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Prinzessin Jungfrau

Benno Rüttenauer: Prinzessin Jungfrau - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorBenno Rüttenauer
titlePrinzessin Jungfrau
publisherGeorg Müller
printrunDritte Auflage
year1911
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131115
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Achtes Buch

Vier Wochen sind darüber hingegangen. Werde ich heut soviel Kraft haben, mir all das Ungeheuerliche in der Erinnerung zu wiederholen?

Kann ich überhaupt noch denken?

Ich habe manchmal ein Gefühl, als ob der Schreck mein Gehirn ausgehöhlt habe, als ob meine Augen dazu verdammt wären, nur noch in ewige Nacht zu schauen.

Wenn man uns das Herz aus dem Leibe reißt und uns dennoch zumutet, weiter zu leben, das ist ein Zustand, den niemand ermessen kann, der ihn nicht erfahren hat.

Und dennoch meine ich, so etwas wie Trost und Erquickung zu finden, wenn ich meinem Unglück recht fest in die Augen schaue, wenn ich meinen ungeheueren Schmerz im tiefsten Innern selber aufwühle.

Aber das ist es nicht allein, was mich von neuem zur Feder greifen läßt.

Wer kennt nicht heute die Liebe und das Unglück jener Héloise? Sie werden auf ewig im Gedächtnis der Menschen leben. Und wenn nun ein Schlag, noch viel entsetzlicher, noch viel zermalmender, eine große Fürstin getroffen hat, wie als ob die ewigen Götter recht weithin sichtbar ein Exempel dartun wollten, daß die Größten dieser Erde doch auch nur arme Menschen sind: wird da die Zeit imstande sein, das Ungeheuerliche im Gedächtnis der Menschen auszulöschen?

Die Historiographen werden meine Geschichte schreiben; aber was wissen sie mehr davon, als ein paar armselige, äußerliche Vorgänge?

Die Dichter werden die trockenen Berichte aufgreifen und werden vielleicht mein Schicksal in erschütternde Gesänge bringen. Ja, wie gewisse Königinnen des Altertums, werde ich einst gar von schäbigen Histrionen auf den Brettern dargestellt werden. Gemeine Frauenzimmer, die vielleicht von der Bühne weg in das besudelte Bett ihres Aushälters eilen, werden sich etwas darauf zugute tun, meinen Schmerz einem pöbelhaften Publikum vorzudeklamieren. Fürchterlicher Gedanke.

Doch indem ich selber die Geschichte dieser letzten Tage aufzeichne, werde ich wenigstens ihrer äußerlichen Entstellung, werde ich wenigstens zufälligen oder absichtlichen Tatsachenfälschungen vorbeugen.

Ich schreibe freilich schlecht, ich weiß es. Ich schreibe meistens verworren und ohne Ordnung. Aber ich habe ja keinen Ehrgeiz nach dieser Richtung. Und einigermaßen kennen lernen wird mich die Nachwelt aus dem, was ich hier über mich festlege. Vielleicht, daß sie aus meinem Gekritzel Dinge über mich erfährt, die ohne dieses Gekritzel niemand je geahnt hätte.

* * *

Von Kindheit an habe ich den Freitag als einen besondern Unglückstag für mich betrachtet. Mein Glaube hat sich mit grauenhafter Unheimlichkeit erfüllt.

Jener letzte Freitag, von dem ich hier schrieb und welcher der Vorabend meiner Trauung sein sollte, wurde für mich recht ein Karfreitag.

Und wie grausam hat das unerbittliche Schicksal mich ans Kreuz geschlagen.

Ich war spät aufgestanden, da ich die Nacht nur wenig geschlafen hatte, und ich war noch im Ankleiden begriffen, als die Gräfin Epernon plötzlich in mein Schlafzimmer hereingestürzt kam und mir meldete, daß ein Expresse des Königs draußen sei und auf mich warte. Ich ließ Frau von Nogent rufen, wir sahen uns wortlos und entsetzt an. Vergeblich fragte ich nach Lauzun. Niemand hatte ihn gesehen.

Unter heftigem Zittern ließ ich den königlichen Boten hereinrufen.

»Seine Majestät wolle mich unverzüglich sprechen.«

Ich ließ anspannen.

Frau von Nogent begleitete mich, wir fuhren im Pavillon Sully vor, ich ließ Frau von Nogent in meiner Karosse, und man mag sich leicht eine Vorstellung davon machen, wie mir das Herz klopfte, als ich die große Treppe zu den Gemächern des Königs hinaufstieg. Oben erwartete mich der Page, der mir die Botschaft überbracht hatte.

»Der König sei in seinem Schlafzimmer. Er lasse mir sagen, den Weg durch die Garderobe zu nehmen.«

Diese Vorsicht konnte nur ein schlimmes Omen sein.

Als ich eintrat, schloß man hinter mir die Türe. Ich fand den König allein, er schien traurig und schmerzlich bewegt.

