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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 127
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Neunundzwanzigstes Kapitel

Die Sünden der Völker kommen von den Fürsten.

Beschwere sich kein Fürst über die Sünden der von ihm regierten Völker, denn diese Sünden entstehen nur aus seiner Nachlässigkeit, oder weil er den gleichen Lastern ergeben ist. Betrachtet man die Völker, denen man in unsrer Zeit Raubsucht und ähnliche Sünden vorwirft, so wird man finden, daß sie nur von ihren Regenten stammen, die ebenso waren. Vor der Ausrottung der kleinen Herrscher der Romagna durch Papst Alexander VI. In den Jahren 1499-1503 eroberte Cäsar Borgia, der Sohn Alexanders VI., die Romagna. war dies Land ein Schauplatz des lasterhaftesten Lebenswandels, beim geringsten Anlaß kam es zu den ärgsten Raub- und Mordtaten. Dies kam von der Verderbtheit der Fürsten, nicht der verderbten Natur der Menschen, wie jene vorgaben. Denn da diese Fürsten arm waren, doch wie Reiche leben wollten, waren sie gezwungen, sich aufs Rauben zu legen und dies auf verschiedene Art zu betreiben. Unter andern schändlichen Mitteln gaben sie Gesetze, die irgendeine Handlung verboten. Dann gaben sie die erste Veranlassung zu ihrer Übertretung, bestraften aber die Übertreter erst, wenn eine größere Anzahl in die Falle gegangen war. Und zwar straften sie sie nicht aus Eifer für das gegebene Gesetz, sondern aus Gier nach Einziehung der Strafe. Daraus entstanden viele Übel, vor allem, daß das Volk verarmte, ohne sich zu bessern, und daß die Verarmten sich an Schwächeren schadlos zu halten suchten. Hieraus entsprang all das erwähnte Unheil, dessen Ursache der Fürst war.

Wie wahr dies ist, zeigt Livius an folgendem Beispiel. Als die römischen Gesandten dem Apollo das Geschenk aus der Beute von Veji brachten, wurden sie von Seeräubern aus Liparis in Sizilien gefangengenommen und in diese Stadt gebracht. Als ihr Fürst Timasitheus hörte, was für ein Geschenk, für wen es bestimmt war und wer es machte, benahm er sich, obwohl in Liparis geboren, wie ein Römer. Er machte dem Volke klar, wie gottlos es sei, sich ein solches Geschenk anzueignen, und ließ die Gesandten unter allgemeiner Zustimmung mit all ihren Sachen ziehen. Livius V, 28 (393 v. Chr.) gebraucht hier die Worte: Thimasitheus multitudinem religione implevit, quae semper regenti est similis. (Timasitheus flößte dem Volk, das stets seinem Herrscher gleicht, Religion ein.) Und Lorenzo von Medici sagt zur Bestätigung dieses Satzes:

Und was der Herr tut, werden viele tun,
Weil auf dem Herrn die Augen aller ruhn.

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