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Prinz und Bettler

Mark Twain: Prinz und Bettler - Kapitel 2
Quellenangabe
authorMark Twain
titlePrinz und Bettler
publisherVerlag von Otto Spamer
printrunDritte Auflage
editorRudolf Brunner
yearo.J.
translatorRudolf Brunner
illustratorGeorg A. Stroedel
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20170114
projectid18d38d41
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Vorwort.

Mit vorliegendem Buche hat Mark Twain (Samuel Langhorne Clemens, geb. 1835) seinen Kindern das Beste und Anmutigste gewidmet, was sein schöpferischer Geist hervorbrachte, ein Werk, welches Verstand, Phantasie und Herz gleicherweise anzuregen geeignet ist. Um dieser Vorzüge willen haben wir uns entschlossen, die reizende Erzählung, die ein zärtlicher, geistvoller Vater für seine Kinder gut genug fand, auch der deutschen Jugend in passender Bearbeitung darzubieten.

Von den leider noch überwiegenden, bloßen Abenteuerromanen, welche den rohen Naturtrieben der Jugend zu schmeicheln sich nicht entblöden, ihre Einbildungskraft überreizen und ihr Gemüt verrohen, unterscheidet sich diese ansprechende Gabe des berühmten amerikanischen Humoristen durch den großen sittlichen Gehalt, vor allen durch den Geist einer reinen, versöhnenden christlichen Menschenliebe.

Eine weitere Anziehungskraft verleiht dem Buche die geschichtliche Unterlage, auf der die Handlung aufgebaut ist. Fast sämtliche Hauptpersonen der Erzählung sind historisch und nehmen teilweise eine hervorragende Rolle in den Blättern der englischen Geschichte ein. Ebenso beruht das reichliche kulturhistorische Material auf wirklichen Tatsachen. So ist auch in der Darstellung der damaligen grausamen Strafgesetzgebung nichts übertrieben. Gab es doch nicht weniger als zweihundertdreiundzwanzig Vergehen, die nach englischem Gesetz mit dem Tode bestraft wurden. Der Verfasser hat bei seiner ganzen Schilderung der Zustände jener Zeit nur englisches Quellenmaterial und die besten englischen Geschichtschreiber zu rate gezogen.

Dabei wird er niemals langweilig und trocken, sondern weiß in höchst geschickter Weise damalige Sitten und Gebräuche, das ganze Hofzeremoniell so in den Gang der Handlung zu verflechten, daß derselbe dadurch nur anschaulicher, lebendiger und interessanter wird.

Dazu bricht der köstliche Humor des Verfassers immer wieder durch und erhöht den Genuß der ohnehin reizvollen Lektüre.

Einer weiteren Empfehlung bedarf ein Buch wie das vorliegende nicht, um seinen Platz im Bücherregal der Jugend zu erobern und zu behaupten, zumal es auch an spannender Darstellung hinter den interessantesten und beliebtesten Jugendschriften in keiner Weise zurücksteht. Die Erzählung atmet echt deutsche Gemütlichkeit und verdient auch aus diesem Grunde ein Lieblingsbuch in deutschen Landen zu werden.

Die Handlung beginnt zu Ende der Regierungszeit Heinrichs des Achten (1509-1547). Der Held der Dichtung ist dessen Sohn, der später, ein zehnjähriger Knabe, als Eduard der Sechste (also direkter Namensvorgänger des jetzigen Königs von England) das englische Zepter ergriff. Die sechsjährige Herrschaft des jungen Regenten (1547-1553) zeichnete sich, im Gegensatze zu der vorherigen seines Vaters und der nachherigen seiner Stiefschwester Maria der Blutigen, durch eine große Milde aus. Wie der König zu dieser seiner humanen Denkungsart kam, wird in unserem Buche recht anschaulich geschildert.

Gleich von Anfang an wird der jugendliche wie der gereiftere Leser sich für den Prinzen sowohl wie für den Bettlerjungen erwärmen und beiden kleinen Helden seine lebhafteste Teilnahme bis zum Schlusse nicht versagen können.

Etwaigen Bedenken vorzubeugen, bemerken wir, daß trotz der Schilderung der damaligen rohen Zustände auch nicht eine Spur von Anstößigem sich findet, und somit das Buch jedem Kinde anstandslos in die Hand gegeben werden darf. Aber auch der Erwachsene wird die Erzählung mit hohem Genuß und derselben Befriedigung zu Ende lesen.

In der Bearbeitung haben wir uns tunlichst an das Original gehalten und uns bemüht, die dem Verfasser eigentümliche Darstellungsweise möglichst getreu, aber in einem leichten, angenehmen Stil wiederzugeben.

Und so lassen wir das Buch vertrauensvoll hinaus wandern in die deutschen Gaue, mit dem Wunsche, es möchte, dem Wunsche des Verfassers und des Bearbeiters entsprechend, ein Körnchen beitragen zu anregender Belehrung und Veredlung der deutschen heranwachsenden Jugend.

Rittergut Lupken (Ostpr.) im Sommer 1905.
Rudolf Brunner, Professor.

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