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Ödön von Horváth: Pompeji - Kapitel 5
Quellenangabe
pfad/horvath/pompeji/pompeji.xml
typecomedy
authorÖdön von Horváth
titlePompeji
publisherSuhrkamp Verlag
seriesHorvath, Gesammelte Werke
volumeBand 4, Komödien 2
editorTraugott Krischke, Dieter Hildebrandt
year1972
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20091214
projectid6fc0ef00
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Viertes Bild

In einem Keller in Pompeji. Durch das Kellerfenster fällt das Tageslicht herab, und zwar hauptsächlich auf ein bettartiges Gestell, auf welchem Lemniselenis liegt. Sie döst vor sich hin. Links die Türe, Tisch und Kisten als Stühle. Rechts ein Herd mit allerhand Gefäßen, Flaschen, Gläsern, Retorten, als wärs eine Alchimistenküche, aber es wird nur Geld gefälscht. Hier arbeitet Lemniselenis' Bruder Bagnio, ein Mensch auf der schiefen Ebene.

Bagnio  Wie mans auch dreht, deine Flucht war ein Irrsinn – hör auf deinen Bruder, der dich liebt! Eine Flucht muß gewissenhaft vorbereitet werden, mit Helfershelfern und sofortigem Geld in der Tasche, damit man in aller Ruhe die Kontrollorgane bestechen kann, um sofort übers Meer –

Lemniselenis  fällt ihm verärgert ins Wort: Wie oft willst du mir das noch vorkauen! Wie oft soll ichs dir denn auseinandersetzen, daß jener Bursche herkommen wird, und zwar mit dem Geld, er wird sich die sechshundert schon beschaffen, grad oder krumm – vergiß es doch nicht, daß er mich liebt!

Bagnio  Wenns nur er nicht vergißt!

Lemniselenis  Verlaß dich auf meinen Instinkt!

Bagnio  Red nicht so gebildet! Mit achtzehn Jahren hab ichs überhaupt nicht gewußt, daß es einen Instinkt gibt!

Lemniselenis  Vergleich mich nicht immer mit dir! Du gerätst eben Papa nach und ich meiner armen Mama!

Stille.

Bagnio  Und was passiert, Schwesterchen, wenn dein verliebter Bursche anläßlich seiner krummen Geldbeschafferei verhaftet wird?

Lemniselenis  Schweig!

Bagnio  Man gibt ihm ein leichteres Kreuzverhör und schon hat er gestanden, wo wir zu finden sind –

Lemniselenis  Das wär mein Ende!

Bagnio  fährt sie an: Denk nicht immer nur an dich! Denk auch mal an deinen unschuldigen Bruder! Wenn sie dich hier holen, sehen sie, daß ich da Geld fälsch – und was ist dann?!

Lemniselenis  Wenn du deine Schwester liebst, dann kauf du sie doch frei!

Bagnio  Ich?!

Lemniselenis  Dort! Mit deinem falschen Zeug!

Bagnio  Mit dem schäbigen Kleingeld?! Meinst du denn, ich fälsche Silberlinge? Ich bin doch kein Krösus! Und außerdem muß ich auch für Vater sorgen.

Lemniselenis  fällt ihm ins Wort: Für Papa? Wie mag man nur für einen Menschen sorgen, der seine einzige Tochter verkauft hat!

Bagnio  Verkauft, verkauft, verkauft! Immer macht sie eine solche Sache daraus! Wie gut hast dus gehabt in deiner Sklaverei –

Lemniselenis  fährt hoch: Gut?!

Bagnio  Das will ich meinen! Sogar eine eigene Dienerin hast du gehabt, in deinem Alter, und silberne Teller und Konfitüren und Rosenöl mit seidener Wäsch und was weiß ich! Du wirst noch weinen nach deinem »Kerker«, weinen!

Lemniselenis  Ach, Bruder! Was weißt du von der reichen Sklaven Leid. Sie liegen auf seidenen Kissen, aber ihr Herz liegt auf Stein.

Bagnio  grinst: Liegt es hier besser in diesem Loch?

Lemniselenis  Ja. Denn hier hab ich meine Freiheit.

Bagnio  Eine feine Freiheit! Nicht einmal auf die Straße darfst, sonst sperrens dich gleich ein!

