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Ödön von Horváth: Pompeji - Kapitel 8
Quellenangabe
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typecomedy
authorÖdön von Horváth
titlePompeji
publisherSuhrkamp Verlag
seriesHorvath, Gesammelte Werke
volumeBand 4, Komödien 2
editorTraugott Krischke, Dieter Hildebrandt
year1972
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091214
projectid6fc0ef00
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Verwandlung

Langsam wirds wieder heller, und wir sind in einer Katakombe. Niederer Gang von links nach rechts, nur links im Vordergrunde wird er etwas breiter. Dort stehen ein Tisch, Bänke und armseliges Hausgerät. Eine Ampel brennt, und von rechts fällt ein hellerer Lichtschein in den Gang. Matrosa kommt von links mit Lemniselenis und Toxilus, der einen Verband um die Stirne trägt. Sie halten beim Tisch.

Matrosa  Jetzt sind wir unter der Erde. Es ist eine andere Welt.

Lemniselenis  sieht sich um: Und hier wohnt dein Gott?

Matrosa  deutet nach rechts: Dort drüben, dort steht sein Altar. Ich zeig euch morgen alles. Hier können wir übernachten, macht es euch bequem!

Lemniselenis  Wir habens verdient! Wenn wir nicht aus dem Zirkus geflohen wären, hätt es uns auch nichts mehr genützt, wenn Thago gesagt hätte, daß er ihm das Geld geschenkt hat – Sie deutet plötzlich auf die Bank; zu Matrosa. Da soll ich schlafen? Auf Holz?

Toxilus  Oben ist alles aus, alles hin. Jaja, ein Vesuv ist kein Witz!

Matrosa  zu Toxilus: Hier ist Wasser für deine Wunde –

Lemniselenis  zu Toxilus: Wart, ich helfe dir! Sie hilft.

Toxilus  Au! Du tust mir weh!

Lemniselenis  Ist gleich wieder alles gut – Sie verbindet ihn.

Matrosa  setzt sich: War das ein Tag! In aller Früh hab ich mich schon geärgert, dann hab ich die ganze Suppe verschüttet, dann bin ich auf der Treppe ausgerutscht, und dann das, dann das!

Ein Herr erscheint rechts.

Die Drei erblicken ihn und Matrosa verbeugt sich.

Der Herr  Ich bitt Euch, Bruder und Ihr Schwestern, seid etwas ruhiger! Ich muß mich nämlich sammeln, ich schreib hier nebenan einen Brief.

Matrosa  Wir sind schon ganz still.

Der Herr  Ich danke Euch! Ab nach rechts.

Gloriosus  Wer war denn das?

Matrosa  Ich weiß nicht, wie er heißt, er ist erst gestern gekommen. Ich weiß nur, daß er Briefe schreibt.

Lemniselenis  An eine Frau?

Matrosa  Nein, er schreibt Briefe, so gleich an ganze Städte. Zum Beispiel, an die Korinther –

Stille.

Lemniselenis  sitzt neben Toxilus und hat ihren Arm um seine Schultern gelegt: Schön ist es hier. Liebst du mich?

Toxilus  lächelt: Nein. Gar nicht –

Lemniselenis  Oh, jetzt gehts mir gut! Plötzlich bin ich reich. Was gehört mir nicht alles! Das Meer und die Luft, die Wolken, der Mond und die silbernen Farben der Nacht! Das alles hast du mir geschenkt. Ich danke dir.

Toxilus  innig: Dank mir nicht, das halt ich nicht aus –

Der Herr  erscheint wieder rechts: Ich möchte Euch doch sehr bitten, etwas stiller zu sein, es ist unmöglich, bei Euerem Lärm, einen richtigen Satz zu schreiben. Redet doch nicht so viel, Gott hört Euch auch, wenn Ihr schweigt! Wieder ab nach rechts.

Die Drei gehen schweigend zur Ruh; Matrosa streckt sich auf der Bank aus, Lemniselenis lehnt ihren Kopf an Toxilus Brust; sie will noch mal etwas sagen, doch er gebietet ihr stumm, zu schweigen; so schlafen sie ein und die Ampel geht langsam aus.

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