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Friedrich Schleiermacher: Platons Werke - Kapitel 69
Quellenangabe
typetractate
booktitlePlatons Werke
authorFriedrich Daniel Ernst Schleiermacher
firstpub1817-26
year1984-87
publisherAkademie Verlag
addressBerlin
titlePlatons Werke
created20060311
sendergerd.bouillon
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Fremder: Also ist ja ganz deutlich die Bewegung, wesentlich nicht das Seiende, doch seiend in wiefern sie am Seienden Anteil hat.

Theaitetos: Ganz deutlich ist ja das.

Fremder: Also ist ja notwendig das Nichtseiende, sowohl an der Bewegung als in Beziehung auf alle andere Begriffe. Denn von allen gilt daß die Natur des Verschiedenen, welche sie verschieden macht von dem Seienden, jedes zu einem nicht seienden macht, und alles insgesamt können wir also gleichermaßen auf diese Weise mit Recht nicht seiend nennen, und auch wiederum seiend und sagen daß es sei weil es Anteil hat am Seienden.

Theaitetos: So mag es wohl sein.

Fremder: An jedem Begriff also ist viel Seiendes unzählig viel aber nicht seiendes.

Theaitetos: So scheint es.

Fremder: Muß man nicht auch von dem Seienden selbst sagen, daß es verschieden ist von dem übrigen?

Theaitetos: Notwendig.

(257) Fremder: Auch das Seiende also ist, wiefern das übrige ist, sofern selbst nicht. Denn indem es jenes nicht ist, ist es selbst Eins, das unzählig viele übrige aber ist es nicht.

Theaitetos: Beinahe so verhält es sich wohl.

Fremder: Auch darüber also ist keine Schwierigkeit zu machen, wenn doch die Begriffe ihrer Natur nach Gemeinschaft mit einander haben. Will aber jemand dies nicht zugeben, der überrede erst unsere vorigen Reden und dann überrede er uns das weitere.

Theaitetos: Das ist nach strengstem Recht gesprochen.

Fremder: Laß uns nun auch dieses sehn.

Theaitetos: Welches doch?

Fremder: Wenn wir Nichtseiendes sagen, so meinen wir nicht, wie es scheint, ein entgegengesetztes des Seienden, sondern nur ein verschiedenes.

Theaitetos: Wie das?

Fremder: Wie wenn wir etwas nicht groß nennen, meinst du daß wir durch dies Wort mehr das kleine als das gleiche andeuten?

Theaitetos: Keinesweges.

Fremder: Wir wollen also nicht zugeben, wenn eine Verneinung gebraucht wird, daß dann entgegengesetztes angedeutet werde, sondern nur soviel, daß das vorgesetzte Nicht etwas von den darauf folgenden Wörtern, oder vielmehr von den Dingen, deren Namen das nach der Verneinung ausgesprochene ist, verschiedenes andeute.

Theaitetos: Auf alle Weise freilich.

Fremder: Auch dies laß uns ferner bedenken, ob es dir eben so scheint.

Theaitetos: Was doch?

Fremder: Das Wesen des Verschiedenen scheint mir eben so ins kleine zerteilt zu sein wie die Erkenntnis.

Theaitetos: Wie das?

Fremder: Auch jene ist zwar nur eine, aber jeder auf einen andern Gegenstand sich beziehende Teil wird abgesondert und mit einem eignen Namen benannt, daher es so viele Künste und Wissenschaften gibt.

Theaitetos: Ganz richtig.

Fremder: Geht es nun nicht auch den Teilen des Verschiedenen, obgleich dies auch eines ist, eben so?

Theaitetos: Vielleicht, aber sage doch wiefern.

Fremder: Ein Teil des Verschiedenen ist doch dem Schönen entgegengestellt.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Ist dieser nun ohne Beinamen oder hat er einen?

Theaitetos: Er hat einen. Denn was wir jedesmal das Nichtschöne nennen, das ist von nichts anderem das Verschiedene als von der Natur des Schönen.

Fremder: Wohl, so sage mir denn dies.

Theaitetos: Was doch?

