Eindruck, als gefalle er ihr nur um so besser, vielleicht auch wegen der Erregung, die selten bei ihm eintrat, ihm aber sehr gut stand. Sein Gesicht glühte, die Augen leuchteten; endlich fielen sie auch auf mich, und ich wurde herzlich begrüßt. Fast im selben Augenblick wandelte sich ihr freundliches Licht in Zornesblitze, als sie auf die mächtige Gestalt im Hintergrund fielen.

»So haben Sie Ihre Drohung wirklich wahr gemacht, Herr Levy,« sagte der junge Garland mit unheimlicher Ruhe, als er die Sprache wieder erlangt hatte.

»Das tue ich gewöhnlich,« antwortete der Geldverleiher mit häßlichem Lachen.

»Seine Drohung?« rief der alte Garland scharf dazwischen. »Wovon sprichst du, Teddy?«

»Ich will dir alles sagen,« antwortete der junge Mann. »Und dir auch,« fügte er fast rauh hinzu, als Kamilla aufstand, um sich zurückzuziehen. »Es ist besser, du weißt, was für ein Mensch ich bin – solange es noch Zeit ist. Ich habe Schulden gemacht – und mir dann von diesem da Geld geborgt.«

»Von ihm liehst du dir Geld?« Die Stimme des alten Garland war kaum wiederzuerkennen, und ein Ton lag in der Frage, der uns gänzlich unverständlich war. Während er sprach, starrte er voll tiefen Abscheus und Entsetzens auf den Wucherer.

»Ja,« sagte Teddy, »von meinem ersten Jahr in Cambridge an hat er mich mit seinen Zirkularen überschüttet. Mir schien es fast, als wisse er Näheres von mir und wolle mich gern in seine Klauen bekommen; es kam ja auch schließlich so weit, und er sog mich bis auf den letzten Blutstropfen aus. Darüber beklage ich mich nicht, solange es nur mich allein angeht, denn mir geschieht ja recht. Ich hoffte aber, mich da herauszuwinden, ohne wieder zu dir um Geld kommen zu müssen, Vater, und ich war dumm genug, ihm das neulich zu verraten; darauf drohte er mir, er werde selbst zu dir gehen. Ich glaubte trotzdem nicht, daß er die Gemeinheit besitzen würde, gleich heute sich an dich zu wenden.«

»Oder die Dummheit,« warf Raffles ein und legte ein Papier in Teddys Hand.

Es war sein Wechsel, den wir am Morgen von Dan Levy zurückerobert hatten. Teddy warf einen Blick darauf, drückte Raffles die Hand und ging auf den Juden los, als wolle er ihm an die Gurgel.

»Bedeutet dies, daß wir quitt sind?« fragte er mit heiserer Stimme.

»Jawohl,« klang es zurück.

»Es ist also Ihre Quittung bis auf den letzten Heller, den ich Ihnen schuldete?«

»Bis auf den letzten Heller, gewiß.«

»Und dennoch kommen Sie zu meinem Vater? Es ist Ihnen also noch nicht genug, daß Sie Ihr Geld bekommen, Sie müssen auch Ihr Gift noch gegen meinen Vater verspritzen!«

»Glauben Sie, was Sie wollen,« sagte Levy und zuckte die mächtigen Achseln. »So liegt die Sache zwar nicht, aber was tut's, wenn der Gedanke Ihnen Spaß macht.«

»Nein,« sagte Teddy mit knirschenden Zähnen, »jetzt tut es nichts, da ich noch rechtzeitig heimkam.«

»Rechtzeitig für was?«

»Um Sie hinauszuwerfen, wenn Sie nicht augenblicklich das Haus verlassen.«

Der große, schwere Mann blickte auf seinen jungen, sehnigen Gegner und kreuzte die Arme mit einem gurgelnden Lachen.

»Sie haben die Absicht mich hinauszuwerfen?«

»Ja zum Teufel, wenn Sie nicht gutwillig gehen. Hier ist Ihr Hut, da die Tür, und wagen Sie es niemals, diese Schwelle wieder zu betreten!«

Der Wucherer nahm seinen glänzenden Zylinder, fuhr noch einmal glättend mit dem Ärmel darüber und ging wirklich zur Tür; ich sah aber unter der weit überhängenden Nase ein unterdrücktes Grinsen und ein listiges Zwinkern der scharfen kleinen Augen; daher wunderte es mich nicht, als er sich an der Tür umwandte, um noch einen Partherpfeil zu versenden. Ich war nur erstaunt über die scheinbare Harmlosigkeit.

»Darf ich mir vielleicht noch die Frage erlauben, wem dies Haus gehört?«

»Mir nicht, das weiß ich wohl; aber ich bin der Sohn des Hauses,« gab Teddy erregt zurück, »und jetzt machen Sie, daß Sie hinauskommen.«

»Wissen Sie es wirklich sicher, daß das Haus Ihrem Vater gehört?« fragte Levy mit plötzlicher Leutseligkeit, die er so wohl hervorzukehren wußte, wenn er wollte. Ein Stöhnen kam von den Lippen des alten Garland und verstärkte den Zweifel, den diese Worte hervorzurufen suchten.

»Der ganze Besitz gehört ihm,« erklärte der Sohn mit nervösem Eifer – »das ganze Freilehen und alles andre.«

»Die ganze Geschichte gehört aber zufällig mir – das ganze Freilehen und alles andre,« sprudelte Levy giftig heraus. »Und jetzt sage ich, machen Sie, daß Sie hinauskommen! Eine Woche gebe ich Ihnen Frist, nicht eine Stunde länger.«

Einen Augenblick blieb er noch in der geöffneten Tür stehen und starrte uns triumphierend der Reihe nach an, nur an Raffles hafteten seine Blicke länger.

»Sie brauchen sich nicht einzubilden, daß Sie den Alten retten können, wie Sie den Sohn gerettet haben,« zischte er haßerfüllt. »Jetzt kenne ich Sie nämlich genau genug!«

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