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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 61
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Siebenundfünfzigstes Kapitel

Vereinigt ist das Volk mutig, in den Einzelnen schwach.

Nach der Zerstörung Roms durch die Gallier waren viele Römer gegen Befehl und Anordnung des Senats nach Veji gezogen. Um dieser Unordnung zu steuern, erließ der Senat ein Edikt, jedermann solle nach einer gewissen Zeit bei Strafe nach Rom zurückkehren. Über dies Edikt spotteten die, gegen die es gerichtet war; als aber die festgesetzte Zeit herankam, gehorchten alle. Livius bemerkt dazu: Ex ferocibus universis, singuli, metu suo, obedientes fuere. VI, 4. (Aus denen, die alle zusammen trotzig gewesen, wurden einzelne, die, jeder aus Furcht für sein Schicksal, gehorchten.) In der Tat läßt sich die Natur der Menge in dieser Hinsicht nicht besser beschreiben. Denn die Menge redet oft kühn gegen die Gebote ihrer Fürsten; sieht sie dann aber die Strafe vor Augen, so verläßt sich keiner auf den andern, und jeder gehorcht schleunigst. Man sieht also die Belanglosigkeit dessen, was das Volk von seinem guten oder schlechten Willen sagt, wofern man darauf eingerichtet ist, eine Sache durchzuführen, wenn es gutwillig ist, und sich vor Ausschreitungen zu schützen, wenn es widerwillig ist. Gemeint sind hier aber nur solche Mißstimmungen im Volke, die nicht aus dem Verlust seiner Freiheit oder eines geliebten, noch lebenden Fürsten entspringen, denn diese letzteren sind über alles furchtbar und können nur mit den schärfsten Mitteln unterdrückt werden. Die übrigen sind unwesentlich, wenn das Volk keine Führer hat, bei denen es einen Rückhalt findet. Es gibt zwar nichts Furchtbareres als eine entfesselte Menge ohne Haupt, Nach Cicero, De legibus, III, 10. aber auch nichts Schwächeres. Denn hat sie auch zu den Waffen gegriffen, so ist es doch leicht, sie wieder zur Ruhe zu bringen, wenn man nur einen Zufluchtsort hat, um ihrem ersten Ansturm zu entkommen. Haben sich die Gemüter erst etwas abgekühlt, und jeder sieht ein, daß er nach Hause zurück muß, so fängt er an, für sich selber zu fürchten, und ist durch Flucht oder Vergleich auf seine Sicherheit bedacht. Will daher eine aufgebrachte Menge den Gefahren entgehen, so muß sie sofort aus ihrer Mitte einen Führer erwählen, der sie leitet, zusammenhält und für ihre Verteidigung sorgt. So tat es das römische Volk, als es nach dem Tode der Virginia auszog, S. Kap. 40 und Livius III, 51. denn es wählte zu seiner Sicherung zwanzig Tribunen aus seiner Mitte. Geschieht dies nicht, so wird es immer so kommen, wie Titus Livius in der oben angeführten Stelle sagt, daß sie alle zusammen mutig sind, aber jeder einzelne, wenn er an seine eigne Gefahr denkt, feig und schwach wird.

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