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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 85
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Zwanzigstes Kapitel

Welcher Gefahr sich ein Fürst oder eine Republik aussetzt, die Hilfstruppen oder Söldner verwenden.

Hätte ich nicht schon in einem andern Werke die Nutzlosigkeit der Söldner und Hilfstruppen und den Nutzen eines eignen Heeres ausführlich erörtert, In seiner »Arte della guerra« (Kriegskunst), 1521 gedruckt. so würde ich mich hier viel mehr darüber verbreiten. Da dies aber anderweitig geschehen ist, will ich mich hier kurz fassen. Ganz wollte ich es nicht übergehen, da ich in der Geschichte des Livius ein sehr treffendes Beispiel für die Hilfstruppen finde. Hilfstruppen sind nämlich solche, die ein Fürst oder eine Republik einem Staate zu Hilfe schickt, aber selbst befehligt und besoldet. Doch kommen wir zu der Erzählung des Livius.

Die Römer hatten den Capuanern ein Heer zu Hilfe geschickt, zwei samnitische Heere an verschiedenen Orten geschlagen und dadurch die Capuaner vom Krieg mit den Samnitern befreit. Damit nun nach der Rückkehr des Heeres nach Rom die Capuaner nicht von neuem den Samnitern zur Beute fielen, ließ man zwei Legionen zu ihrer Verteidigung im Lande zurück. Diese Legionen, die im Müßiggang verwahrlosten, begannen Gefallen daran zu finden, vergaßen ihr Vaterland und die Ehrfurcht vor dem Senat und wollten sich mit Waffengewalt zu Herren des Landes machen, das sie durch ihre Tapferkeit beschirmt hatten. Die Einwohner schienen ihnen der Güter nicht wert, die sie nicht zu verteidigen wußten. Der Anschlag kam jedoch heraus und wurde von den Römern unterdrückt und bestraft, wie im Kapitel von den Verschwörungen ausführlich gezeigt werden soll. S. Buch III, Kap. 6. Vgl. Livius VII, 38 f.

Ich sage also nochmals, daß von allen Truppengattungen die Hilfstruppen die schädlichsten sind, denn über sie hat der Fürst oder die Republik, die sie zu ihrem Beistand verwenden, keine Gewalt, sondern nur der, der sie sendet. Hilfstruppen sind, wie gesagt, solche, die von einem Fürsten unter seinen Befehlshabern, unter seinen Fahnen und in seinem Solde geschickt werden, wie das Heer, das die Römer nach Capua sandten. Diese Art von Truppen beraubt nach dem Siege meist den, für den sie gefochten, wie den, gegen den sie gefochten haben, und zwar entweder aus Tücke des Fürsten, der sie sandte, oder aus eignem Ehrgeiz. Den Römern lag es zwar fern, Bündnis und Verträge mit den Capuanern zu brechen, aber jenen Truppen schien es doch so leicht, die Capuaner zu unterjochen, daß sie dadurch auf den Gedanken kamen, ihnen Stadt und Land zu entreißen. Dafür könnte ich noch manches Beispiel anführen, begnüge mich aber mit diesem und dem Beispiel von Rhegion, 281 v. Chr., nach der Landung des Pyrrhus in Tarent, legten die Römer zum Schutz eine campanische Legion nach Rhegion. Die Campanier machten aber gemeinsame Sache mit den Mamertinern in Syrakus (siehe Buch II, Kap. 1), töteten die Einwohner von Rhegion und machten sich zu Herren der Stadt, die erst 270 von den Römern zurückgewonnen wurde. Vgl. Livius XXXI, 31. dessen Einwohner Leben und Freiheit durch eine von den Römern zum Schutz in die Stadt gelegte Legion verloren.

Ein Fürst oder eine Republik soll daher lieber jedes andre Mittel ergreifen, als zu seinem Schutz Hilfsvölker in seinen Staat zu ziehen, zumal wenn er sich ganz auf sie verlassen muß; denn jedes Abkommen, jeder noch so harte Vergleich mit dem Feinde wird für ihn leichter sein als dies Hilfsmittel. Wer aufmerksam die Geschichte liest und die jetzigen Begebenheiten durchgeht, findet auf einen, der Glück damit hatte, zahllose Betrogene. Ehrgeizige Fürsten und Republiken können keine bessere Gelegenheit haben, sich in den Besitz einer Stadt oder eines Landes zu setzen, als wenn sie gebeten werden, ihre Heere zu dessen Verteidigung zu senden. Wer daher so ehrgeizig ist, daß er solche Hilfe nicht nur zu seiner Verteidigung, sondern auch zum Angriff auf andre herbeiruft, sucht etwas zu erobern, was er nicht festhalten kann und was ihm der, der es ihm erobert, mit Leichtigkeit entreißen kann. Aber der menschliche Ehrgeiz ist so groß, daß man, um eine augenblickliche Begierde zu befriedigen, nicht an das Übel denkt, das in kurzem daraus entspringen muß. Die Beispiele der Alten rühren uns hier ebensowenig wie in allem übrigen. Denn ließe man sich durch sie belehren, so sähe man ein, daß sich die Nachbarn einer Macht um so eher in die Arme werfen, je großmütiger sie sich zeigt, und je weiter sie davon entfernt ist, sie zu unterjochen. Die Capuaner liefern dafür folgenden Beweis.

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