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Professors Zwillinge in der Waldschule

Else Ury: Professors Zwillinge in der Waldschule - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorElse Ury
titleProfessors Zwillinge in der Waldschule
publisherMeidinger's Jugendschriften Verlag G.m.b.H. Berlin
yearo.J.
illustratorR. Sedlacek
correctorJosef Muehlgassner
secondcorrectorRegine Kreutz
senderwww.gaga.net
created20140703
modified20150414
projectid6007942b
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12. Kapitel. Was Vater schreibt

Das Geburtstagspaket an Vater mit dem gut gelungenen Bilde und den schön geschriebenen Briefen seiner Zwillinge war pünktlich abgegangen. Nun warteten die Kinder von Tag zu Tag sehnsüchtig auf Antwort. Ob auch alles, vor allem der Aschbecher und das Fensterbild, glücklich in seine Hände gelangt wäre. An der Grenze konnte es am Ende liegen geblieben sein.

Die Kinder mußten sich lange gedulden. Der Fliederbusch in der Waldschule, von dem sie Vater die schönste Dolde mit ins Paket gelegt hatten, damit er doch wußte, daß es auch in Deutschland schon wieder Blumen gab, war bereits abgeblüht. Die Rosenstöcke setzten Knospen an.

Da lag endlich der ersehnte Brief, als sie des Abends aus der Waldschule kamen, daheim auf dem Tisch. An »Herbert und Suse Winter« stand auf dem Umschlag. Die Mutter hatte für sich allein ein Schreiben bekommen.

Dicht nebeneinander geschmiegt saßen Professors Zwillinge, Bubi zu ihren Füßen, auf dem Balkon unter wildem Weingerank und studierten gemeinsam Vaters Brief.

Neapel, den 1. Juni 19...

Meine lieben, guten Kinder!

Ihr habt mir mit Euren lieben Gaben, vor allem mit Eurem Bilde und mit Euren ausführlichen Briefen eine rechte Geburtstagsfreude bereitet. Es kam alles pünktlich und gut in meine Hände. Sogar der Flieder duftete noch zart. Ich saß unter Palmen am blauen Mittelländischen Meer und las Eure Berichte aus der Waldschule. Da glaubte ich, die märkischen Kiefern über mir rauschen zu hören. Nun bin ich im Geiste bei Euch in der Waldschule ganz zu Hause. Ich finde es ebenso schön dort wie Ihr. Ich kenne die Margot und die Lisa, das Paulchen, den Mulle und das Traudchen. Auf Almas Bekanntschaft hätte ich ganz gern verzichtet. Den Molch, die Kröte und die Eidechse, den Türko und die Bienen, alle Eure Freunde sehe ich deutlich vor mir. Am deutlichsten aber meinen Bubi und mein Mädichen, nach denen mir doch oft recht bange ist. Besonders am 28. Mai fehltet Ihr mir. Wißt Ihr noch im vorigen Jahr? Da haben wir an meinem Geburtstag alle, auch die kleine Omama, einen Ausflug nach Grünau und dem Müggelsee unternommen. Das war schön, nicht? Ich zeigte Euch abends bei der Heimfahrt noch verschiedene Sternbilder, den Mars, die Venus und den Saturn – habt Ihr's noch behalten? Hier funkeln die Sterne allabendlich so klar, daß man glauben könnte, man sähe sie durch ein Fernrohr. Aus meinen Briefen an Mutti wißt Ihr, wie schön ich wohne. Nicht in der Stadt, sondern ganz draußen in einem an der Meeresbucht gelegenen Villenviertel, dem Posilipo. Weiße, blütenumrankte Häuser klettern die mit Zitronen- und Orangenbäumen, mit Palmen, Oliven und Pinien bestandenen Anhöhen hinauf. Suschen, was würdest Du für eine Freude an den wunderbaren, oft seltsamen Blumen und Bäumen hier haben.

»Ach ja, wenn ich das doch mal zu sehen bekäme!« rief Suse. »Störe doch nicht, wir wollen weiter lesen,« mahnte Herbert.

