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Politische Fastenpredigten während Deutschlands Marterwoche

Jean Paul Richter: Politische Fastenpredigten während Deutschlands Marterwoche - Kapitel 4
Quellenangabe
typesatire
booktitleSämtliche Werke Abteilung I Band 5
authorJean Paul
year1996
firstpub1817
publisherZweitausendeins
addressFrankfurt am Main
isbn3-86150-152-X
titlePolitische Fastenpredigten während Deutschlands Marterwoche
pages125
created20120404
sendergerd.bouillon@t-online.de
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An Ihn und an Sie

1.
Der Fackeltanz

Ich kenne einen schönern Fackeltanz der Fürsten als den kurzen der Vermählungsfeier; ich kenn' ein Land, klein und licht, wo Genien wohnen und den Fürsten Fackeln erschaffen und reichen; die Fürsten tragen sie in schöner, leichter, nichts verletzender Bewegung umher, – und hell wird es weit in fremde Länder hinaus. Zwei Genien und deren Gönnerin sind nicht mehr; aber die Gegenwart reift fort, und die Zukunft blüht entgegen.

2.
Die Schönheit

Wie in Zimmern mit rosenrotem Spiegelglas jedes Angesicht blüht und überall Morgenröte umherliegt: so verschönert und 1076 verjüngt Schönheit alles, was sie umgibt. Sie – der Frühling der Gesellschaft – wärmt jede Kraft zum Aufblühen und die gesellige Rede zur einsamen Dichtkunst – das Alter wird jugendlich, die Jugend wird ernst – jedes Herz bewegt sich mit neuer freudiger Macht – und deutsche Zepter richten sich als zartgezogne Magnetnadeln nach Norden.

3.
Streit der Perle mit der weißen Rose

Die Perle: »Ich bin Ihr ähnlicher und gehöre Ihr mehr an als du, denn ich glänze mild und rein.«

Die weiße Rose: »Aber ich trage die Unschuldfarbe noch heller, ich bin ähnlicher.«

Die Perle: »Aber mein Wert verwelket nicht.«

Die weiße Rose: »Aber ich hauche Lebensfrühling dem Zephyr zu.«

Die Perle: »Und ich berühre zuweilen Ihr Haupt.«

Die weiße Rose: »Und ich ruh' an Ihrer Brust zuweilen.«

Plötzlich schlug eine rote Rose alle ihre jungen Aurora-Reize auseinander und sagte im blühenden Prangen: »Wetteifert nicht so vergeblich, ihr Schönen! Ich bin Ihr ja auch ähnlich.«

4.
Die Zueignung der Dämmerungen an Zwei

»Zweierlei Dämmerungen, die des Abends und des Morgens, eignest du Ihm und Ihr; und beiden durch dasselbe Wort; wie rechtfertigst du, was du wagst?« – Beides durch den Himmel: über eine Dämmerung regiert der Abendstern, auch Stern der Liebe genannt; die andere Dämmerung beherrscht der Morgenstern, der Lichtträger genannt. So mögen auch meinen Dämmerungen (sagt der Wunsch) zwei günstige Sterne scheinen.

»Aber beiden sagst du einerlei Wort?« – Am Himmel ist Abend- und Morgenstern nur einer und eins. 1077

 

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