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Theodor Fontane: Quitt - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
titleQuitt
authorTheodor Fontane
isbn3-7466-5275-8
publisherAufbau Taschenbuch Verlag
addressBerlin und Weimar
year1993
firstpub1891
senderreuters@abc.de
created20040709
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Drittes Kapitel

Während Lehnert dieses Gespräch hatte, schritt der, dem all diese Drohungen galten, heimwärts auf Wolfshau zu, wo seine Försterswohnung mit der der Menzschen Stellmacherei grenzte. Der nächste Weg nach Haus wäre der unten im Tal, an der Lomnitz hin, immer flußaufwärts, gewesen, er mied ihn aber, weil dieser nähere Weg ohne Wirtshaus war und er ernstlich vorhatte, sich bei einem Glase Bier und einem guten Gespräch von den Anstrengungen der Siebenhaarschen Predigt, die, wie gewöhnlich, gut, aber etwas lang gewesen war, zu erholen.

So stieg er denn, den Umweg nicht scheuend, die große Straße bergan auf Krummhübel zu, wo er sicher war, in dem prächtig gelegenen Wirtshaus »Zur Schneekoppe« den ersehnten guten Trunk und vor allem auch eine gute, das heißt eine gefällige Gesellschaft zu finden, die sich's angelegen sein ließ, ihn reden zu lassen und ihn bei jedem dritten Worte »Herr Förster« zu nennen. Denn sich umworben und ausgezeichnet zu sehen und Ehre vor den Menschen zu haben war das, wonach ihm zumeist der Sinn stand. Sein Hühnerhund Diana, der darauf dressiert war, die Predigt draußen auf einer von der Sonne beschienenen Kiesstelle zu verschlafen, folgte dicht hinter ihm, ein schönes, schwarz und weiß geflecktes Tier.

Und keine halbe Stunde, so bog er in Krummhübel ein, drin eine sonntägliche Stille herrschte. Links lief ein Wässerchen und schäumte, Hühner und Sperlinge pickten überall umher, wo eine Krippe gestanden hatte, und in der offenen Haustür lehnten einzelne Dorfbewohner und genossen der Sonntagsruhe.

»Guten Tag, Herr Förster«, sagte Gerichtsmann Klose, seine Pfeife respektvoll aus dem Munde nehmend, und »Guten Tag, Herr Förster«, wiederholte die nebenan wohnende, für gewöhnlich mit ihren Gunstbezeigungen etwas kargende Frau Böhmer den Gerichtsmann Kloseschen Gruß auch ihrerseits und trat aus ihrem Kramladen in die Dorfstraße hinaus, um dem Vorübergehenden die Hand zu geben, ja, sie schien ihn sogar anreden zu wollen. Des Försters Haltung aber war so steif und gemessen, daß selbst Frau Böhmer mit ihrer Frage zurückzuhalten für gut fand.

Und nun noch hundert Schritte, so stand unser Förster Opitz vor Exners »Schneekoppe«, trat aber nicht über den Schwellstein in den Flur, sondern bog gleich daneben in einen von einem Staketenzaun eingefaßten Garten ein, in dem, um einen plätschernden Springbrunnen herum, und zugleich in Front einer großen Veranda, viele Sommergäste saßen. Sich diesen zu gesellen fiel Opitz aber nicht ein, weil er im Vorübergehen herausgehört hatte, daß es Berliner waren, also Leute, von deren eigener Eingebildetheit er für die seinige nicht viel zu hoffen hatte. So ging er denn lieber auf eine kleine, von wildem Wein umwachsene Holzlaube zu, wo noch niemand saß, und ließ sich hier an einem langen, braungestrichenen Eßtisch nieder, von dem aus, unmittelbar an der Wand daneben, ein Klingeldraht nach dem Wirtshause hinüberführte. Diesen zog er. Die Bedienung war aber einigermaßen säumig, was ihn, weil er eine Verkennung seiner Wichtigkeit und Würde darin erblickte, sofort heftig ärgerte. Wirklich, sein ohnehin etwas auf Schlagfluß deutendes Gesicht wurde von Minute zu Minute röter, und erst den Hut vom Kopf nehmend und gleich danach das Sacktuch aus seiner Tasche ziehend, begann er sich in nervöser Unruhe bald mit dem einen, bald mit dem andern zu beschäftigen. Endlich kam die Bedienung, eine schöne schwarze Person, von der es hieß, daß sie Kunstreiterin gewesen und als Kind durch fünf Reifen gesprungen sei, was ihr jetzt freilich etwas schwer hätte werden sollen, und entschuldigte sich, daß der »Herr Förster« so lange habe warten müssen.

