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Pucki - Unser Mütterchen

Magda Trott: Pucki - Unser Mütterchen - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorMagda Trott
titlePucki - Unser Mütterchen
publisherVerlag von A. Anton & Co.
printrun11.-20. Tausend
yearo.J.
firstpub1939
illustratorG. Kirchbach
senderreuters@abc.de
second correctorRegine Kreutz
created20160718
modified20180123
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Goldene Worte

Pucki strich einem blondlockigen Mädchen liebevoll über das Haar. Dann zog sie das Taschentuch hervor und trocknete ihm das verweinte Gesicht.

»So, kleine Hanna, nun ist alles wieder gut. Jetzt gehst du heim und versuchst, wieder ein braves Kind zu sein. Dann freuen sich die Eltern und sind dir wieder gut.«

»Ich möchte hierbleiben!«

»Nein, Hanna, du bist von zu Hause fortgelaufen, und deine Eltern wissen nicht, wo du bist. Sie würden sich ängstigen.«

»Ich will aber noch hierbleiben, weil es bei dir viel schöner ist als zu Hause. Ich möchte immer bei dir bleiben!«

»Aber Hanna – was sind das für Worte? Es ist nirgends so schön wie bei Vater und Mutter.«

»Der Peter hat mir doch gesagt, bei euch ist es am allerschönsten, denn du bist das Pucki-Mütterchen. Er hat gesagt, wenn ein Kind traurig ist, soll es zu dir kommen. Du hast für alle Kinder Bonbons.«

Pucki mußte lächeln. Aber das Bonbon gab es nicht. Das kleine Hannchen aus der Nachbarschaft war weinend zu ihr gekommen, weil es zu Hause für eine Unart bestraft worden war. Karl und Peter hatten im Vorbeigehen das weinende Kind nach seinem Schmerz gefragt, und Peter hatte es mit ins Haus gebracht. Seine Mutti sei das Mütterchen für alle Kinder, hatte er dem Mädchen gesagt, sie sei so lieb, daß kein Kind mehr zu weinen brauche.

So kam es, daß Hanna Terras bei Pucki Trost und Hilfe suchte. Pucki redete dem Mädchen gut zu, ermahnte es aber auch zur Folgsamkeit, denn die Strafe, die Hannchen erhalten hatte, war zu Recht erfolgt.

Daß man Frau Doktor Gregor überall mit Pucki-Mütterchen ansprach, wurde ihr auf die Dauer peinlich. Die Enkelkinder der gegenüberwohnenden Gemüsefrau nannten Frau Doktor Gregor auch nur noch Pucki-Mütterchen, und in der Schule sorgte Peter dafür, daß die Kinder, wenn sie von Frau Doktor Gregor sprachen, ganz allgemein Pucki-Mütterchen sagten. So wurde der Name bald in Rahnsburg bekannt, und einige Mütter ärgerten sich oft ein wenig darüber, daß ihre Kinder mit so großer Anhänglichkeit von Mütterchen Pucki sprachen. Trotzdem mußten sie zugeben, daß Frau Gregor wirklich den besten Einfluß auf Kinder hatte, daß sie allzu stürmische Zärtlichkeiten zurückwies und meinte: »Die Eltern sind euch die Nächsten, geht zu euren Eltern mit eurem Kummer und eurem Leid.«

So war also Hanna Terras wieder heimgeschickt worden. Pucki ging ins Zimmer, um die letzten Vorbereitungen für die heutige Kaffeegesellschaft zu treffen. Sie hatte einige Bekannte eingeladen, fast alles Mütter, mit denen sie seit längerer Zeit gut bekannt war. Pucki liebte es, einen anregenden Gedankenaustausch zu haben, und sie hoffte, von den anderen Müttern noch lernen zu können. Sie selbst war mit der Erziehung, die sie ihren Kindern angedeihen ließ, niemals recht zufrieden. Den größten Kummer bereitete ihr Peter, der nach wie vor nicht von seinen unwahren Übertreibungen ließ und trotz aller Verbote immer wieder naschte. Sogar Claus hatte ihn mehrfach hart bestraft, aber es war noch kein Zeichen einer Besserung bei dem Jungen wahrzunehmen.