Lemniselenis  Bald werd ich dürfen! Bald werd ich durch alle Straßen gehen, stolz und froh. Ich weiß, alles wird gut, denn Amor hat geholfen.

Bagnio  Amor, Amor! Du glaubst noch an die Götter? Ich nicht. Da munkeln jetzt die Leut von einem neuen Gott, aber es gibt weder Alte noch Neue! Man hat sich auf sich selbst zu verlassen.

Lemniselenis  Fälsch dein Geld und ärger mich nicht.

Es klopft an die Türe.

Die Zwei schrecken zusammen.

Es klopft noch dreimal in einem bestimmten Rhythmus.

Bagnio  Ach, das ist Vater! Er öffnet die Türe, läßt den Parasiten, einen alten Stutzer, eintreten und verriegelt rasch wieder die Türe.

Lemniselenis  ohne sich zu erheben: Guten Morgen, Papa.

Parasit  Guten Morgen.

Bagnio  zu Lemniselenis: Willst du dich nicht erheben, wenn dein Vater kommt?

Lemniselenis  Na schön – Sie erhebt sich unwillig.

Parasit  Ein Benehmen ist das, wo man sich zwei Jahre nicht gesehen hat – Zu Bagnio. Hast du nichts Eßbares da?

Bagnio  Leider –

Parasit  Nicht ein Stückchen Brot? Immer wenn ich einen Tisch seh, hab ich einen leeren Magen.

Lemniselenis  spitz: Noch bei Appetit?

Parasit  grinst: Früh am Tage soll der Mann ans Essen gehen. Kinder, gestern war ich eingeladen – es war ein Fest! Grandios, einmalig! Leider einmalig! Ein Singvögelzungenragout – delikat! Dazu ein Salat, oh!

Lemniselenis  wie vorhin: Man ladet dich immer noch ein?

Parasit  stutzt etwas: Was soll diese Frage? Ich bin zwar nicht mehr der Jüngste, aber man plaudert noch gerne mit mir. Ich war immer ein guter Gesellschafter und übrigens hat unsere ganze Familie bis ins höchste Alter hinein konstant von fremder Kost gelebt –

Lemniselenis  wie vorhin: Mama nicht.

Parasit  unangenehm berührt: Reden wir lieber von dir. Also du scheinst ja durch den Herrn Präsidenten Thago einen ordentlichen Schock erlitten zu haben, sonst wäre mir nämlich dein überaus leichtfertiges Vorgehen überhaupt unerklärlich. Ich sehe auch so noch nicht klar, denn K. R. Thago ist ein kreuzbraver Mann!

Lemniselenis  Kennst du ihn?

Parasit  Wie soll ich ihn kennen, er hat mich ja noch nicht eingeladen! Zu Bagnio. Hast du wirklich nichts Eßbares da?

Bagnio  Reden wir jetzt mal nicht vom Essen, Vater, sondern von der Flucht deines Töchterleins, samt allen ihren etwaigen Konsequenzen!

Parasit  Warum so aufgeregt?

Bagnio  Weil ich nervös bin! Ich fälsch schon falsch!

Lemniselenis  Bagnio übertreibt. Schau Papa, ein Mann hat sich in mich verliebt –

Parasit  fällt ihr ins Wort: Hat er Geld?

Bagnio  Keinen Groschen! Er ist ein Sklave!

Parasit  Was hör ich?!

Lemniselenis  Ausreden lassen! Er heißt Toxilus und ist der Stellvertreter K. R. Thagos! Er ließ mich fliehen und er bringt auch die sechshundert Silberlinge auf, grad oder krumm – morgen bin ich frei! Er liebt mich nämlich!

Parasit  Und du liebst ihn?

Lemniselenis  Aber nein, Papa! Nicht doch! Ich hab ihm ja nur ein großes Theater vorgespielt und er ist mir auf den Leim gegangen – morgen bin ich ihn los!

Parasit  Das ist aber nicht schön von dir, daß du einen braven Mann derart ausnützt –

Lemniselenis  Du redest was von ausnützen?! Wer hat mich denn verkauft, wer?!

Bagnio  verzweifelt: Sie fängt schon wieder an!

Lemniselenis  Jetzt nütz ich jeden aus, für meine Freiheit bin ich zu allem fähig!