Die große Pinie am Grabe des römischen Dichters Virgil, unweit meines Hauses, habt Ihr schon neulich durch eine Ansichtskarte kennen gelernt. Sieht sie nicht mit ihrem Nadeldach wie ein aufgespannter Regenschirm aus?

»Ja, genau so«, rief Suse dazwischen.

Den Dichter Virgil aus dem römischen Altertum werdet Ihr kennen lernen, wenn Ihr erst lateinischen Unterricht habt. Nun wollt Ihr doch aber sicher wissen, wie das Haus aussieht, in dem Euer Vater wohnt. Es steht hoch oben auf dem Berg. Ein weißes Haus ist es, unten mit Bogengängen, die von tiefblauen Klematis; so große Blütenglocken, wie wir sie bei uns gar nicht kennen, umrankt ist. Die Fußböden sind aus wunderschönen Steinmosaiken. Hohe, rote Ziegeldächer wie in Deutschland gibt es hier nicht. Die Dächer sind flach, man sieht viele Dachgärten. Ich habe mein Fernrohr oben auf dem Dach unseres Hauses aufgestellt. Da sitze ich meist die halbe, blütenschwere Sommernacht. Zu meinen Füßen rauscht das Meer, über dem Lichtergewirr des Hafens hinweg sieht man oft in der Dunkelheit feurigen Rauch aufsteigen, Funkenregen herniedergehen. Das ist der Vesuv, der jetzt wieder in Tätigkeit ist. Ich aber schaue in die glitzernden Sternenwelten über mir und denke an Euch Lieben daheim. Des Morgens, wenn ich in das Observatorium, so nennt man die Sternwarte, gehe, sehe ich viele kleine Jungen und Mädchen in die Schule wandern. Dann wünschte ich, ich hätte Euch hier.

»Das wünschte ich auch!« sagte Herbert aus tiefstem Herzensgrunde, und er dachte dabei an den großen feuerspeienden Berg.

»Siehst du, jetzt störst du, Herbert«, beklagte sich Suse. Bubi stimmte knurrend bei. Und dann studierten sie den langen Brief weiter.

Auf meinem allmorgendlichen Wege sehe ich noch viel mehr. Da kommen Bäckerjungen mit Kuchenbrettern auf dem Kopf und rufen ihr Gebäck aus. Die Leute kaufen sich im Vorübergehen eine Art Kuchenbrötchen. Da kommen die Zitronenverkäufer, meistens schwarzhaarige, bronzefarbene Buben mit brennendschwarzen Augen. Von einer Straße zur anderen hört man sie schon: » Limona – limona«, »Zitronen – Zitronen« schreien. Da sind die Melonenstände an den Straßenecken und die Eisverkäufer. » Gelato«, Fruchteis, spielt eine große Rolle beim italienischen Volk. Und dann vor allem die Maronenröster auf der Straße. Ein buntes Bild. Es ist oft arg heiß. Die Fenster, Balkone und Galerien sind mit gelbbraunen Stoffen fest gegen die Sonne verhängt. Auf den Stadtbalkonen sieht man keine Blumen wie bei uns. Da hängen allerlei Kräuter, wohl noch vorjährig, Pfefferschoten, Zwiebeln und der in Italien so beliebte Knoblauch in langen Schnüren zum Trocknen. Viele Läden, besonders die Barbier- und Fleischgeschäfte haben keine Türen. Bunte Glasperlschnüre, eine dicht neben der anderen, oder auch nur Blätterzweige halten Sonnenlicht und die lästigen Moskitos, die Stechmücken, ab. Des Nachts schlafe ich unter einem Moskitonetz. Aus weißem, dichtem Tüll hängt es von der Decke herab und hüllt das ganze Bett ein, daß kein Moskito mich stechen kann.

Neapel liegt bergig. Es baut sich am Meer auf. Es gibt schöne, lebhafte Verkehrsstraßen wie bei uns. Besonders in der Via Roma herrscht geschäftiges Treiben. Enge, malerische Gäßchen klettern die Höhen hinauf. So eng manchmal, daß man sich von einem Fenster zu dem gegenüberliegenden die Hand reichen kann.