Fremder: Ist uns nicht dadurch, daß wir was unter eine Gattung des Seienden gebracht ist einer andern entgegenstellten, das Nichtschöne entstanden?

Theaitetos: So allerdings.

Fremder: Also eines Seienden Gegensatz gegen ein anderes wie es scheint ist das Nichtschöne.

Theaitetos: Ganz richtig.

Fremder: Gehört nun wohl nach dieser Erklärung das Schöne mehr unter das Seiende und das Nichtschöne weniger?

Theaitetos: Mit nichten.

Fremder: Eben so gut also, muß man sagen, ist das nicht große als das große selbst.

(258) Theaitetos: Eben so gut.

Fremder: So ist auch das nicht gerechte dem gerechten gleich zu setzen darin, daß das eine nicht weniger ist als das andere.

Theaitetos: Unbedenklich.

Fremder: Und von den übrigen ist dasselbe zu sagen, wenn doch die Natur des Verschiedenen oder die Verschiedenheit sich unter dem Seienden gezeigt hat. Denn ist sie, so sind notwendig auch ihre Teile nicht minder als seiend zu setzen.

Theaitetos: Wie sollten sie nicht?

Fremder: Also ist auch der Gegensatz von einem Teile der Verschiedenheit und dem Sein, wenn diese einander gegenübergestellt werden, nicht minder, wenn man es sagen darf, als das Seiende selbst seiend, und keinesweges das Gegenteil von jenem bedeutend, sondern nur soviel, ein verschiedenes von ihm.

Theaitetos: Ganz gewiß.

Fremder: Wie sollen wir nun diesen nennen?

Theaitetos: Offenbar ja ist das Nichtseiende, was wir des Sophisten wegen suchten, eben dieses.

Fremder: Steht es also, wie du sagtest, keinem von den andern nach in Absicht auf das Sein? und darf man schon herzhaft sagen, daß das Nichtseiende unbestritten seine eigene Natur und Wesen hat, und so wie das große groß und das Schöne schön war, und das Nichtgroße und Nichtschöne nichtgroß und nichtschön, eben so auch das Nichtseiende war und ist nichtseiend und mit zu zählen als ein Begriff unter das viele seiende? Oder haben wir hiegegen noch irgend einen Zweifel, o Theaitetos?

Theaitetos: Gar keinen.

Fremder: Weißt du auch wohl, daß wir dem Parmenides noch über sein Verbot hinaus sind unfolgsam gewesen?

Theaitetos: Wie so?

Fremder: Noch weiter als er es uns zu untersuchen verboten hat sind wir vorwärts gegangen in der Untersuchung, und haben es dargestellt.

Theaitetos: Wie das?

Fremder: Er sagt doch Nicht vermöchtest du ja zu verstehn Nichtseiendes seie, Sondern von solcherlei Weg halt fern die erforschende Seele?

Theaitetos: So sagt er allerdings.

Fremder: Wir aber haben nicht nur gezeigt, daß das Nichtseiende ist, sondern auch den Begriff unter welchen das Nichtseiende gehört haben wir aufgewiesen. Denn nachdem wir gezeigt daß die Verschiedenheit ist, und daß sie verteilt ist unter alles seiende gegen einander, so haben wir von dem jedem Seienden entgegengesetzten Teile derselben zu sagen gewagt, daß eben er in Wahrheit das Nichtseiende sei.

Theaitetos: Und auf jeden Fall, glaube ich, haben wir vollkommen richtig erklärt.

