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Preußische Jugend zur Zeit Napoleons

Karl (Leberecht) Immermann: Preußische Jugend zur Zeit Napoleons - Kapitel 11
Quellenangabe
typeautobio
authorKarl Immermann
titlePreußische Jugend zur Zeit Napoleons
publisherVerlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
year1915
printrun16-20. Tausend
editorDr. Wilhelm Bode
senderwww.gaga.net
secondcorrectorGerd Bouillon
created20050527
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9. Kapitel.

Der Oheim.

Mein Oheim YorickScherzname Yorick nach Shakespeares ›Hamlet‹ und Sternes ›Tristram Shandy‹. Der wahre Name war Immermann, denn dieser Oheim war wie der Vater unseres Studenten ein Sohn des armen Rektors in Groß-Salze. wäre, hätte ihn ein Graf oder ein reicher Patrizier erzeugt, ihm die besten Lehrer gehalten und ihn nachher, mit Wechseln und einem Führer versehen, durch Europa reisen lassen, wahrscheinlich ein bedeutender Mann, gewiß wenigstens ein geistreicher Mäzen geworden. Da aber nur ein armer Schulrektor sein Vater war, den er noch als Knabe verlor, da er auf dem Hallischen Waisenhause über Tertia nicht hinausgelangen konnte, weil er sich sein Stückchen Brot suchen mußte, und da er dann in Europa nichts weiter zu suchen hatte als dieses Stückchen Brot, so wurde er eben nur mein Oheim Yorick.

Mein Oheim Yorick pflegte uns Kindern, nachmaligen jungen Leuten (denn seine Erzählungen blieben verschiedene Perioden hindurch dieselben) in seiner energischen Manier zu erzählen, er habe, als er Anno 1777 aus der Pforte des Hallischen Waisenhauses in die Welt getreten sei, um Ökonom zu werden, acht ostensible Stücke in seiner Ökonomie besessen und mehr nicht, nämlich 1. einen runden, groben Hut; 2. einen Rock von schwarzem Kommißtuch; 3. eine Weste von demselben Stoffe mit zinnernen Knöpfen; 4. ein Paar kurzer, gelber, lederner Inexpressibles (der Oheim nannte dieses Stück deutsch); 5. ein Paar schwarzer wollener Strümpfe; 6. ein Paar Hackenschuhe mit Zinnschnallen; 7. das Hallische Gesangbuch; 8. einen Kamm. – Von diesen acht Stücken habe er aber Nummer 7, das Gesangbuch, im ersten Wirtshaus liegen lassen, denn er sei sich noch mit Schauder bewußt gewesen, wie oft er daraus unter freiem Himmel bei Winterfrost, wenn ein Missionar vom Waisenhause entlassen worden, mit den anderen Knaben halbverklommen habe singen müssen.

Er hatte sich während seiner kümmerlichen Jugend durch Fleiß und Rechtlichkeit so empfohlen, daß die Sterne ihm auf einmal günstig zu schimmern begannen. Ihm wurde, als er noch in seinen besten Jahren war, die Pachtung eines großen Staatsgutes zuteil, welches unter der französischen Herrschaft in das Los des Herzogs von DalmatienZum Herzog von Dalmatien hatte Napoleon seinen Marschall Soult ernannt. fiel. Sowohl der König von Preußen als der Herzog von Dalmatien waren ihm gelinde Pachtherren; man sah auf den sicheren Mann und nicht auf tausend Taler Pachtschillinge mehr. Er lebte daher wie ein Farmer von Old-England bequem und aus dem Vollen, sah seinen Weizen vom fettesten Boden mit Vergnügen einfahren, fuhr selbst in seinem Landauer spazieren und legte, wenn er einhundert Taler auf die Pacht einrollte, eine eben so große Rolle für sich zurück.

Er war ein sehr korpulenter Mann und trug in der Regel einen kornblumfarbigen Leibrock mit Messingknöpfen.