»Hahaha, das muß lustig sein«, lachte Suse los. »Schade, daß es bei uns nicht auch so ist. Da könnten wir Lisa Licht ›Guten Tag‹ sagen.«

»Suse, rede nicht immer dazwischen.« Der Zwillingsbruder hatte ganz heiße Backen vor Eifer und Interesse. Er brannte darauf, weiter zu lesen.

Wäscheleinen sind über die Gasse von einem Fenster zum andern gespannt. Daran baumeln nicht immer sehr sauber gewaschene, oft recht zerfetzte Wäschestücke zum Trocknen. Am interessantesten sind die Hafengäßchen. Ist das ein Gewirr dort. Besonders wenn ein großer Ozeandampfer angekommen ist. Matrosen und Schiffsjungen aller Rassen, aller Länder sieht man dort. Neulich beobachtete ich, wie zwei gelbhäutige, schlitzäugige Mongolenjungen begeistert vor einem kleinen Schaufenster mit allerlei Kram standen. Schließlich gingen sie hinein und kauften – eine Puppe. Was sagt Ihr dazu? Die Osterien, das sind Weinkneipen, sind voll gedrängt mit singenden und Kauderwelsch sprechenden Matrosen. Den Hafen mit seinen gewaltigen Schiffen müßtet Ihr sehen. Und dann noch eins, das naturwissenschaftliche Museum. Es ist das größte und schönste, das es gibt. Da würdest du Augen machen, Herbert. Unser Berliner Aquarium ist dagegen klein. Tintenfische gibt es hier von kolossaler Größe und wunderbaren Formen. Wie gern würde ich Euch Kindern das zeigen.

»Ach nee«, sagte Suse und schüttelte sich. Sie hatte schon vor dem kleinen Aquarium und Terrarium in der Waldschule allen Respekt.

»Den Vesuv würde ich noch lieber sehen«, meinte Herbert nachdenklich.

»Bloß nicht, da würde ich mich ja tot graulen, wenn der immerzu Feuer spuckt«, rief Suse ängstlich.

Die Mutter trat auf den Balkon hinaus. »Na, seid ihr mit Vaters Brief noch nicht fertig, Kinder?« fragte sie.

»Noch lange nicht. Er ist ja so fein, Mutti. Vater erzählt uns ganz genau, wie es in Italien ist. Wenn du zuhören willst, lese ich weiter vor.«

Da setzte sich Mutti zu ihren Zwillingen auf den Balkon und Herbert fuhr mit Vaters Brief fort:

Nun wollt Ihr sicher auch wissen, wie ich in diesem Jahre ohne Euch meinen Geburtstag gefeiert habe. Hoch oben auf dem Vesuv. Ich mußte dem Direktor des Vesuv-Observatoriums sowieso einen Besuch machen, und da wählte ich meinen Geburtstag für diesen Ausflug Es war der gewaltigste Eindruck in meinem ganzen Leben. Ich habe nur immer gedacht, wenn ich Euch Lieben daheim doch an diesem überwältigenden Schauspiel teilnehmen lassen könnte. Die Eisenbahn brachte mich in kurzer Zeit in zauberhafter Fahrt am Meer entlang nach Resina. Dies ist ein Städtchen, das auf den Trümmern der bei dem furchtbaren Vesuvausbruch im Jahre 79 zur Zeit Titus verschütteten alten Römerstadt Herculanum erbaut worden ist. Von dort aus geht die Zahnradbahn auf den Vesuv hinauf. Zuerst Weinberge, überall Traubengelände. Man nennt sie hier in Italien Vignen. Das Land am Abhange des Vesuvs ist besonders fruchtbar. Dies ist wohl auch der Grund, daß überall wieder Anwesen entstanden, daß sich die Menschen trotz der ständig drohenden Gefahr immer wieder dort ansiedeln. Dann durchquert die Zahnradbahn einen ehemaligen gewaltigen Lavastrom. Schwarz und kahl ist jetzt das Land. Hin und wieder tauchen wilde Kastanien, graue Olivenbäume, aus denen Öl gewonnen wird, auf; hier und da eine einsame Pinie. Überall erkennt man schwärzlichen Lavaboden. Lava heißt die Asche, die der Vesuv auswirft – das wißt Ihr doch hoffentlich noch? Je höher man kommt, um so kahler und unwirtlicher wird es. Die Vegetation, die Pflanzenwelt, hört ganz auf. Verdorrte Bäume. Alles kahl, alles steinig und tot. Ich bekam es nicht fertig, schon beim Observatorium, das unterhalb des Gipfels liegt, auszusteigen. Erst mußte ich hinauf zu dem Krater. Das ist der feuerspeiende Schlund eines Vulkans. Nicht etwa mit einem Kater zu verwechseln.