Fremder: Also sage uns niemand nach, wir hätten das Nichtseiende als das Gegenteil des seienden dargestellt, und dann zu behaupten gewagt, es sei. Denn von einem Gegenteil desselben haben wir ja lange jeder Untersuchung den Abschied gegeben, ob es ist oder nicht ist, und erklärbar oder auch ganz und gar unerklärbar. Was wir aber jetzt beschrieben (259) haben daß das Nichtseiende sei, widerlege uns entweder einer auf überzeugende Art daß es unrichtig gesagt ist, oder so lange er das nicht vermag, sage auch er, wie wir, daß die Begriffe sich unter einander vermischen. Und da das Sein und das Verschiedene durch alles und auch durch einander hindurchgehn: so wird nun das Verschiedene als an dem Seienden Anteil habend freilich sein vermöge dieses Anteils, nicht aber jenes woran es Anteil hat, sondern ein verschiedenes; verschieden aber von dem Seienden ist es ja offenbar ganz notwendig das Nichtseiende. Wiederum das Seiende am verschiedenen Anteil habend ist ja verschieden von allen andern Gattungen, und als von ihnen insgesamt verschieden, ist es ja eine jede von ihnen nicht, noch auch alle andern insgesamt, sondern nur es selbst. So daß das Seiende wiederum ganz unbestritten tausend und zehntausenderlei nicht ist und so auch alles andere einzeln und zusammengenommen auf gar vielerlei Weise ist und auf gar vielerlei nicht ist.

Theaitetos: Wahr.

Fremder: Und wenn diesen Gegensätzen jemand nicht glauben will, der sehe zu und trage etwas besseres vor als das jetzt dargestellte; wenn er aber nur um Wunder was schwieriges ausgedacht zu haben, seine Freude daran hat, die Rede bald hierhin bald dorthin zu ziehen: so hat er sich eine Mühe genommen, die nicht sehr der Mühe wert ist, wie unsere jetzige Rede besagt. Denn dies ist weder gar herrlich noch eben schwer zu finden; jenes aber ist eben so schwer und zugleich auch schön.

Theaitetos: Welches?

Fremder: Das vorher erklärte, nämlich dies lassend soviel möglich dem gesagten im einzelnen prüfend nachzugehen, wenn jemand ein in gewissem Sinne verschiedenes auch wieder als ein selbiges setzt und was ein selbiges ist als verschieden, in dem Sinn und in der Beziehung, in welcher er sagt, daß ihm eins von beiden zukomme. Aber von dem selbigen, ganz unbestimmt wie, behaupten, es sei auch verschieden, und das verschiedene dasselbige und das große klein und das ähnliche unähnlich, und sich freuen wenn man nur immer widersprechendes vorbringt in seinen Reden, das ist teils keine wahre Untersuchung, teils gewiß eine ganz junge von einem, der die Dinge eben erst angerührt hat.

Theaitetos: Ganz offenbar.

Fremder: Aber auch, o Bester, alles von allem absondern zu wollen schickt sich schon sonst nirgend hin, auf alle Weise aber nur für einen von den Musen verlassenen und ganz unphilosophischen.

Theaitetos: Wie das?

Fremder: Weil es die völligste Vernichtung alles Redens ist jedes von allem übrigen zu trennen. Denn nur durch gegenseitige Verflechtung der Begriffe kann uns ja eine Rede entstehn.

Theaitetos: Allerdings.

Fremder: Überlege nun, wie zu gar rechter Zeit wir jetzt (260) gegen solche gestritten, und sie genötiget haben zuzugeben, daß eines sich mit dem anderen mische.

Theaitetos: In welcher Hinsicht denn?

Fremder: Weil doch die Rede auch eine von den wirklichen Gattungen ist. Denn ihrer beraubt wären wir, was das größte ist, auch der Philosophie beraubt, überdies aber müssen wir uns auch jetzt darüber einigen was eine Rede ist. Wollten wir sie nun ganz ausschließen, daß sie überall nicht sein soll: so vermöchten wir nicht weiter etwas zu sagen. Wir schlössen sie aber aus, wenn wir einräumten, es gäbe gar keine Verknüpfung für nichts mit nichts.

Theaitetos: Ganz richtig ist dies wohl; warum wir aber jetzt die Rede erklären müssen, das habe ich noch nicht verstanden.

Fremder: Vielleicht wenn du mir so folgen willst, wirst du es ganz leicht fassen.

Theaitetos: Wie doch?

Fremder: Das Nichtseiende hat sich uns doch als einer von den übrigen Begriffen gezeigt durch alles Seiende zerstreut.

Theaitetos: Richtig.

