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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 96
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Einunddreißigstes Kapitel

Wie gefährlich es ist, den Verbannten zu trauen.

Es erscheint mir nicht unangebracht, in diesen Erörterungen auch darüber zu reden, wie gefährlich es ist, Leuten zu trauen, die aus ihrem Vaterland vertrieben sind, zumal die Regierenden hiermit täglich zu tun haben. Ich kann dies durch ein merkwürdiges Beispiel beweisen, das Livius in seiner Geschichte anführt, VIII, 24. obwohl es eigentlich nicht dorthin gehört. Als Alexander der Große mit dem Heer nach Asien zog, kam sein Oheim und Schwager, Alexander von Epirus, mit Truppen nach Italien, gerufen von den verbannten Lukanern, die ihm Hoffnung gemacht hatten, er werde mit ihrer Hilfe das ganze Land erobern. Als er im Vertrauen auf ihr Wort und in dieser Hoffnung nach Italien kam, wurde er von ihnen ermordet, da ihnen ihre Mitbürger die Rückkehr in ihr Vaterland unter dieser Bedingung versprochen hatten. Alexander der Molosser erfocht anfangs, von Tarent gerufen, Erfolge gegen die Lukaner und Samniter und andere Völkerschaften, entzweite sich aber mit Tarent und verlor dadurch seinen lukanischen Anhang. Er wurde 332 v. Chr. ermordet.

Man kann daraus schließen, wie eitel die Versprechungen und die Treue von Leuten sind, die aus ihrem Vaterlande vertrieben sind. Denn was die Treue betrifft, so kann man sicher sein: sobald sie auf einem andern Weg als durch dich in die Heimat zurückkommen können, werden sie dich trotz aller Versprechungen verlassen und sich zu den andern schlagen. Und was die eitlen Versprechungen und Hoffnungen betrifft, so ist ihre Sehnsucht, in die Heimat zurückzukehren, so stark, daß sie natürlich viel Falsches glauben und vieles hinzu erfinden, um dich durch das, was sie glauben und zu glauben vorgeben, mit Hoffnungen zu erfüllen. Verläßt du dich also darauf, so hast du entweder vergebliche Kosten, oder du verwickelst dich in ein Unternehmen, bei dem du zugrunde gehst.

Als Beispiel soll mir außer Alexander der Athener Themistokles genügen. Nachdem er sich empört hatte, floh er nach Asien zu Darius und versprach ihm so viel, wenn er Griechenland angreifen wolle, daß Darius sich dazu entschloß. Als Themistokles dann sein Versprechen nicht halten konnte, vergiftete er sich aus Scham oder aus Furcht vor Strafe. Er wurde 470 v. Chr. verbannt und starb um 460, nach Thukydides eines natürlichen Todes. Der Perserkönig war Artaxerxes I. Wenn aber ein Mann wie Themistokles diesen Irrtum beging, so läßt sich ermessen, wieviel mehr sich andre irren müssen, die weniger taugen als jener und sich daher mehr von ihren Wünschen und Leidenschaften hinreißen lassen. Ein Fürst muß daher sehr vorsichtig sein, auf den Bericht eines Verbannten hin etwas zu unternehmen, denn meistens hat er nur Schande oder großen Schaden davon. Auch die Einnahme einer Stadt durch List und durch Einverständnis mit einem Teil der Einwohner glückt selten. Es scheint mir nicht unangebracht, im nächsten Kapitel darüber zu reden und hinzuzufügen, auf wieviel Arten die Römer Städte eroberten.

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