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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 58
Quellenangabe
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typetractate
authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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projectid6cca8d22
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Vierundfünfzigstes Kapitel

Welche Macht ein angesehener Mann über eine empörte Menge hat.

Bei der im vorigen Kapitel erwähnten Geschichte ist zweitens bemerkenswert, daß nichts so geeignet ist, eine empörte Menge zu zügeln, wie die Ehrfurcht vor einem ernsten und angesehenen Manne, der ihr entgegentritt. Nicht ohne Grund sagt Virgil: Aeneis I, 151 f.

Tum pietate gravem ac meritis si forte virum quem
Conspexere, silent arrectisque auribus adstant.

(Sehen sie dann einen Mann, durch Verdienst und Tugend ehrwürdig,
Siehe, dann schweigen sie still und stehn mit gespitzten Ohren.)

Wer daher an der Spitze eines Heeres steht oder sich in einer Stadt befindet, wo ein Aufruhr ausbricht, muß so würdevoll und prächtig auftreten, als er kann, und die Abzeichen seines Ranges anlegen, um sich desto ehrwürdiger zu machen. Vor wenigen Jahren war Florenz in zwei Parteien gespalten, die Anhänger des Savonarola S. Lebenslauf, 1494. und die Arrabbiati (Wütenden), wie sie sich nannten. Die ersteren, unter denen sich Paolo Antonio Soderini, ein sehr angesehener Bürger, befand, unterlagen in einem Aufruhr, und das Volk zog bewaffnet vor sein Haus, um es zu plündern. Sein Bruder, Messer Francesco, damals Bischof von Volterra und heute Kardinal, war zufällig im Hause. Beide waren Brüder des Gonfaloniers Piero Soderini. Sobald er den Lärm hörte und den Volkshaufen sah, legte er seine prächtigsten Kleider an, warf das bischöfliche Chorhemd darüber, trat auf die Bewaffneten zu und brachte sie durch sein Auftreten und seine Worte zum Einhalt. Dies Benehmen wurde viele Tage lang in der ganzen Stadt besprochen und gerühmt. Ich schließe daraus, daß es kein stärkeres und notwendigeres Mittel gibt, eine empörte Menge zu zügeln, als das Auftreten eines Mannes, der durch seine Erscheinung Ehrfurcht erweckt. Man sieht aber – um zu der angeführten Erzählung zurückzukommen –, wie hartnäckig das römische Volk darauf bestand, nach Veji überzusiedeln, weil es diesen Entschluß für nützlich hielt und seine Nachteile nicht erkannte, und wie die daraus entstehenden Unruhen zum Aufruhr angewachsen wären, hätte der Senat die Volkswut nicht durch ernste und ehrwürdige Männer gezügelt.

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