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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 30
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Sechsundzwanzigstes Kapitel

Ein neuer Fürst muß in einer Stadt oder in einem Lande, das er erobert hat, alles neu einrichten.

Jeder, der Fürst einer Stadt oder eines Staates wird, zumal wenn er nur schwach Fuß gefaßt hat und keine Monarchie oder Republik gründen will, hat kein besseres Mittel, sich auf dem Thron zu behaupten, als alles im Staat neu einzurichten, wie er ja selbst ein neuer Fürst ist. Er muß in den Städten neue Obrigkeiten mit neuen Namen, neuen Befugnissen, neuen Männern einsetzen, muß die Armen reich machen wie David, als er König wurde, qui esurientes implevit bonis et divites dimisit inanes. (Der die Hungernden mit Gütern überhäufte und die Reichen leer ausgehen ließ.) Er muß neue Städte erbauen, alte zerstören, die Einwohner von Ort zu Ort versetzen und überhaupt nichts im Lande auf seinem Fleck lassen. Jeden Rang, jedes Amt, jeden Stand, jeden Reichtum muß der Besitzer ihm verdanken. Zum Vorbild kann er sich Philipp von Mazedonien, den Vater Alexanders, nehmen, der auf diese Weise aus einem kleinen König zum Herrn Griechenlands wurde. Sein Geschichtsschreiber sagt, er trieb die Menschen von Land zu Land, wie die Hirten ihre Herden.

Das sind grausame Mittel! Sie widersprechen nicht nur dem christlichen, sondern jedem menschlichen Gefühl. Jeder Mensch sollte sie fliehen und lieber im Bürgerstand bleiben, als zum Verderben so vieler Menschen die Krone zu tragen. Wer aber den ersten Weg zum Guten nicht einschlagen will, der muß, um sich zu behaupten, zu diesem schlimmen Mittel greifen. Die Menschen schlagen freilich gewisse Mittelwege ein, und das sind die schädlichsten, denn sie verstehen weder ganz gut noch ganz böse zu sein. Das soll im nächsten Kapitel an einem Beispiel gezeigt werden.

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