Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Niccolò Machiavelli >

Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 25
Quellenangabe
pfad/machiave/itagesch/itagesch.xml
typetractate
authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20121212
projectid6cca8d22
Schließen

Navigation:

Einundzwanzigstes Kapitel

Sehr tadelnswert sind die Fürsten und Republiken, die keine eigene Kriegsmacht haben.

Die heutigen Fürsten und die neueren Republiken, die zur Verteidigung und zum Angriff keine eigenen Truppen haben, müssen sich ihrer selbst schämen und aus dem Beispiel des Tullus Hostilius erkennen, daß die Schuld für diesen Mangel nicht im Fehlen kriegstüchtiger Männer, sondern bei ihnen selbst liegt, weil sie ihre Untertanen nicht kriegstüchtig zu machen verstehen. Denn als Tullus nach vierzigjähriger Friedenszeit zur Regierung kam, fand er in Rom nicht einen Mann, der jemals im Krieg gewesen war. Als er aber Krieg führen wollte, dachte er nicht daran, sich der Samniter, Etrusker oder andrer krieggewohnter Völker zu bedienen, sondern er beschloß als weiser Fürst, seine eignen Untertanen zu verwenden, und seine Tapferkeit war so groß, daß er sie während seiner Regierung mit einem Schlage zu den besten Soldaten erzog. Nichts ist so wahr wie der Satz, daß da, wo es Männer und keine Soldaten gibt, die Schuld am Fürsten liegt und nicht an der Lage des Landes noch am Himmelsstrich. Die neuste Geschichte liefert ein Beispiel dafür.

Ein jeder weiß, daß vor einigen Jahren der König von England Frankreich angriff S. Lebenslauf, 1513. und keine andren Soldaten als seine Landeskinder dazu nahm. England aber hatte dreißig Jahre lang keinen Krieg geführt; es besaß weder Soldaten noch Führer, die je im Felde gewesen waren. Trotzdem scheute er sich nicht, mit diesen Truppen ein Reich anzugreifen, das viele gute Feldherren und Heere hatte, die in den italienischen Kriegen dauernd unter den Waffen gestanden hatten. Der Grund war der, daß der König ein weiser Fürst und England ein wohlgeordnetes Reich ist, das sein Kriegswesen im Frieden nicht vernachlässigt hatte.

Nachdem Pelopidas und Epaminondas ihre Vaterstadt Theben befreit und das Joch Spartas abgeschüttelt hatten, verzweifelten sie in ihrer Mannhaftigkeit doch nicht daran, das an Knechtschaft gewöhnte und verweichlichte Volk wieder kriegerisch zu machen und sich mit den Spartanern im Felde zu messen, ja sogar sie zu besiegen! Jene beiden, sagt der Geschichtsschreiber, Cornelius Nepos. hätten in kurzer Zeit bewiesen, daß nicht nur in Sparta Kriegsmänner geboren werden, sondern überall, wo Menschen zur Welt kommen, wenn sich nur einer findet, der sie zu Soldaten macht, wie Tullus die Römer dazu machte. Nicht besser konnte Virgil diese Ansicht ausdrücken und bekräftigen als mit den Worten:

Desidesque movebit
Tullus in arma viros.
Müßige Männer machte Tullus zu Kriegern (Aeneis VI, 813 f.).

 << Kapitel 24  Kapitel 26 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.