»Ich bin in Verzweiflung,« redete er mich an, »Euch unangenehme Dinge sagen zu müssen. Man hat in der ganzen Welt ausgesprengt, ich würde Euch meinem Günstling Lauzun aufopfern. Geradezu zum Opferlamm meiner königlichen Laune macht man Euch. In Frankreich und im Ausland redet man bereits häßliche Dinge über mich. Ich habe Euch hinlänglich meinen guten Willen gezeigt, aber die Welt versetzt mich in die Notlage. Euch heute zu erklären: Diese Heirat ist unmöglich. Wohl muß ich eingestehen, daß Ihr Grund habt, Euch über mich zu beklagen, ja, ich dürfte es Euch nicht einmal übelnehmen, wenn Ihr im höchsten Grad gegen mich aufgebracht wäret; aber höhere Rücksichten zwingen mich.«

»Um Gottes willen, Sire,« rief ich aus, »was sagt Ihr mir da? Ich kann das unmöglich glauben. Ich kann nicht glauben, daß Ihr eine Sache verhindern wollt, die niemand auf der Welt etwas angeht als mich ...«

Die Tränen erstickten meine Stimme.

»Ich weiß sehr gut,« begann ich abermals, »daß ich niemals den schuldigen Respekt gegen Euch vergessen werde. Und selbst, wenn es mir einfallen könnte, Euch zu trotzen, so würde doch Herr von Lauzun nie vom Weg des strikten Gehorsams gegen Euch abweichen. Wir können nicht anders, als uns Eurem Willen zu unterwerfen. Aber unsere Unterwürfigkeit muß Euch auch Garantie genug sein. Und also flehe ich Euch an, Sire, (dabei warf ich mich ihm zu Fußen) auf den Knien flehe ich Euch an, diese Heirat nicht zu verbieten. Ich habe Eurer Majestät schon gesagt, daß dies der einzige Weg ist zur Ruhe und zum Glück meines Lebens. Kein anderer Mann auf der ganzen Erde wird mir noch etwas sein können. Ich flehe Euch an,« rief ich noch einmal ganz von Tränen überströmt, »mich lieber hier zu Euren Füßen mit eigener Hand zu töten als mich grausam in die Verzweiflung zu stoßen. Eure Majestät weiß nur zu gut, warum jene Leute sich meiner Heirat widersetzen, sie mißgönnen Herrn von Lauzun seine Erhebung und sind selber lüstern nach meiner Erbschaft. Aus niedriger Habsucht suchen sie mein Glück zu vereiteln. Die Gründe, die sie vorbringen, sind nichtig. Ich bin gewiß, daß ich meinem Rang und meiner Würde nichts vergebe. Es gibt genug Beispiele in unserer Geschichte, daß Schwestern und Töchter unserer Könige sich mit Edelleuten vermählt haben, die von weniger illustrer Herkunft waren, als Herr von Lauzun. Von neuem flehe ich Euch darum an, Sire, mich lieber zu töten, als mir zu verbieten, mich mit Herrn von Lauzun zu vermählen, der seinerseits obendrein für sein Leben fürchten muß, wenn Eure Majestät Ihre Hand von ihm abzieht.«

Der König nötigte mich aufzustehen, er mußte mich mit Gewalt in die Höhe ziehen.

»Wegen Herrn von Lauzun sollte ich unbesorgt sein,« sagte er freundlich, »er gebe mir sein Wort darauf.«

»Ich vertraue Eurem Wort,« rief ich schluchzend, »aber was soll uns das nackte Leben? Euer Verbot, Sire, ist schlimmer als ein Todesurteil.«

Ich warf mich ihm zum zweitenmal zu Füßen, ich umklammerte ihm die Knie, ich schluchzte und weinte so heftig, daß mein Körper geschüttert wurde wie im Fieber.

Der König sah mich ratlos an. Ihm selber traten die Tränen in die Augen.

»Warum habt Ihr mir Zeit gegeben zur Überlegung,« sagte er, sichtbar von Schmerz bewegt, »warum habt Ihr die Trauung nicht beschleunigt? Man hat es Euch dringend genug geraten.«

»Sire,« entgegnete ich, »Eure Majestät hat noch niemand in der Welt das Wort gebrochen. Konnte ich denken, daß Sie mit mir und Herrn von Lauzun anfangen werden? Und in einem Fall, wo Euer Wortbruch zugleich die unmenschlichste Grausamkeit bedeutet?«

Ich verstummte, ich erschrak über meine eigenen Worte. Aber der König schien mehr beschämt als erzürnt.