Eben stellte Frau Gregor eine Vase mit Blumen auf den Tisch, als aus dem Kinderzimmer lautes Geschrei ertönte. Pucki erschrak. Das war Karl, ihr sonst so ruhiger Ältester, der in große Erregung geraten zu sein schien. Hastig eilte sie hinüber. Karl und Peter wälzten sich am Boden, und unbarmherzig schlug der Ältere auf seinen jüngeren Bruder ein. Peter kreischte.

»Karl!«

Einen Augenblick hielten die Knaben im Raufen inne, als sie die Mutter erblickten. Karls Gesicht war blaß vor Erregung.

»Sofort den Bruder loslassen und aufstehen!« gebot die Mutter.

Die energisch gesprochenen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht.

»Schämt ihr euch nicht? – Was gibt es, Karl? Warum schlägst du deinen jüngeren Bruder?«

»Er – – hat noch – den Fingerhut!«

»Ich will auch was haben!« schrie Peter dagegen.

»Was für einen Fingerhut?« fragte Pucki.

»Ich wollte sein Spielzeug haben«, weinte Peter, »er hat es immerfort. Auf dem Teller der Waage stand der Fingerhut. Da habe ich damit spielen wollen – und da ist der Karl gekommen – –«

»Mutti, meinen Schrank hat er aufgemacht!« rief Karl mit blitzenden Augen. »Manfreds Spielzeug hat er 'rausgenommen und kaputt gemacht. Und den Fingerhut hat er noch! – Mutti, Manfreds Spielzeug ist nun kaputt!«

Pucki begriff sofort, daß Karl sehr erzürnt war, weil Peter ihm seine Briefwaage zerbrochen hatte. Sie verstand jedoch nicht, warum Karl sich erneut auf den Bruder stürzte, um dessen verkrampften Fingern einen Fingerhut zu entreißen.

»Er hat auch einen«, rief Karl, »er hat ihn aber verschmissen. Mutti, ich brauche ihm meinen Fingerhut nicht zu geben. Der Onkel Doktor Eck hat gesagt, das ist ein Heiligtum, keiner darf seinen Fingerhut weggeben.« Dann ging er wieder auf den Bruder los und schrie: »Gibst du mir jetzt den Fingerhut, oder du kriegst Prügel!«

»Peter, gib den Fingerhut zurück. – Was ist denn das für ein Fingerhut? Habt ihr ihn mir weggenommen? Seit mehreren Wochen suche ich danach.«

»Ja, Mutti, ich habe deinen Fingerhut genommen, weil Onkel Doktor Eck auch einen Fingerhut von seiner Mutti in seiner Stube hat. Da wollte ich auch einen haben. Mutti, ich denke dann an dich. – Und an den Manfred denke ich auch, weil er mir sein liebstes Spielzeug zuletzt geschenkt hat. – Mutti, ich lasse mir meine liebsten Sachen nicht wegnehmen, auch nicht von Peter!«

Erst jetzt begriff Pucki, was es mit dem Fingerhut für eine Bewandtnis hatte. Peter erzählte weinend, daß er der Mutti auch einen Fingerhut genommen hätte, aber der sei nun weg. Da Frau Doktor Gregor die Lebensgeschichte von Doktor Eck und auch die Geschichte von dem Fingerhut, der auf des Doktors Schreibtisch stand, kannte, hatte sie kein Wort des Vorwurfes für die Knaben. Peter aber tadelte sie und verbot ihm, des Bruders Briefwaage noch einmal anzurühren.

»Sie ist kaputt!« klagte Karl.

»Wir lassen sie aber wieder heilmachen, Karl. Ich weiß, wie lieb sie dir ist. Peter wird es ein zweites Mal nicht wagen, dieses Spielzeug anzurühren. – Und jetzt laßt euch anziehen; ich bekomme Gäste, die ihr artig begrüßen sollt. – Schaut, Rudi ist der Bravste von euch, er sitzt still in der Ecke und –«

Pucki verstummte jäh. Rudi saß freilich mäuschenstill in der Ecke des Zimmers. Er hatte jedoch an der neuaufgelegten Bettdecke die Fransen entdeckt und auch eine Schere gefunden, mit der er nun lustig drauflosschnitt. Er ließ sich in seinem Vernichtungswerk durch nichts stören.

