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Titus Maccius Plautus: Pseudolus - Kapitel 3
Quellenangabe
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typecomedy
authorMaccus Titus Plautus
titlePseudolus
publisherArtur Brückmann
year
firstpub
translatorArtur Brückmann
correctorreuters@abc.de
senderPhilipp Brückmann
created20090701
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Macht eure Lenden breit, setzt euch bequem
und reckt die Hälse: Eine lange, heitere Komödie
von Plautus kommt jetzt auf die Bühne.

Erste Szene

Calidorus und Pseudolus treten auf

Pseudolus: Könnt' ich trotz deinem Schweigen, Herr,
erraten, was an Argem dich so arg zerquält,
gern würd' ich dann zwei Menschen eine Müh' ersparen:
Mir, dich zu fragen – dir, die Antwort drauf zu geben.
Dies kann nicht sein, so zwingt mich die Notwendigkeit,
daß ich dich frage. Also, gib mir Antwort:
Was soll das, daß du schon seit Tagen ganz verstört
die Täfelchen mit dir herumträgst, sie in Tränen badest,
niemand Anteil nehmen läßt an dem, was in dir vorgeht?
Rede, so daß ich erfahre, was ich noch nicht weiß.

Calidorus: Pseudolus, ich bin entsetzlich übel dran!

Pseudolus: Das halte Jupiter dir fern!

Calidorus: Nichts davon fällt unter Jupiters Gerichtsbarkeit.
Der Venus Herrschaft foltert mich, nicht Jupiters.

Pseudolus: Und darf ich wissen, was es ist? Bisher
nahmst du in allem zum vertrautesten Genossen mich.

Calidorus: Ich bin auch jetzt noch so gesinnt.

Pseudolus: Dann laß mich wissen, was du hast.
Ich steh' dir bei, mit Rat und Tat und eifrigem Bemüh'n.

Calidorus: Nimm hier den Brief, lies selbst daraus,
welch Jammer, welche Sorge mich zerquält.

Pseudolus: Wenn du es willst – doch was ist das?

Calidorus: Was hast du?

Pseudolus: Diese Lettern da – mir scheint,
nach Kindern tragen sie Verlangen.
Besteigt da ein Buchstabe doch den andern.

Calidorus: Stets mußt du mit einem Wortspiel scherzen.

Pseudolus: In der Tat, ich glaube, wenn nicht die Sibylle uns
den Brief da vorliest, kann, was hier geschrieben steht,
uns niemand deuten.

Calidorus: Warum sprichst du derart unbarmherzig
über diese Schrift, so lieblich,
über diese Täfelchen, so lieblich,
vollgeschrieben doch von einer Hand, so lieblich.

Pseudolus: Oder haben etwa Hühner irgendwelche Hände?
Nämlich das hat ganz gewiß ein Huhn geschrieben.

Calidorus: Oh, was bist du mir verhaßt! Lies –
oder gib die Täfelchen zurück.

Pseudolus: Doch, doch, vorlesen will ich sie.
So wende mir nun deine Sinne zu!

Calidorus: Die sind nicht da.

Pseudolus: Dann lade sie dir vor!

Calidorus: Ich schweige lieber. Du,
zitiere du sie aus dem Wachs!
Denn dort sind meine Sinne jetzt,
nicht hier in meiner Brust.

Pseudolus: O Calidorus, die du liebst, ich sehe sie!

Calidorus: Wo ist sie? Ich beschwöre dich!

Pseudolus: Hier da, in diesen Täfelchen,
im Wachs liegt sie, als Opfer ausgestreckt.

Calidorus: Daß dich die Götter samt den Göttinnen ...

Pseudolus: ... doch jederzeit behüten mögen!

Calidorus: Eine Sommerblume war ich, nur für kurze Zeit.
Rasch aufgeblüht und rasch dahingewelkt.

Pseudolus: Jetzt schweige, während ich den Brief da lese.

Calidorus: Also, willst du endlich lesen?

Pseudolus: »Phönizia sendet Calidorus, ihrem Liebsten,
hier durch Wachs und Holz
und durch die Zeichen ihrer Schrift,
als Übermittler dienend, Heil und Segen.
Heil und Segen auch erfleht sie sich von dir,
mit wankendem Gemüt, das Herz, die Brust
voll Angst und Beben, unter Tränen.«

Calidorus: Mit mir ist's aus!
Das Heil, das ich für ihren Segenswunsch
zurück ihr senden sollte, nirgends ist es aufzutreiben.

Pseudolus: Was für ein Heil?

Calidorus: Aus Silber eines.

Pseudolus: Für ein Heil aus Holz willst du aus Silber eines
ihr zurückerstatten? Überlege gut, was du da tust!

Calidorus: Lies weiter vor!
Wie dringend ich das Silber aufzutreiben habe:
aus den Täfelchen wirst du's erfahren.

Pseudolus: »Der Kuppler hat für zwanzig Minen mich
an einen Söldner, einen mazedonischen,
in fremdes Land verkauft, mein Liebster,
und bevor er wegging, hat der Söldner
fünfzehn Minen schon bezahlt; fünf Minen nur
sind jetzt im Rückstand noch.
Und ein Erkennungszeichen hat der Söldner
hier zurückgelassen:
Sein Bild, von seinem Ring in Wachs gedrückt.
Dies deshalb, daß der Kuppler mich mit einem,
der das gleiche Zeichen hierher brächte,
zu ihm schicken sollte.
Man setzte auch den Tag fest, wann all das
geschehen sollte: an den nächsten Dionysien.«

Calidorus: Und die sind eben morgen. Nahe schon
ist mein Verderben, wenn mir Hilfe nicht von dir wird.

Pseudolus: Laß mich weiterlesen.

Calidorus: Sicher lass' ich dich. Mir ist dann so,
als ob ich mit ihr plauderte. Lies nur;
zusammen mischst du Bitteres und Süßes mir.

Pseudolus: »Was wir jetzt haben, unser Lieben,
vertraute Liebesbräuche, liebgewordene Gewohnheit,
Scherz und Spiel, Geplauder, süßes Kissenkußgekose,
Aneinanderpressen engverschlungener,
sich jäh begehrender, verliebter Körper,
zartes Liebesbeißen weicher, warmer Lippen,
wilder Ausbruch zuckender Verschlingungen
im Taumel unsrer Liebesorgien,
brustspitzenstarrendes Betasten, Drücken, Streicheln
– und was nun auf mich und ebenso auf dich
hereinbricht, ist Zerstückelung, ist Auseinanderreißen,
ist Verwüstung aller unsrer Wollust,
wenn nicht irgendwelche Rettung wird,
um meinetwillen dir, um deinetwillen mir.
Das ist es, was ich weiß;
daß du nun alles auch erfahren hast,
dafür war ich besorgt. Ich werde nun erfahren,
ob du wirklich liebst, ob alles Schein nur war.
Leb wohl.«

Calidorus: Ein jammervolles Schreiben, Pseudolus.

Pseudolus: O ja, ein äußerst jammervolles.

Calidorus: Warum weinst du nicht?

Pseudolus: Kannst du aus Bimsstein Wasser pressen
wie aus einem Schwamm? Ich habe Bimssteinaugen.
Nie kann ich durch Bitten sie bewegen,
auch nur eine Träne auszuspucken.