»Sire,« fuhr ich fort, »wenn Ihr mir Lauzun nehmen wollt, könnt Ihr mich dennoch glücklich machen, indem Ihr mich diesen Augenblick zu Euren Füßen sterben laßt. Nie habe ich einen Mann geliebt außer ihm und er ist dieser Liebe würdig, nicht nur durch sein uneigennütziges Betragen gegen mich, sondern noch mehr durch seine Anhänglichkeit und Liebe für Euch. Ich flehe Euch noch einmal an, Sire, vermählt mich diesem verdienstvollsten und tugendreichsten Mann Eures Königreichs, den ich aus tiefstem Herzen liebe; wir werden dann oft miteinander streiten, aber nur darüber, wer Euch mehr ergeben sei, ich oder er. Nein, Ihr könnt mir diesen Mann nicht nehmen, Ihr könnt mir diesen Mann nicht aus dem Herzen reißen wollen!«

Ich schrie laut auf in meinem Schmerz, ich wußte kaum mehr, was ich sagte, ich flehte zuletzt nur noch um meinen Tod, den ich ihm eher verzeihen könnte, als die Trennung von dem Liebsten in der Welt. Zum drittenmal umklammerte ich die Knie des Königs.

»Er möge keine Grausamkeit begehen, die er nie vor Gott verantworten könne, er möge die Königliche Majestät nicht schänden durch einen Wortbruch ...«

Bei diesen Worten hörte ich ein Geräusch hinter einer Tapetentüre.

»Ah, Sire,« sprach ich stolz, indem ich mich erhob, »wem opfert Ihr mich? Wahrscheinlich Seiner Königlichen Hoheit, Eurem Bruder, der auf meinen Tod wartet, um mich zu beerben. Sire, das ist häßlich, das ist abscheulich.«

Der König suchte mich zu begütigen. Er sei gerührt von meinem Schmerz wie von meinem Gehorsam gegen ihn. Er verspreche mir in Zukunft alles zu tun, was mir Freude machen werde.

»Freude!« rief ich, »für mich gibt es keine Freude mehr auf der Welt, wenn Ihr mich von dem trennt, den ich liebe.«

»Er habe mir seine Gründe gesagt, ich werde einsehen, daß er nicht anders könne.«

»Ihr fürchtet das Urteil der Welt«, entgegnete ich scharf, »und Ihr bedenkt nicht, wie die Welt darüber urteilen wird, daß ein großer König feig sein Wort gebrochen und ein schon gegebenes Geschenk in eine unmenschliche Grausamkeit verwandelt hat. Ich bitte Eure Majestät um Verzeihung, aber ich kann mir nicht helfen, ich muß es Euch ins Gesicht sogen, daß ich mich für Euch schäme. Jedoch ich bitte Euch, hört nicht auf meine Worte, hört allein auf die Sprache meiner Tränen.«

Der König erhob seine Stimme, so daß man sie auch im Nebengemach hören mußte:

»Das Staatswohl steht in Frage, ich handle aus Zwang.«

»Ah, Sire« entgegnete ich resigniert, »Ihr spottet meiner. Aber diejenigen, die Euch das eingeredet hoben, die werden einst Euer spotten und Eurer Schwachheit.«

Der König machte die Bemerkung, es sei spät geworden, er umarmte mich unter Tränen, ich eilte hinaus, ich sah und hörte nicht.

Wie aller Sinne beraubt fuhr ich nach Hause, um in der Einsamkeit ungesehen zu weinen und zu schluchzen.

Am Nachmittage meldeten sich die Herzöge von Montausier und von Créquy, der Großmeister Guidry und Herr von Lauzun bei mir.

Ich brach in einen lauten Aufschrei aus, als sie in mein Zimmer traten. »Ich wolle nichts mehr hören, ich wolle von nichts mehr wissen, ich wolle sterben, wenn ich nicht mit Lauzun leben dürfe.«

Herr von Montausier ergriff das Wort.

»Seine Majestät hat uns befohlen,« sprach er, »mit Herrn von Lauzun hierherzukommen, daß er Euch in unserer Gegenwart seinen demütigsten Dank ausspreche für die Ehre, die Ihr ihm durch Eure Vermählung mit ihm erweisen wolltet, woran Euch aber höhere Gründe der Politik hindern. Der König befiehlt mir außerdem. Euch zu sagen, daß er Eure Unterwerfung unter seinen Willen, Eures tiefen Schmerzes ungeachtet, dankbar anerkennt. Euch seiner Zufriedenheit versichert und Euch bittet, zu glauben, daß seine Freundschaft für Euch alles tun wird, um Euch zufrieden zu stellen.«

Auf diese Rede antwortete ich lange nur mit leisem Weinen. Wohl eine halbe Stunde dauerte es, bis ich die Sprache wiedergewann.

