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Ödön von Horváth: Pompeji - Kapitel 6
Quellenangabe
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typecomedy
authorÖdön von Horváth
titlePompeji
publisherSuhrkamp Verlag
seriesHorvath, Gesammelte Werke
volumeBand 4, Komödien 2
editorTraugott Krischke, Dieter Hildebrandt
year1972
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Fünftes Bild

Beim Sklavenhändler Dordalus, und zwar im Hofe seiner Firma. Eine weiße Wand trägt mit großen Lettern folgende Inschrift: »Dordalus. Sklavenhändler. En gros. En detail. Import. Export.« Im Hintergrund eine Türe ins Haus, links das Tor auf die Straße und rechts gehts nach den Sklavenlagern. In der Mitte ein Podium, wo die Sklaven feilgeboten werden. Dordalus verhandelt soeben eine dicke Sklavin. Drei Damen interessieren sich.

Dordalus  zu den Damen: Ich kann sie nur empfehlen, sie ist meine beste Köchin, seit Jahr und Tag! Reinlich, peinlich, fleißig, ehrlich, treu! Kocht wie ein Engel! Macht aus nichts den schönsten Schmarrn!

Erste Dame  Stöbert sie auch?

Dordalus  Sie stöbert, daß die Fetzen fliegen! Und hilft auch bei der großen Wäsch!

Zweite  Ißt sie viel?

Dordalus  Wenn sie nichts bekommt, ißt sie überhaupt nichts.

Zweite  Sie ist nämlich verdächtig gut genährt –

Dordalus  Sie war bei Puniern.

Dritte  Ach, die verderben ja alles!

Erste  wirft einen verachtenden Blick auf die Dritte; zu Dordalus: Kann sie punisch kochen?

Dordalus  Die kann auch ägyptisch! Eine Perle!

Erste  Was kostet sie?

Dordalus  Nichts!

Stille.

Erste  Na reden Sie schon!

Dordalus  Wären zwanzig zu wenig?

Erste  Ja. Fünfzehn.

Dordalus  Neunzehn.

Erste  Fünfzehn.

Dordalus  Achtzehn.

Erste  Vierzehn.

Dordalus  braust auf: Fünfundzwanzig!

Erste  Dreizehn.

Dordalus  Also gut: fünfzehn! Ab mit Schaden!

Zweite und Dritte ab nach links.

Erste  zahlt Dordalus: Ich nehm sie gleich mit, sonst wird sie mir noch vertauscht. Vor vierzehn Tagen kaufte ich mir bei Maximus in Herkulanum eine Kammerzofe und abends schickt er mir einen Gladiator ins Haus. In voller Rüstung!

Dordalus  Maximus in Herkulanum ist überhaupt keine Firma! Bei uns herrscht Ordnung! Danke bestens, beehrens mich wieder! Zur Sklavin. Geh schön mit deiner Herrin – Pa!

Erste  Lebt wohl! Ab mit der Sklavin nach links.

Dordalus geht auf die Türe im Hintergrund zu.

Ein Herr  erscheint im Tor links und tritt ein; er ist ein freier Kleinbürger und hat einen uralten Sklaven bei sich: Dordalus! Schau dir das mal an!

Dordalus  hält, schaut hin und ist nicht angenehm berührt: Ich schau.

Herr  Sowas wagst du zu verkaufen? Pfeffer hast du ihm gegeben, damit er feuriger schreitet, er hats mir gestanden!

Dordalus  Er hat ja auch nur zweieinhalb Silberlinge gekostet.

Herr  Ist auch Geld!

Dordalus  Was willst du für zweieinhalb haben? Einen ganzen Herkules?

Herr  Also nur nicht frech werden! Auf den zahl ich doch drauf! Kaum daß er kriecht, aber fressen tut er für drei!

Dordalus  Er ist eben sehr gescheit. Er war noch ein Schüler von Sokrates.

Herr  Ah was Sokrates! Ich brauch ein Mädel für alles!

Dordalus  Also das ist er wieder weniger!

Herr  Ich werd mich da mit dir herumärgern! Behalt dein Klump! Mich siehst du nicht mehr! Wütend ab nach links.

Dordalus  Komm, Alter! Bist müd?

Uralter  Ich fühl mich ganz frisch –

Dordalus  Hat er dich schlecht behandelt?

Uralter  Oh nein, ich lag in der Sonne mit den Hunden.

Dordalus  Und dort haben wir dann philosophiert?

Uralter  Den Blödsinn hab ich mir schon längst abgewöhnt. Ich hab geschlafen.

