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Prinz und Bettler

Mark Twain: Prinz und Bettler - Kapitel 36
Quellenangabe
authorMark Twain
titlePrinz und Bettler
publisherVerlag von Otto Spamer
printrunDritte Auflage
editorRudolf Brunner
yearo.J.
translatorRudolf Brunner
illustratorGeorg A. Stroedel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20170114
projectid18d38d41
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Schluß.
Wie alles gesühnt und vergolten wird.

Bei der vorgenommenen Untersuchung stellte es sich heraus, daß Hugo Henden seine Frau gezwungen hatte, Michael zu verleugnen. Er hatte ihr gedroht, sie umzubringen, falls sie seinem Befehle nicht nachkomme. Das schreckte sie nicht ab, da ihr wenig mehr am Dasein gelegen war. Sie weigerte sich also, ihren einstigen Geliebten zu verstoßen. Nun aber drohte ihr Hugo, er werde sie zwar verschonen, aber Michael töten lassen. Jetzt war ihr Widerstand gebrochen und sie willigte in alles.

Hugo selbst hatte den ganzen Sachverhalt eingestanden. Wegen seiner Drohungen und Betrügereien wurde er nicht vor Gericht gestellt, weil seine Frau und sein Bruder nicht gegen ihn zeugen mochten. Hugo schied von Edith und ging auf das Festland in Verbannung, wo er bald darauf starb. Später führte der Graf von Kent seine geliebte Edith an den Altar. Großer und aufrichtiger Jubel herrschte im Dorfe, als das Paar seinen ersten Besuch auf Hendenhall machte.

Tom Cantys Vater ließ nie wieder von sich hören.

Der König stellte nach jenem Bauer Nachforschungen an, der gebrandmarkt und als Leibeigener verkauft worden war. Er machte ihn wieder zu einem ordentlichen Menschen und gab ihm ein hübsches Gütchen.

Den greisen Anwalt befreite er aus dem Gefängnisse, wie er ihm versprochen hatte. Er brachte ihn wieder zu Ehren und einem sorglosen Auskommen. Selbst die Töchter der beiden Baptistinnen vergaß er nicht und versorgte sie reichlich. Auch der braven Bäuerin, die ihn so barmherzig aufgenommen, gedachte er wohlwollend und entschädigte sie für die verbrannten Speisen. Dagegen bestrafte er den Vollstreckungsbeamten, der damals willkürlich und ohne Befugnis, auf die bloße Aufforderung des Herrn Hugo, Michael die unverdienten Streiche hatte aufzählen lassen.

Dem Richter aber, der ihn so gnädig behandelt hatte, bewies er seine Gunst. Er hatte die Freude, ihn zu einem hochgestellten und allgemein geachteten Manne heranwachsen zu sehen.

Zeit seines Lebens erzählte der König gerne von seinen Abenteuern. Die Erinnerung daran, sagte er, sei ihm und seinem Volke nutzbringend, da sie als ein immer neuer Quell des Segens und der christlichen Nächstenliebe sich erweise.

Michael Henden und Tom Canty blieben seine Günstlinge, solange er herrschte. Als er, leider allzu früh, starb, betrauerten und beklagten sie ihn schmerzlich. Die Strapazen und Entbehrungen auf seinen Irrfahrten waren nicht ohne ernste Nachwirkungen für ihn geblieben und hatten seine Gesundheit untergraben.

Der gute Graf von Kent war zu verständig, um sein Vorrecht zu mißbrauchen. Aber er übte es noch zweimal aus: bei der Thronbesteigung der Königin Maria und wieder bei der Krönung Elisabeths. Ein Abkömmling von ihm machte das Vorrecht noch einmal bei der Thronbesteigung Jakobs des Ersten geltend. Der letzte Graf von Kent focht im Kriege der Republikaner auf Seiten des Königs und fiel in der Schlacht. Mit ihm erlosch das alte Vorrecht.

Tom Canty wurde ein alter Mann, der mit seinen weißen Haaren und seinem gütigen, liebenswürdigen Aussehen alle Herzen gewann. Er wurde geehrt bis zu seinem Tode und behielt auch stets sein nur ihm eigenes Staatsgewand. Wo immer dasselbe erschien, machten ihm die Leute ehrerbietig Platz und flüsterten einander zu: »Hut ab! Es ist des Königs Schützling!«

Freilich herrschte König Eduard der Sechste nur wenige Jahre. Aber er nützte sie zum Segen des Landes aus. Mehr als einmal, wenn irgend ein großer Würdenträger, ein Vasall der Krone seine Milde zu tadeln sich unterfing und ein Gesetz verteidigte, dem der König seine Härte nehmen wollte, heftete der Monarch seine großen, mitleidigen Augen traurig und beredt zugleich auf ihn und erwiderte:

»Was wißt Ihr denn von Not und Leid und Unterdrückung? Ich und mein Volk können ein Lied davon singen, nicht aber Ihr.«

Die Regierung Eduards des Sechsten war denn auch für jene rohen Zeiten eine auffallend milde. Lange nach seinem Tode, besonders unter der Herrschaft der »Blutigen Maria«, sprach noch das Volk wehmütig von seinem guten König Eduard.

Nun, da wir von ihm Abschied nehmen, wollen wir dessen uns erinnern und ihm im Herzen ein treues, liebevolles Gedenken bewahren.

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