»Rudi!« schrie Pucki entsetzt und versetzte dem Knaben einen kräftigen Klaps auf die Händchen.

»Mutti, er ist auch nicht artig!« schrien die Brüder im Chor.

Da kam Emilie herein und meldete, daß die erste der Damen gekommen sei. Rasch rief Pucki ihren Jungen noch einige ermahnende Worte zu, dann verließ sie das Zimmer, um ihre Gäste zu begrüßen.

Bald saßen sie in lebhafter Unterhaltung am Kaffeetisch.

»Wie machen Sie es nur, Frau Gregor«, fragte eine der Damen, »daß Sie von allen Kindern des Ortes geliebt und verehrt werden. Dabei weiß ich genau, daß Sie manchem Kind, wenn es ein Unrecht tat, schon strenge Worte gesagt haben. Trotzdem kommen die Kinder immer wieder zu Mütterchen Pucki, wie sie sagen.«

»Ich finde es nicht richtig«, sagte eine andere, »daß Sie sich von Ihren Kindern ›Pucki-Mütterchen‹ nennen lassen, liebe Frau Doktor. Das untergräbt Ihr Ansehen.«

»Ich glaube das nicht«, erwiderte Frau Doktor Gregor. »Gewiß, es mag den Fernstehenden nicht richtig erscheinen, wenn mich die Kinder ›Pucki-Mütterchen‹ nennen. Es wirkt vielleicht sonderbar. Ich glaube jedoch, es ist in diesem Falle für die Kinder der höchste Ausdruck für das Wort Mutter. Ich lasse mich im allgemeinen auch nur Mutti nennen; nur in ganz seltenen Fällen, wenn das kindliche Herz übervoll ist, sagen sie Pucki-Mütterchen.«

»Ist Ihr Gatte damit einverstanden?«

»Mein Mann und ich haben von jeher versucht, die Seelen der Kinder zu verstehen bis in die kleinste Regung hinein. Alles, was unsere Kinder tun, wird zunächst vom Standpunkt des Kindes aus beurteilt, um das richtige Verständnis für ihr Handeln zu finden. Dann erst kommt der Standpunkt der Eltern dazu; beides gibt erst den Maßstab, mit dem wir das Tun und Lassen unserer drei Kinder beurteilen. – Wir Erwachsenen sollten niemals vergessen, daß auch wir einst jung gewesen sind. Wir müssen uns ins Gedächtnis zurückrufen, was wir als Kinder trieben und wie es uns dabei ums Herz war, wenn wir diesen oder jenen dummen Streich ausführten oder etwas taten, was verkehrt war.«

K.

»Ich glaube, Sie sind eine zu nachsichtige Mutter, Frau Gregor.«

»Das sagte mir meine Schwiegermutter auch schon einmal. Einen wunderschönen Vers schrieb sie mir auf, in dem es etwa hieß: Mit Weichheit ist im allgemeinen nicht viel anzufangen, Kraft sei die Parole des Lebens, Kraft im Wagen, Kraft im Entsagen. Ich bemühe mich redlich, meine Kinder danach zu erziehen, und ich hoffe, daß es mir gerade auf meine Art und Weise gelingen wird, sie zu tüchtigen Menschen zu machen. Es ist sicher, daß ich bei der Erziehung meiner Kinder manchen Fehler begehe, und ich bin dankbar für jeden Ratschlag, der mir gegeben wird. Nichts liegt mir so sehr am Herzen, als mein Heim glücklich zu gestalten und meine drei Kinder für den Kampf mit dem Leben zu stählen.«

Die schlanke, blonde Frau Helms, die an Puckis Seite saß, legte ihre Hand auf den Arm der glücklichen Mutter.