Calidorus: Wieso das denn?

Pseudolus: Trockenäugig war von jeher unser Schlag.

Calidorus: Du willst mir also gar nicht helfen?

Pseudolus: Was denn soll ich für dich machen?

Calidorus: Wehe!

Pseudolus: Wehe? Nun, das hättest du von mir
ganz ungeniert verlangen können.
Das kann ich dir geben.

Calidorus: Oh, in welcher schlimmen Lage bin ich!
Nirgends find' ich jemand, der mir Geld leiht!

Pseudolus: Wehe!

Calidorus: Keine Drachme auch im Hause drinnen!

Pseudolus: Wehe!

Calidorus: Der da läßt mir morgen schon
das Mädchen weg in ferne Länder bringen!

Pseudolus: Wehe!

Calidorus: So nun hilfst du mir?

Pseudolus: Ich gebe, was ich habe.
Davon hab' ich hier in unserm Haus
in Hülle und in Fülle.

Calidorus: Heut ist's um mich geschehen.
Aber könntest du mir eine Drachme leihen,
eine nur? Ich gebe sie dir morgen dann zurück.

Pseudolus: Auch dann wohl kaum,
wenn ich mich selbst dafür verpfände.
Doch, was willst du mit der einen Drachme?

Calidorus: Einen Strick will ich mir kaufen.

Pseudolus: Und wozu?

Calidorus: Mich daran aufzuhängen. Eines weiß ich sicher:
Noch bevor es dunkel wird,
bin ich in Todesdunkel eingehüllt.

Pseudolus: Und wer, wenn ich die Drachme dir geliehen,
gibt sie mir zurück? Willst du dich etwa deshalb hängen,
weil du weißt, daß du mich dann betrügst?

Calidorus: O glaub mir, ich kann nicht mehr leben,
wenn sie weggeführt, mir weggenommen wird.

Pseudolus: Seltsamer Vogel du, was heulst du?
Leben sollst du!

Calidorus: Hab' ich keinen Grund zu weinen, ich,
dem nicht ein Silberstück verfügbar, dem in aller Welt
auch keine Hoffnung auf die kleinste Münze sichtbar ist?

Pseudolus: Wie ich dem Brief entnehme, nützt,
was du mit Tränen zu beweisen suchst, genausoviel,
als wenn du Wasser schöpfen wolltest mit dem Sieb –
es sei denn, Silberdrachmen würdest du ihr weinen.
Doch verzage nicht: Du liebst, da lass ich' dich
ganz sicher nicht im Stich. Ich hoffe, daß ich dir
noch heute irgendwoher Hilfe, silberne,
verschaffen kann, sei es auf gute, oder sei's auf –
auf meine Art. Von irgendwoher wird es kommen;
woher, kann ich dir nicht sagen, das nur:
es wird kommen.
Die Augenbraue zuckt, weissagt mir so.

Calidorus: Was du da sagst: oh, möge, was geschieht,
den Worten auch entsprechen.

Pseudolus: Weißt du doch, beim Herkules,
von welcher Art und wie gewaltig
die Verwirrung und das Durcheinander ist,
das ich zu bieten pflege,
wenn ich meine innersten Mysterien zur Tat,
zur heiligen, errege und entfalte.

Calidorus: Alle Hoffnung meines Lebens ruht auf dir.

Pseudolus: Bist du zufrieden, wenn ich mache,
daß das Mädchen heute noch die deine ist?
Und daß ich mich verpflichte, zwanzig Minen
dir zu zahlen, wenn ich das nicht schaffe?

Calidorus: Wenn sie mein ist, bin ich wohl zufrieden.

Pseudolus: Dann verlange jetzt von mir,
daß ich um zwanzig Minen mich verpflichte.
Sicher sollst du sein.
Was ich versprochen habe, werd' ich dir verschaffen.
Mach schon, los! Beim Herkules, ich brenne drauf,
mich zu verpflichten!

Calidorus: Gut; wirst du in diesem Fall
mir zwanzig Minen zahlen?

Pseudolus: Ich bezahle sie. Nun störe mich nicht mehr.
Nur eines muß ich dir noch vorher sagen,
nicht daß du behauptest, nichts davon gewußt zu haben:
Geht's bei keinem andern, nehm' ich deinen Vater vor.

Calidorus: Die Götter mögen dich behüten. Eines nur:
Wenn immer möglich, halt dich gleichermaßen auch
an meine Mutter – um die Pietät zu wahren.

Pseudolus: Leg dich nach Belieben nun – aufs Auge.

Calidorus: Was? Aufs Auge? Nicht aufs Ohr?

Pseudolus: Es ist so weniger gewöhnlich. Aber jetzt,
daß niemand sagen kann, er hab' es nicht gehört,
sag' ich es allen: Der gesamten Volksversammlung,
wer auch immer hier erwachsen ist und handlungsfähig,
meinen Freunden und Bekannten allen
mach' ich hiermit ausdrücklich bekannt,
daß jeder sich für heute vor mir hüten muß,
daß keiner mir vertrauen darf.

Calidorus: Pst! Sei doch still!

Pseudolus: Was ist denn los?

Calidorus: Die Tür des Kupplers hat gekracht.

Pseudolus: Es wär' mir lieber, seine Knochen krachten.

Calidorus: Und da kommt er selber, langgeschwänzt,
der Schuft, der Ausbund aller Schlechtigkeit.

Ballio kommt aus seinem Haus, eine Peitsche in der Hand,

hinter ihm Sklaven und Hetären

Zweite Szene

Ballio bemerkt Calidorus und Pseudolus nicht

Ballio: Heraus mit euch! Los, wird's bald, kommt heraus,
ihr faules Pack, ihr hinterhältiges Geschmeiß,
ihr niederträchtiges Gesindel! Wer von euch
kam wann wo wie wohl je auf den Gedanken,
einmal etwas recht zu tun? Wie kann mein Recht an euch
ich jemals nutzen, ohne daß ich dieses Ding,
die Peitsche da in meiner Hand, gebrauche?
Niemals sah ich Menschen so dem Esel gleichen,
so sind eure Rippen hartgeprügelt; prügelt man euch,
fügt man selber sich mehr Schaden zu als euch:
So hartgegerbt ist eure Haut, daß ihr
– als wahre Peitschenreiber –
mir nur die Peitschen abnutzt.
Eines bloß habt ihr im Sinn: Wo die Gelegenheit
sich gibt, da raubt ihr, stehlt, greift zu,
rafft an euch, sauft und freßt, macht euch davon.
Auf solche Art und Weise tut ihr eure Pflicht,
daß ich weit lieber einen Wolf bei meinen Schafen ließe,
als mein Haus in eurer Obhut. Zwar – betrachtet man
nur euer Äußeres – scheint ihr nicht gar so schlecht,
doch, was ihr tut, beweist das Gegenteil.
Nun aber, wenn für das, was ich euch jetzt
bekanntzugeben habe,
ihr nicht aufmerksam die Ohren spitzt,
wenn ihr nicht euren Schlaf aus euren Augen,
eure Läßigkeit aus eurem Sinn vertreibt, will ich
mit diesen Riemen eure Seiten so behandeln,
daß nicht buntbemalte Decken aus Campanien,
nicht glattgeschor'ne Teppiche aus Alexandria,
mit Tierfiguren vollgestickt, so bunt und scheckig
anzusehen sind als euer Fell.
Hab' ich euch gestern nicht schon angewiesen,
was ihr verrichten solltet? Voll von Unbekümmertheit
seid ihr, so unnütz, schlecht und unverschämt,
daß ihr mich zwingt, euch mit der Peitsche da
an eure Pflichten zu erinnern. Zwar, ich weiß, ihr wollt
mit eurer Abgeschlagenheit,
mit harter Haut und hartem Sinn
durchsetzen euch dagegen und auch gegen mich.
Seht, wie sie alles treiben, nur nicht, was sie sollen!
Das da sollt ihr tun, darauf euch konzentrieren!
Richtet eure Ohren jetzt auf das, was ich euch sage,
Prügelpack ihr, hartverbläutes! Euer Rückenleder
wird doch wohl nicht härter sein
als dieses Peitschenleder?
– So, und nun? Tut das nicht weh? – Da hast du's,
ja, das kriegt man, wenn als Sklave
man den Herrn nicht achtet. Hier, grad vor mir
stellt euch auf und hört, was ich euch sage!
Du mit dem Krug – füll ihn mit Wasser, sorg dafür,
daß dann der Koch gleich einen vollen Kessel hat.
Du mit der Axt, dich setz' ich ein als Holzverwalter,
es zu spalten mit der Axt.