Parasit  Backfischideale!

Lemniselenis  Ich lasse mir meine Ideale von euch nicht rauben!

Bagnio  Schrei nicht mit deinem eigenen Vater!

Lemniselenis  Ich schrei aber!

Parasit  zu Lemniselenis: Vergiß nicht, daß ich dich gezeugt hab!

Bagnio  zum Parasiten: Schrei nicht!

Lemniselenis  zum Parasiten: Ich nehme keine Rücksicht mehr auf dich!

Bagnio  zu Lemniselenis: Dann nimm wenigstens Rücksicht auf meine Arbeit! Man hört euch ja bis nach Rom! Stille.

Parasit  zu sich selbst: Die eigene Tochter! Nimmt keine Rücksicht – und zum Essen ist auch nichts da. Was bin ich? Ein alter Mann. Und einsam – Zu Lemniselenis. Du wirst deine Ideale schon von allein verlieren.

Lemniselenis  Papa, hör mich mal jetzt in Ruhe an: ich weiß, daß kein Kind was taugt, das seinen Eltern nicht gehorcht. Aber auch kein Kind taugt etwas, das schweigend zusieht, wenn die Eltern was Unrechtes machen.

Parasit  Wann habe ich was Unrechtes gemacht? Nie!

Lemniselenis  Gewiß, du hattest die Macht und das Recht, mir meine Freiheit zu nehmen –

Parasit  unterbricht sie: So laß doch endlich deine Freiheit in Ruh! Was willst du von ihr? Ohne Geld? Vergiß doch nicht, daß ich leider nicht in der Lage war, dir eine Mitgift zu geben, dein Vater ist eben ein armer Mann, willst du ihm deshalb Vorwürfe machen? Schäme dich! Ich wollte immer nur dein Bestes.

Lemniselenis  Gewiß, Papa, wir lebten in Dürftigkeit, doch ist ein bescheidenes Leben besser, als wenn sich die Armut mit der Unehrenhaftigkeit paart. Dann wird die Armut noch bitterer.

Parasit  Willst du denn die Welt ändern? Du bist ja unausstehlich!

Lemniselenis  Papa, auch der Menschen Schande hat Unsterblichkeit. Sie lebt noch fort, wenn man sie schon gestorben glaubt.

Die Gefäße auf dem Herde zittern und klirren, eine Kiste fällt um und die Ampel stürzt von der Decke herab. Die Drei erschrecken und erstarren.

Stille.

Bagnio  leise: Was war denn jetzt das?

Lemniselenis  Ich dachte, der Boden rutscht unter mir weg –

Parasit  Kinder, das war ein Erdbeben!

Stille.

Lemniselenis  setzt sich: Mir ist ganz schlecht.

Bagnio  Das hat was zu bedeuten.

Stille.

Parasit  Das letzte große Erdbeben war vor sechsundzwanzig Jahren. Ja, ich erinnere mich. Damals wart ihr beide noch nicht auf der Welt.

Es klopft an die Türe.

Die Drei schrecken wieder zusammen.

Es klopft noch dreimal in dem bestimmten Rhythmus.

Lemniselenis  schnell empor: Das ist er! Toxilus! Sie öffnet rasch die Türe.

Toxilus tritt ein, er trägt das kurze Schwert gegürtet, erblickt Lemniselenis und schließt sie sofort in seine Arme.

Bagnio verriegelt rasch wieder die Türe und tauscht mit dem Parasiten einen spöttischen Blick.

Lemniselenis  macht sich sanft von Toxilus los; lächelnd. Was sagst du zu unserem Erdbeben?

Toxilus  perplex: Erdbeben?

Lemniselenis  Die Ampel ist heruntergefallen. Schau!

Toxilus  schaut auf die Ampel: Ich dachte nur an dich –

Parasit  zu Lemniselenis: Willst du uns nicht vorstellen?

Lemniselenis  zu Toxilus: Das ist mein Papa und das ist mein Bruder Bagnio. Toxilus horcht bei dem Wort »Papa« auf und fixiert finster den Parasiten.

Parasit  unsicher: Was hat er denn?