Fremder: Nun laß uns zunächst zusehn, ob es sich wohl mit Vorstellung und Rede verbindet?

Theaitetos: Weshalb?

Fremder: Verbindet es sich mit diesen nicht, so ist notwendig alles wahr; verbindet es sich, so entsteht ja falsche Vorstellung und Rede. Denn Nichtseiendes vorstellen oder reden, das ist doch das falsche was in Gedanken und Reden vorkommen kann.

Theaitetos: Allerdings.

Fremder: Und ist Falsches oder Irrtum, so ist auch Täuschung.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Und ist Täuschung, dann ist doch gewiß notwendig alles voll Schattengestalten und Abbilder und trüglichen Scheines.

Theaitetos: Wie könnte es anders sein.

Fremder: Und der Sophist, sagten wir, hätte sich in diese Gegend zwar geflüchtet, dabei aber gänzlich geläugnet, es gebe gar keinen Irrtum. Denn das Nichtseiende könne man weder denken noch sagen. Denn am Sein habe das Nichtseiende nirgendwie Anteil.

Theaitetos: So war es.

Fremder: Nun aber hat sich allerdings gezeigt es habe Anteil am Seienden. So daß er uns auf dieser Seite vielleicht nicht mehr bestreiten möchte, wohl aber sagen, einige Arten hätten nur Anteil am Nichtseienden, andere nicht, und Rede und Vorstellung gehörten zu denen, die ihn nicht hätten; so daß er die Bildmacherei und Trugbildnerei worin wir sagen daß er sich befindet immer noch bestreitet, daß sie nicht ist, weil nämlich Vorstellung und Rede keine Gemeinschaft hat mit dem Nichtseienden; denn es gebe gar keinen Irrtum, sobald diese Gemeinschaft nicht bestehe. Darum müssen wir nun zuerst Rede und Meinung und Vorstellung recht erforschen, was dieses ist, damit, wenn es sich uns gezeigt, wir auch dessen Gemeinschaft mit dem Nichtseienden ersehen, und wenn wir diese ersehen, den Irrtum als seiend aufzeigen, und wenn wir diesen aufgezeigt, wir den Sophisten darin festbinden, hat (261) er dies anders verwirkt, sonst aber ihn loslassen und in einer andern Gattung aufsuchen.

Theaitetos: Offenbar, o Fremdling, ist doch das wahr was vom Sophisten anfänglich gesagt worden, daß es ein schwer zu fangendes Geschlecht ist. Denn man sieht ja welchen Überfluß er hat an Verschanzungen, von denen er eine nach der andern aufwirft, die man dann notwendig erst erobern muß, um zu ihm selbst zu kommen. Denn kaum haben wir uns jetzt durch das Nichtseiende, was er aufgeworfen hatte daß es nicht wäre, durchgeschlagen, so hat er schon etwas anderes aufgeworfen, und wir müssen nun erst zeigen, daß es falsches gibt in der Rede und in der Vorstellung, und nach diesem vielleicht etwas anderes und dann wieder ein anderes nach jenem, und niemals wie es scheint wird sich ein Ende zeigen.

Fremder: Gutes Mutes muß man sein o Theaitetos, wenn man auch immer nur ein weniges vorwärts kommen kann. Denn wer in solchen Fällen schon mutlos wird, was will der anderwärts tun, wo er vielleicht gar nichts ausrichtet oder wohl gar wieder zurückgetrieben wird? Gute Wege hat es, wie man im Sprichwort sagt, daß ein solcher jemals eine Stadt erobern sollte. Nun aber, du Guter, wenn nur was du sagtest erst glücklich zu Ende gebracht ist, dann haben wir gewiß die stärkste Mauer eingenommen, und das andere wird schon leichter und geringer sein.

Theaitetos: Das ist ein gutes Wort.

Fremder: Rede und Vorstellung laß uns also wie gesagt jetzt vornehmen, damit wir desto untrüglicher berechnen können, ob das Nichtseiende sie erreicht, oder ob beide in alle Wege wahr sind und keine von ihnen jemals falsch.

Theaitetos: Richtig.

