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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 48
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vierundvierzigstes Kapitel

Eine Menge ohne Haupt ist unnütz, und man muß nicht zuerst drohen und dann Gewalt verlangen.

Das Volk von Rom hatte sich wegen des Vorfalls mit Virginia bewaffnet auf den Heiligen Berg zurückgezogen. Der Senat schickte Gesandte, um zu fragen, mit welcher Befugnis es seine Feldherren verlassen hätte und auf den Berg gezogen sei. Und der Senat stand in so hohem Ansehen, daß in Ermangelung eines Führers keiner aus dem Volke zu antworten wagte. Wie Titus Livius III, 50. sagt, fehlte es nicht an Stoff zum Antworten, sondern an einem, der die Antwort gab. Das zeigt deutlich, wie wenig die Menge ohne Haupt vermag. Virginius erkannte diesen Übelstand, und auf sein Anstiften wählte man zwanzig Kriegstribunen zu Oberhäuptern, die dem Senat antworten und mit ihm verhandeln sollten. Sie verlangten, daß man ihnen den Valerius und Horatius S. Kap. 40. schicke, denen sie ihren Willen mitteilen wollten. Aber diese wollten nicht eher hingehen, als die Dezemvirn ihr Amt niedergelegt hatten. Als sie auf dem Berge bei dem Volk ankamen, verlangte dieses, daß Volkstribunen gewählt würden, daß die Berufung ans Volk gegenüber jeder Behörde erlaubt sein sollte und daß ihnen alle Dezemvirn ausgeliefert würden, da sie sie lebendig verbrennen wollten. Valerius und Horatius billigten die ersten Forderungen, tadelten aber die letzte als gottlos mit den Worten: Crudelitatem damnatis, in crudelitatem ruitis. Livius sagt (III, 53): Crudelitatis odio in crudelitatem ruitis. (Ihr verdammt die Grausamkeit und stürzt euch selbst hinein.) Sie rieten dem Volke, die Dezemvirn gar nicht zu erwähnen und nur auf die Wiederherstellung seiner Macht und Gewalt zu sinnen; dann werde es ihm an Mitteln zur Genugtuung nicht fehlen. Hieraus ersieht man deutlich, wie töricht und unüberlegt es ist, Gewalt zu verlangen und vorher zu drohen: Ich will etwas Böses damit tun. Denn man muß seine Absicht nicht verraten, sondern seinen Wunsch erst in jeder Weise zu erreichen suchen. Es genügt, einem die Waffen abzufordern, ohne zu sagen: Ich will dich damit umbringen. Denn hat man die Waffen in Händen, so kann man ja sein Gelüst befriedigen.

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