Sklave: Doch die ist stumpf!

Ballio: Dann laß sie stumpf sein.
Stumpf seid ja auch ihr von all den Schlägen.
Brauch' ich eure Dienste deshalb weniger? –
Du hast dafür zu sorgen,
daß das Haus in Sauberkeit erglänzt; du weißt,
was du zu tun hast, los, beeil dich, ab, hinein mit dir! –
Jetzt du, sei du der Festgelagetischbereiter!
Putz das Silber, türm es auf den Tisch,
soviel nur Platz hat. Sorgt dafür, daß ich,
wenn ich vom Markt zurückgekehrt bin,
alles fein gerichtet, hübsch geordnet, sauber ausgebreitet,
reichlich, üppig, festlich zubereitet finde.
Heut' ist nämlich mein Geburtstag;
da gehört es sich für alle,
mir den Tag besonders festlich zu gestalten.
Nur das Beste, was das Schwein zu bieten hat:
Hinterschinken, Bauch und Halsstück: Sorgt dafür,
daß alles das im Wasser liegt! Hast du verstanden? –
Angeseh'ne Männer, Spitzen der Gesellschaft,
will ich prächtig hier empfangen, so, daß sie von dem,
was ich besitze, eine hohe Meinung kriegen.
Hinein mit euch, erledigt alles schnell und tummelt euch,
daß keine Zeit verloren geht,
wenn dann der Koch kommt.
Ich inzwischen geh' zum Fischmarkt, mir zu kaufen,
was an Fisch für teures Geld zu haben ist.
Du, Bursche, nimm den Geldsack, geh voraus.
Doch Vorsicht, daß nicht jemand dir
ein Loch in meinen Geldsack bohrt! –
Halt, warte! Da ist noch etwas, was ich zu sagen
fast vergessen habe: Hört ihr?
Euch, ihr Mädchen, hab' ich folgendes Edikt:
Die ihr mit angesehensten und reichsten Männern
euer jugendliches sinnenfrohes Werk
so hübsch und zärtlich, biegsam und beweglich,
üppig und ergötzlich mir betreibt, ihr Liebesdienerinnen,
weitbekannte, jetzt will ich es wissen,
heute noch werd' ich erfahren, wer von euch
sich um das Wesentliche, wer um seinen Bauch,
um seine Lust sich kümmert.
Wer für seine Sache, Geld und Geldeswert bemüht ist,
wer für seinen Schlaf. Heut will ich auch erproben,
wen von euch ich, wenn ihr ausgedient habt,
freizulassen, wen zum Verkauf ich auszustellen
dann gedenke.
Sorgt mir dafür, daß mir von eueren Geliebten
Spenden noch und noch zusammenkommen.
Trifft mir nicht heute Vorrat für ein ganzes Jahr ein,
geb' ich euch morgen öffentlich dem Volke preis.
Ihr wißt es, dieser Tag ist mein Geburtstag.
Wo sind sie, denen ihr Augapfel, Leben, Wonne,
Küßchen, Brüstchen, Honigsüße seid? Sorgt ja dafür,
daß sie mir scharenweise als Geschenkeschlepper
vor dem Haus hier stehen!
Warum geb' ich euch wohl Kleider,
Schmuck und was ihr sonst noch braucht?
Was bringt ihr nichts als Schaden, Übel mir ins Haus,
unnützes Pack ihr, das ihr seid?
Auf Wein nur seid ihr aus!
Ihr schmiert euch damit, schmiert euch die Gedärme,
während ich indessen völlig ausgetrocknet bin.
Das Beste wird wohl sein, ich nenn euch einzeln nun
beim Namen, daß nicht eine hinterher noch leugnet,
daß ich es gesagt. Hört also alle her!
Als erstes dir, Hedytium, die du das Liebchen
von Getreidehändlern bist, die allesamt in ihren Häusern
riesige Getreideberge,
ganze Haufen von Getreide haben,
dir nun trag' ich auf, dafür zu sorgen, daß Getreide mir
herangeschafft wird, eine solche Menge,
daß es mir und allen, die zum Haus gehören
ausreicht für das ganze Jahr, so viel Getreide,
daß ich im Getreide schwimme und die Stadt
statt Kuppler Ballio, mich König Jason nennt.

Pseudolus: Hörst du, was dieser Schuft sagt?
Wie er groß tut?

Calidorus: Nicht nur groß, auch schlimm.
Doch still jetzt, hör ihm zu!

Ballio: Aeschrodora, du! Die Fleischer hast du zu Geliebten,
die Konkurrenten von uns Kupplern, die gleich uns
mit rechtem Schwur und schlechter Missetat
sich Vorteil suchen und Gewinn.
Aeschrodora, hör mir zu:
Wenn ich nicht heute noch Fleischspieße, drei,
mit Rückenstücken schwer behängt, mein eigen nenne,
geht es dir, wie einst der Dirke,
die, so sagt man, von zwei Söhnen Jupiters
an einen Stier gebunden wurde:
Morgen nämlich spann' ich dich an einen Fleischspieß:
Zum Stier soll er dir wahrhaft werden.

Pseudolus: Ah, wie entbrennnt mein Zorn
bei dem Gerede dieses Kerls. Die Jugend Attikas,
sie duldet diesen Schurken in der Stadt,
hält ihn in Ehren, geht bei ihm ein und aus?
Wo sind sie, die in jugendlicher Pracht
sich ihre Liebesfreuden hier beim Kuppler holen?
Was vereinen sie sich nicht?
Warum befreien sie das Volk vereint nicht von der Pest?
Doch weh, was bin ich dumm, was bin ich töricht:
Wer vom Liebesdrang beherrscht wird,
ihm nur dienen muß,
wie sollte der auf den Gedanken kommen, das zu tun?
Sie sträuben sich – und zugleich tun sie,
was sie gar nicht wollen.

Calidorus: Still jetzt!

Pseudolus: Wieso?

Calidorus: Du dienst mir schlecht. Ich will mir das Gerede dieses Kerls anhören.

