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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 146
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Achtundvierzigstes Kapitel

Wenn der Feind einen großen Fehler macht, muß man eine Kriegslist dahinter vermuten.

Als sich der Konsul wegen gewisser Feierlichkeiten nach Rom begeben hatte und der Legat Fulvius allein bei dem Heer in Etrurien geblieben war, versuchten die Etrusker den Legaten ins Netz zu locken. Sie legten in der Nähe des römischen Lagers einen Hinterhalt und schickten einige Soldaten in Hirtenkleidung mit viel Vieh ab, das sie unter den Augen des römischen Heeres bis an den Lagerwall herantrieben. Der Legat wunderte sich über diese Frechheit, die ihm ganz unnatürlich schien, und deckte die List auf, so daß der Plan der Etrusker mißlang. Livius X, 4 (302 v. Chr.) Hieraus läßt sich leicht ersehen, daß ein Feldherr einem offenbaren Fehler des Feindes nie trauen darf, denn immer wird eine List dahinterstecken, weil die Menschen vernünftigerweise nicht so unvorsichtig sein können. Allein das Siegesverlangen verblendet sie häufig derart, daß sie nur das sehen, was ihnen vorteilhaft dünkt. Als die Gallier nach ihrem Sieg an der Allia gegen Rom rückten und die Tore offen und unbewacht fanden, warteten sie Tag und Nacht mit dem Einmarsch, weil sie eine List fürchteten und die Römer nicht für so feig und unvernünftig halten konnten, ihre Vaterstadt preiszugeben.

Als die Florentiner 1508 Pisa belagerten, versprach Alfonso del Mutolo, ein gefangener Pisaner, dem Florentiner Heer ein Tor von Pisa zu übergeben, wenn man ihn freiließe. Dies geschah. Um nun die Sache ins Werk zu setzen, hatte er häufig Besprechungen mit dem Bevollmächtigten der Kommissare, und zwar nicht heimlich, sondern offen und in Begleitung von Pisanern, die er zur Seite treten ließ, sobald er mit den Florentinern sprach. Hieraus konnte man also leicht auf seine Doppelzüngigkeit schließen, weil es unvernünftig gewesen wäre, bei ehrlicher Absicht so offen zu verhandeln. Allein die Begierde, Pisa zu erobern, machte die Florentiner so blind, daß sie sich nach seiner Weisung zum Tore von Lucca begaben und dort durch den doppelten Verrat des Alfonso mehrere Offiziere und andre Leute zu ihrer Schande verloren.

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