Dordalus  Immer emsig, emsig –

Uralter  Darf ich Euch was raten? Verkauft mich noch einmal – Ab nach rechts.

Dordalus  sieht ihm nach: Ein Seher.

Matrosa kommt aus der Türe im Hintergrunde.

Matrosa! Wie gehts der kleinen Ausreißerin?

Matrosa  Danke, sehr gut! Sie singt und schmückt sich soeben.

Dordalus  Sie soll sich nur noch schöner machen, heut kommt Kundschaft!

Lemniselenis  tritt sehr geschmückt und geschminkt aus der Türe im Hintergrunde; sie scheint heiter zu sein: Bin schon da!

Dordalus  Reizend sieht sie aus! Süß!

Matrosa  Ich lieb sie schon lang.

Lemniselenis  Ihr seid alle so nett zu mir, mit was hab ich mir das verdient?

Dordalus  Das kommt erst noch.

Matrosa  zu Lemniselenis: Kundschaft kommt!

Lemniselenis  schrickt etwas zusammen, beherrscht sich jedoch sofort: Wer?

Dordalus  Haltet euch fest! Der Praetor von Pompeji!

Matrosa  Der Praetor? Persönlich?!

Dordalus  Nuna, unpersönlich! No, hab ich Kunden? Man muß sagen –

Lemniselenis  fällt ihm ins Wort: Wie alt ist er denn?

Dordalus  Das ist die einzige Schattenseite, denn so ganz ist er nicht mehr der Jüngste.

Lemniselenis  atmet auf: Hoffentlich!

Dordalus  perplex: Was hör ich?

Matrosa  Sie möcht von der männlichen Jugend nichts wissen.

Dordalus  Wieso, warum denn nicht?

Lemniselenis  Weil die jungen Herren nur an sich denken.

Dordalus  So? Und an was denken denn die alten Herren, außer an sich selbst?

Lemniselenis  An den Tod. Sie lächelt kurz.

Dordalus starrt sie an.

Matrosa  zu Dordalus: Wenns nach ihr ging, würde sie sich einen Herrn Gebieter aus dem Greisenasyl holen.

Dordalus  Aha! Jetzt kapier ich allmählich: das unschuldige Kind sucht einen baldigen Erbonkel – schau – schau! Die geborene Krankenschwester!

Lemniselenis  Ihr dürft nicht annehmen, daß ich mit unerlaubten Mitteln, als da sind: böse Kräuter, Schlangengift, etcetera das Ableben eines gebrechlichen Gebieters beschleunigen wollte. Ich würde auch nimmer ein maßgebliches Wort in seinem Testament fälschen, aber ich tät ihm die Schrecken der Unterwelt ausmalen, und das fiele mir leicht, denn ich müßt ihm doch nur vom Schicksal der Sklaven auf der Oberwelt berichten. Die Haare würden ihm alle gen Himmel stehen und er würd mich vor lauter Grauen garantiert reich beschenken, um nicht in der Unterwelt als unfreie Seele verhandelt zu werden, als ein Ding mit menschlichen Allüren –

Dordalus  unterbricht sie schroff: Sei nicht so maniriert! Und nur nicht ungerecht werden, ja?! Frechheit! Wo man sich schon zerreißt! Einen leibhaftigen Praetor – und noch immer nicht zufrieden!

Stille.

Lemniselenis  leise: Ich wollt Euch nicht kränken, das lag mir fern. Verzeihung.

Dordalus  Schon gut.

Matrosa  zu Dordalus: Sie hat eine zarte Seele.

Dordalus  Was verstehst schon du unter Seele.

Lemniselenis  Was sich aus einem fortsehnt.

Dordalus  horcht auf und schlägt sich auf die Stirne: Richtig! Apropos fortsehnt; heut Nacht ist mir nämlich einer ausgebrochen, ein Galeerensklave, der Schlag soll ihn treffen, ich muß ja nach dem Gitter schaun – Rasch ab nach rechts.

Lemniselenis setzt sich auf das Podium.

Matrosa betrachtet interessiert die Inschrift an der weißen Wand.

Lemniselenis  beobachtet sie; plötzlich: Kannst du lesen?

Matrosa  Nicht alles.

Lemniselenis  Lernst du noch?

Matrosa  Du bist zwar die beste Herrin der Welt, aber auch bei dir muß man immer nur für dich da sein – Sie nickt ihr lächelnd zu.

Lemniselenis  lächelt leer: Ja, ich bin ein guter Mensch.

Matrosa  Bis auf den einen Fall.

Lemniselenis  Reden wir nicht mehr darüber. Sie geht auf und ab.

Stille.

Matrosa  Du wirst es noch bitter bereuen.

