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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 7
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Drittes Kapitel

Welche Ereignisse in Rom zur Einsetzung der Volkstribunen führten, durch die die Republik vervollkommnet wurde.

Wie alle politischen Schriftsteller beweisen und zahlreiche geschichtliche Beispiele bezeugen, muß der Ordner eines Staatswesens und der Gesetzgeber davon ausgehen, daß alle Menschen böse sind und stets ihrer bösen Gemütsart folgen, sobald sie Gelegenheit dazu haben. Bleibt diese Bosheit eine Weile verborgen, so rührt das von einer verborgenen Ursache her, die erst erkannt wird, wenn die Bosheit zum Ausbruch kommt. Dann enthüllt sie die Zeit, die man die Mutter der Wahrheit nennt.

So schien in Rom vor der Vertreibung der Tarquinier die größte Eintracht zwischen Volk und Senat zu herrschen. Die Adligen schienen ihren Hochmut abgelegt zu haben und volksfreundlicher und verträglicher auch gegen den Geringsten geworden zu sein. Es war aber bloß Verstellung, deren Grund man bei Lebzeiten der Tarquinier nicht merkte. Denn nur aus Furcht vor diesen und aus Besorgnis, das Volk möchte sich ihnen bei schlechter Behandlung anschließen, benahm der Adel sich leutselig gegen das Volk. Als aber die Tarquinier tot waren und der Adel nichts mehr zu fürchten hatte, begann er das Gift, das er in seiner Brust verborgen hatte, gegen das Volk auszuspeien und es auf alle mögliche Weise zu kränken. Das ist ein Beweis für meine obige Behauptung, daß die Menschen nur aus Not etwas Gutes tun. Sobald ihnen aber freie Wahl bleibt und sie tun können, was sie wollen, gerät alles drunter und drüber. Darum sagt man, Hunger und Armut machen die Menschen arbeitsam und Gesetze machen sie gut. Wo etwas von selbst gut geht, sind Gesetze unnötig, hört aber die gute Gewohnheit auf, so werden sie gleich notwendig. Nach dem Tod der Tarquinier, die den Adel durch Furcht im Zaum hielten, mußte man also an eine neue Einrichtung denken, die das gleiche wie bei Lebzeiten der Tarquinier bewirkte. So kam es nach vielen Unruhen, Aufständen und gefährlichen Kämpfen zwischen Volk und Adel zur Einsetzung der Volkstribunen, die für die Sicherheit des Volkes zu sorgen hatten, und diese schalteten mit so großen Vorrechten und solchem Ansehen, daß sie fortan stets die Mittler zwischen Volk und Senat sein und dem Übermut des Adels entgegentreten konnten.

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