Fremder: Wohlan denn, wie wir uns über die Begriffe und Buchstaben erklärten, eben so laß uns auch wegen der Worte nachsehen; denn auf diese Art wird sich wohl das jetzt gesuchte zeigen.

Theaitetos: Worauf sollen wir eigentlich bei den Worten Acht haben?

Fremder: Ob alle sich mit einander zusammenfügen, oder keines, oder ob einige wollen, andere aber nicht.

Theaitetos: Offenbar wollen doch einige, andere aber nicht.

Fremder: Du meinst es vielleicht so, daß die, welche nach einander ausgesprochen auch etwas kund machen, sich zusammenfügen, die aber in ihrer Zusammenstellung nichts bedeuten, sich nicht fügen.

Theaitetos: Wie meinst du dies eigentlich?

Fremder: So wie ich glaubte, du hättest es dir auch gedacht, als du mir beistimmtest. Es gibt nämlich für uns eine zwiefache Art von Kundmachung des Seienden durch die Stimme.

Theaitetos: Wie das?

Fremder: Das eine sind die Benennungen oder Hauptwörter, das andere die Zeitwörter.

Theaitetos: Beschreibe mir beide.

Fremder: Die Kundmachungen welche auf Handlungen gehn nennen wir Zeitwörter.

(262) Theaitetos: Ja.

Fremder: Die Zeichen aber, die dem was jene Handlungen verrichtet durch die Stimme beigelegt werden, sind die Hauptwörter.

Theaitetos: Offenbar freilich.

Fremder: Und nicht wahr, aus Hauptwörtern allein hinter einander ausgesprochen entsteht niemals eine Rede oder ein Satz, und eben so wenig auch aus Zeitworten die ohne Hauptwörter ausgesprochen werden?

Theaitetos: Das habe ich nicht verstanden.

Fremder: Offenbar also hast du etwas anderes in Gedanken gehabt, als du mir eben beistimmtest. Denn eben dies wollte ich sagen, daß aus diesen so hinter einander ausgesprochen keine Rede wird.

Theaitetos: Wie so?

Fremder: Wie etwa geht läuft schläft, und so auch die andern Zeitwörter welche Handlungen andeuten, und wenn man sie auch alle hintereinander her sagte, brächte man doch keine Rede zu Stande.

Theaitetos: Wie sollte man auch!

Fremder: Und eben so wiederum, wenn gesagt wird, Löwe Hirsch Pferd und mit was für Benennungen sonst was Handlungen verrichtet pflegt benannt zu werden, auch aus dieser Folge kann sich nie keine Rede bilden. Denn weder auf diese noch auf jene Weise kann das Ausgesprochene weder eine Handlung noch eine Nichthandlung noch ein Wesen eines Seienden oder Nichtseienden darstellen, bis jemand mit den Hauptwörtern die Zeitwörter vermischt. Dann aber fügen sie sich, und gleich ihre erste Verknüpfung wird eine Rede oder ein Satz, wohl der erste und kleinste von allen.

Theaitetos: Wie meinst du nur dieses?

Fremder: Wenn jemand sagt, der Mensch lernt: so nennst du das wohl den kürzesten und einfachsten Satz.

Theaitetos: Das tue ich.

Fremder: Denn hiedurch macht er schon etwas kund über seiendes oder werdendes oder gewordenes oder künftiges, und benennt nicht nur sondern bestimmt auch etwas, indem er die Hauptwörter mit Zeitwörtern verbindet. Darum können wir auch sagen daß er redet und nicht nur nennt, und haben ja auch dieser Verknüpfung eben den Namen Rede beigelegt.

Theaitetos: Richtig.

Fremder: Wie also die Dinge teils sich in einander fügen teils auch nicht, so auch die Zeichen vermittelst der Stimme fügen sich zum Teil nicht, die sich aber fügen bilden eine Rede.

Theaitetos: So ist es auf alle Weise.

Fremder: Nun noch dieses wenige.

Theaitetos: Welches?

Fremder: Daß eine Rede, wenn sie ist, notwendig eine Rede von etwas sein muß, von nichts aber unmöglich.