»Sie können zufrieden sein, Frau Doktor! Ich glaube, in ganz Rahnsburg gibt es keine zweite Frau und Mutter, die solch ein glückliches Heim hat wie Sie. Daß es so glücklich ist, ist allein Ihr Verdienst. Ich freue mich jedesmal auf unsere Zusammenkünfte. Viele von uns nehmen Gutes und Belehrendes mit heim, und wenn wir mitunter auch recht verschiedener Meinung sind, so denken wir doch über das Gesprochene nach und versuchen das Beste herauszuschälen. Ich habe in den letzten Tagen viel vom Pucki-Mütterchen gelernt.«

Frau Gregor wehrte ab, aber Frau Helms bekräftigte:

»Ganz gewiß, liebe Frau Gregor! Warum soll ich das nicht einmal aussprechen? Warum soll ich das nicht vor allen eingestehen? Ich liebe meine beiden Kinder auch über alle Maßen, aber ich habe mir leider nicht immer die Zeit genommen, ihre hundert Fragen zu beantworten. Ungeduldig habe ich die Kinder oftmals fortgeschickt, zumal es mir mitunter unmöglich war, eine Antwort zu finden. Vor wenigen Tagen kam erst mein Junge zu mir und stellte eine Frage, die ich nicht verstand. Darauf sagte er hastig: »Mammi, ich gehe zu Mütterchen Pucki, sie hat immer Zeit für kleine Kinder, sie sagt mir auch, was Montagearbeiter sind.«

Pucki lachte hell auf. »Das hat mich der Kleine allerdings gefragt. Er wollte wissen, ob das Arbeiter wären, die nur am Montag beschäftigt sind. Er hätte Lust, auch solch ein Arbeiter zu werden, da er dann an den anderen Wochentagen frei wäre.«

Die anwesenden Damen lachten. Frau Helms aber fuhr ernsthaft fort: »Die Worte meines Knaben stachen mir ins Herz. Ehe ich mich recht besann, war der Kleine fortgelaufen. In meinen Ohren klangen seine Worte nach: Ich gehe zum Pucki-Mütterchen. Folglich hat Pucki-Mütterchen mehr Verständnis für seine Fragen als die eigene Mutter. Das fühlte mein Junge. – Als er gestern und heute wieder seine Fragen stellte, habe ich sie geduldig angehört und beantwortet. Da sagte er: ›Oh, jetzt bist du auch wie ein Pucki-Mütterchen, das ist schön.‹ – Wollen Sie nun meinen Dank zurückweisen, liebe Frau Doktor? Haben Sie mich nicht unbewußt auf den rechten Weg gewiesen?«

»Ich weiß, Sie sind stark beschäftigt, Frau Helms«, entschuldigte Pucki.

»Einerlei – für ihre Kinder muß eine Mutter immer Zeit haben. Wir Frauen wollen von unseren Kindern geliebt werden, das können wir aber nur, wenn wir dafür sorgen, daß wir rechte Mütter unserer Kinder sind, Mütter im wahrsten Sinne des Wortes.«

Die anderen Damen waren nachdenklich geworden. Das unscheinbare Erlebnis der Frau Helms beschäftigte manches Mutterherz. Sie sagten sich heimlich, daß auch sie wohl mitunter zu ungeduldig ihren Kindern gegenüber gewesen waren. Wenn man seinen Kindern nicht Rede und Antwort stand, dann ging langsam das Vertrauen verloren. Das war dann der Anfang einer Entfremdung, die oft zwischen Eltern und Kindern steht. – –

Alle verlebten einen anregenden Nachmittag im Gregorschen Hause. Schließlich verlangten die Damen die drei Knaben zu sehen. – Sie wurden hereingerufen und betrugen sich recht artig, nur Rudi stellte sich an die Seite der Mutter, wies mit dem Finger auf die Tafelrunde und sagte:

»Mutti, was wollen die Damen hier?«

»Sie sind liebe Gäste deiner Mutti.«

»Warum?«

»Weil sie der Mutti etwas erzählen wollen.«

»Was erzählen sie denn, Mutti?«

»Allerlei schöne Dinge.«

»Mutti, dann erzähle uns auch was! Komm rasch mit 'raus!« Dabei zerrte er sie an der Hand und wollte sie aus dem Zimmer ziehen.

