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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 76
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid6cca8d22
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Elftes Kapitel

Es ist nicht klug, ein Bündnis mit einem Fürsten zu schließen, der mehr Ruf als Macht besitzt.

Um zu zeigen, wie falsch es von den Sidicinern war, auf die Hilfe der Campanier zu bauen, und wie falsch von diesen, daß sie die Sidiciner schützen zu können glaubten, konnte Livius sich nicht deutlicher als mit den Worten ausdrücken: Campani magis nomen in auxilium Sidicinorum, quam vires ad praesidium attulerunt. VII, 29. (Die Campanier brachten zum Schutz der Sidiciner mehr einen Namen als wirkliche Macht mit.) Daraus kann man lernen, daß Bündnisse mit Fürsten, die einem wegen der weiten Entfernung ihrer Länder nicht helfen können, oder denen es wegen eigner Verwicklungen oder aus andern Gründen an Macht dazu fehlt, dem Staate, der sich darauf verläßt, mehr dem Namen nach als in der Tat helfen. So erging es in unserer Zeit den Florentinern, die 1479 vom Papst und vom König von Neapel angegriffen wurden S. Lebenslauf, 1479., denn von ihrem Bündnis mit dem König von Frankreich hatten sie magis nomen, quam praesidium (mehr den Namen als wirklichen Schutz). So würde es auch jedem Fürsten gehen, der im Vertrauen auf Kaiser Maximilian Kaiser Maximilian unternahm 1496, 1508 und 1509 Einfälle nach Italien, deren klägliche Mißerfolge auf seiner Ohnmacht gegenüber den Reichsständen und auf seinem steten Geldmangel beruhten. irgend etwas unternähme, denn das wäre auch eins der Bündnisse, die magis nomen, quam praesidium eintragen, wie es nach unserm Text bei dem Bündnis der Campanier mit den Sidicinern der Fall war.

Die Campanier begingen also den Fehler, daß sie ihre Kräfte überschätzten. Die Menschen sind manchmal so unüberlegt, daß sie die Verteidigung andrer übernehmen, während sie selbst nicht so viel Macht noch Einsicht besitzen, um sich zu schützen. So machten es auch die Tarentiner, als die römischen Heere den Samnitern gegenüberstanden. 320 v. Chr. Vgl. Livius IX, 14. Sie schickten Gesandte an den römischen Konsul und ließen ihn wissen, daß sie Frieden zwischen beiden Völkern wünschten und dasjenige bekriegen würden, das den Frieden bräche. Der Konsul lachte über diese Botschaft, ließ in Gegenwart der Gesandten zur Schlacht blasen und befahl, den Feind anzugreifen. Damit zeigte er den Tarentinern durch die Tat und nicht durch Worte, welche Antwort sie verdienten.

Da ich nun in diesem Kapitel von den verkehrten Entschlüssen gesprochen habe, die die Fürsten zur Verteidigung andrer ergreifen, will ich im folgenden von den Maßnahmen zu ihrer eignen Verteidigung reden.

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