Theaitetos: So ist es.

Fremder: Und auch von einer gewissen Beschaffenheit muß sie sein.

Theaitetos: Unbedenklich.

Fremder: Nun laß uns recht aufmerksam bei uns selbst.

Theaitetos: Das wollen wir.

Fremder: Ich will dir also eine Rede vortragen, indem ich eine Sache mit einer Handlung durch Hauptwort und Zeitwort verbinde, wovon aber die Rede ist sollst du mir sagen.

Theaitetos: Das soll geschehen nach Vermögen.

Fremder: Theaitetos sitzt. Das ist doch nicht eine lange Rede?

(263) Theaitetos: Nein, sondern sehr mäßig.

Fremder: Deine Sache ist also nun zu erklären wovon sie ist und was sie beschreibt?

Theaitetos: Offenbar von mir und mich.

Fremder: Wie aber diese wiederum?

Theaitetos: Was für eine?

Fremder: Der Theaitetos, mit dem ich jetzt rede, fliegt.

Theaitetos: Auch von dieser würde wohl niemand etwas anderes sagen als sie rede von mir und über mich.

Fremder: Und irgend eine Beschaffenheit, sagen wir, habe notwendig jede Rede?

Theaitetos: Ja.

Fremder: Wie wollen wir also sagen, daß jede von diesen beschaffen sei?

Theaitetos: Die eine doch falsch, die andere wahr.

Fremder: Und die wahre sagt doch das wirkliche von dir daß es ist?

Theaitetos: Ja.

Fremder: Und die falsche, von dem wirklichen verschiedenes?

Theaitetos: Ja.

Fremder: Also das Nichtwirkliche oder Nichtseiende sagt sie aus als seiend?

Theaitetos: Beinahe.

Fremder: Nämlich seiendes, nur verschieden von dem Seienden in Bezug auf dich. Denn in Bezug auf jedes sagten wir doch gebe es viel seiendes und viel nichtseiendes.

Theaitetos: Offenbar freilich.

Fremder: Die letzte Rede nun welche ich von dir ausgesagt, war nach unserer vorigen Bestimmung darüber was eine Rede ist, zuförderst ganz notwendig eine der kürzesten.

Theaitetos: So waren wir eben wenigstens darüber einig geworden.

Fremder: Dann redete sie doch von etwas.

Theaitetos: Gewiß.

Fremder: Und wenn nicht von dir, dann gewiß von niemand anderem.

Theaitetos: Freilich nicht.

Fremder: Und redete sie von nichts: so wäre sie ganz und gar keine Rede. Denn wir haben gezeigt es sei ganz unmöglich daß was eine Rede ist, sollte eine Rede von nichts sein.

Theaitetos: Vollkommen richtig.

Fremder: Wird also von dir verschiedenes als selbiges ausgesagt, und nichtseiendes als seiend, so wird eine solche aus Zeitwörtern und Hauptwörtern entstehende Zusammenstellung wirklich und wahrhaft eine falsche Rede.

Theaitetos: Vollkommen wahr.

Fremder: Und wie steht es mit Gedanken, Meinung oder Vorstellung und Wahrnehmung? ist nicht schon deutlich daß auch diese alle in unsern Seelen wahr und falsch vorkommen?

Theaitetos: Wie das?

Fremder: So wirst du es wohl leichter sehen, wenn du zuerst feststellst was sie sind, und wie sich jedes von den übrigen unterscheidet.

Theaitetos: Gib es mir nur an.

Fremder: Also Gedanken und Rede sind dasselbe, nur daß das innere Gespräch der Seele mit sich selbst, was ohne Stimme vor sich geht, von uns ist Gedanke genannt worden.

Theaitetos: Richtig.

Fremder: Der Ausfluß von jenem aber vermittelst des Lautes durch den Mund heißt Rede.

Theaitetos: Wahr.

Fremder: Und in Reden wissen wir doch kommt dieses vor.

Theaitetos: Was denn?

Fremder: Bejahung und Verneinung.

