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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 122
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Vierundzwanzigstes Kapitel

Die Verlängerung des Oberbefehls brachte Rom in Knechtschaft.

Wenn man den Verlauf der römischen Geschichte aufmerksam verfolgt, findet man, daß zwei Dinge am Untergang der Republik Schuld waren: die Streitigkeiten, die aus dem Ackergesetz entsprangen, und die Verlängerung des Oberbefehls. Hätte man dies von Anfang an richtig erkannt und geeignete Mittel dagegen ergriffen, so hätte die Freiheit länger bestanden und es wäre in Rom wohl auch ruhiger zugegangen. Wenn auch die Verlängerung des Oberbefehls keine Unruhen in Rom hervorrief, so zeigte das Ergebnis doch, wie schädlich dem Staate das Ansehen war, das einzelne Bürger durch diese Maßregel gewannen.

Wären alle Bürger, deren Amtsdauer verlängert wurde, so weise und tugendhaft gewesen wie L. Quinctius Cincinnatus, so wäre dieser Mißbrauch nicht eingerissen. Die Tugend dieses Mannes bietet ein denkwürdiges Beispiel. Als zwischen Volk und Senat ein Vergleich zustandegekommen war und das Volk den Tribunen ihr Amt auf ein Jahr verlängert hatte, weil es hoffte, sie würden den Ehrgeiz des Adels im Zaum halten, wollte der Senat aus Eifersucht auf das Volk und um nicht hinter ihm zurückzustehen, dem L. Quinctius sein Konsulat gleichfalls verlängern. S. Livius III, 21 (460 v. Chr.)

Er aber verwarf diesen Beschluß durchaus und sagte, man müsse schlechte Beispiele ausrotten, nicht aber durch ein noch schlechteres zu vermehren suchen. Er verlangte also, daß neue Konsuln gewählt würden. Wären alle römischen Bürger so uneigennützig und weise gewesen, so hätte sich die Gewohnheit, die Amtsdauer zu verlängern, nicht einschleichen können, und man wäre von da nicht zur Verlängerung des Oberbefehls übergegangen, die mit der Zeit den Untergang der Republik herbeiführte. Der erste, dessen Oberbefehl verlängert wurde, war Publilius Philo. Als er Paläopolis belagerte und sein Konsulat zu Ende ging, glaubte der Senat, daß er den Sieg in Händen habe, und ließ ihn nicht ablösen, sondern ernannte ihn zum Prokonsul, dem ersten seines Zeichens. Livius VIII, 26 (327 v. Chr.)

Obwohl der Senat dies nur zum allgemeinen Besten tat, brachte es Rom mit der Zeit um seine Freiheit. Denn je weiter die Römer ihre Waffen trugen, desto nötiger schien ihnen eine solche Verlängerung, und desto häufiger kam sie vor. Hieraus entsprangen zwei Übelstände. Erstens übte sich eine geringere Zahl von Männern in der Heerführung, und nur wenige erwarben sich Ruhm darin, zweitens stand ein Mann lange Zeit an der Spitze des Heeres, gewann es für sich und machte sich einen Anhang daraus. Das Heer aber vergaß mit der Zeit den Senat und erkannte ihn als sein Oberhaupt an. So fanden Sulla und Marius Soldaten, die gegen das Allgemeinwohl zu ihnen hielten; so konnte Cäsar sein Vaterland unterjochen. Hätten die Römer nie Ämter und Oberbefehl verlängert, sie wären nicht so bald zur Macht gelangt, und ihre Eroberungen wären langsamer erfolgt, aber sie wären auch später in Knechtschaft geraten.

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