»Der König hat gut tun und reden,« sprach ich dann, »er wird mich nicht von seiner Freundschaft überzeugen, wenn er mir mit Gewalt den Mann vorenthält, den ich liebe ... Und Ihr,« wandte ich mich an Herrn von Lauzun, »Ihr nehmt diese Wendung Ihr nehmt meinen Schmerz so ruhig hin. Ihr bringt es fertig, eine geradezu beleidigende Kaltblütigkeit an den Tag zu legen?«

»Wenn Ihr meinem Rat folgt,« entgegnete er ernst und ruhig, »speist Ihr morgen mit dem König und dankt ihm demütigst, daß er ein Vorhaben verhindert hat, das Euch nach weniger als vier Tagen unfehlbar gereut hätte.«

»Bei Gott, ich bin weit entfernt, Euren Rat zu befolgen,« rief ich voll Verzweiflung, »und ich will an nichts anderes mehr im Leben denken, als zu weinen; aber auch das wird bald vorüber gehen, mein Schmerz ist zu groß, um ihn lange zu ertragen.«

Die Herren fragte ich, ob es mir vergönnt sei, ein Wort allein mit Herrn von Lauzun zu reden. Wir traten beide in mein Kabinett, und wenn ich vorher ärgerlich war über seine unbegreifliche Selbstbeherrschung, hatte ich jetzt die Genugtuung, daß auch er mir vor Weinen nicht ein Wort sagen konnte.

»Ich soll Euch also nicht mehr sehen,« rief ich aus. »Beim gerechten Gott, die Verzweiflung darüber wird mich töten.«

Er fand keine andere Antwort als seine Tränen und wir kehrten zu den Herren zurück, die ich mit einem stummen Wink entließ.

Als sie gegangen waren, warf ich mich auf mein Bett hin und über vierundzwanzig Stunden verharrte ich so, vor Schmerz ganz besinnungslos.

Am Tage darauf erschien der Herzog von Créquy und meldete mir, daß der König mich zu besuchen wünsche. Ich ließ Seine Majestät bitten, Ihr Vorhaben noch einen Tag aufzuschieben.

* * *

Zur festgesetzten Stunde erschien dann der König. Kaum eingetreten, eilte er auf mich zu und umarmte und küßte mich unter Tränen.

»Wie,« rief ich aus, »Ihr könnt mich umarmen, wahrhaftig, Ihr ahmt die Affen nach, die ihre Kinder erwürgen, indem sie sie liebkosen.«

Er suchte mich in jeder Art zu trösten, er machte mir alle nur möglichen Zusagen. Ich antwortete ihm, die ganze Welt und das Leben selber sei mir gleichgültig geworden und zu sterben wäre mein einziger Wunsch.

»Wenn ihn Gott mir erfüllt,« setzte ich hinzu, »will ich Seine Barmherzigkeit preisen in Ewigkeit. Aber Eure Majestät wird sich sagen müssen, mich getötet zu haben.«

Vor meinem ungeheuerlichen Schmerz verstummte Seine Majestät.

Nach einer Weile aber begann der König von Herrn von Lauzun zu reden: er wolle ihn so begünstigen, daß ihn jedermann beglückwünschen müsse.

Darauf entgegnete ich, ich hielte das alles für leere Worte; diejenigen, die schon einmal seinen Willen gebogen, würden es gewiß fertig bringen, ihn abermals umzustimmen.

Und zum Schluß erklärte ich dem König: Ich wolle nie wieder an den Hof gehen, ich wolle Seine Majestät mit keinem Blick mehr sehen, wenn Sie nicht für gut finde, daß ich Ihr immer und immer wieder von Herrn von Lauzun spreche.

Drei Tage nach Seiner Majestät besuchte mich die Königin. Ich wußte ihr nicht viel zu sagen, noch sie mir. Vetter Orléans hatte sie begleitet, er sprach die ganze Zeit über von einem gewissen Parfüm, das er sich aus Spanien verschrieben. Meine Stiefmutter und meine Schwester, die Herzogin von Guise, kamen ebenfalls. Ich weigerte mich sie zu empfangen.

Ich ließ darauf die Gräfin von Montespan zu mir bitten und bat sie inständig, den König zu meinen Gunsten zu stimmen. Die Gräfin von Montespan habe ich immer für meine aufrichtigste Freundin am Hofe gehalten.

Von freien Stücken beehrte mich die Herzogin von La Vallière. Sie war auch damals gekommen, als alle Welt an meine Heirat glaubte, mir versichernd, daß meine Handlung einer großen Fürstin wahrhaft würdig, daß Herr von Lauzun ihr Freund sei und daß sie mich in Zukunft noch mehr lieben werde als seither.

Und nun wieder beteuerte sie mir, wie sehr sie mich beklage, ich selber könne mein Unglück nicht tiefer fühlen. »Denn noch nie«, rief sie aus, »hat man einer Person Eures Ranges einen solchen Schimpf angetan.«

Weniger könne sie Herrn von Lauzun bedauern, da ihn der König mit Gütern und Würden überhäufen wolle, daß ihn alle Welt beneiden werde.

»Und wenn er nicht heiratet, wird er nur um so glücklicher sein,« fügte sie hinzu.

Ich antwortete nicht auf ihr Geschwätz, das ich unsäglich albern fand.