Lemniselenis  Hör auf!

Matrosa  Man darf einen Menschen nicht so behandeln – er liebt dich, opfert dir seine Existenz, und du hast ihn angelogen, daß du ihn liebst!

Lemniselenis  Hör auf!

Matrosa  Ich hör nicht auf! Du wolltest ja sogar, daß er für dich raubt! Daß er für deine Lügen zum Schwerverbrecher wird!

Lemniselenis  hält und fixiert sie böse: Gehts dich was an?

Matrosa  Ja. Weil er mir leid tut.

Lemniselenis  Tut er dir? Und ich? Sie schreit sie plötzlich an. Es geht dich nichts an, was ich mit Toxilus treib!

Matrosa  ruhig: Schrei nicht. Du bist nicht so schlecht, wie deine Sünden.

Lemniselenis  höhnisch: Wie gewählt du dich plötzlich ausdrückst –

Matrosa  sieht sie groß an: Das waren nicht meine Worte. Denk daran, daß alles, was du treibst, aufgezeichnet wird, und daß einst Rechenschaft von dir verlangt wird –

Lemniselenis  fällt ihr ins Wort: Und ich sage dir: Jupiter, Venus, Merkur, Apollo, Amor – und wie sie alle heißen mögen! Alles Mist! Die Götter sind tot!

Matrosa  Sind sie auch, denn es gibt nur einen Gott.

Lemniselenis  schnippisch: Ach, wieder dieser neue Gott?

Matrosa  Ewig.

Lemniselenis  Ein sonderbarer Gott, den man kreuzigen kann, wie einen letzten Sklaven!

Matrosa  Gib acht, daß er dich nicht schlägt!

Lemniselenis  spöttisch: Ach, tut er das auch? Sie betrachtet wohlgefällig ihre Beine. Warum wohnt er eigentlich unter der Erde?

Matrosa  sieht sich vorsichtig um; leise: Halb Rom soll schon ganz unterhöhlt sein. Wir werden immer mehr.

Stille.

Lemniselenis  ist ernst geworden: Du warst wieder dort?

Matrosa  Gestern.

Lemniselenis  Ich wills aber nicht haben, daß du hingehst, wir haben schon genug Sorgen.

Matrosa  lächelt: Wer hingeht, vergißt sie. Komm mal mit –

Lemniselenis  Ich kann mich beherrschen! Nein, da hätt ich Angst –

Matrosa  wie zuvor: Warum?

Lemniselenis  Schon weil man so tief hinunter –

Matrosa  fällt ihr ins Wort: Halb so schlimm!

Lemniselenis  Und dann ist es finster – Nein – nein!

Matrosa  Bei uns brennen immer Lichter. Es ist eine andere Welt.

Stille.

Lemniselenis  Was soll man sich denn da anziehen?

Matrosa  Nicht zu geschmückt.

Lemniselenis  lächelt: Ist eh alles nur Glas –

Stille.

Matrosa  Du wirst es nicht bereuen.

Lemniselenis  Möglich.

Matrosa  Bist du nicht froh, daß Toxilus nicht gestohlen hat?

Lemniselenis  horcht auf und wird wieder böse: Nein. Ironisch. Noch nicht –

Toxilus erscheint im Tore links; er hat noch sein Schwert, doch sein Anzug ist etwas zerrissen.

Lemniselenis  schnellt empor. Toxilus!

Toxilus  geht langsam auf sie zu und hält dicht vor ihr; er sieht ihr in die Augen und lächelt müde: Du wirst noch heute frei.

Lemniselenis starrt ihn entgeistert an.

Seit ich von dir ging, hab ich nicht mehr geschlafen und hab also auch nichts mehr geträumt. Ich bin erwacht: es gibt nur ein Verbrechen: dich weiter im Joche der Sklaverei zu lassen, dich wieder weiter zu verschachern, wie ein Stück Tier – heut kenne ich nur dieses einzige Verbrechen und sonst sei mir alles recht! In einem ländlichen Lustsitz am Meer steht eine Kasse und die Herrschaft ist verreist. Das waren deine Worte und du hattest recht. Amor beschütze mich – Er zeigt ihr einen Geldbeutel. Sechshundert in Gold. Ich kaufe dich frei!

Lemniselenis  schreit entsetzt auf: Nein! Sie wirft sich auf das Podium und weint stumm.

Toxilus  verwirrt zu Matrosa: Was hat sie denn?

Matrosa  Still! Gott schlägt sie.

Toxilus  völlig verwirrt: Wer?!

Ein Liktor  erscheint links im Tore und ruft nach rechts: Der Praetor naht! Der Praetor von Pompeji!

