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Prinz Zerbino

Ludwig Tieck: Prinz Zerbino - Kapitel 3
Quellenangabe
typecomedy
booktitleSchriften, Zehnter Band
authorLudwig Tieck
year1828
firstpub1798
publisherG. Reimer
addressBerlin
titlePrinz Zerbino
pages382
created130603
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Ein Jäger tritt als Prologus mit einem Waldhorn auf.

Scene: Ein dichter Wald.

Zuerst zum Gruß ein lustig Jägerstück,
Dann sag' ich Euch mein Bitte und Begehren:

Er bläst auf dem Horn, eine Stimme singt dazu:

            Muntres Herz, frischer Sinn
                    Ist Gewinn,
            Fröhlich geht's durch Büsche hin.
                    Weicht die Nacht,
            Auf zur Jagd! auf zur Jagd!
            Wann der rothe Morgen lacht.
                    Waldgesang,
                    Hörnerklang,
            Hörnerklang und Waldgesang
            Tönt das Jagdrevier entlang.

        Meiner Liebsten Stimm' ist schön
        Wann ihr lockendes Getön
            Durch des Waldes Dämmrung bricht,
        Aber höher schwillt die Brust,
        Herz klopft dann nach Jägerlust,
        Wann des Waldhorns Stimme spricht
            Ist dein Herz dir matt und bang,
    Schnell erfrischt es Waldgesang,
            Waldgesang und Hörnerklang!

Vielleicht ist Euch der Busen nun erweitert,
Daß Ihr es gerne faßt und liebreich duldet,
Wenn Phantasie vor Euch die muntern Flügel
In Wolken wiegt, mit Abendröthe Scherz treibt:
So hat die himmlische Musik mit Wunder,
Geberden, und mit ihrer Stimme, die
An's Herz geht, das vermocht, was sonst nicht Rede,
Geberde irgend eines Menschen mag.
Horcht also nun auf das Geräusch der Eichen,
Das Waldgebrause, das wie Geisterspruch
Vom fernsten Raum weg über unser Haupt
In schauerlicher Ferne sich verliert.
So gehn auch Töne hiehin, dorthin, Zweige
Sind Zungen, führ'n Gespräch und Waldgeflügel
Schwärmt durch die grüne Nacht und ist so ämsig. –
Nun ist den Freunden Jagdlust zubereitet,
Wer frischen Sinn zur muntern Arbeit bringt.
Die Hunde bellen, Jägerschrein erschallt,
Das Wild springt durchs Gebüsche, hinten nach
Die Jäger, alles tummelt sich und rührt sich. –
Seid auch nicht träge, Freunde, schüttelt ab
Die zugewohnte Ruh, vergeßt im Schwarm
Der alten Sprüchlein, die von Sicherheit
Und von Gefahr so überweislich reden.
Befürchtet nicht, daß Euch vom Weg entfernt
Das muntre Wild, wenn Ihr es rasch verfolgt,
Ihr findet rückwärts, wenn Ihr munter bleibt;
Denn keinem war es noch gegeben, frei
Auf offnem Wege, auf der sichern Straße
Ein Jäger zu sein; verliert auch nicht den Muth,
Wenn manchmal sich kein Wildpret blicken läßt,
Oder wenn durch ferne Büsche etwas schimmert
Unkenntlich, ob es Hirsch, obs Haase sei:
Verzeiht, wenn's manchmal scheinen sollt', als ob
In diesem lustigen, aus Luft gewebten
Gedichte der Verstand so gänzlich fehle,
Dem man doch sonst gewöhnlich in den Träumen
Der nichtgen, müßgen Phantasie begegnet.
Ihr müßt auch manchmal auf dem Anstand lauern;
Wenn man den fetten Hirsch sogleich erjagte,
Wär Jagdlust nüchtern und bequem Vergnügen.
Dann wieder geht's durch Dick und Dünn, durch Busch und Dorn,
Zu Pferde taumelt's oft dem Reiter, der
Den Waldabgrund beherzt hinunter schießt,
Die Aeste sausen über ihm, der Athem stockt,
Das Herz klopft ungestüm und ängstlich, Freude
Erfüllt ihn, wenn er sicher unten steht.
So haltet unser Spiel für nichts als Spielwerk.
Kein Vogel darf mit schwerer Ladung fliegen,
Ein Liebesbriefchen tragen wohl die Tauben,
Die Schwalbe Wolle nach dem warmen Nest,
Nur jenem großen Vogel Rock ist es
Vergönnt, die Luft mit kühnem Flug zu theilen,
Den Elephanten in den Klauen haltend. –
Zum Schluß ein kleines, unbedeutend Lied:

                Warum Schmachten?
                Warum Sehnen?
                Alle Thränen
                Ach! sie trachten,
                Weit nach Ferne,
                Wo sie wähnen
                Schönre Sterne.
                Leise Lüfte
                Wehen linde,
                Durch die Klüfte
                Blumendüfte
                Gesang im Winde.
                Geisterscherzen,
                Leichte Herzen!
    Ach! ach! wie sehnt sich für und für
    O fremdes Land mein Herz nach dir!
    Werd' ich nie dir näher kommen,
        Da mein Sinn so zu dir steht?
    Kömmt kein Schifflein angeschwommen,
        Das dann unter Segel geht?
    Unentdeckte ferne Lande, –
    Ach mich halten ernste Bande,
    Nur wenn Träume um mich dämmern,
    Seh' ich Eure Ufer schimmern,
    Seh von dorther mir was winken, –
    Ist es Freund, ist's Menschgestalt?
    Schnell thut alles untersinken,
    Rückwärts hält mich die Gewalt. –
                Warum Schmachten?
                Warum Sehnen?
                Alle Thränen
                Ach! sie trachten
                Nach der Ferne,
                Wo sie wähnen
                Schönre Sterne. – –

Vergönnt dem spielenden Geiste die Flur zu eichnen,
Die Rennbahn unsrer herzgeliebten Wünsche,
Turnierplatz unsrer liebevollen Träume,
Da wir als Sterbliche den schönen Ort
Nicht selbst besuchen dürfen. –
                        Lebet wohl! –

Ein Jägermarsch, Prologus geht ab.

 


 

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