»Vater hält uns doch aber auch für zu dumm!« beklagte sich Suse beinahe beleidigt.

»Er macht ja nur Spaß, Herzchen«, begütigte Mutti. Herbert aber, der Vaters Witz tüchtig belachte, fuhr fort:

Die letzte Strecke zum Gipfel hinauf führt steil eine Drahtseilbahn. Jeder Besucher bekommt einen Wettermantel um. Denn da oben weht eisiger Sturm. Schon beim Aussteigen aus der Bahn hört man das donnerähnliche Krachen des in voller Tätigkeit arbeitenden Vesuvs. Man darf den unweit der Endstation gelegenen Krater der damit verbundenen Gefahr wegen nur mit Führer besuchen.

Suse schmiegte sich fest an Mutters Arm. Selbst hier, so weit entfernt von dem gefährlichen Krater, war ihr recht ungemütlich zumute. Herbert las mit Begeisterung:

Um den Gipfel des Berges, der ganz in Dunst und Rauch gehüllt ist, führt der Weg herum. Man kann sich kaum aufrecht halten vor Sturm. Dabei entfaltet sich ein überwältigend schönes Panorama drunten im Tal. Tiefblaues Meer umschmiegt blühendes Land, lachende, sonnige Ortschaften, in Weinberge gebettet. Man glaubt das Paradies zu schauen. Ein paar Schritte weiter – und man blickt in die Hölle. Ein gewaltiges, schwarzes Rund öffnet sich, aus dem ein rauchender und fauchender Teufelskegel seinen verderbenspeienden Schlund öffnet. Entsetzlicher Qualm, Schwefeldunst, der einem den Atem benimmt, ist sein Gifthauch. Leuchtend rote Lohe, glühender Funkenregen schlägt aus seinem Feuerleibe empor. Donner kracht. Man glaubt, die Hölle öffne sich. –

»Nicht weiter, nicht mehr vorlesen. Ich kann's nicht hören. Der arme Vati!« Suse weinte beinahe vor Aufregung. Sie hielt sich die Ohren zu. Auch Bubi erhob blaffend Einspruch.

»Es ist ihm ja nichts geschehen, Suschen, man darf ja gar nicht so dicht heran«, tröstete die Mutter das erregte Kind.

»Hab' dich bloß nicht, Suse. Fein muß es da oben sein! Ich wünschte, ich käme auch mal hin«, rief Herbert ungnädig, daß er schon wieder in dem spannenden Bericht unterbrochen wurde. Er las weiter:

Ringsum schwarze Lava, gelbe Schwefelstücke, Steine. Ich habe für Euch welche mitgenommen. Ich konnte mich gar nicht von diesem gewaltigen Naturschauspiel trennen. Der Direktor des Observatoriums, den ich später besuchte, hat mich eingeladen, mal einige Wochen bei ihm zu Untersuchungszwecken zu verbringen.

»Ach, Mutti, liebes Muttichen, du mußt dem Vater gleich schreiben, daß er bloß nicht auf dem alten Höllenberg wohnen soll.« Flehentlich klammerte sich Suse an Mutters Arm. »Der feurige Kater verschlingt ihn sicherlich.«

»Der Kater?« lachten Mutti und Herbert los.

»Nee, nee, ich meine den gräßlichen Krater. Ja, Muttichen, schreibst du gleich an Vati?« Ganz blaß war die Suse vor Aufregung.