Er war der Tourist der Familie. Nach Leipzig zur Messe reiste er wenigstens alle zwei Jahre. Tief in Thüringen war er eingedrungen, ja sogar einmal bis nach dem Fränkischen hin geschweift, nach Bad Liebenstein. Dort hatte er einen innerlich illuminierten BergGemeint ist die 1779 entdeckte Höhle bei dem Orte Glückbrunnen; sie ist in einem Kalkfelsen, hat keine Tropfsteine, aber mehrere hohe und weite Gewölbe, durch deren eines sich ein Bach hinschlängelt, der sogar einen Teich bildet. Sie wurde den Besuchern des meiningischen Bades Liebenstein bei Fackellicht gezeigt. gesehen, wie er sich ausdrückte. Auch zum Kongresse von Erfurt im Jahre 1808 war er gereist und mit den beiden Kaisern im Theater gewesen, obgleich er zu dieser Freude sich in seidene Strümpfe hatte bequemen müssen, das erstemal in seinem Leben. Napoleon, sagte er, habe aus seinem Fauteuil nicht ein Auge von der Darstellung abgewendet, wovon die gleiche Aufmerksamkeit aller Zuschauer die Folge gewesen. »Wie Talma spielte,« sagte er, »das war was Krasses!« Er wollte damit die Erhabenheit des Spiels bezeichnen. Wir bekamen eine Nachahmung des berühmten Tragikers von ihm zu schauen, worüber uns vor Verwunderung die Haare zu Berg standen. In diesem wiederholenden Abbilde stach besonders der mit weit geöffneten Augen, zitternden Gesichtsmuskeln, donnernder Stimme vorgetragene Ausruf: O mon père! hervor.

Allein er setzte seinen Reiseberichten hinzu: der Wein sei in den Gasthöfen geschwefelt, man bekomme darin nur enge und schlechte Betten, müsse von dem unausstehlichen Gedränge bei festlichen Anlässen leiden und freue sich, wenn man sein Haus wieder erblicke. Er reiste aus Pflicht, um der Gefahr des Versauerns zu entgehen.

Er liebte, seinen jugendlichen Zuhörern die ungeheuerlichsten Geschichten zu erzählen von ausgetretenen Bächen, von Wolkenbrüchen, von fremdartigem Getier, welches ihm in den Wäldern um sein Pachtgut aufgestoßen. Die alte Holzzelle, so hieß das Amt, war vor der SäkularisationSo nannte man die Wegnahme der Kirchengüter und Aufhebung der geistlichen Staaten. Die großen Säkularisationen in Deutschland geschahen 1648 durch den Westfälischen Frieden und 1803 infolge des Luneviller Friedens und des Reichsdeputationsschlusses. Es waren Gewalthandlungen der weltlichen Fürsten, die ihren Land- und Machthunger am leichtesten auf Kosten der Bischöfe und der Klöster befriedigen konnten. ein Jungfrauenkloster gewesen; der Oheim hatte bei seinem Antritt ein zugeschüttetes Verließ aufnehmen lassen und darin wenigstens ein Dutzend Skelette von eingemauerten Nonnen gefunden. Schade, daß auch kein Knöchlein aufbewahrt geblieben war, da wir so gern etwas von diesen Schlachtopfern der Klosterzucht gesehen hätten!

Er besaß einen Brunnen, über dem ein eigenes Haus sich erhob, in den Felsen gehöhlt, nur mittels eines großen Tretrades zu benutzen, von wirklich schauerlicher Tiefe, aber dem Oheim genügte diese Tiefe nicht; er behauptete, es gehe da unten von dem abgründlichen schwarzen Wasserspiegel ein Kanal nach dem Süßen und Salzigen See bei Seeburg. Von Jahr zu Jahr versprach er, sich mit uns in den Abgrund hinunterzulassen und unter den Bergen weg nach den Seen zu kahnen. Es ist aber nie etwas daraus geworden. Endlich trug der Oheim zu öfterem außerordentliche Dinge von seiner Brautfahrt und Anwerbung vor, bei welcher Romanze jedoch die Tante, die eine sehr ernste und gehaltene Frau war, das Zimmer zu verlassen pflegte. – –

