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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 56
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
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Zweiundfünfzigstes Kapitel

Um den Übermut eines Mannes zu zügeln, der in einer Republik zuviel Macht erlangt hat, gibt es kein sichereres und weniger anstößiges Mittel, als ihm die Wege zu verlegen, auf denen er zu seiner Macht gelangt.

Wir sahen im vorigen Kapitel, welches Ansehen sich der Adel beim Volke durch die Beweise seiner Fürsorge erwarb, die er sowohl durch die Einführung des Soldes wie durch die Verteilung der Steuern gab. Wäre der Adel so fortgefahren, so wäre allen Unruhen in Rom der Boden entzogen und den Tribunen ihr Einfluß beim Volke und somit ihre Macht genommen worden. In der Tat kann man in einer Republik, und besonders in einer verderbten, dem Ehrgeiz eines Bürgers auf keine bessere, weniger anstößige und leichtere Art entgegentreten, als wenn man ihm die Wege verlegt, auf denen man ihn seinem Ziel entgegenstreben sieht.

Hätte man dies Verfahren gegen Cosimo de' Medici S. Kap. 33. angewandt, so wäre das für seine Gegner weit besser gewesen, als ihn aus Florenz zu vertreiben. Hätten nämlich seine Nebenbuhler das Volk in seiner Art begünstigt, so wanden sie ihm ohne Aufruhr und Gewalttat seine wichtigsten Waffen aus der Hand. Piero Soderini S. Kap. 7, Anm. 22, und Buch III, Kap. 3. Seine Gegner waren die Anhänger der Medici. hatte sich allein dadurch Ansehen in Florenz verschafft, daß er die Menge begünstigte, was ihm den Ruf eines Freundes der städtischen Freiheit erwarb. Gewiß war es für die, die ihm seine Größe neideten, viel leichter, auch viel ehrbarer, ungefährlicher und der Republik weniger verderblich, ihm die Wege zu verlegen, auf denen er groß wurde, als sich ihm zu widersetzen und die ganze Republik in seinen Sturz zu verwickeln. Denn wenn sie ihm die Waffen aus der Hand wanden, die ihn stark machten, und das war ein leichtes, so hätten sie sich ihm in allen Ratsversammlungen, bei allen öffentlichen Beratungen ohne alle Scheu und Rücksicht widersetzen können. Mag man auch einwenden, daß nicht nur seine Gegner einen Fehler begingen, da sie ihm nicht die Wege verlegten, auf denen er zu Ansehen beim Volke gelangte, sondern daß auch Piero den Fehler beging, seinen Gegnern nicht die Mittel zu nehmen, durch die sie ihm Furcht einflößten, so verdient Piero hierin doch Entschuldigung, weil das für ihn schwer und auch nicht anständig war. Denn das Mittel, mit dem man ihn angriff und auch schließlich stürzte, war die Begünstigung der Medici. Dies Mittel aber konnte Piero nicht mit Ehren anwenden, da er die Freiheit, zu deren Hüter er bestellt war, nicht ohne Schande vernichten konnte. Auch wäre diese Begünstigung, da sie nicht heimlich und auf einmal stattfinden konnte, für Piero äußerst gefährlich gewesen, denn sobald er sich als Freund der Medici erklärt hätte, wäre er dem Volke verdächtig und verhaßt geworden, und seine Feinde hätten ihn dann noch viel leichter gestürzt.

Man muß also bei allen Entschließungen die Nachteile und Gefahren ins Auge fassen und nie einen Entschluß fassen, wenn die Gefahr größer ist als der Gewinn, auch wenn die Sache an sich günstig erscheint. Denn handelt man anders, so würde es einem gehen wie Cicero, der den Marcus Antonius um seine Gunst bringen wollte und sie nur vermehrte. Nach Cäsars Ermordung Antonius war nämlich für einen Feind des Senats erklärt worden und hatte ein großes Heer aufgebracht, das großenteils aus Anhängern Cäsars bestand. Um ihm die Soldaten abspenstig zu machen, riet Cicero dem Senat, dem Octavian Ansehen zu geben und ihn mit dem Heer und den Konsuln gegen Antonius zu senden. Denn sobald die Soldaten des Antonius den Namen des Octavian hören würden, der Cäsars Neffe war und sich selbst Cäsar nennen ließ, würden sie den Antonius verlassen und zu Octavian übergehen, so daß Antonius verlassen dastände und leicht zu überwinden sei. Die Sache kam aber gerade umgekehrt, denn Antonius brachte den Octavian auf seine Seite, und dieser ließ Cicero und den Senat im Stich und ging zu Antonius über, was den völligen Untergang der Adelspartei zur Folge hatte. Das war leicht vorauszusehen. Man durfte nicht glauben, was Cicero sich einbildete, sondern mußte stets den Namen Cäsars in Rechnung stellen, der seine Feinde so ruhmvoll vernichtet und sich die Herrschaft über Rom errungen hatte. Nie durfte man von seinen Erben oder Anhängern etwas zum Besten der Freiheit erwarten.

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