Pseudolus: Ich schweige.

Calidorus: Besser, du schweigst wirklich – und redest nicht vom Schweigen.

Ballio: Du nun, Xystilis, paß mir gut auf!
Liebhaber hast du, welche ungeheure Mengen
von Oliven lagern haben. Krieg' ich nicht Öl
in ganzen Lederschläuchen hergebracht,
lass' ich dich morgen selbst in einem Lederschlauch
zum Vorbau bringen, wo ein jeder Dirnen haben kann.
Dort wird man dir ein Bett bereiten,
wo du keinen Schlaf, doch zur Erschöpfung
etwas finden wirst, – du weißt genau,
wohin sich das erstrecken wird, wovon ich rede.
Du Schlange du, Liebhaber hast du,
wohlversorgt mit Öl:
Und ist auch einem nur von allen Sklaven hier im Haus
der Kopf durch dein Bemühn ein bißchen mehr gesalbt?
Und ich, genieß' mein Fleisch ich nur ein bißchen fetter?
Doch du, dir liegt nicht viel an Öl.
Mit Wein salbst du dich! Aber warte!
Schadlos halt' ich mich, wenn du nicht dafür sorgst,
daß alles, was ich sage, auch geschieht. –
Und du, die noch und noch – in Worten nur –
das Geld aufzählst für deinen Freikauf,
nur verstehst, darüber zu verhandeln, niemals weißt,
wie du bezahlen willst, was du so ausgehandelt hast,
Phönizia, du Lieblingspüppchen aller feinen Herren,
dir sag' ich folgendes:
Kommt von den Gütern deiner Herren
mir Essensvorrat nicht, was nur vorhanden ist,
Phönizia, phönizisch-rot dein Fell,
wirst du den Vorbau morgen mir erblicken.

Dritte Szene

Calidorus: Pseudolus, hörst du nicht, was er sagt?

Pseudolus: Ich höre, ich bin ganz Ohr.

Calidorus: Was rätst du mir, was soll ich ihm schicken, daß er mir die Geliebte nicht öffentlich preisgibt?

Pseudolus: Du mußt nichts befürchten; sei nur ruhig. Ich sorge für mich und für dich. Der da und ich; schon lang sind wir uns äußerst wohlgesinnt, alt ist unsre Freundschaft: Dem verpass' ich heute als Geburtstagsgeschenk, ein schlimmes, ausgereiftes Ding, das ihm übel bekommen soll.

Calidorus: Was sollen wir tun?

Pseudolus: Kannst du dich jetzt um anderes kümmern?

Calidorus: Ah, du...

Pseudolus: Bah, du...

Calidorus: Mein Herz!

Pseudolus: Gewöhn' dich dran.

Calidorus: Ich kann nicht!

Pseudolus: Mach, daß du's kannst.

Calidorus: Wie kann ich mein Herz bezwingen?

Pseudolus: Halt dich jetzt lieber an das, was dir nützlich ist und richte die Seele nicht auf Widerwärtiges.

Calidorus: Possen! Es macht doch keinen Spaß, wenn Liebende nicht Unsinn machen.

Pseudolus: Immer weiter so?

Calidorus: Ach, Pseudolus, laß mich doch ein Nichtsnutz sein. Laß mich doch!

Pseudolus: Dann laß auch mich gehen.

Calidorus: Warte, bleib doch! Ich will ja sein, wie du mich haben willst.

Pseudolus: Endlich kommst du zur Vernunft.

Ballio: Der Tag vergeht, ich versäume meine Zeit, los, Bursche, geh voran!

Calidorus: O weh, er geht! Was hältst du ihn nicht zurück?

Pseudolus: Warum so eilig? Nur ruhig!

Calidorus: Tu's doch, bevor er weggeht!

Ballio: He, was soll das, Kerl, daß du so langsam gehst?

Pseudolus und Calidorus treten vor

Pseudolus: Geburtstagskind, Geburtstagskind, ich rufe dir, Geburtstagskind, dreh dich um, schau her zu uns! Auch wenn du beschäftigt bist, müssen wir dich in Anspruch nehmen. Warte doch und höre, was man dir zu sagen hat.

Ballio: Was ist los? Wer hält mich auf? Wer ist lästig, da ich beschäftigt bin?

Pseudolus: Einer, der dir einmal nützlich war.

Ballio: Wer es war, ist tot für mich; mir gilt nur, wer mir jetzt Nutzen bringt.

Pseudolus: Du trägst die Nase hübsch hoch.

Ballio: Und du bist hübsch lästig.

Calidorus: Halt ihn auf, geh, hol ihn ein!

Ballio: Los, vorwärts, Bursche!

Pseudolus: Versperren wir ihm dort den Weg!

Ballio: Jupiter soll dich zugrunde richten!

Pseudolus: Dich! Das wär' mein Wunsch.

Ballio: Euch beide, das meiner! Bursche, komm zurück!

Pseudolus: Kann man nicht einmal reden mit dir?

Ballio: Ich habe keine Lust dazu.

Pseudolus: Und wenn's etwas ist, das dir Vorteil bringt?

Ballio: Bitte – kann ich jetzt gehen oder nicht?

Pseudolus: Weh dir, so bleib doch!

Ballio: Laß mich jetzt in Ruhe!

Calidorus: Ballio, hör doch!

Ballio: Nein, ich will nicht hören. Ihr schwatzt umsonst.

Calidorus: Ich gab dir, solang etwas da war.

Ballio: Ich verlang' auch nicht, was du schon gegeben hast.

Calidorus: Wenn wieder etwas da ist, will ich ja auch wieder geben.

Ballio: Dann treib es mit den Dirnen, wenn du wieder etwas hast.

Calidorus: Wie schändlich hab' ich verloren, was ich zu dir hintrug.

Ballio: Du redest von Dingen, die längst gestorben sind; was bist du dumm: Du mühst dich ab um etwas, das schon geschehen ist.

Calidorus: Laß mich wenigstens als das gelten, was ich bin.

Ballio: Was du gewesen bist, das weiß ich schon lang; was du jetzt bist, weißt du selber. (Zu seinem Sklaven) Los, vorwärts, du!

Pseudolus: Ballio, kannst du dich einmal umsehn, hierher zu mir, wenn Gewinn damit verbunden ist?

Ballio: Für Geld schau' ich sicher. Auch wenn ich grad dem Jupiter ein Opfer brächte, wenn ich schon die Opferspeise in den Händen hielte, um sie auf den Altar zu legen: Wenn sich ein Geschäft böte mit Gewinn, so laß' ich lieber ein heiliges Geschäft im Stich als eines, das mir Gewinn bringt. Dieser frommen Pflicht kann man sich nicht entziehen, was immer geschieht.

Pseudolus: Sogar die Götter achtet der für nichts!

Ballio: (für sich) Doch, ich red' ihn an. (Zu Pseudolus) Sei mir gegrüßt, du Nichtsnutzigster aller Sklaven von Athen!

Pseudolus: Die Götter samt den Göttinnen mögen dich so lieben, wie wir zwei es für richtig halten, oder wenn du anderes verdienst, so sollen sie dich weder lieben, noch dir Gutes tun.

Ballio: Nun, Calidorus, wie stehts?

Calidorus: Man liebt und leidet schlimm.

Ballio: Wenn ich mein Haus mit Mitleid ernähren könnte, wäre das zum Erbarmen.

