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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 64
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Sechzigstes Kapitel

Das Konsulat und jede andre Würde wurde in Rom ohne Rücksicht auf das Alter vergeben.

Wie man aus der Geschichte ersieht, verlieh die römische Republik das Konsulat, nachdem es auch Plebejern zugänglich geworden war, 367 durch das dritte der Licinischen Gesetze. Vgl. Kap. 37, Anm. 108. ohne Rücksicht auf Alter und Geburt. Ja, eine Rücksicht auf das Alter fand in Rom überhaupt nie statt, vielmehr sah man immer nur auf das Verdienst, mochte man es nun bei einem Jüngling oder einem Greise finden. Ein Beweis dafür ist Valerius Corvinus, der mit 23 Jahren Konsul wurde 349 v Chr. Bei Livius VII, 26, heißt er Marcus Valerius Corvus. und in einer Ansprache an seine Soldaten sagte, das Konsulat sei ein praemium virtutis, non sanguinis Ebd. 32. (ein Lohn der Tüchtigkeit, nicht der Geburt). Ob diese Einrichtung gut oder schlecht war, sei dahingestellt. Was die Geburt betrifft, so ließ man sie notgedrungen fallen, und die gleiche Notwendigkeit dürfte in jedem Staat eintreten, der das ausrichten will, was Rom vollbracht hat, wie schon früher gesagt ward. S. Kap. 6. Denn ohne Lohn kann man den Menschen keine Lasten auferlegen und ihnen auch die Hoffnung auf Lohn nicht ohne Gefahr nehmen. Bald mußte man daher dem Volke die Hoffnung geben, zum Konsulat zu gelangen, und eine Weile zehrte es von dieser Hoffnung. Später aber reichte die Hoffnung nicht aus, sondern man mußte sie erfüllen. Ein Staat, der das Volk zu nichts Ruhmwürdigen verwendet, kann es freilich nach Gutdünken behandeln, wie anderwärtig gezeigt wurde. 198: S. Kap. 6. Wer aber das ausrichten will, was Rom tat, darf solche Unterschiede nicht machen.

Angenommen, man wollte das letztere, so ist ein Unterschied des Alters nicht zu rechtfertigen, ja er muß notgedrungen fortfallen. Denn wenn das Volk einen Jüngling zu einem Amte erwählen soll, das die Klugheit eines Greises erfordert, so muß ihm eine hervorragende Leistung zu dieser Würde verhelfen. Besitzt aber ein Jüngling solche Tüchtigkeit, daß er sich durch etwas Besondres hervorgetan hat, so wäre es höchst nachteilig für den Staat, wenn er diese Kraft nicht gleich nutzen könnte, sondern warten müßte, bis er gealtert ist und die Geisteskraft und Raschheit, die seinem Vaterland nutzen könnten, dahin sind. So nutzte Rom den Valerius Corvinus, den Scipio, den Pompejus und viele andre, die ganz jung triumphierten.

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