»Schon gut, Marie, schon gut.«

Und nun bestellte er eine Kulmbacher und ein Schnitzel. »Aber ohne Kapern und Sardellen!«

Die Kulmbacher kam denn auch bald, aber das Schnitzel au naturel ließ auf sich warten, und in der ihm sofort wiederkehrenden Unruhe nahm er diesmal, statt des Sacktuches, ein Notizbuch aus seiner Tasche und begann Einzeichnungen zu machen, die, seiner Miene nach, von besonderer Wichtigkeit sein mußten. In Wahrheit aber waren es bloß Krickelkrakel, bei deren gedankenloser Hinmalung er, aller Aufregung und Wichtigtuerei zum Trotz, nach der großen Veranda und den in Front derselben stehenden Tischen hinübersah.

Der ihm zunächst stehende Tisch war der unzweifelhaft anziehendste: zwei Herren und eine Dame saßen daran, mit ihnen zwei hübsche Kinder. Letztere freilich waren von einer Beweglichkeit, daß man sie kaum noch als Tischgäste rechnen konnte, woran, neben angeborener Fahrigkeit, vor allem der Springbrunnen schuld war, von dessen Staubregen sich treffen zu lassen ein nicht enden wollendes Vergnügen für sie war. Die weißen Waschkleider machten denn auch bereits ihrem Namen Ehre und wurden in ihrer Durchnäßtheit nur noch von dem blonden Haar übertroffen, das in einzelnen langen Strähnen bis auf die rosafarbenen Schärpen herabhing.

»Geraldine«, sagte der ältere der beiden Herren, indem er sich der, trotz ihrer neununddreißig, immer noch sehr schönen Dame zuwandte, »du solltest es ihnen verbieten. Es ist weder opportun noch sanitätlich zulässig.«

»Aber unterhaltlich und vergnüglich«, antwortete die Dame mit sehr überlegener Miene. »Nur keine Philistereien, Espe; dazu hast du zu Hause Zeit genug, in unserem lieben schrecklichen Berlin. Es wird sich ja wohl eine Plätterin hier finden lassen. Jugend ist Jugend, und daß sie keine Tugend hat, ist bloß Verleumdung. Frage nur Herrn Lieutenant Kowalski.«

Dieser, der schon vor fünfzehn Jahren den mageren Dienst in der Armee mit dem vorteilhafteren in einer Hagelversicherungsgesellschaft vertauscht, seinen »Leutnant« aber trotzdem beibehalten hatte, wartete die von dem älteren Herrn zu stellende Frage gar nicht erst ab, sondern entschied sich sofort für ein unbedingtes und mit großer Emphase vorgetragenes »laisser aller«, was durchaus zu dem phrasenhaften Wesen des Herrn Lieutenant stimmte, der seine ganz auf Flunkerei, Zynismus und Prosa gestellte Natur hinter hochtönenden Redensarten, zu denen auch ein paar französische Sätze gehörten, zu verbergen trachtete. Je mehr er persönlich, so fuhr er nach einem mehrfach wiederholten laisser aller fort, in zurückliegenden Jahren unter dem Drill des Dienstes gelitten habe, je mehr sei er für Freiheit. Freiheit sei das einzige richtige Lebensprinzip, und der inneren Stimme gehorchen zu dürfen, und hierbei suchte sein Blick das Auge der schönen Frau, sei nicht bloß das Glück, sondern auch das Heil des Daseins. Nichts über eine freie Seele. Ganz frei. Nur auf die Weise werde die Lüge hinschwinden, was dann gleichbedeutend sei mit dem Siege wirklicher Sittlichkeit.

Kowalski, wenn er einen längeren Satz sprach, schloß immer mit Sittlichkeit ab.

Opitz, so scharf er aufpaßte, saß doch zu weit ab, um jedes Wort, das am Nebentische gesprochen wurde, wegfangen zu können, aber wenn er es auch aufgeben mußte, dem Gange der Unterhaltung in aller Deutlichkeit zu folgen, so gab er es doch nicht auf, sich mit Hilfe dessen, was er mit scharfem Auge sah, in dem Verhältnis der drei Personen zueinander zurechtzufinden. Der aschfarbene kleine Herr mit dem wenigen Haar und der Goldbrille war offenbar der Gatte der Dame, was sich schon aus der Devotion ergeben haben würde, mit der er sich gegen sie benahm. Aber wie kam sie zu diesem Hutzelmännchen? Viel erklärlicher war ihm der militärisch wirkende Herr, hinsichtlich dessen ihm eigentlich nur unsicher blieb, ob er ihm eine dauernde oder nur eine vorübergehende Beziehung zur schönen Frau zuschreiben sollte.