Pseudolus: Wir kennen deine Art. Groß verkünden brauchst du das nicht. Aber weißt du überhaupt, was wir nun wollen?

Ballio: Ungefähr schon: Daß mich ein Unheil trifft.

Pseudolus: Das auch, aber auch das, weswegen wir dich zurückriefen. Bitte hör jetzt zu.

Ballio: Ich höre. Aber mach's kurz, du siehst, ich bin beschäftigt. Bring vor, was du sagen willst.

Pseudolus: Der da schämt sich, weil er dir die zwanzig Minen noch nicht geben konnte, den Kaufpreis für die Geliebte, den er dir auf den Termin zu zahlen versprochen hat.

Ballio: Sich schämen trägt sich leichter als sich ärgern. Der schämt sich, weil er nicht zahlte, ich ärgre mich, weil ich es nicht bekam.

Pseudolus: Er wird zahlen, er wird das Geld beschaffen. Warte doch nur ein paar Tage; er fürchtet, du könntest sie verkaufen wegen des Ärgers, den er dir bereitet hat.

Ballio: Hätt' er nur gewollt. Gelegenheit, das Geld zu zahlen, gab es schon längst.

Calidorus: Wie, wenn ich's nicht hatte?

Ballio: Würdest du wirklich lieben, hättest du dir's geliehen, wärst zum Wucherer gegangen, hättest noch ein Zinslein beigefügt, hättest es deinem Vater gestohlen.

Pseudolus: Seinem Vater gestohlen? Du frechster aller Frechen! Die Gefahr, daß du zu etwas Rechtem rätst, besteht bei dir wohl nie.

Ballio: Ich bin ein Kuppler: Dessen Sache ist das nicht.

Calidorus: Dem Vater etwas stehlen, dem alten schlauen Fuchs? Und selbst wenn ich es könnte, mein Pflichtgefühl stände dem entgegen.

Ballio: Gut so. Dann schlaf mit deinem Pflichtgefühl, statt mit der Phönizia. Doch wenn dir schon dein Pflichtgefühl mehr wert ist als deine Liebe – sind denn alle Menschen deine Väter? Gibt es keinen, den du bitten könntest, es dir auf Kredit zu geben?

Calidorus: Nicht einmal das Wort »Kredit« existiert noch.

Pseudolus: Ja du! Dann vielleicht, wenn sie besoffen sind, wenn sie vom Tisch aufstehen, die Herren. Ihr eignes Geld verlangen sie vergeblich zurück, fremdes umgekehrt, das sie selber geliehen, zahlen sie auch nie zurück. Davon sind sie alle so gewitzigt, daß sie keinem mehr etwas leihen.

Calidorus: Ich bin schlimm dran! Nicht ein einziges Stück Silber kann ich mir beschaffen. An Liebe und an Silbermangel muß ich nun zugrunde gehn.

Ballio: Kauf dir doch Öl, heimlich und auf Kredit, verkauf es dann am hellen Tag gegen bar, und schon hast du zweihundert Minen bar im Sack.

Calidorus: Mit mir ist's aus. Das Gesetz bringt mich um. Es verbietet, daß man Leuten unter fünfundzwanzig Jahren Geld leiht. Alle scheuen sich drum, mir etwas auf Kredit zu geben.

Ballio: Genau dies Gesetz gilt auch für mich. Ich scheu' mich, dir Kredit zu geben.

Pseudolus: Nicht einmal Kredit? Trotz allem, was er dir schon eingebracht hat?

Ballio: Liebhaber sind nur brauchbar, wenn sie weitermachen mit dem Zahlen; weiter, immer weiter, fort und fort. Und wenn sie das Lieben sein lassen, wenn nichts mehr da ist.

Calidorus: Nichts erbarmt dich?

Ballio: Du kommst mit leeren Händen daher. Worte klingeln nicht in meiner Kasse. Doch wollt' ich tatsächlich, du lebtest noch und wärst gesund.

Pseudolus: He, er ist wohl schon tot?

Ballio: Wie immer auch, für mich ist er gestorben, jedenfalls nach diesen Worten. Liebhaber haben ausgelebt, wenn sie dem Kuppler nur noch mit Bitten kommen. Mit Klagen aus Silber kannst du zu jeder Zeit bei mir erscheinen; wenn du mir jetzt vorheulst, es fehle dir an Geld, klagst du umsonst. Es ist, als würdest du dich bei der Stiefmutter beklagen.

Pseudolus: Du hast wohl einmal mit seinem Vater Hochzeit gehalten?

Ballio: Die Götter meinten es besser mit mir.

Pseudolus: Tu doch, Ballio, um was wir dich bitten! Wenn du Angst davor hast, ihm Kredit zu geben, ich selbst, bei meiner Treue, werde dir das Geld bis in drei Tagen irgendwo herauswinden, aus der Erde oder aus dem Meer.

Ballio: Dir soll ich trauen?

Pseudolus: Warum nicht?

Ballio: Dir in irgendeiner Sache trauen, das ist, wie wenn ich einen Hund, der fliehen will, mit dem Lammdarmfaden festbinden wollte.

Calidorus: Ein schlechter Dank für alles, womit ich mich um dich verdient gemacht habe.

Ballio: Was willst du jetzt denn?

Calidorus: Daß du ungefähr sechs Tage noch warten willst, sie nicht verkaufst solange, mich Liebenden nicht zugrunde richtest.

Ballio: Sei getrost; damit warte ich auch sechs Monate.

Calidorus: Du Lieblichster aller Menschen!

Ballio: Soll ich dich noch froher machen?

Calidorus: Wie das?

Ballio: Weil ich die Phönizia gar nicht mehr verkaufen will.

Calidorus: Du willst nicht mehr?

Ballio: Nein, wirklich nicht.

Calidorus: Pseudolus, hol Opfertiere, Ochsen, Opferschlächter bring, daß ich diesem Jupiter opfere: Mehr Jupiter ist er für mich als Jupiter selbst.

Ballio: Keine Ochsen, mich muß man mit Lunge, Leber und Herz von Lämmern versöhnen.

Calidorus: Pseudolus, beeile dich! Was stehst du noch herum? Geh, hol Lämmer! Hörst du nicht, was dieser Jupiter befiehlt?

Pseudolus: Ich geh' schon. Aber erst muß ich noch vors Tor laufen.

Calidorus: Wozu das?

Pseudolus: Zwei Opferschlächter dort holen, Henker nämlich, dazu Schellen, auch zwei Bündel Ulmenruten bring' ich, daß diesem Jupiter überreiche Sättigung werden soll.

Ballio: Geh zum Henker!

Pseudolus: Dorthin geht der Kuppler-Jupiter!

Ballio: Es wär' für dich überhaupt nicht vorteilhaft, wenn ich zugrunde ginge.

Pseudolus: Wieso das?

Ballio: Ich will's dir sagen: Solang ich frisch und munter lebe, besteht nie Gefahr, daß etwas Rechtes aus dir wird. Doch umgekehrt ist es auch nicht schlecht für dich, wenn ich zugrunde gehe.

Pseudolus: Und das?

Ballio: Aus dem einen Grund: Bin ich nicht mehr, gibt's keinen größeren Schuft in Athen als dich.

