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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 124
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Sechsundzwanzigstes Kapitel

Wie durch Frauen ein Staat zugrunde gerichtet werden kann.

In der Stadt Ardea entstand zwischen den Patriziern und Plebejern wegen einer Familiensache ein Bürgerkrieg. Livius IV, 9 (442 v. Chr.) Eine Erbin war zu verheiraten, um die sich ein Patrizier und ein Plebejer bewarb. Da sie keinen Vater mehr hatte, wollten ihre Vormünder sie dem Plebejer, ihre Mutter aber dem Adligen geben. Hierüber entstand ein solcher Aufruhr, daß man zu den Waffen griff, wobei der ganze Adel für den Adligen, das ganze Volk für den Plebejer eintrat. Das Volk zog den kürzeren, verließ Ardea und suchte Hilfe bei den Volskern; der Adel wandte sich nach Rom. Die Volsker kamen zuerst an und belagerten Ardea. Nachher kamen die Römer und schlossen die Volsker zwischen der Stadt und sich so eng ein, daß sie sich aus Hunger auf Gnade und Ungnade ergeben mußten. Danach drangen die Römer in Ardea ein, töteten alle Häupter des Aufstandes und legten den Streit bei.

Hierzu ist verschiedenes zu bemerken. Erstens sieht man, daß die Frauen die Quelle manches Unheils gewesen sind und den Staatsleitern viel Schaden zugefügt und viele Zwistigkeiten verursacht haben. So sahen wir schon in unsrer Geschichte, wie der an Lucretia begangene Frevel die Tarquinier um die Herrschaft brachte und die Schändung der Virginia die Zehnmänner stürzte. Aristoteles Politik, VIII, 9, 13 zählt unter die Hauptursachen für den Sturz der Tyrannen Frauenschändung, Notzucht und Ehebruch, wie wir es in unserm Kapitel von den Verschwörungen ausführlich gezeigt haben. S. Buch III, Kap. 6. Ich sage also, daß die unumschränkten Fürsten und die Leiter der Republiken diesen Punkt nicht gering achten dürfen. Vielmehr müssen sie die Wirren, die durch solche Vorfälle entstehen können, ins Auge fassen und beizeiten Mittel dagegen anwenden, damit das Mittel nicht zum Schaden und Schimpf ihrer Regierung oder ihrer Republik ausschlägt. So erging es den Ardeaten, die den Streit unter ihren Bürgern so hatten anwachsen lassen, daß es zum offenen Bruch kam und sie zur Wiederherstellung der Einigkeit Hilfe von auswärts herbeirufen mußten, was ein großer Schritt zur Knechtschaft ist. Kommen wir jedoch zu dem andern bemerkenswerten Punkt, wie die Einigkeit in den Städten wiederherzustellen sei.

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