* * *

An dem Tage, an dem meine beabsichtigte Vermählung durch den König rückgängig gemacht worden, war Lauzun in aller Frühe zum Parlamentsrat Boucherat gegangen, um die Schenkungsurkunde zurückzuverlangen und sie mir zu bringen oder, wenn ich sie nicht annehmen wollte, zu vernichten. Mein Kanzler Guilloire war aber schon um Mitternacht dort gewesen und hatte sie in meinem Namen eingefordert, ohne daß ich eine Silbe davon wußte. Er hatte auch in andern Angelegenheiten mehrere Male meinen Absichten schnurstracks entgegengehandelt, und ich zögerte nun nicht mehr länger, ihn kurzerhand zu entlassen.

Mit dieser Schenkungsurkunde und dem Ehekontrakt hatte man mir schon vorher in jeder Weise widerstrebt. Obwohl ich meinen Willen klipp und klar kundgetan: meinen ganzen Besitz auf Herrn von Lauzun zu übertragen, hatte Boucherat immer wieder neue Einwendungen gemacht und immer wieder um neue Informationen gebeten, nur um die Sache zu verzögern.

Mehr als zehnmal ließ er mich erklären, daß ich alles ohne Vorbehalt Herrn von Lauzun vermachen wolle. Und mehr als zehnmal hielt er mir entgegen, wie ich doch bedenken möge: daß ich in diesem Fall nach meiner Vermählung über gar nichts mehr zu verfügen hätte, weder für mich, noch zugunsten meiner Dienerschaft, noch zu Zwecken der Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Ich schrieb ihm zuletzt, daß ich mich selber höher einschätzte als meine Besitztümer, welche ich für etwas Geringes achtete im Vergleich zu dem Geschenk, das ich im Begriffe stehe, Herrn von Lauzun mit meiner Person zu machen. Auch sei ich sicher, wie ich Herrn von Lauzun kenne, daß niemand bei dem Handel zu kurz kommen werde, weder meine Person noch die Meinigen, weder die Kirche noch die Armen, kurz, daß ich mich mehr als die Herrin meiner Besitztümer fühlte, wenn ich sie Herrn von Lauzun gäbe, als wenn ich sie selber behielte.

* * *

Auf Antrag des Herrn von Louvois und einiger anderer Minister hat der König an alle seine Botschafter im Ausland folgendes Schreiben ergehen lassen:

»Da die Absicht meiner Base von Montpensier, sich mit dem Grafen von Lauzun, einem der Hauptleute meiner Leibwache, zu vermählen, nicht unbekannt geblieben ist und mein Verhalten in dieser Angelegenheit von solchen, die nicht näher unterrichtet sind, leicht mißdeutet und getadelt werden könnte, sehe ich mich veranlaßt, meinen sämtlichen Ministern und Botschaftern, die meine Geschäfte im Ausland besorgen, hierüber folgende Instruktion zugehen zu lassen ...«

Nein, ich habe nicht die Geduld, diese Staatsschrift, die einen ganzen Bogen füllt, hier zu kopieren; sie wird ohnedies in allen Archiven aufbewahrt und von allen Historiographen abgedruckt werden.

* * *

Seit Wochen schon mag ich weder essen noch schlafen. Ich bin ganz abgemagert. Wenn mich auch nur ein weitläufiger Bekannter des Herrn von Lauzun besucht, breche ich in lautes Weinen aus. Schon bin ich den Leuten ein Gegenstand tiefsten Mitleidens geworden.

Manchmal suche ich mich zu trösten. Ich rede mir dann ein, meine vollständige Unterwerfung wie die Lauzuns werde den König erweichen, und wenn er sieht, wie mein Schmerz Aufsehen erregt und die falschen Gerüchte Lügen straft, weil jedermann daraus ersehen muß, daß ich allein es bin, der diese Verehelichung will, werde er mir vielleicht doch noch gewähren, was er mir bereits einmal zugesagt hatte.

Der Trost ist schwach, den ich aus diesen Überlegungen schöpfe; doch geben sie mir einen Funken von Hoffnung und bewirken wenigstens so viel, daß ich mir den Tod weniger heftig wünsche als im Anfang.

Mein Unglück ist ohne Beispiel. Einen Schmerz wie den meinigen hat noch keines Menschen Brust gekannt. Nur Gott vermag die Größe dieses Schmerzes zu ermessen, und da er ihn mir vielleicht geschickt hat als ein Mittel, um mich von der Welt loszulösen und zu sich emporzureißen, will ich ihn mit Ergebung in seinen heiligen Willen zu ertragen suchen.

 

25. Dezember 1669.

Seit langem machte mir Lauzun Vorwürfe, daß ich so ganz und gar den König und den Hof vermiede. Aber ich widersetzte mich heftig seinen Zumutungen. »Mit keinem Blick«, rief ich aus, »sollen sie mich wieder zu sehen bekommen.«

Dennoch ließ ich mich gestern, als am Vorabend vor Weihnachten, bewegen, nach dem Louvre zu gehen.