Calidorus: Sag mir im Ernst jetzt, wonach ich dich frage: Willst du Phönizia, meine Geliebte, tatsächlich nicht verkaufen?

Ballio: Nein, wirklich nicht. Ich hab' sie nämlich längst verkauft.

Calidorus: Ja, wie denn?

Ballio: Ohne Schmuck, mit allen Innereien.

Calidorus: Meine Geliebte hast du verkauft?

Ballio: Sicher, für zwanzig Minen.

Calidorus: Zwanzig Minen?

Ballio: Oder vier mal fünf, wenn dir's so lieber ist. An einen mazedonischen Söldner, und fünfzehn Minen hab' ich schon.

Calidorus: Was hör' ich da?

Ballio: Daß die Geliebte jetzt in Silber verwandelt ist.

Calidorus: Wie konntest du das tun?

Ballio: Es gefiel mir so. Und sie gehörte mir.

Calidorus: He, Pseudolus, geh, hol ein Schwert!

Pseudolus: Was willst du mit einem Schwert?

Calidorus: Den erschlagen, mich dazu.

Pseudolus: Erschlage dich allein. Den bringt ohnehin der Hunger um.

Calidorus: Du Meineidigster aller Menschen, hast du mir nicht geschworen, sie keinem zu verkaufen außer mir?

Ballio: Geb' ich zu.

Calidorus: Und hast du's nicht feierlich in Eidesform geschworen?

Ballio: Gefaßt und auch genäht.

Calidorus: Und hast falsch geschworen, Schuft!

Ballio: Und das Geld dabei hereingebracht. Ich Schuft kann nun daheim das Geld einfach aus der Kasse nehmen, du dagegen, brav, aus bestem Haus, hast nicht einen Heller.

Calidorus: Pseudolus, komm, stell dich auf die andre Seite und überschütte den da mit Flüchen und Verwünschungen!

Pseudolus: Noch so gern. Schneller lief' ich nicht einmal zum Prätor, meinen Freiheitsbrief zu holen.

Calidorus: Halt ihm vor, was er Schändliches tat!

Pseudolus: Zerreißen will ich dich mit Worten: Schamloser du!

Ballio: Bin ich.

Pseudolus: Schuft!

Ballio: Sehr wahr.

Pseudolus: Du Galgenvogel!

Ballio: Warum nicht?

Calidorus: Grabschänder!

Ballio: Sicher.

Pseudolus: Henkersbraten!

Ballio: Bestens.

Calidorus: Ungetreuer!

Ballio: Paßt zu mir.

Pseudolus: Du Vatermörder!

Ballio: Weiter so!

Calidorus: Du Tempelschänder!

Ballio: Das gesteh' ich.

Pseudolus: Lügner!

Ballio: Längstbekannt!

Calidorus: Verbrecher!

Ballio: Schwerverbrecher.

Pseudolus: Verderber unsrer Jugend!

Ballio: Oh, und wie!

Calidorus: Du Dieb!

Ballio: Ach nein!

Pseudolus: Entlaufner Sklave!

Ballio: Ei, potztausend!

Calidorus: Volksbetrüger!

Ballio: Völlig klar.

Pseudolus: Du Gauner!

Calidorus: Unflat!

Pseudolus: Kuppler!

Calidorus: Dreckskerl!

Ballio: Wie brav ihr singt!

Calidorus: Mißhandelt hast du deine Eltern!

Ballio: Umgebracht dazu; doch besser als sie füttern. War das ein Verbrechen?

Pseudolus: Unser Reden geht in ein bodenloses Faß; wir vergeuden unsre Mühe.

Ballio: Habt ihr sonst noch was zu sagen?

Calidorus: Gibt es überhaupt etwas, worüber du dich schämst?

Ballio: Sicher: Dich Liebesnarren anzutreffen, hohl und leer wir eine taube Nuß. Dafür sollt' ich mich nicht schämen? Aber, wenn ihr mir noch so viele böse Worte sagt: Schickt der Söldner mir heute nicht die fünf Minen, die er noch schuldet – heute ist für ihn der festgesetzte Tag, den Rest zu zahlen – schickt er sie nicht, so glaub' ich, tu ich doch noch, was mir obliegt.

Pseudolus: Und das ist?

Ballio: Wenn du mir das Geld bringst, brech' ich ihm mein Wort; das ist es, was mir obliegt. Wenn sich die Mühe lohnt, sag' ich dir noch mehr, doch ohne Geld bittest du vergebens um Erbarmen. Das ist mein Beschluß. Was du tun willst, kannst du nun überlegen.

Calidorus: Gehst du schon?

Ballio: Ich bin voll beschäftigt.

Ballio geht ab

Pseudolus: Das bist du bald noch mehr! Wenn mich nicht Götter und Menschen im Stich lassen, hab' ich den. Dem hol' ich alle Knochen aus dem Leib, wie der Koch einen Fisch entgrätet. Calidorus, jetzt mußt du mir deine Dienste leihen.

Calidorus: Was du befiehlst!

Pseudolus: Ich will der Stadt zu Leibe rücken, so daß sie heute noch eingenommen wird. Zu diesem Zweck brauch' ich nun einen Mann, der vorsichtig, schlau, verschlagen und erfahren ist. Einen, der jeden Auftrag tadellos ausführt, nicht einen, der mit offenen Augen schläft.

Calidorus: Sagst du mir, was du vorhast?

Pseudolus: Wenn es Zeit ist, das versprech' ich dir. Ich sag' das gleiche nicht gern zweimal; die Komödie dauert ohnehin schon lang genug.

Calidorus: Gut und richtig sprichst du.

Pseudolus: Beeil dich denn, bring mir schnell den Mann!

Calidorus: Von den vielen Freunden, die man so hat, sind nur wenige wirklich sicher.

Pseudolus: Das weiß ich. Also nutze beides: Aus den vielen Freunden mach eine Auswahl für dich, zu deinem eigenen Vergnügen; und aus diesen wähl einen aus: Der ganz sicher ist, den überlasse mir.

Calidorus: Er wird gleich kommen, ganz gewiß.

Pseudolus: Kannst du jetzt gehn? Mit Schwatzen stiehlst du dir nur die Zeit.

Calidorus geht ab

Vierte Szene

Pseudolus: So stehst du nun allein da, Pseudolus¨!
Jetzt da er weg ist –. was nur sollst du tun?
Dem Sohne deines Herrn warst du
freigebig, ja verschwenderisch – mit Worten.
Wo sind sie jetzt? Wo hat er sie,
der keinen Rat zur Hand hat,
– und schon gar nicht Silber – ja,
jetzt weiß ich wirklich nicht mehr, was ich machen soll. –
Nichts hast du nun, von wo aus du
die Fäden spannen kannst, um dein Gespinst zu weben,
keinen festen Haltepunkt hast du,
zu welchem hin du dein Gewebe fertigweben könntest.
Doch wie der Dichter, in der Hand sein Schreibzeug,
etwas sucht, das nirgends existiert,
es schließlich trotzdem findet und, was Lüge ist,
der Wahrheit täuschend ähnlich macht,
so will auch ich jetzt Dichter sein und zwanzig Minen,
die es nirgends gibt, mir trotzdem irgendwo beschaffen.
Lang schon hatt' ich es versprochen,
zwanzig Minen zu besorgen,
hatt' auch im Sinn, dem alten Herrn die Schlinge
über seinen Kopf zu werfen, aber irgendwie
kam der mir immer auf die Schliche.