Das Schnitzel, mit dem Marie jetzt endlich erschien, unterbrach seine Betrachtungen, die natürlich nur den Charakter von Vermutungen gehabt haben konnten, und gab ihm statt dessen die Möglichkeit in die Hand, durch einige direkt gestellte Fragen um einen reellen Schritt weiterzukommen.

»Sagen Sie, Marie, wer sind die Herrschaften da?«

»Rechnungsrat Espe mit Frau und Kindern.«

»Und der große stattliche Herr?«

»Ist ein Herr Lieutenant, aber bloß a. D.; seinen Namen hab ich vergessen.«

»Und gehören zusammen?«

»Nein. Er hat sich erst neuerdings hier eingefunden. Und nun machen sie Partien. Jeden Tag eine.«

»So, so.«

»Ja.«

Hier brach es ab, und es entstand eine Pause, während welcher Marie sorglich und langsam den Tisch arrangierte, gerade langsam genug, um zu weiteren Fragen aufzufordern.

Und wirklich, es gab auch kein langes Warten darauf.

»Espe«, fuhr Opitz nach einer kleinen Weile fort. »Und Rechnungsrat. Hm. Er behandelt seine Frau, als wäre sie wenigstens eine Prinzeß oder doch eine vom Theater ...«

»Ist auch so was. Und er soll ihr zweiter Mann sein ... Das heißt, eigentlich ihr erster. Denn ihr erster war keiner und war zu vornehm, um es zu werden. Und da kam Espe, der damals noch sehr unten war. Und die Kinder, so heißt es, sind auch gleich mitgekommen.«

»Von Espe?«

»Nein«, kicherte Marie. »Von Espe nicht; von dem andern. Es soll, glaub ich, ein Präsident gewesen sein. Ach, es ist doch ein merkwürdiges Leben in dem Berlin, und ich möchte da nicht hin. Man ist da ja keinen Augenblick seines Lebens sicher, und ich hätte keine ruhige Stunde mehr.«

»Na, das ist recht, Marie«, lachte Förster Opitz und patschelte der Sprecherin die Hand. »Aber wissen Sie, Marie, bedenken Sie sich's noch; – Sie sehen ja, daß nicht viel Schlimmes dabei herauskommt. Eine ›Rätin‹ ist am Ende nicht zu verachten und sollt Ihnen schon gefallen.« Opitz hätte wohl noch weitergesprochen, wenn nicht in eben diesem Augenblick ein Kamerad, der alte Förster von der Annakapelle, samt Grenzaufseher Kraatz und Lehrer Wonneberger, dessen Schule bei den »Baberhäusern« hoch oben im Gebirge lag, in den Exnerschen Garten eingetreten wäre. Das war alte Bekanntschaft, und Opitz, der einen guten Diskurs liebte, ging ihnen, was eine große Auszeichnung war, drei Schritte entgegen und begrüßte jeden einzeln. Er sei froh, daß sie kämen, denn er hab einen ganzen Sack voll Neuigkeiten. Es gehe wieder was vor, und der gottvergessene Kerl, der Gambetta, stecke dahinter.

»Ja«, fuhr er fort, »der Gambetta, wenn's nich der Skobeleff is; dem trau ich auch nicht. Alle Wetter, wir haben sie nun all am Kragen gehabt und jeden geschüttelt und ausgeschmiert; nur der Russe war noch nicht dran, der fehlt noch. Aber ich denke, den fassen wir auch noch. Nennt sich immer Freund. Aber was heißt Freund! Alles Fusel und Dusel. Wenn sie nicht den Kaviar und die Juchten hätten, war's gar nichts. Da muß auch einmal aufgeräumt werden. Was meinen Sie, Kraatz? Sie sind ja doch auch ein Mann, der was hört und weiß und mit dabei war.«

Während Opitz noch so sprach, hatte man sich's um den Tisch her bequem gemacht. Die Klingel wurde gezogen, eine Bestellung folgte der anderen, und ehe zehn Minuten um waren, hörte man, aus der Holzlaube her, nichts als Lachen und das Zusammenstoßen der Seidel.