Ein jeder Mensch sollte billigerweise eine Jugend haben und seine Jugend genießen. Es ist einer der seltsamsten Mängel in einem Lebenslaufe, wenn der rechte Schimmer der ersten Tage fehlt; man kann sagen, daß alle späteren Bewegungen des Lebens dann etwas von den Zuckungen haben, die der Galvanismus hervorruft. Was für eine Jugend nun die hatte sein müssen, welcher die Ausstattung durch die acht beschriebenen Stücke zuteil geworden war, läßt sich unschwer erraten. Und gleichwohl hatte der arme Schelm im schwarzen Waisenhäuserrock empfunden, er habe Witz, Munterkeit, Sinne, Lust zu genießen, Drang zu lernen und zu erfahren. Glückliche Menschen hatten es sich vor seinen Augen an den wohlbesetzten Tafeln des Lebens schmecken lassen, er aber war genötigt gewesen, immer seitwärts vorbeizuschleichen und sich den Mund zu wischen. Ein ärgerlich-lustiger Humor, ein verdrießliches Lachen bemächtigte sich seiner Seele. Das Leben rumorte ihm in den Gliedern und warf sich ihm, da es keinen rechten Ausbruch tun durfte, auf die Nerven.

Als er daher in Fülle und Wohlleben kam, setzte er sich vor, das Versäumte nachzuholen. Nicht, daß er ausgerufen hätte: »Jetzt will ich jung sein!« sondern es machte sich ganz natürlich. Die versetzte Kindheit und Jugend trat an ihm gleichsam wie ein Ausschlag hervor. Alle Possen, Abenteuerlichkeiten, Gelüste, Schwabenstreiche, welche andere Menschen in ihren frühen Jahren abschäumen, drangen unserem Vierziger über die Haut und waren noch nicht erschöpft, als meine Erinnerung begann, wo der Oheim denn doch sein halbes Jahrhundert hinter sich hatte. Wir lebten in protestantischen Landen, und deshalb hatte er kein wunderlicher Heiliger werden können, aber ein wunderlicher Kauz war er geworden.

Wenn wir als Kinder vom Anhaltschen aus in die mansfeldschen Berge hineinfuhren, an ausgewaschenen Stellen vorbei, die uns Abgründe bedünkten, wenn wir später als Studenten die Straße von Halle her über den Salzigen und Süßen See hinausgewandert waren und nun in die grüne Hügelspalte eindrangen, an deren oberem Saume Holzzelle lag, so wehte es uns aus den Wipfeln der Waldbäume, von den engen und tiefen Seitenpfaden des Forstes an wie lauter Ahnung, Lust, Freiheit. Darauf zeigte sich das weiß und rote, weite, mauerumgebene Amt mit seinen Gärten, Höfen, Scheuern und Stallungen. Das geräumige Wohnhaus, worin eine Familie mit zwanzig Kindern vollauf Platz gehabt hätte, der Oheim aber mit der Tante kinderlos horstete, tat seine gastliche Pforte auf, gab uns bunte Erinnerungen, buntere Hoffnungen. Das Amt lag ganz einsam, die nächsten Menschenwohnungen waren über eine halbe Stunde entfernt, nach Eisleben hatte man eine starke Meile. Als Fouqué Mode geworden war und wir die Fahrten Thiodolfs des Isländers gelesen (nein, nicht gelesen, verschlungen!) hatten, nannten wir im Winter das durch unwegsame Schneelager von der Welt geschiedene Paar: Oheim Nefiolf und Base Gunhild.