»Du weißt, Rudi, wenn die Mutti Besuch hat, dürft ihr nicht lange stören. Mutti erzählt dir später viele schöne Dinge. – So, nun geh mit den Brüdern wieder hinaus.«

»Aber komm recht bald«, flüsterte er ihr noch ins Ohr. Dann verließen die Knaben gehorsam das Zimmer.

»Selten artige Kinder haben Sie, Frau Gregor«, sagte eine der Damen. »Sie verstehen es ganz prächtig, Kinder zu erziehen.«

Und während Frau Gregor noch manches Lob über ihre Kinder hören mußte, wurde die Tür geöffnet, und Peter kam wieder herein. Blitzschnell stand er an der Seite der Mutter.

»Du – komm doch bald! – Laß die Damen endlich weggehen und komm zu uns!«

»Peter – geh hinaus!« schalt Pucki.

Frau Helms lachte, als die Tür sich hinter dem Knaben wieder geschlossen hatte.

»Da sehen Sie meine Erziehungskünste«, sagte Pucki ein wenig verlegen. »Es ist besser, nicht zu freigebig mit Ihrem Lob zu sein.«

Aber alle fanden die ehrliche Äußerung Peters sehr niedlich. Die anwesenden Mütter konnten es begreifen, daß die drei Kinder ihr Mütterchen nicht lange missen wollten.

Beim Abschied drückten die Damen Frau Gregor lange und herzlich die Hand.

Im Vorgarten spielten inzwischen Karl und Peter. Frau Helms rief die Knaben zu sich heran und strich ihnen zärtlich über die Wangen. »So – nun habt ihr euer Mütterchen wieder für euch. Seid nur recht lieb zu ihr, denn wir haben euer Mütterchen auch sehr gern.«

»Wir aber auch«, sagte Peter.

»Sie hat uns viel Schönes gesagt: goldene Worte, die wir beherzigen wollen.«

Die beiden Knaben schauten den Fortgehenden ein Weilchen schweigend nach. Endlich wiederholte Peter gedehnt: »Goldene Worte? – Was mag sie wohl gesagt haben? – Du, Karl, was sind goldene Worte?«

Die Neugier trieb die Knaben ins Haus, zur Mutter, die beim Abräumen des Kaffeetisches half.

»Mutti, was hast du den Frauen eigentlich erzählt?«

»Wir haben von unseren Kindern gesprochen.«

»Sind das goldene Worte? Tante Helms meinte, du hast goldene Worte gesagt. – Mutti, sage uns auch so ein goldenes Wort!«

Pucki lachte dazu und sagte: »Artige Kinder sind die Freude ihrer Eltern.«

Karl schüttelte unbefriedigt den Kopf. »Mutti, das ist nichts Goldenes, das kennen wir schon lange. – Sage uns doch auch ein goldenes Wort, wie du es zu den Damen gesagt hast. Oder sagt man goldene Worte nur zu Frauen und nicht zu Kindern?«

»Nein, mein lieber Junge. Goldene Worte sind Ratschläge, die andere beherzigen sollen.«

Peter machte ein pfiffiges Gesicht. »Nein, Mutti, ich weiß ganz genau, was goldene Worte sind. Von der Goldmarie und der Pechmarie oder von den Sterntalern, wo die goldenen Sterne dem kleinen Mädchen ins Hemdchen fielen und zu dicken Talern wurden: das sind goldene Worte. Mutti, erzähle uns doch wieder mal die goldenen Worte von der Goldmarie!«

»Hast du den Frauen auch von der Goldmarie erzählt?« fragte Rudi.

»Nein, Kinder, ich habe den Frauen – –«

»Ach, Mutti, wir möchten jetzt, bitte, bitte, die goldenen Worte von der Goldmarie hören.«

»Nun also«, meinte Pucki, »dann werde ich euch das Märchen noch einmal erzählen.«

Peter klatschte in die Hände. »Fein, Mutti, jetzt wissen wir auch, was goldene Worte sind!«

Sie saßen wie die Mäuschen um die Mutter herum und ließen sich wohl zum zwanzigsten Male das Märchen von der Goldmarie und der Pechmarie erzählen.

Am Abend, beim Gutenachtkuß, sagte Peter zärtlich: »Ich danke dir für die goldenen Worte, die du uns erzählt hast, Mutti.«

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