»Nun, so eilig ist es denn doch nicht. Wie kannst du dich nur so erregen, mein Mädichen! Vater ist vorsichtig, er wird sich nicht in Gefahr begeben. Dazu hat er uns viel zu lieb«, beschwichtigte die Mutter. Aber es war ihr selbst ein unbehaglicher Gedanke, ihren Mann in gefährlicher Nähe des Vesuvs zu wissen.

»Da kann man noch so vorsichtig sein, Mutti, das nützt einem gar nichts. Der Vesuv hat doch so viele Ortschaften vernichtet. Jeden Augenblick kann er wieder doller spucken.« Herbert brachte nun erst den Frieden. »Aber nun noch schnell den Schluß von Vaters Brief.«

So, nun wißt Ihr, wie erlebnisreich ich meinen Geburtstag begangen habe. Im nächsten Jahr feiern wir wieder zusammen – in Berlin oder hier in Neapel.

»In Neapel!« schrie Herbert, daß man es bis zum Reichskanzlerplatz hören konnte.

»Lieber hier – lieber hier!« Die Wünsche der Zwillinge waren nicht dieselben.

Und nun, meine guten Kinder, lebt wohl. Muttis und Euer Bild steht vor mir auf dem Schreibtisch. Ich sage Euch jetzt gute Nacht, mein Bubi und meine kleine Mädi. Erzählt mir mal wieder etwas von Eurem Bienenstaat. Sorgt Ihr auch schön für die Mutti? Einen Kuß von

Eurem Vater.

»Puh –!« Herbert stieß, wie eine Lokomotive, nach der Anstrengung des langen Lesens den Atem aus. »Das war ein feiner Brief. Wir wollen ihn gleich noch mal lesen.«

»Jetzt wird erst Abendbrot gegessen, Kinder. Lene hat schon Eier und Milch hereingebracht. Kommt!« An jedem Arm einen ihrer Zwillinge, ging Frau Professor ins Zimmer zum Abendtisch.

Die Kinder, die sonst tüchtigen Appetit hatten, aßen heute beide nicht viel. Suse nicht vor Angst um den Vater. Herbert fand keine Zeit dazu, weil er unaufhörlich von dem feuerspeienden Berg redete.

Der Schluß von Vaters Brief fiel Suse ein. »Sorgt Ihr auch für die Mutti?« Nein, das taten sie nicht. Im Gegenteil, die Mutti sorgte für sie. Sie machte ihnen die Butterbrote zurecht, legte ihnen vor und –. »Ach, Muttichen, ich möchte ja so gern für dich sorgen, aber ich weiß nicht wie«, sagte Suse plötzlich.

Da lachte die Mutter herzlich. »Ihr sorgt schon für mich, wenn ihr nur da seid, daß es mir nicht mehr einsam ist, Kinder.« Das sahen sie ein. Herbert hielt es aber doch noch für angezeigt, die Mutter auf die Zartheit des Schinkens aufmerksam zu machen, ihr Brot und Butter ritterlich zu reichen und sich danach zu erkundigen, ob sie auch wirklich ganz satt sei.

An Einschlafen war heute nicht zu denken. Die Kinder waren viel zu aufgeregt. Herbert malte sich aus, wie es wohl sein würde, wenn sie vielleicht am nächsten Geburtstag mit dem Vater den Vesuv besteigen würden. Er dachte an Lava und Schwefelstücke, die er sammeln wollte, an Tintenfische, an die kleinen Kuchenbäcker und Maronenröster in den Straßen Neapels. All das Neue wirbelte in seinem Kopf durcheinander.

Suse schrie plötzlich im Halbschlaf laut auf. »Feuer – Feuer – der Höllenberg – der olle Vesuv kommt!« Sie weinte. Herbert lachte. Bubi blaffte. Mutti eilte herzu und beruhigte das verängstigte Kind. Sie zog den Vorhang vom Fenster zurück und zeigte Suse, daß der Lichtschein, den sie für den feuerspeienden Vesuv gehalten, ja nur der Scheinwerfer auf dem Funkturm war.

Da schliefen sie endlich ein.

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