Simo und Callipho treten auf
Jetzt muß ich still sein, muß die Rede unterbrechen:
Meinen Herrn seh' ich;
er kommt mit Callipho, dem Nachbar.
Aus diesem alten Grab will ich die zwanzig Silberminen
schaufeln für den jungen Herrn.
Doch jetzt geh ich zur Seite,
will ihr Gespräch von drüben her belauschen.

Pseudolus geht zur Seite

Fünfte Szene

Simo: Sollten die Verschwender und die Liebesnarren einen Diktator für das attische Athen stellen, hätte wohl keiner den Vorrang vor meinem Sohn, da bin ich sicher. Jetzt heißt es in der Stadt, er wolle sein Liebchen freikaufen und suche deshalb Geld. Das haben mir andere zugetragen, aber ich hab' es längst selber bemerkt und den Braten schon gerochen. Doch ich tat so, als wüßt' ich von nichts.

Pseudolus: (für sich) Der Sohn stinkt ihm bereits. Mein Plan
ist schon dahin und das Geschäft bleibt stecken.
Glaubt' ich, freie Fahrt zu finden für das Geld,
ist nun ist der Weg versperrt. Gemerkt hat er's,
und nichts ist's mit der Beute für den Beutemacher.

Callipho: Ging' es nach mir, so würden alle hängen, die solche Beschuldigungen zutragen. An der Zunge, wer sie ausspricht, an den Ohren, wer sie anhört. Wenn dir zugetragen wurde, daß dein Sohn verliebt sei und dich um Geld betrügen wolle, kann das genau so gut nur Lüge sein. Und wenn es stimmt, was man dir zugetragen hat, was ist daran Besonderes? Daß ein verliebter junger Mann ein Mädchen freikaufen möchte, das er liebt, was ist neu daran?

Pseudolus: (für sich) Was für ein netter alter Herr!

Simo: Ich will aber nicht, daß er Altgewohntes tut.

Callipho: Du sträubst dich vergebens dagegen. Oder hättest du nicht gleich gehandelt, als du jung warst? Gar besonders tugendhaft muß doch ein Vater sein, der seinen Sohn so viel tugendhafter haben will, als er selbst einst war. Denn was du verschwendet hast, was du schlimme Streiche angestellt hast: Wenn man es auf alle einzelnen verteilen wollte, reichte das für das ganze Volk. Und jetzt wunderst du dich, wenn der Sohn dem Vater nachschlägt?

Pseudolus: Zeus, o Zeus! Wie selten seid ihr doch,
ihr wirklich angenehme Menschen!
Das hier ist ein Vater, wie ein Sohn
gerechterweise einen haben sollte.

Simo: (zu Callipho) Wer redet hier denn? Das ist doch in der Tat mein Sklave Pseudolus: Der war's, der mir meinen Sohn verdarb, der Erzhalunke! Er hat ihn geleitet, hat ihn erzogen; den säh' ich doch am liebsten auf der Folter!

Callipho: Es ist wirklich unklug, wen du deinen Zorn so offen zur Schau zu trägst. Wieviel besser wär's doch, du würdest zu ihm hingehen, freundlich mit ihm reden, um herauszufinden, ob es wahr ist oder nicht, was man dir so zugetragen hat. Ein kluger Sinn macht in einer schlimmen Sache das Unheil halb so schlimm.

Simo: Ich will deinen Rat befolgen.

Pseudolus: (für sich) Sie gehen auf dich zu; jetzt, Pseudolus,
leg dir zurecht, was du dem Alten sagen willst.

(laut) Zuerst dem Herrn den Gruß, wie's ihm zukommt, wenn noch etwas übrigbleibt, kriegen auch die Nachbarn ihren Teil.

Simo: Sei gegrüßt. Was geht hier vor?

Pseudolus: Ja nun, gestanden wird hier – auf solche Art und Weise.

Simo: Schau dir den Stand von diesem Kerl an, Callipho, fast wie ein König.

Callipho: Gut gestanden, und zuversichtlich, wie ich meine.

Pseudolus: Auch dem Sklaven kommt Stolz zu, wenn er schuldlos und unbescholten vor dem Herrn steht, vor dem vorzüglichsten aller Herren.

Callipho: Wir wollen dich etwas fragen, wovon wir selbst nur von ungefähr wissen, durch einen Nebelschleier sozusagen, wovon wir irgendwie gehört.

Simo: Er wird dir's mit Worten darlegen, daß du glaubst, es sei nicht Pseudolus, der mit dir redet, Sokrates sei es.

Pseudolus: Ja, so ist's. Ich weiß wohl, du hältst schon lang nicht mehr viel von mir ; wie wenig du mir traust, merk' ich selbst. Du willst mich nun einmal für einen Nichtsnutz halten; trotzdem will ich auch in Zukunft treu und redlich sein.

Simo: Nun, Pseudoles, mach also deine Ohren auf, daß meine Worte dorthin dringen können, wohin ich sie dringen lassen will.

Pseudolus: Dann los, von mir aus kannst du reden, wenn ich dir auch böse bin.

Simo: Mir böse? Du bist mir böse? der Sklave seinem Herrn?

Pseudolus: Kommt dir das seltsam vor?

Simo: Beim Herkules! Wie du redest, muß ich mich vor deinem Zorn gewaltig hüten. Noch schlimmer willst du mich züchtigen, als ich dich gewöhnlich züchtige. (zu Callipho) Was meinst du dazu?

Callipho: Ich meine wirklich: Er ist zu Recht erzürnt, weil du so wenig Vertrauen in ihn hast.

Simo: Nun gut, zürnen mag er mir von mir aus. Daß er mir nicht schaden kann, dafür sorg' ich schon. Aber nun, was sagst du zu dem, was ich dich fragen will?

Pseudolus: Frag, wenn du etwas wissen willst; und was ich weiß, will ich dir verkünden, als spräche das Delphische Orakel zu dir.

Simo: Also, hör zu und denk an dein Versprechen. Wie ist das? Weißt du, daß mein Sohn ein Flötenmädchen liebt?

Pseudolus: Es ist so, verkündet das Orakel.

Simo: Und daß er ihr die Freiheit kaufen will?

Pseudolus: Auch das verkündet das Orakel.

Simo: Und daß du dabei bist, ihm zwanzig Silberminen zu besorgen, durch Betrug und abgefeimte Arglist? Von mir?

Pseudolus: Von dir soll ich sie beschaffen?

Simo: Genau. Um sie dann meinem Sohn zu geben? Seiner Geliebten damit die Freiheit zu verschaffen? Los, gestehe! Sprich: »Auch das sagt das Orakel.«

Pseudolus: Gut: »Auch das sagt das Orakel.«

Callipho: Er gesteht.

Simo: Nun, Callipho, hab' ich's dir nicht gesagt?

Callipho: Ich erinnere mich.

Simo: Warum blieb mir das verborgen, warum hab' ich es nicht sofort erfahren, als du davon wußtest?

Pseudolus: Ich will dir's sagen. Weil ich kein schlimmes Beispiel sein wollte, daß ein Sklave seinen Herrn bei seinem Herrn verklagt.