Die Drei fahren zusammen.

Matrosa  Um Gottes Willen! Sie eilt zu Lemniselenis und trocknet rasch ihre Tränen.

Dordalus  kommt eilends von rechts; zu Lemniselenis: Was, du weinst? Bist verrückt?! Verwischt sich noch die ganze Schmink! Zu Matrosa. Richt sie her, hastig – hastig! Er erblickt Toxilus. Toxilus! Jetzt werd aber ich verrückt! Du wagst dich her?!

Toxilus  deutet auf Lemniselenis: Ich kaufe sie frei.

Dordalus  Er ist verrückt! Weg da, entsprungener Sklave! Dort kommt der Praetor – Gott du bist gerecht, bist gerecht! Zu Lemniselenis. Marsch aufs Podium!

Lemniselenis besteigt das Podium. Toxilus zieht sich hinter das Podium zurück und kennt sich nicht mehr aus.

Der Praetor kommt von links mit Gefolge und Liktoren.

Dordalus  verbeugt sich tief. Hohe und höchste Ehre, Exzellenz –

Praetor  unterbricht ihn: Behalt deine Titel! Ich bin der Praetor von Pompeji und das genügt. Rede überhaupt möglichst wenig, deinesgleichen sind mir nicht sympathisch.

Dordalus verbeugt sich und deutet auf das Podium.

Praetor betrachtet Lemniselenis.

Dordalus  kann sich nicht zurückhalten: Sie ist das entzückendste –

Praetor  unterbricht ihn schroff: Ich bin nicht blind!

Stille.

Praetor  zu Lemniselenis: Dreh dich um. Lemniselenis dreht sich um. Einen Sessel! Ein Liktor bringt einen Sessel.

Praetor  setzt sich; zu Dordalus. Nun, was soll das Kind kosten?

Dordalus  Wenig.

Praetor  Wenig ist gar nichts.

Dordalus  Bei mir ist wenig ein bisserl mehr.

Praetor  Wieviel?

Dordalus  Nicht viel –

Praetor  Also?

Dordalus  Sagen wir – was sagen wir?

Praetor  Was weiß ich!

Dordalus  Wären also, sagen wir, zirka – für einen Praetor von Pompeji –

Praetor  unterbricht ihn: Wenn ich kaufe, bin ich kein Praetor, sondern ein einfacher freier Bürger!

Dordalus  Ojjweh, das hab ich nicht gern!

Praetor  Gern oder nicht gern, mir wirds jetzt zu bunt! Du wagst es, mit deinem Handel meine Zeit zu stehlen? Meine Zeit ist kostbarer als deine Hetären, und ich ziehe sie nun ab: es bleiben dir noch fünfzig Silberlinge und Schluß!

Dordalus  entsetzt: Fünfzig?!

Praetor  Wenn du zögerst, werdens noch weniger. Zeit eilt.

Dordalus  Und wenn ich mich weiger?

Praetor  Dann verurteil ich dich dazu.

Dordalus  Oh Merkur, Gott der Kaufleute, hilf einem ehrlichen Handelsmann!

Praetor  Du und ein ehrlicher Handelsmann? Lästere nicht! Versprichst mir ein überirdisches Geschöpf, eine griechische Aphrodite, ich vertage einen ganzen Prozeß, lasse mich mühsam hierhertragen, und was muß ich erblicken?! Ein armseliges Wesen, falsch eingehängte Beine, abstehende Ohren, schiefer Mund, gelbe Haare, wo sie ihre Nase hat, erkennt man überhaupt erst nach längerem Hinschauen und schielen tut sie auch!

Toxilus  kann sich nicht mehr beherrschen und stürzt von hinter dem Podium vor: Was?! Lemniselenis schielt?!

Lemniselenis dreht sich entsetzt um.

Praetor  zu Dordalus: Wer redet da zu mir?

Dordalus  frech: Was gehts mich an!

Toxilus  Ich rede, ich! Wie könnt Ihr es wagen, an diesem göttlichen Geschöpfe ein Haar in der Suppe –

Lemniselenis  unterbricht ihn verzweifelt: Halte ein! Nicht –

Toxilus  unterbricht sie: Nein, ich halte nicht ein, das halt ich nicht aus! Ich laß das nicht zu! Abstehende Ohren, hat er gesagt! Schiefer Mund, gelbe Haare! Oh Götter, nein – nein, jetzt will ich es aller Welt beweisen, was an dir dran ist, und zwar überall dran – denn ich, ich verstehe was von der Schönheit der Damenwelt!

Praetor  Ein vermessener Bursche!