Theaitetos: Das wissen wir.

(264) Fremder: Wenn dies nun der Seele in Gedanken vorkommt stillschweigend, weißt du es wohl anders zu nennen als Meinung?

Theaitetos: Wie wohl?

Fremder: Wie aber wenn jemanden nicht aus sich allein, sondern vermittelst der Wahrnehmung ein solches Ergebnis zukommt, wird es möglich sein es auf eine andere Art richtig zu benennen als Wahrnehmung?

Theaitetos: Nicht anders.

Fremder: Da nun doch die Rede wahr sein konnte und falsch, und von dem übrigen der Gedanke sich zeigte als das innere Gespräch der Seele mit sich selbst, die Vorstellung aber oder Meinung als Vollendung des Gedankens, und was wir nennen es erscheint uns, die Vereinigung des Sinneneindrucks und der Meinung war, so werden notwendig auch von diesen da sie der Rede verwandt sind bisweilen einige falsch sein.

Theaitetos: Wie sollten sie nicht?

Fremder: Siehst du nun wohl daß falsche Vorstellung und Rede sich williger haben finden lassen, als nach unserer Erwartung die uns in Furcht setzte, wir möchten ein unausführbares Werk angreifen wenn wir sie suchten?

Theaitetos: Das sehe ich.

Fremder: Laß uns also auch wegen des übrigen nicht verzagen, sondern, nachdem sich uns dieses gezeigt hat, uns auch unserer vorigen Einteilungen erinnern.

Theaitetos: Welcher doch?

Fremder: Wir trennten in der Bildnerei zwei Arten, die Kunst der Ebenbilder und die der Trugbilder.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Und vom Sophisten, sagten wir, wären wir zweifelhaft, in welche von beiden er zu setzen sei.

Theaitetos: So war es.

Fremder: Und während dieser Verlegenheit goß sich über uns jene noch größere Finsternis aus bei Erscheinung des alles bestreitenden Satzes daß es kein Ebenbild noch Bild noch Truggestalt überall gebe, weil es niemals irgendwo irgendwie Falsches gebe.

Theaitetos: Richtig gesagt.

Fremder: Nun aber falsche Rede und Vorstellung sich als wirklich gezeigt haben, findet auch statt daß es Nachbildungen des seienden gebe, und daß aus diesem Verhältnis entstehe eine täuschende Kunst.

Theaitetos: Das findet statt.

Fremder: Und daß hieher der Sophist gehöre, war uns doch schon entschieden in dem vorigen?

Theaitetos: Ja.

Fremder: So laß uns also noch einmal versuchen, durch Spaltung der vorliegenden Gattung in zwei, immer auf der rechten Seite des zerschnittenen weiter zu gehen, das in dessen Gemeinschaft sich der Sophist befindet fest haltend, bis wir endlich nach Absonderung alles dessen was ihm mit Anderen gemeinschaftlich ist, seine eigentümliche Natur übrig behalten, um sie vornehmlich uns selbst darzustellen, dann aber auch denen, welche von Natur diesem Verfahren zunächst verwandt sind.

Theaitetos: Richtig.

(265) Fremder: Damals fingen wir doch an mit Unterscheidung der hervorbringenden Kunst und der erwerbenden.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Und er erschien uns in der Nachstellung, dem Kampf, dann der handelnden und einigen solchen Arten der erwerbenden Kunst.

Theaitetos: Allerdings.

Fremder: Da nun aber die nachbildende Kunst ihn aufgenommen hat, müssen wir zuerst die hervorbringende Kunst selbst in zweie teilen. Denn die Nachbildung ist doch eine Hervorbringung, von Bildern nämlich sagen wir, nicht aber von den Dingen selbst. Nicht wahr?

Theaitetos: Auf alle Weise.

Fremder: Zuerst also sollen sein zwei Teile der hervorbringenden Kunst.

Theaitetos: Was für welche?

Fremder: Ein göttlicher und ein menschlicher.

Theaitetos: Noch habe ich es nicht verstanden.