Aber im Sommer war es schön und lustig im alten Nonnenkloster. Nach der einen Seite liefen vom Amte die herrlichsten Kirschplantagen aus, die von weißschimmernden, hellgrün zitternden Birkenhölzchen umstanden waren; nach der andern Seite trat man aus dem Garten unmittelbar in die fettesten Wiesen. Sie senkten sich einige hundert Schritte weit zu Tale, und der Eichen- und Buchenwald bot seine Schatten. In dem stach da und dort spitzes Geklipp hervor, Steinbrüche rissen sich dicht am Wege senkrecht abgeschnitten auf, hohe Mauern standen an einer einsamen Stelle wie Fingerzeige in verschollene Zeiten da. Unten im Grunde aber rieselte zwischen Waldblumen ein Wässerlein, welches aus einer übermauerten Grotte eiskalt und perlenklar entsprang und der Nonnenbrunnen hieß. Man legte dieser Quellflut besondere heilende Kräfte bei; ich weiß nicht, wie es sich damit verhielt, gewiß aber war es, daß ihr Duft und Schaum das Erwachen zärtlicher Triebe förderte. In den Buchen umher fand sich mancher verschlungene Namenszug eingeschnitten, von einem Herzen umgeben; mancher Knabe und manches Mädchen liebten dorthin spazieren zu gehen, und der Oheim, obgleich er an Liebessachen gern sein heiseres Schrauben und seinen schwerschrötigen Spott übte, störte doch eigentlich jene Baumbelustigungen und Promenaden nie, sondern führte eher, wenn er jemand dort unten im Nonnengrunde sah, seine übrige Gesellschaft andere Wege. Dann pflegte er zu sagen: »Es ist zum Verwundern, wieviel Heiraten schon bei mir gestiftet worden sind! Muß wohl am Boden liegen. Mag die Sache ihren Fortgang haben!«

Dort war also das Terrain, auf welchem der Oheim seine Steckenpferde tummelte. Er hatte eine außerordentliche Freude daran, allerhand Anlagen und Bauwerke zu machen. So waren nach und nach eine Festung, eine Eremitage, ein Tempel der Diana, ein Theater im Freien, ein Rittersaal, eine Rennbahn und ein Belvedere entstanden. Von einer Teufelsbrücke wurde viel gesprochen, sie kam aber nicht zustande. Eine Neptunsgrotte, die im weiteren Verfluß des Nonnenbrunnens errichtet worden war und eigentlich mit einer Fontäne hatte verbunden werden sollen, geriet in Vernachlässigung. Ich habe sie daher nur noch wenig kenntlich gesehen.

Wer nach diesen Andeutungen für des Oheims Kasse besorgt sein möchte, dem kann ich den Trost geben, daß mein Oheim Yorick von seiner Jugend her wußte, wie schlecht trocken Brot schmecke, und das Wörtlein Armut mehr scheute als Gift und Pestilenz. Er hielt daher seine architektonischen Steckenpferde am Zügel des Etats und befolgte aus Sparsamkeit das große Gesetz der Kunst, alles symbolisch zu nehmen, nach der Figur »pars pro toto« zu verfahren und mit Andeutungen zu wirken.

Am vollständigsten ausgebaut war die Festung, d. h. sein Schlafgemach, welches er gegen Überfälle von Räubern verwahrt hatte. Auch sie war eine reine Phantasiefestung, ohne militärisches Bedürfnis entstanden. Er schützte zwar die einsame Lage des Amtes als Grund dieser Fortifikation vor, allein ich glaube nicht daran. Denn er war ein starker Mann, der keine Furcht kannte; überdies hielt die Landespolizei die Augen auf, und man hörte nichts von Banden oder gefährlichen Einbrüchen. Ich meine daher, daß Oheim Norick mit der Festung nur seiner Laune ein Fest gegeben hatte. Mancher Räuberroman war in den Stunden der Muße sein Tröster gewesen, seine Einbildungskraft hatte alle die Szenen durchgespielt, in welchen der Haufen durch die Türen eindringt, an den Fenstern emporklimmt, Schüsse fallen, Säbel klirren, Pechfackeln die düstere und entsetzliche Gruppe beleuchten. Er wollte den Genuß haben, abends, wenn er sich zur Ruhe gelegt, diese Auftritte vor dem Einschlummern seiner Seele im süßen Gefühle vollkommener Sicherheit auszumalen. Zu dem Ende hatte er das Gemach mit einer doppelten, eisenbeschlagenen Türe, welche inwendig noch ein vorgeschobener Querbalken verteidigte, und die Fenster mit zollstarken Traillen rüsten lassen. In die Decke war eine Öffnung gebrochen, um, wenn die Festung dennoch aller Verteidigung ungeachtet erstürmt worden, mittels einer Leiter, die immer in der Nähe stand, einen Abzug nach dem Boden zu haben. Es versteht sich, daß es nicht an Waffen in diesen Umwallungen fehlte. Ein Paar geladener Pistolen hing über dem Bette des Oheims, eine Jagdflinte und ein Pallasch dienten als Verstärkung jener Schutz- und Trutzmittel.