Toxilus  zum Parasiten: Herr! Darf ich Ihnen meine tiefste Verachtung ausdrücken, da Sie sich nicht scheuen, Ihr eigen Fleisch und Blut zu verschachern –

Bagnio  unterbricht ihn verzweifelt: Jetzt fängt der auch noch an!

Lemniselenis  zu Toxilus: Aber Toxilus! Kein Wort mehr, Liebling! Papa und ich haben uns ausgesprochen und sind wieder versöhnt – Nehmt Platz!

Die Vier setzen sich um den Tisch.

Bagnio  Leider habe ich nichts zum anbieten –

Parasit  Leider – leider!

Lemniselenis  Wir sind sehr arm.

Toxilus  Oh bitte – bitte!

Stille.

Lemniselenis  Hast du eine angenehme Flucht gehabt?

Toxilus  lächelt: Erschrick nicht, Liebste – aber um ein Haar hätte man mich in den Brunnen gesperrt.

Lemniselenis  In einen Brunnen?!

Toxilus  Ja. Deine Flucht, Geliebte, wurde nämlich leider frühzeitig entdeckt und so schleppte man mich vor das Sklavengericht. Aber ich nahm keine Strafe an und bahnte mir meinen Weg zu dir mit dem Schwert!

Parasit  Allerhand!

Bagnio  Gabs Tote, Verletzte?

Toxilus  Nein, es ging auch ohne Blut.

Lemniselenis  Den Göttern sei Dank!

Toxilus  Matrosa führte mich her, sie wartet draußen. Auch bei ihr mußte ich Gewalt anwenden – Er lächelt. Jaja, seit ich dich liebe, bin ich plötzlich ein Held geworden, denn mein Leben hat endlich einen Sinn. Das Meer ist kleiner und größer geworden, der Himmel näher und höher. Wald und Flur rücken ins rechte Licht. Ach, Lemniselenis, ich finde keine Worte, nur deinen Namen!

Lemniselenis  lächelt gewollt geziert: Lieb von dir. Doch sag mal: das Geld hast du doch dabei?

Toxilus  Was für Geld?

Lemniselenis  Die sechshundert Silberlinge –

Toxilus  Ich? Ich hab keinen Groschen.

Bagnio  schnellt empor: Was?! Wußt ichs doch!

Toxilus  perplex: Wieso? Versteh kein Wort.

Parasit  zu Toxilus, der ihn mit äußerster Zurückhaltung betrachtet: Herr, reden wir mit offenen Karten: das Mädel sitzt hier in dem Loch und kann nicht heraus, ehe die sechshundert Silberlinge da sind!

Lemniselenis  Ich dachte, du würdest mich freikaufen!

Toxilus  Ich? Dich? Womit denn?!

Lemniselenis  Du hast doch gesagt, daß du etwas verkaufen willst, was nicht dir gehört –

Toxilus  Das hab ich nie gesagt!

Lemniselenis  Nie?! Haben wir denn nicht stundenlang darüber gesprochen?!

Toxilus  Gesprochen gewiß! Aber wer wird denn so etwas tun? Bin ich denn ein Räuber? Mißversteh mich nicht, Geliebte! Ich habe nur gesagt: reite fort und ich reit dir nach –

Bagnio  verzweifelt: Wußt ichs doch, wußt ichs doch!

Toxilus  Still! Laßt mich mal grübeln: wer mir etwa soviel leihen tät –

Bagnio  außer sich: Leihen?! Dir?! Was fällt dir ein, unverschämter Kerl?! Er ergreift einen Prügel und brüllt. Hinaus! Hinaus, gewissenloser Mädchenverführer!

Toxilus schnellt empor und zückt sein Schwert.

Lemniselenis  Nein! Sie stellt sich schützend vor Bagnio. Erstich ihn nicht, er ist mein Bruder!

Bagnio  Laß ihn nur stechen! Ich demolier ihm seinen Kürbis, daß er auf der Stell den Zerberus bellen hört!

Parasit  Aber meine Herren!

Stille.

Toxilus  zu Lemniselenis, indem er Bagnio nicht aus den Augen läßt: Komm!

Lemniselenis  Wohin?

