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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 121
Quellenangabe
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typetractate
authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Dreiundzwanzigstes Kapitel

Weshalb Camillus aus Rom vertrieben wurde.

Wir haben oben behauptet, daß der, welcher wie Valerius handelt, dem Vaterlande und sich selbst schadet, der aber, der wie Manlius verfährt, aber dem Vaterlande nützt, doch bisweilen sich selbst schadet. Das zeigt sich deutlich an Camillus, der in seiner Handlungsweise mehr dem Manlius als dem Valerius glich. Livius sagt daher von ihm: Eius virtutem milites oderant et mirabantur. Livius V, 26. (Die Soldaten haßten und bewunderten seine Tüchtigkeit.) Bewundert wurde er wegen seines Eifers, seiner Klugheit, seines hohen Sinns und seiner guten Anordnungen bei der Heerführung wie bei allem, was er tat. Gehaßt wurde er, weil er strenger im Strafen als freigebig im Belohnen war. Livius gibt folgende besondere Ursachen dieses Hasses an. Erstens führte er den Erlös aus dem Verkauf der Güter von Veji dem Staatsschatz zu, statt ihn mit der Beute zu verteilen. Zweitens ließ er seinen Triumphwagen von vier Schimmeln ziehen, um sich, wie man sagte, aus Hochmut dem Sonnengott gleichzustellen. Drittens gelobte er dem Apollo den Zehnten von der Beute von Veji; man hätte ihn also zur Erfüllung des Gelübdes den Soldaten, die ihn schon im Besitz hatten, wieder abnehmen müssen. Hieraus läßt sich gut und leicht erkennen, was einen Fürsten beim Volke verhaßt macht: das ist vor allem die Entziehung eines Vorteils. Dies ist aber sehr wichtig, wenn man jemand einen Vorteil entzieht, so vergißt er das nie und erinnert sich beim geringsten Bedürfnis daran. Da aber die Bedürfnisse jeden Tag wiederkommen, erinnert er sich täglich daran. An zweiter Stelle kommt ein hochmütiges oder aufgeblasenes Wesen, das Verhaßteste, was es für ein Volk, besonders für ein freies Volk geben kann. Auch wenn ihm dieser Hochmut und Prunk keinen Schaden tut, so haßt es doch den, der ihn zeigt. Hiervor aber muß sich ein Fürst hüten wie vor einer Klippe, denn sich unnützerweise Haß aufladen, ist ganz leichtfertig und unklug.

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