Die ehemaligen Nonnen seiner Domäne hatten den Oheim in das Mittelalter verlockt. Er war durch sie auf die Ritter gekommen, kannte Hasper a Spada, Brömser von Rüdesheim und Adolf, Raugrafen von DasselRitter- und Räuberromane des 18. Jahrhunderts, die außerordentlich viel gelesen wurden. Der erste und der letzte rühren von Karl Gottlob Cramer her. Sein Roman »Hasper a Spada« erschien 1792 als sein 11. Werk, erlebte 4 Auflagen und wurde noch 1837 neu gedruckt. Der Roman ist eine Verarbeitung des Goetheschen »Götz von Berlichingen« ins Grobe, nach Goedekes Ausdruck »die gröbste Verballhornung eines Goetheschen Stoffes, die es gibt«. . Durch den größten Teil des oberen Stockwerks dehnte sich ein großer Saal aus, der ehemalige RempterAus dem lateinischen refectorium, der Speise- und Versammlungssaal in Burgen und Klöstern. . Mein Oheim wollte seinen Rittersaal besitzen. Er ließ einen Maler von Eisleben kommen und trug diesem auf, ihm einen Rittersaal zu malen. Der Meister machte ein bedenkliches Gesicht, denn das deutsche Altertum war damals noch nicht so recht bis zu dem Volke durchgedrungen, ersetzte aber durch kühnen Mut, was ihm an Wissenschaft gebrach, strich den Saal graugelb an, machte unten einen grün gekollerten Wandfuß und malte oben verteufelte Schnörkel hin. Der Oheim war mit der Arbeit zufrieden, ließ vom Zimmermann einen einzigen Pfeiler zuhauen, diesen weiß in Leimfarbe anstreichen, in der Mitte des Saales unter die Decke stoßen und ihn durch ein Wappen von des Malers eigener Erfindung auszieren. Dieses künstlerische Streben brachte einen recht ehrwürdigen Rittersaal zustande, in dessen weitem, hallendem Raume wir oft seelenfroh gewesen sind.

Mein Oheim wollte aber nicht einseitig sein. Der heiteren Welt der Griechen ließ er ebenfalls ihr Recht widerfahren. Sein Dianentempel stand am Ende der Kirschplantagen vor einem der Birkenhölzchen. Der Oheim wußte sich viel damit, wie wohlfeil ihm dieses klassische Altertum aus alten Latten und Pfosten zu stehen gekommen sei. Die Göttin fehlte darin, weil sie, sagte er, aus Pappe gegen den Regenschlag nicht halte, aus Holz aber zu teuer werde. Desto besser schmeckten die Kirschen darin, die in unendlicher Fülle und Güte umher wuchsen.

Nach diesen Proben wird man sich auch ohne meine Hilfe die Eremitage, das Theater im Freien, die Rennbahn und das Belvedere vorstellen können. Es war alles, wenn auch nicht groß gedacht, doch wohlgemeint, und ich sage daher von der Eremitage nur, daß an ihr nichts einsam war als ihr Name. Denn sie war ein Mooshäuschen mit Borke bekleidet mitten im geselligen Baum- und Küchengarten. Und vom Belvedere sage ich, daß man von dort die köstlichste Aussicht bis weit in die güldene Aue hatte, die nichts verloren haben würde, auch wenn das Belvedere gefehlt hätte.

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