Der König war im der Messe, als ich ankam. Die Königin fragte mich trocken, wie es mir gehe. Als ich durch das Zimmer mußte, wo ich damals die Unterredung mit dem König hatte, bekam ich ein solches Herzklopfen, daß ich alle meine Kräfte zusammennehmen mußte, um nicht umzusinken.

Man ging dem König in die große Galerie entgegen. Seine Majestät pflegt dann, von der Hofgesellschaft begleitet, ein halbes Stündchen, bis die Essenszeit heranrückt, in der Galerie zu promenieren.

So auch gestern, wobei er die Güte hatte, mir seinen Arm zu reichen.

Während dieses Auf- und Abwanderns fiel mich plötzlich ein so heftiges Weinen und Schluchzen an, daß ich mich vom Arm Seiner Majestät losriß und hinter die Vorhänge einer Fensternische flüchtete, um nicht dem ganzen Hof zum Schauspiel zu dienen. Der König kam darüber sehr in Verlegenheit. Nachdem er mit den übrigen am Ende der Galerie umgekehrt war, trat er allein zu mir heran.

»Ich kann es Euch gar nicht sagen,« sprach er, »wie mir Eure Tränen, an denen ich allein schuld bin, im Herzen weh tun, ich kann es Euch nicht sagen. Noch weniger mag ich sie Euch verbieten, ich mißkenne nicht die Größe Eures Schmerzes.«

Seiner Majestät selber standen wieder die Tränen in den Augen.

* * *

Ich habe schon einmal gesagt, daß ich vieles sehr verworren aufzeichne. Mein Kopf ist mir so wirr. Oft passiert es mir, daß ich etwas ganz anderes zu Papier gebracht habe, als ich eigentlich schreiben wollte. In dem Kapitel, wo ich von dem Besuch des Königs bei mir sprach, habe ich auch die Hauptsache vergessen.

Ich habe damals den König gefragt, wie er sich denke, daß ich in Zukunft mit Herrn von Lauzun zu verkehren hätte, und habe nicht verhehlt, daß ich es nicht ertragen würde, ihn ganz aus meiner Gegenwart verbannt zu sehen, wenn ich gleich entschlossen sei, auch in diesem Punkt Seiner Majestät zu gehorchen.

Der König hat darauf geantwortet, daß er mir keineswegs verbiete, Herrn von Lauzun zu sehen, den er sehr tadeln müßte, wenn er mir nicht eine ewige Dankbarkeit bezeugte.

»Ich hoffe,« sagte seine Majestät, »er wird für immer Euer bester Freund und Ratgeber sein.«

Ich dankte dem König, indem ich ihn zugleich inständig bat, nicht eines Tages etwa seine Meinung wieder zu ändern.

»Eure Majestät möge mir nicht zürnen,« sagte ich, »wenn in meinen Worten ein Vorwurf liegt. Indem Eure Majestät ein wenig zurückdenkt, wird Sie meine Furcht nicht unbegründet finden.«

Auch diese Rede schien mir der König nicht übelzunehmen.

* * *

Ich bin bei meinem gestrigen Gespräch mit dem König in der Galerie des Louvre stehen geblieben. Als Seine Majestät mich ein wenig getröstet glaubte, fragte Sie mich, ob mir meine Gesundheit gestattete, mit dem Hof nach Versailles zu gehen. Ich antwortete: Dazu fühlte ich mich in keiner Weise imstande. Und meine Tränen rannen von neuem.

In den Luxemburg zurückgekehrt, mußte ich mich aufschnüren lassen, worauf ich mich schluchzend auf mein Bett hinwarf. Es war mir unmöglich, mich aufrecht zu halten.

Spät am Abend machte mir Herr von Lauzun einen Besuch. Als er zusammen mit der Herzogin von Créquy und meinen beiden Ehrenfräulein eintrat, glaubte ich nicht anders, als daß der Schmerz mich töte. Lauzun war geputzt und heiterer Miene. Ich wurde von seinem Gleichmut dergestalt erschüttert, daß ich laute Verzweiflungsschreie ausstieß.

Jedesmal, wenn ich dran denke, was man uns angetan hat, meine ich, das Gehirn müsse mir bersten.

Erst als Lauzun, trotz all seiner Selbstbeherrschung, zuletzt weinen mußte, wurde ich ein wenig ruhiger.

Ich sprach von meiner Hoffnung, daß unserm Unglück vielleicht doch eine Grenze gesetzt sein möge, daß der König sich vielleicht erbarmen werde. Lauzun wollte nicht daran glauben.

Er blieb zwei Stunden und verließ mich scheinbar beruhigt.

Meine Damen fragten mich, ob ich zur Mette ginge. Ich konnte mich nicht dazu entschließen.

In meiner Verzweiflung an Gottes Güte und Gerechtigkeit, wie hätte ich da Andacht finden können.

Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, und in der heiligen Stunde des Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus fand ich eine Art grausamer Lust darin, allein zu sein mit meinem Schmerz und meiner Verzweiflung.

* * *

Den ganzen Weihnachtstag verbrachte ich bei den Karmeliterinnen in der Rue du Bouloy, wo meine Jugendfreundin, die Tochter der Gräfin von Epernon, feit kurzem Äbtissin geworden.

* * *

Der König pflegt am Neujahrstag Messe und Predigt bei den Jesuiten in der Vorstadt von Sankt-Anton zu hören. Ich begab mich nach dem Louvre, um vom Gefolge des Königs zu sein.

Als Herr von Lauzun meine verweinten Augen sah, machte er mir deswegen Vorwürfe, und drohte mir, mich nie wiederzusehen, wenn ich mich nicht besser zusammennähme. Darüber geriet ich vollends außer Fassung. Es war mir ganz unmöglich, dem König zu folgen. Später, bei Tafel, machte ich alle Anstrengungen meine Tränen zurückzuhalten, aber ich war sie schon so sehr gewöhnt, daß ich manchmal weinte ohne es zu wissen.

 

4. Februar.

Da es Lauzun wünschte und ich auch dem Könige gern zu Gefallen leben möchte, nahm ich nach und nach wieder die Gewohnheit an, von neuem täglich zu Hof zu gehen. In den letzten Wochen fanden eine ganze Reihe von Bällen und Komödien statt, an denen ich mich im Gefolge der Königin beteiligte. Mehr als einmal aber geschah es mir, daß ich mitten im Tanz innehalten und auf die Seite treten mußte, um nicht vor aller Welt laut herauszuweinen.

Erst gestern zu Vincennes bei einem Ballett, in welchem ich sozusagen auf Befehl eine Rolle übernommen, fiel es mich wieder an mit unwiderstehlicher Gewalt. Der König bemerkte meinen Zustand und eilte auf mich zu: »Meiner Base ist übel geworden,« sagte er, indem er mir seinen Hut vors Gesicht hielt, damit man meine Tränen nicht bemerkte. Mit diesen Worten führte er mich schonend beiseite.

Am schlimmsten wird es mir immer ums Herz, wenn ich mich zu solchen Festen mit Sorgfalt schmücken soll. Aber Herr von Lauzun will, daß ich fortfahre, die glänzendste Rolle am Hof zu spielen.

So mache ich dem König und Herrn von Lauzun zuliebe mit erzwungener Heiterkeit die Feste der Freude und die rauschenden Vergnügungen des Hofes mit, indes mein Herz blutet und es mir wohler täte, in stiller Kammer zu sitzen und einsam zu weinen.

* * *

Wenn ich mich nicht irre, habe ich hier niedergeschrieben, daß ich beschlossen, meinen Kanzler Guilloire zu entlassen. Herr von Lauzun, dessen Zartgefühl manchmal bis zum Lächerlichen geht, hat mich zum zweitenmal davon abgebracht. »Er wolle nicht Ursache sein an dem Unglück eines Menschen, der mir jahrelang treu gedient; er wolle vor allem nicht, daß es aussähe, als ob er der Herr und Meister in meinem Hause sei.«

Nun hat mir dieser Tage Guilloire, zusammen mit meinem Geheimschreiber Segrais einen neuen Streich gespielt.

Nicht alle Leute wissen, daß mir der König den Verkehr mit Herrn von Lauzun und seiner Schwester in graziöser Weise gestattet hat. Und so habe ich längst bemerkt, daß viele an der Gegenwart der beiden im Luxemburgpalast Anstoß nehmen. Ja, es wurden mir Reden hinterbracht, die ich als schimpflich auffassen konnte, wenn mir nicht alles Hofgeschwätz so gründlich gleichgültig wäre.

Nun meldete sich heute der neue Herr Erzbischof bei mir und machte mir im Vertrauen eine höchst seltsame Mitteilung. Die Herren Guilloire und Segrais seien bei ihm gewesen, um ihn zu veranlassen, beim König dahin zu wirken, daß er den Grafen Lauzun aus meiner Gegenwart entferne. Er, der Erzbischof, habe ihnen erwidert, die Herren möchten sich doch lieber an den König selber wenden. Darauf hätten sie ihm geantwortet, daß es sich hier um eine Angelegenheit der Seelsorge handle, daß das ewige Heil Königlicher Hoheit auf dem Spiele stehe und daß es darum seine, des Erzbischofs Pflicht sei, dagegen einzuschreiten.

So der Erzbischof.

Aber die Herren irren sich, wenn sie meinen, daß ich sie für mein Seelenheil besolde. Ich werde endlich ein Exempel statuieren und sie beide aus meinem Dienste jagen.

