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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 79
Quellenangabe
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typetractate
authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid6cca8d22
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Vierzehntes Kapitel

Oft täuscht man sich, wenn man durch Bescheidenheit den Hochmut zu besiegen glaubt.

Man sieht oft, daß Bescheidenheit nicht nur nichts hilft, sondern schadet, besonders gegen Übermütige, die aus Neid oder andern Gründen Haß gegen uns gefaßt haben. Das bezeugt unser Geschichtsschreiber bei der Darlegung der Ursache des Krieges zwischen Latinern und Römern. Als sich nämlich die Samniter bei den Römern über den Angriff der Latiner beschwerten, wollten die Römer den Latinern diesen Krieg nicht verbieten, um sie nicht zu reizen. Sie wurden dadurch aber nicht nur nicht gereizt, sondern nur noch dreister und erklärten sich um so früher als Feinde. Das bezeugen die Worte des erwähnten latinischen Prätors Annius Setinus; s. Kap. 13. in der Ratsversammlung: Tentastis patientiam negando militem: quis dubitat exarsisse eos? Pertulerunt tamen hunc dolorem. Exercitus nos parare adversus Samnites foederatos suos audierunt, nec moverant se ab urbe. Unde haec illis tanta modestia, nisi a conscientia virium, et nostrarum et suarum? Livius VIII, 4. (Ihr habt ihre Geduld geprüft, indem ihr ihnen die Soldaten abschluget. Wer zweifelt, daß sie darüber in Zorn entbrannten? Und doch ertrugen sie diesen Schmerz. Daß wir Heere gegen die Samniter, ihre Verbündeten aufstellten, haben sie gehört und sich doch nicht aus ihrer Stadt gerührt. Woher kommt diese Bescheidenheit, wenn nicht aus der Erkenntnis ihrer Kräfte und der unsern?) Man erkennt hieraus ganz deutlich, wie sehr die Geduld der Römer den Übermut der Latiner steigerte.

Ein Fürst darf daher seiner Würde nie etwas vergeben und nie, wenn er etwas mit Ehren abtreten will, es mittels eines Vergleichs tun, es sei denn, daß er es wirklich behaupten kann oder behaupten zu können glaubt. Ist es so weit gekommen, daß du etwas nicht auf diese Weise abtreten kannst, so ist es fast immer besser, es dir mit Gewalt entreißen zu lassen als durch die Furcht vor Gewalt. Denn trittst du es aus Furcht ab, so tust du es, um einen Krieg zu vermeiden, erreichst dies aber meist nicht, denn der Feind, dem du das eine aus offenbarer Feigheit zugestanden hast, wird damit nicht zufrieden sein, sondern dir auch noch mehr entreißen wollen und nur noch hitziger werden, da er dich weniger achtet. Du aber wirst deine Verteidiger abgekühlt finden, da sie dich für schwach oder feige halten. Rüstest du dagegen, sobald die Absicht deines Gegners hervortritt, auch wenn deine Streitmacht geringer ist als die seine, so beginnt er dich zu achten, die andern Fürsten ringsum achten dich höher, und mancher bekommt Lust, dir zu helfen, wenn du unter den Waffen stehst, während er dir nie beigestanden hätte, wenn du dich selbst verlassen hättest. Das gilt für den Fall, daß man einen Feind hat; sind es aber mehrere, so wird es stets ein kluger Entschluß sein, einem von ihnen, auch wenn der Krieg schon ausgebrochen ist, etwas von den eignen Besitzungen abzutreten, um ihn wiederzugewinnen und ihn von den andern Feinden zu trennen.

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