Unter der nachbarlichen Veranda aber, wo die Espes gesessen hatten, war alles still und leer geworden.

Ja, alles war still und leer geworden, und doch wurden Opitz und seine Freunde beobachtet, nicht von Gästen draußen, deren es kaum noch gab, wohl aber von Gästen, die drinnen im Exnerschen Hause saßen und durch die Fenster der Gaststube nach der Holzlaube hinübersahen, kleine Leute von Querseiffen und Wolfshau her, Freunde Lehnerts, Führer und Träger, auch wohl Pascher und Wilderer, die hier herkömmlich nach dem Gottesdienst – und sie waren auch heute wieder mit unten in der Arnsdorfer Kirche gewesen – ihren Sonntag feierten. Allen gemeinsam war das Gedienthaben bei den »Görlitzern« oder den Siebenundvierzigern oder den Königsgrenadieren in Liegnitz, und kaum einer befand sich unter ihnen, der nicht die Kriegsdenkmünze getragen hätte. Von einer richtigen Mahlzeit war nicht die Rede, sie begnügten sich mit einem »Grünen« oder einer Stonsdorfer, und die kleine Stummelpfeife ging nicht aus.

»Opitz läßt heute was draufgehn«, sagte der dem Fenster zunächst Sitzende. »Wenn ich recht gezählt hab, ist er schon beim dritten Seidel und sieht aus wie 'n Puter. Ihr sollt sehen, er biert sich noch den Schlag an den Hals, und eh Gott den Schaden besieht, ist er um die Ecke.«

»Du mußt ihm heute was zugute halten, Schmidt. Siebenhaar hat ja gepredigt, als ob Krummhübel und Wolfshau so was wie Sodom und Gomorrha war. Und so was hört Opitz gern. Und was ihn am meisten gefreut haben wird, nu das war, daß Siebenhaar immer nach der Ecke hinsah, wo Lehnert Menz saß, und hätte bloß noch gefehlt, daß er ihn beim Namen genannt hätt. Und ich sah auch, wie Lehnert sich verfärbte.«

»Ja«, sagte Schmidt. »Und dabei hat Lehnert noch 'nen Stein bei ihm im Brett und ist eigentlich sein Liebling. Daß er ihn, weil er so findig und anschlägig war, auf die Schule geschickt hat, nach Jauer hin, na, das wißt ihr, und nun nimmt er doch Partei für den Opitz, der ihn zwei Monat ins Jauersche Prison geschickt hat. Und das muß ich sagen, Schule war gerad auch nicht mein Fall, aber doch immer noch lieber als Prison. Ich versteh den Alten nicht, und ich kann es mir mit seiner Predigt bloß so denken, daß er ein Unglück verhüten will. Er weiß, daß es beide harte Steine sind und daß es kein gutes Ende nimmt, wenn nicht Friede wird. Einer muß klein beigeben, und der eine muß Lehnert sein, weil es Opitz nicht sein kann. Er is doch nu mal ein Mann im Amt und sozusagen im Recht. Hol's der Teufel, daß ich das sagen muß. Und da hat Siebenhaar ihn warnen wollen, ich meine den Lehnert, und ihn ermahnen, daß er zu Kreuze kriecht.«

»Es wird aber nicht helfen. Is alles ein alter Schaden noch von den Soldaten her und nun schon viele Jahre zurück. Opitz ist ein Quäler und Schufter und war es immer. Er hat ihn schikaniert vorn ersten Tag an, ich weiß nicht warum. Ich glaube, Lehnert war ihm zu forsch und zu freiweg und nicht untertänig genug, und ich erinnere mich, daß das ein ewiges Schnauzern war. ›Das will ein Jäger sein, du mein Gott‹, ›der Menz hat keinen Zug im Leibe‹, 'der Menz hat keine Ehre‹, ›der Menz hat keinen Schneid‹. Und so ging es weiter und nahm kein Ende, bis Menz den kleinen Fähnrich von Uttenhoven aus dem Wasser zog. Opitz natürlich spöttelte bloß, als sei's nichts gewesen, keine vier Fuß tief, und der Fähnrich so leicht wie 'ne Feder; als aber dann die Medaille kam und das Bataillon Carre schloß, da mußte Opitz still sein, und von ›nicht Ehre und nicht Schneid‹ war keine Rede mehr. Ich sage euch, Major Griepenkerl, der damals das Bataillon hatte, der hielt eine Rede, Donnerwetter, der verstand es, das ging an die Nieren, und hätte sich alles wieder zurechtgezogen, wenn nicht der Krieg gekommen war und die Geschichte mit dem Kreuz. Opitz hat ihm das Kreuz gestohlen. Eine ganz verdammte Geschichte ...«

