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Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte

Niccolò Machiavelli: Politische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte - Kapitel 113
Quellenangabe
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authorNiccolò Machiavelli
titlePolitische Betrachtungen über die alte und die italienische Geschichte
publisherWestdeutscher Verlag
editorErwin Faul
year1965
translatorFriedrich von Oppeln-Bronikowski
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Fünfzehntes Kapitel

Einer, nicht viele müssen an der Spitze eines Heeres stehen; mehrere Befehlshaber sind schädlich.

Als sich die Fidenaten empört und die von den Römern nach Fidenae gesandte Kolonie getötet hatten, ernannten die Römer, um diesen Schimpf zu rächen, vier Tribunen mit konsularischer Gewalt. Einer davon blieb zur Bewachung Roms zurück, die drei andern wurden gegen die Fidenaten und Vejenter geschickt. Durch ihre Uneinigkeit trugen sie zwar keinen Schaden, aber doch Schande davon, denn ihre Schande hatten sie sich selbst zuzuschreiben, die Verhütung des Schadens aber der Tapferkeit der Soldaten. Als die Römer diese Unordnung sahen, nahmen sie ihre Zuflucht zur Wahl eines Diktators, damit einer in Ordnung brächte, was drei verpfuscht hatten. Hieraus ersieht man die Verkehrtheit mehrerer Befehlshaber bei einem Heer oder in einer Stadt, die verteidigt werden soll. Titus Livius kann dies nicht deutlicher ausdrücken als mit den Worten: Tres tribuni potestate consulari documento fuere, quam plurium imperium bello inutile esset; tendendo ad sua quisque consilia, cum alii aliud videretur, aperuerunt ad occasionem locum hosti. Livius IV, 31 (426 v. Chr.). (Die drei Tribunen mit Konsulargewalt gaben den Beweis, wie nachteilig der Oberbefehl mehrerer im Kriege ist; da jeder seinen Plan befolgt wissen wollte, jeder etwas andres für gut hielt, gaben sie dem Feinde Gelegenheit, ihnen beizukommen.) Dies Beispiel dürfte zum Beweis hinreichen, welche Unordnung mehrere Heerführer im Krieg verursachen. Ich will aber der großen Deutlichkeit halber noch ein altes und ein neues anführen.

Als König Ludwig XII. von Frankreich im Jahre 1500 Mailand zurückerobert hatte, schickte er seine Truppen nach Pisa, um die Stadt für die Florentiner wieder einzunehmen. Von Florenz aus wurden Giovanni Battista Ridolfi und Luca degli Albizzi, der Sohn Antonios, als Kommissare hingeschickt. Machiavelli folgte ihnen als Sekretär. S. Lebenslauf, 1500. Da nun Giovanni Battista ein Mann von Ruf und älter war, überließ ihm Luca die Leitung des Ganzen, und wenn er seinen Ehrgeiz auch nicht durch Widerspruch zeigte, so doch durch Stillschweigen, durch Herabsetzen und Bespötteln von allem. Er trug also weder durch Rat noch Tat zur Belagerung das Geringste bei, als wäre er ein ganz unbedeutender Mann. Man sah jedoch bald das Gegenteil, als Giovanni Battista eines gewissen Vorfalls wegen nach Florenz zurück mußte; denn jetzt, wo er allein war, zeigte Luca, wieviel Mut, Geschick und Klugheit er besaß, Eigenschaften, die so lange verloren waren, als er einen andern neben sich hatte. Zur Bestätigung dieser Tatsache will ich nochmals Livius anführen.

Als die Römer den Cincinnatus und seinen Amtsgenossen Agrippa gegen die Aequer ins Feld schickten, verlangte dieser, daß die Leitung des Krieges dem Cincinnatus allein übertragen würde. Er sagte dazu: Saluberrimum in administratione magnarum rerum est, summum imperium apud unum esse. Ungenau zitiert nach Livius III, 70 (446 v. Chr.) (Bei der Leitung wichtiger Dinge ist es das beste, wenn einer den Oberbefehl führt.)

Das widerspricht völlig dem Verfahren unsrer jetzigen Fürsten und Republiken, denn diese schicken zur besseren Erledigung der Geschäfte immer mehrere Kommissare und Befehlshaber an denselben Ort, was unberechenbare Verwirrung hervorbringt. Untersuchte man die Ursachen der Niederlagen der italienischen und französischen Heere in unsrer Zeit, so würde man sie hauptsächlich in diesem Umstände finden. Ja, man kann mit Recht sagen, daß es besser ist, einen Mann von gewöhnlicher Klugheit zu einem Unternehmen zu senden als zwei ganz vorzügliche mit gleicher Gewalt.

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