Simo: Man sollte den Kerl auf der Stelle in die Mühle zerren, daß er angefesselt im Kreis herum die Mühle dreht – pausenlos!

Callipho: Ist das ein Verbrechen, Simo?

Simo: Aber sicher, ein wahrhaft schlimmes!

Pseudolus: Laß nur, Callipho; ich weiß genau, was mit mir los ist; ich bin schuldig. Aber jetzt hör zu, ich will dir sagen, weshalb ich dir das Liebesabenteuer deines Sohnes verschwieg: Ich wußte, daß die Mühle auf mich wartete, wenn ich es dir sagte.

Simo: Daß auch meinerseits die Mühle auf dich wartet, wenn du es mir verschweigst, das wußtest du wohl nicht?

Pseudolus: Ich wußte es genau.

Simo: Und warum hast du mir nichts gesagt?

Pseudolus: Jene Drohung stand vor mir, die andere war noch weiter weg. Jene war schon da, zwischen mir und jener andern war noch eine Spanne Zeit.

Simo: Und was macht ihr nun? Von jetzt an ist bei mir nämlich kein Geld zu holen, zumal ich ja Bescheid weiß; und daß euch niemand ein einziges Stück Silber leihen soll, das mach' ich hiermit öffentlich bekannt.

Pseudolus: Solange du noch da bist, werd' ich keinen andern um irgend etwas bitten: Du, beim Herkules, du wirst mir das Geld geben; ja sicher, von dir will ich es nehmen.

Simo: Du von mir?

Pseudolus: Aber ja.

Simo: Mach mit mir, was du willst, wenn ich es dir jemals gebe.

Pseudolus: Geben wirst du's. Ich warne dich jetzt schon: Hüte dich vor mir!

Simo: Gewiß: Wenn du das fertigbringst, hast du Unglaubliches, eine Wundertat vollbracht.

Pseudolus: Ich werd' es fertigbringen.

Simo: Wenn nicht?

Pseudolus: Kannst du mich verprügeln, wie du willst. Was aber, wenn es mir gelingt?

Simo: Dann soll Jupiter mein Zeuge sein, daß du von nun an immer straflos bleiben sollst.

Pseudolus: Sieh nur zu, daß du dich auch daran erinnerst.

Simo: Ich sollte mich nicht davor hüten können, wenn ich schon vorher davon weiß?

Pseudolus: Ich sag's dir im voraus: Hüte dich! Nimm dich in acht, paß auf! Mit diesen deinen Händen wirst du mir das Geld heute noch geben.

Callipho: Ein Genie ist er, wenn er sein Wort hält.

Pseudolus: (zu Simo) Vom Fleck weg sollst du mich als Sklaven mit dir nehmen, wenn ich's nicht fertigbringe.

Simo: Wie nett und freundlich! – Du gehörst mir ja überhaupt nicht!

Pseudolus: Soll ich euch etwas sagen, was euch noch mehr in Erstaunen setzen wird?

Callipho: Und wie ich höre! Mit Vergnügen hör' ich dich.

Simo: Dann mach schon, es macht mir Spaß, dich reden zu hören.

Pseudolus: Bevor ich diese Schlacht auszukämpfen habe, steht mir noch ein andrer Kampf bevor, ein glänzender, rühmenswerter Streich.

Simo: Was für ein Streich denn?

Pseudolus: Höre! Von dem Kuppler nebenan will ich mit Arglist und Betrug die Flötenspielerin holen, in die sich dein Sohn zum Sterben verliebt hat. Den Kuppler will ich hübsch listig um das Mädchen prellen.

Simo: Wirklich?

Pseudolus: Heute bis zum Abend will ich beides zustandebringen.

Simo: Wenn du wirklich fertigbringst, was du angekündigt hast, dann übertriffst du an meisterlichem Können sogar Agathokles, den großen König; aber, wenn's dir nicht gelingt, hab' ich dann noch irgendeinen Grund, dich nicht augenblicklich in die Mühle zu stecken?

Pseudolus: Und nicht einen Tag: alle Tage, die mir noch beschieden sind. Aber wenn es mir gelingt, gibst du mir dann das Geld, das ich dem Kuppler geben sollte? Auf der Stelle und aus freien Stücken?

Callipho: Was Pseudolus da verlangt, ist sein gutes Recht. Sag also: Ja, ich geb' es.

Simo: Weißt du, was mir da in den Sinn kommt? Wenn nun die beiden, er und Ballio, unter einer Decke steckten, wenn sie einen Pakt geschlossen hätten, mich hinterhältig und mit gemeiner Absicht um mein Geld zu prellen?

Pseudolus: Wär' irgendeiner frecher als ich, wenn ich eine solche Untat wagte? Wirklich, Simo, falls wir irgendeinen Pakt geschlossen oder etwas abgesprochen haben, wenn wir nur in irgendeinem Punkt gemeinsam übereingekommen sind: Wie man ein Buch mit einem Schreibrohr vollschreibt mit Lettern, so sollst du mich mit Ulmenruten-Griffeln beschreiben um und um.

Simo: Also dann: Sag deine Spiele an!

Pseudolus: Callipho, bleib bitte hier, widme diesen Tag mir und nimm dir kein anderes Geschäft vor.

Callipho: Ich hatte mir eigentlich gestern schon vorgenommen, aufs Land zu gehen –

Pseudolus: Wirf um, was du an Rüstung bereitgestellt hast.

Callipho: Gut – deinetwillen geh' ich nicht. Ein Vergnügen ist es, deinen Spielen zuzuschauen, Pseudolus. Und wenn er das Geld, das er dir versprochen hat, nicht geben will, zahl' ich es lieber selbst, als daß du's nicht bekommen sollst.

Simo: Ich halt' mein Wort.

Pseudolus: Wenn du's nicht gibst: Mit Geschrei und Lärm will ich es eintreiben. Jetzt aber weg von hier, geht ins Haus und macht Platz für meine Ränkespiele.

Callipho: Ganz nach deinem Wunsch.

Pseudolus: Daß du mir aber immer im Haus bist!

Callipho: Das versprech' ich dir.

Simo: Ich aber geh' auf den Markt. Bald bin ich wieder da.

Pseudolus: Komm schnell zurück!

Simo und Callipho gehen ab

Pseudolus: (zum Publikum) Ich habe den Verdacht, ihr verdächtigt mich jetzt, ich hätt' euch das alles nur versprochen, um euch mit Versprechungen hinzuhalten, während die Komödie über die Bühne geht, daß ich aber doch nicht machen werde, was ich versprochen habe. Aber nein, es bleibt dabei: Ich halte Wort. Ich weiß das sogar ganz sicher. Wie ich es machen werde, weiß ich allerdings nicht. Ich weiß nur, daß es irgendwie geschehen muß. Wer nämlich auf die Bühne kommen will, muß sich etwas Neues auf neue Art einfallen lassen. Ist er dazu nicht imstand, so räume er das Feld und mache dem Platz, der es kann.

Ich aber möchte mich nun eine Zeitlang hier ins Haus hinein zurückziehen, will in dieser Zeit alle die Ränke in meinem Herzen zusammenrufen: wohlgeordnet, truppweise aufgestellt. Bald komm' ich wieder, lang lass' ich euch nicht warten. Hier der Flötenspieler, der wird euch unterdessen unterhalten und erfreuen.

Er geht ins Haus

 

*

Pause

*

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