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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 31
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Siebenundzwanzigstes Kapitel

Die Menschen verstehen sehr selten, ganz gut oder ganz böse zu sein.

Papst Julius II. hatte allen kleinen Fürsten, die Teile des Kirchenstaates besaßen, den Untergang geschworen. Als er 1506 nach Bologna zog, um die Bentivogli zu vertreiben, S. Lebenslauf, 1506. die dort hundert Jahre geherrscht hatten, wollte er bei dieser Gelegenheit auch den Tyrannen von Perugia, Giovanni Pagolo Baglioni, 1471-1520. beseitigen. Als er mit dieser allgemein bekannten Absicht vor Perugia ankam, wartete er nicht etwa sein Heer ab, das ihn beim Einzug in die Stadt geschützt hätte, sondern er zog ohne Bedeckung ein, obwohl Giovanni Pagolo in der Stadt zahlreiches Kriegsvolk zu seiner Verteidigung zusammengerafft hatte. Von dem Ungestüm hingerissen, mit dem er alle Dinge betrieb, lieferte sich der Papst also, nur von seiner Leibwache begleitet, in die Hände des Feindes, führte ihn dann mit sich und ließ einen Statthalter für die Herrschaft der Kirche zurück. Allen verständigen Männern im Gefolge des Papstes fiel dessen Verwegenheit und die Feigheit Giovanni Pagolos auf. Sie begriffen nicht, warum dieser seinen Feind nicht zu seinem ewigen Ruhme mit einem Schlag niederwarf, noch sich mit Beute belud, da ja alle Kardinäle mit ihren Kostbarkeiten den Papst begleiteten. Man konnte auch nicht glauben, er hätte es aus Edelmut unterlassen, oder sein Gewissen hätte ihn zurückgehalten; denn in der Brust eines Verbrechers, der mit der eignen Schwester Blutschande trieb und aus Herrschsucht seine Vettern und Neffen ermordet hatte, konnte keine fromme Scheu mehr walten. Man muß also daraus schließen, daß die Menschen weder in Ehren böse, noch vollkommen gut sein können. Liegt in einer schlechten Handlung Größe, ist sie in gewisser Hinsicht hochherzig, so verstehen sie sie nicht auszuführen.

So achtete Giovanni Pagolo Blutschande und offenkundigen Verwandtenmord für nichts, hatte aber nicht das Geschick, oder besser gesagt, nicht den Mut, bei der rechten Gelegenheit eine Tat auszuführen, bei der jedermann seinen Mut bewundert und durch die er seinen Namen unsterblich gemacht hätte. Denn er wäre der erste gewesen, der den Prälaten gezeigt hätte, wie wenig man sich aus Leuten zu machen braucht, die wie sie leben und regieren, und die Größe seiner Tat hätte das Schimpfliche und alle Gefahr, die daraus entstehen konnte, überwogen.

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