Toxilus  Vertrau nur mir, wir kommen schon durch. Verlaß dich auf meine Liebe –

Parasit  Einen Augenblick! Wer liebt, sitzt bekanntlich auf seinem Verstand, und da muß ein heller Kopf eingreifen –

Toxilus  unterbricht ihn barsch: Verzichte auf Eueren Kopf!

Lemniselenis  fährt Toxilus an: Sprich anständig mit Papa! Der hat schon mehr für mich getan, wie du! Toxilus starrt sie entgeistert an. Starr mich nicht so an – oder tust du etwa was für mich?!

Toxilus  Ich opferte meinen Beruf.

Parasit  wegwerfend: Ein Sklave! Auch ein Opfer!

Lemniselenis  zu Toxilus: Ich hoffte, du würdest stehlen.

Toxilus  Ist das dein Ernst?

Parasit  zu Lemniselenis: Laß ihn, jetzt redet dein Papa zu dir: hier steht ein Mann und starrt dich an. Er hat nichts und ist nichts, ein entsprungener Unfreier aus dem Brunnen heraus. Verfolgt und gehetzt von arm und reich, gehört er nirgends hin und will trotzdem nirgends einbrechen. Ein Phantast! Frag ihn, wie er dich ernähren will, bekleiden, beschuhen? Frag ihn, was er dir bieten kann?

Toxilus  Mich.

Parasit  Das ist nichts.

Stille

Lemniselenis  Du hast recht, Papa.

Toxilus  Recht?!

Lemniselenis  Ja.

Toxilus starrt sie wieder an, und es scheint eine Welt in ihm zusammenzubrechen.

Stille.

In einem ländlichen Lustsitz am Meer steht eine Kasse und die Herrschaft ist verreist.

Toxilus  horcht auf: Meinst du unsere Herrschaft?

Lemniselenis  Unsere ehemalige. Vorbei, vorbei! Oder kannst du zurück?

Toxilus  Werd mich hüten. Du hast recht.

Stille.

Lemniselenis  Die Kasse steht im dritten Zimmer.

Toxilus  Gleich rechter Hand.

Lemniselenis  Wenn man von links kommt.

Toxilus  lächelt traurig: Ich kann mich noch erinnern.

Lemniselenis  mit geschlossenen Augen: Ich seh sie noch vor mir.

Stille.

Toxilus  Man kann auch durchs Fenster.

Lemniselenis  Stimmt. Durchs fünfte von links.

Toxilus  Nein, dort schläft der Aufseher. Durchs vierte von rechts.

Lemniselenis  Aha.

Stille.

Was ist denn in der Kasse?

Toxilus  Neunhundert Silberlinge.

Bagnio  faßt sich ans Herz: Sags noch mal!

Toxilus  Neunhundert.

Parasit  Wie das klingt! Neun-hun-dert – das zerrinnt auf der Zunge, wie Butter –

Lemniselenis  Na also!

Stille.

Toxilus  gibt sich plötzlich einen Ruck, stürzt an die Türe, will hinaus, kann aber nicht, denn sie ist ja verriegelt; er rüttelt an ihr und schreit: Aufmachen! Noch bin ich kein Verbrecher! Auf – auf! Er sprengt die Türe auf und rasch ab.

Bagnio  stürzt auf die demolierte Türe und schreit Toxilus nach: Feiger Halunke! Brich lieber ein, statt aus! Schurke! Erst ein Mädel verführen, aber dann nicht einmal stehlen!

Parasit  lächelt süffisant: Soweit geht die Liebe nicht –

Lemniselenis  tonlos: Nein. Soweit nicht.

Bagnio  zu Lemniselenis: Trotz deines Amors! Er repariert die Türe und schließt sie wieder.

Stille.

Lemniselenis  hat nachgedacht; leise: Jetzt nehm ich Abschied von meinen Idealen. Lebt wohl! Denn wenn sogar Amor es nicht fertig bringt, daß einer für einen stiehlt, dann gibt es keine Hilfe mehr.

Parasit nickt zustimmend. Bagnio öffnet langsam die Türe.

Und wenn Matrosa kommt, sagt, ich bin bei Dordalus –

Sie geht auf die Türe zu. Bagnio öffnet sie weit.

Parasit  Pa, Kindchen!

Lemniselenis  hält noch einmal: Sieht man mirs an, daß ich an keine Götter mehr glaub? Ab durch die Türe.

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