* * *

Meine vertrautesten Freunde reden mir manchmal schüchtern von dem Gerücht, wonach ich mich heimlich mit Herrn von Lauzun verehelicht hätte. Ich habe mir vorgenommen, mit keiner Silbe darauf zu antworten. Das macht sie nun ganz stutzig, ich merke es wohl; mögen sie glauben, was sie wollen.

Noch heute fing der Herzog von Montausier davon an. Er will als sicher wissen, daß das genannte Gerücht sogar dem König zu Ohren gekommen. Der hohe Monarch habe aber nur dazu gelächelt.

»Ich bin überzeugt,« setzte Herr von Montausier seine Rede fort, »daß der König Euch selbst dann nicht zürnen würde, wenn sich das Getuschel bewahrheiten sollte; er möchte Euch gerne glücklich sehen und er wird sich nie um etwas kümmern, wovon er mit gutem Gewissen sagen kann, daß er nichts davon weiß.«

Auch Herr von Montausier war in hohem Grad erstaunt, von mir weder eine Beteuerung noch sonst eine Antwort zu erhalten.

Denn sein ganzes Gerede, das merkte ich gleich, hatte von vornherein keinen andern Zweck, als mit Diplomatie und Vorsicht bei mir, wie man zu sagen pflegt, ein wenig auf den Busch zu klopfen.

* * *

Ich kann mir wohl denken, auf was die Anspielungen unsers Vetters Orléans heute bei Tafel hinzielten.

»Ihr habt Euren Kanzler Guilloire entlassen und den Herrn Rollinde dafür genommen.«

»Ja,« antwortete ich kurz.

»Ihr habt auch Euren Geheimschreiber Segrais weggeschickt, der ein rechtschaffener Mann ist durch und durch. Man könnte sagen, Ihr wollt Euer ganzes Haus zum Fenster hinauswerfen.«

»In seinem eigenen Haus kann jeder machen, was er will.«

Ich sah, daß der König lächelte. Er mochte bemerkt haben, daß sein Bruder ein mehreres sagen wollte und hatte sein Vergnügen dran, wie ich ihm kurz und bündig die Rede abschnitt.

Aber Vetter Orléans war noch nicht ganz entmutigt. Er begann von neuem.

»Euer Beichtvater ist auch auf einmal aus Paris verschwunden.«

»Er hat mich um die Erlaubnis gebeten, sich in seine Abtei zurückziehen zu dürfen.«

»Nun ja,« höhnte Vetter Orléans, »ein geprügelter Hund verkriecht sich.«

»Er hat sich, wie er mir sagte, in seinem Gewissen dazu verpflichtet gefühlt,« entgegnete ich lächelnd.

»Und so ist es in der Ordnung,« versetzte der König, »ein Hirt gehört zu seiner Herde, und ein Mönch in sein Kloster. Das ist auch die Meinung der Kirche. Ein Mönch, der sein Kloster verläßt, kümmert sich um weltliche Dinge und richtet leicht Unheil an. Meine Base hat wohl daran getan, den ihren dahin zu schicken, wohin er gehört.«

Solcher Weise hinderte der König seinen Bruder, in seiner Inquisition fortzufahren ... Zugleich erkannte ich, in welchem Grad mir der König wohlwollte, und wie er kaum geneigt schien, sich sozusagen in meine inneren Angelegenheiten zu mischen.

* * *

 

Saint-Germain.

Auf ausdrücklichen Befehl des Königs bin ich mit dem Hof hierhergekommen, obwohl es mir jetzt nur allein bei mir zu Hause einigermaßen wohl ist. Hier muß ich mir viel zu viel Zwang antun. Dieses Leben ist mir unleidlich. Auch lasse ich keine Woche vorübergehn, ohne für einige Tage nach Paris auszureißen, und da auch Lauzun diese Gewohnheit angenommen hat, kann es nicht fehlen, daß man gelegentlich darüber spricht und daß das Gerücht von unserer heimlichen Ehe daraus neue Nahrung zieht.

* * *

Wir haben eine neue Herzogin von Orléans. Es ist merkwürdig, wie obenhin man dieses Geschäft gemacht hat. Bei der Unterzeichnung der Eheverträge waren kaum sieben Personen anwesend, und noch nie ist es bei einer Zeremonie so wenig zeremoniell zugegangen. Die Trauung procura vollzog der Marschall Du Plessis zu Metz, wohin der Kurfürst von der Pfalz selber seine Tochter begleitet hatte. Man spricht viel von dem mesquinen Aufzug der Herrschaften. Oberste Bedingung des Vertrags war Übertritt der Prinzessin zur katholischen Kirche. Nach Abschwörung ihrer Ketzerei in die Hände des Bischofs von Metz und darauf erfolgter erster Beichte und Kommunion wurde sie zum Traualtar geführt. Sogar getauft hat man sie vorher, für den Fall, wie die Formel heißt, daß ihre frühere Taufe nicht gültigerweise vollzogen worden. Mehr kann man in einem Tag nicht leicht ausrichten.

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