»Warst du denn mit dabei ...«

»Nein. Aber so gut wie mit dabei, denn ich stand in demselben Zug und habe den ganzen Spektakel, der nachher kam, mit erlebt. .Alles war für Menz. Aber Opitz, der sich bei seinem Hauptmann – es war ein neuer, der alte war gefallen – in Tee gesetzt hatte, das versteht er, denn nach oben hin kriecht er, und nach unten hin tritt er und schurigelt er, Opitz, sag ich, wußt es so zu drehen, daß Lehnert leer ausging und das Nachsehen hatte. Und von dem Tag an war der Unfrieden wieder da.«

»Wie war es denn eigentlich? War es denn noch bei Sedan? Lehnert spricht nie davon.«

»Nein, bei Sedan war es nicht. Bei Sedan, das war Spaß, trotzdem wir fünf Minuten lang scharf drinsteckten. Aber das ging vorüber wie 'ne Regenhusche. Nein, dies war im Winter, als der französische General ... nu, Donnerwetter, wie hieß er doch? Bazaine war es nicht ...«

»Ducrot.«

»Richtig, Ducrot ... als der seinen letzten Ausfall machte. Maywald muß ja davon wissen; die Sechsundvierziger standen dicht neben uns. Aber was ich sagen wollte, das mit dem Lehnert, ja das war eine verdammte Geschichte. Die dritte Compagnie hielt die Vorderreihe von Saint-Cloud, und in dem Eckhause rechts, dran die große Straße vorbeiläuft, lagen zwölf Jäger von uns unter Oberjäger Jaczewski. und bei diesen zwölfen war auch Lehnert. Nun, daß ich's kurz mache, die ganze Linie mußte zurück, und der Angriff ging zuletzt auf das Eckhaus, das der Punkt war, auf den es ankam. Ging das Eckhaus auch verloren, so nahm man uns die Flanke. Jaczewski fiel, und das Kommando kam an Lehnert, und da war bald keiner mehr, der nicht einen Denkzettel weggehabt hätte; Lehnerten, das hab ich nachher gesehen, wurde der Gefreitenknopf und der Ohrzipfel weggeschossen. Aber er wollte nichts von Übergabe wissen und hielt aus, bis Sukkurs kam und die ganze Linie wieder genommen wurde.«

»Und kein Kreuz? Das begreife, wer kann. Du mein Gott, da waren doch die Aussagen der Leute!«

»Ja, die Aussagen der Leute. Die Leute, die lagen verwundet im Lazarett und ließen sich natürlich betimpeln und beschwatzen und sagten aus, was Opitz ihnen vorredete. Jaczewski habe das Kommando gehabt, und Jaczewski sei gefallen ...«

»Aber bist du denn auch sicher, daß Opitz unrecht hatte? Menz ist ein forscher Kerl, aber er dünkt sich was, weil er auf Schulen war, und ist eitel und hält sich für mehr, als er ist. Er hat einen Nagel.«

»Ja, den hat er, und es ist schwer Friede mit ihm halten. Er hat so was wie Opitz selber und ist gleich aus dem Häuschen. Aber eins muß doch wahr bleiben, er is ein guter Kerl und ein guter Kamerad und dabei grundehrlich und läßt keinen im Stich, und wenn man ihn nicht reizt und ihm nicht widerspricht und ihm in seinem Willen zu Willen ist, dann ist er wie 'n Kind, und man kann ihn um den Finger wickeln.«

»Das sag ich auch. Und wenn Siebenhaar es recht angefangen hätte, na, dann hätt er Opitzen angepredigt und dem ins Gewissen geredet und von den Geizigen und Hartherzigen gesprochen, die nicht ins Himmelreich kommen. Aber er hat den Spieß umgedreht und hat Opitzen recht gegeben. Und das ist nicht recht. Denn Opitz ist ein Narr und ein Quälgeist, und ich wollte bloß, er tränke sieben Seidel und hätte seinen Schlag weg. Dann wären wir ihn los, und das arme Volk wär ihn los, das in den Wald geht, und könnte sich ruhig sein bißchen Holz raffen.«

»Und wir könnten einen Spießer wegschießen, ohne Gefahr und Prison. Und das ist doch immer die Hauptsache.«

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