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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 117
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Neunzehntes Kapitel

Ob zur Leitung der Menge Milde nötiger ist als Strenge.

Die römische Republik war durch den Zwist zwischen Adel und Plebejern aufgerührt. Als aber ein Krieg ausbrach, wurden die Konsuln Titus Quinctius und Appius Claudius mit den Heeren ausgeschickt. 471 v. Chr. Vgl. Livius II, 58 ff. Appius war hart und rauh und fand bei seinen Leuten so wenig Gehorsam, daß er, fast völlig geschlagen, floh. Quinctius, der gütig und leutselig war, hatte gehorsame Soldaten und trug den Sieg davon. Danach scheint zur Leitung einer Menge Leutseligkeit besser als Stolz, Milde besser als Härte. Vgl. Diodor, XXVII, 18, 60, und Polybios, VI, ll, 8, sowie Buch III, Kap. 20 und 22 dieses Werkes. Tacitus jedoch, dem viele andre Schriftsteller beistimmen, stellt die gegenteilige Ansicht auf, wenn er sagt: In multitudine regenda plus poena quam obsequium valet. Tacitus, Annalen, III, 55, 4. (Zur Regierung der Menge gilt Strafe mehr als Güte.)

Erwäge ich nun, wie sich beide Meinungen rechtfertigen lassen, so sage ich: Entweder hast du Leute zu regieren, die gewöhnlich deinesgleichen, oder solche, die stets deine Untertanen sind. Sind sie deinesgleichen, so kannst du nicht ausschließlich strafen und die Strenge walten lassen, von der Tacitus redet. Da nun die Plebejer in Rom sich mit dem Adel in die Regierung teilten, konnte ein Mann, der eine Zeitlang ihr Befehlshaber wurde, sie nicht hart und rauh behandeln. Auch hatten die römischen Feldherrn, die sich die Liebe ihrer Heere erwarben und sie milde behandelten, häufig bessere Erfolge als die, welche sich besonders gefürchtet machten, wenn sie nicht, wie Manlius Torquatus, ausnehmende Tapferkeit damit verbanden.

Wer dagegen Untertanen regiert, von denen Tacitus spricht, der muß eher Strafe als Güte anwenden, damit sie nicht übermütig werden und ihn nicht wegen seiner allzu großen Nachgiebigkeit mit Füßen treten. Doch muß auch die Strafe so maßvoll erfolgen, daß kein Haß daraus entsteht, denn sich verhaßt machen, schlägt für keinen Fürsten gut aus. Um den Haß zu vermeiden, lasse man das Eigentum der Untertanen unangetastet; denn ohne geheime Raubsucht ist kein Fürst blutdürstig, außer im Notfall, und der kommt selten. Mischt sich jedoch Raubsucht ein, so kommt die Lust zu Blutvergießen stets, und dann fehlt es nie an Vorwänden, wie ich in einer andern Abhandlung über diesen Gegenstand ausführlich gezeigt habe. Im »Fürsten«, Kap. 17. Quinctius verdient also mehr Lob als Appius, und die Ansicht des Tacitus verdient Billigung in ihren Grenzen, nicht aber in Fällen wie bei Appius. Da wir aber von Strafe und Milde gesprochen haben, scheint es mir nicht überflüssig, zu zeigen, wie ein Beweis von Menschlichkeit bei den Faliskern mehr ausrichtete als Waffengewalt.

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