Toxilus  Dordalus, hier hast du sechshundert Silberlinge! Er wirft ihm seinen Geldbeutel zu.

Dordalus  Sechshundert?!

Toxilus  In Gold! Jawohl, denn Lemniselenis ist sechstausend wert! Nimm es, räudiger Geldgeier, ich kauf das Mädchen frei!

Dordalus  Gemacht – gemacht! Dies Gold jedoch mußt leider du behalten – Er übergibt es ihm wieder. Ich habe ja die Dame nur in Kommission zum Verkauf, wenn sie freigekauft wird, gehört das Geld nicht mir, sondern ihrem letzten Herrn, also dem Präsidenten K. R. Thago.

Toxilus  perplex: Wem –?

Dordalus  lächelt undurchsichtig: Hast mich nicht verstanden? Leg es in seine Kasse.

Toxilus  Wohin?!

Dordalus  In seine Kasse. Mit so Freikaufereien hab ich leider nichts zu tun –

Praetor  fällt ihm ins Wort: Aber vielleicht ich, und zwar in meiner Eigenschaft als Richter! Es will mir nicht in den Sinn, daß irgend so ein Bursche für ein Weib, das mir mißfällt, sechshundert Silberlinge – Er fixiert Toxilus. Wer seid Ihr denn? Euer Name?

Toxilus  wird etwas unsicher: Toxilus.

Praetor  Euer Stand?

Toxilus  Hm.

Dordalus  lächelt wieder undurchsichtig: Oberkammersklave.

Praetor  Sklave? Ahnt ich es doch, daß hier etwas nicht geheuer! Zu Dordalus. Wer ist denn sein Herr?

Dordalus  Präsident Thago.

Praetor  Ach! Zu Toxilus. Nun, sag mir mal, wieso kann ein unfreier Mann zu so viel Geld kommen?

Toxilus  Nur durch der Götter Fügung und die Gnade seiner Herrschaft. Mein Herr hats mir geschenkt.

Praetor  Wie kann ein Mensch nur so dumm lügen!

Toxilus  Hoher Praetor! Die Wahrheit –

Praetor  unterbricht ihn: Kein Wort mehr, es ist aus! Ich kenne deinen Gebieter persönlich – wem schenkt der einen Groschen, geschweige denn sechshundert Silberlinge?! Zu den Liktoren. Verhaftet ihn!

Lemniselenis  springt verzweifelt vom Podium herunter: Nein! Oh hoher Praetor, er sagt die Wahrheit, glaubet mir, auch wenn Ihr mich nicht für schön findet! Ich selber war ja dabei, wie der Herr Präsident ihm das Geld gab, ich schwör Euch jeden Eid, der Euch heilig ist! Aber wenn Ihr ihn jetzt trotzdem einkerkert, dann kerkert auch mich ein – auch mich, auch mich!

Praetor  lächelt: Ach, ist Amor mit im Spiele?

Lemniselenis  Nein.

Toxilus  zu Lemniselenis: Verleugne alles, nur niemals unsere Liebe!

Lemniselenis  fest: Amor ist jetzt nicht dabei.

Praetor  ironisch zu Toxilus: Keine Angst! Lächelnd zu Lemniselenis. Du willst also unschuldig eingekerkert werden?

Lemniselenis  Kein Mensch ist unschuldig.

Praetor  stutzt: Ein gefährliches Wort. Dafür lassen sich Leute im Zirkus zerreißen. Wie kommst du zu dieser Ansicht?

Lemniselenis  Ganz von allein.

Stille.

Praetor  betrachtet sie und lächelt dann wieder; zu seinem Gefolge: Sie weiß nicht, was sie spricht – Leise zu Lemniselenis, damit es vor allem Dordalus nicht hört. Liebes Kind, zunächst muß ich dich um Verzeihung bitten: ich finde dich sehr schön – und ich habe dich vorhin nur deshalb für häßlich befunden, weil du mir zu teuer warst. Verzeih einem armen Praetor – jetzt lächelst du wieder! Ich bin auch kein Unmensch und würde dir gerne deinen Toxilus gönnen, aber Recht muß Recht bleiben, sonst hört sich unsere menschliche Gesellschaft auf, und alles geht drunter und drüber –

Matrosa  deutet plötzlich nach links empor: Seht den Vesuv!

Alle blicken hin.

Stille.

Dordalus  Also was sich der zusammenraucht –

Lemniselenis  Es wird immer mehr.

Praetor  Ich wollte, ich könnte den Vesuv verurteilen. Dann wären wir alle die Angst los.

Toxilus  Ich hab keine Angst.

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