Fremder: Hervorbringend sagten wir doch, wenn wir uns des anfänglich gesprochenen erinnern, sei jede Kraft welche dem vorher nicht seienden Ursache wird, daß es hernach werde.

Theaitetos: Ich erinnere mich.

Fremder: Alle sterblichen lebendigen Wesen nun, und die Gewächse die auf der Erde aus Samen und Wurzeln erwachsen, und die unbeseelt in der Erde sich findenden schmelzbaren und unschmelzbaren Körper, sollen wir sagen, daß dies alles durch eines Anderen als Gottes Hervorbringung hernach werde, da es zuvor nicht gewesen? oder sollen wir uns der gemeinen Lehre und Redensart bedienen?

Theaitetos: Welcher?

Fremder: Daß wir sagen, die Natur erzeuge dies kraft einer von selbst gedankenlos wirkenden Ursache? Oder mit Vernunft und göttlicher von Gott kommender Erkenntnis?

Theaitetos: Ich zwar wende mich sonst oft, vielleicht meiner Jugend wegen, von einer dieser Vorstellungen zur andern, nun ich aber auf dich sehe und vermute du glaubest daß dies auf eine göttliche Art entstehe, nehme auch ich dasselbige an.

Fremder: Sehr gut, o Theaitetos, und gewiß wenn wir dich für einen von denen hielten, die in Zukunft anders denken werden, so würden wir jetzt gleich unternehmen in unserer Rede durch dringende Beweise dich zur Einstimmung zu bringen. Da ich aber deine Natur dafür ansehe, daß sie auch ohne unsere Reden selbst sich dahin neigt, wohin du jetzt gezogen zu werden bekennest, so lasse ich es; denn die Zeit wäre verschwendet. Sondern ich setze fest, was man der Natur zuschreibt das werde durch göttliche Kunst hervorgebracht, was aber hieraus bestehend von Menschen, durch menschliche, und nach dieser Erklärung also zwei Arten der hervorbringenden Kunst, die eine menschlich, die andere göttlich.

Theaitetos: Richtig.

Fremder: Schneide nun von diesen zweien jede wiederum in zwei Teile.

Theaitetos: Wie das?

Fremder: Wie wenn du damals die gesamte Hervorbringung (266) hättest der Länge nach zerschnitten, und du zerschnittest sie nun der Breite nach.

Theaitetos: So sei sie denn zerschnitten.

Fremder: Vier Teile derselben entstehen also hieraus überhaupt, zwei menschliche bei uns, zwei göttliche bei den Göttern.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Von dieser anderweitigen Einteilung ist das eine Glied für jeden der beiden vorigen Teile die eigentlich hervorbringende, die beiden übrig bleibenden aber könnten am füglichsten die nachbildenden heißen, und auf diese Weise ist wiederum die gesamte hervorbringende Kunst in zwei Teile geteilt.

Theaitetos: Sage nur noch wie eigentlich jede.

Fremder: Wir und die andern Tiere und woraus alles wachsende besteht, Feuer und Wasser und was hierhin gehört, sind wie wir wissen insgesamt Erzeugnisse Gottes, und jedes das hervorgebrachte selbst. Oder wie?

Theaitetos: Nicht anders.

Fremder: Jegliches von diesen nun begleiten Bilder, welche nicht die Sache selbst sind, aber auch durch göttliche Veranstaltung entstanden.

Theaitetos: Was für welche?

Fremder: Die in den Träumen und auch was wir bei Tage natürlichen Schein nennen, wie der Schatten wenn in das helle Finsternis eintritt, und der Doppelschein, wenn an glänzenden und glatten Dingen eigentümliches Licht und fremdes zusammenkommend ein Bild hervorbringen, welches einen dem vorigen gewohnten Anblick entgegengesetzten Sinneseindruck gibt.

Theaitetos: Dies also seien die zweierlei Werke göttlicher Hervorbringung, die Sache selbst und das eine jede begleitende Bild.

Fremder: Und unsere Kunst, werden wir nicht sagen, daß sie das Haus selbst durch die Baukunst hervorbringt, durch die Zeichenkunst aber noch ein anderes gleichsam als einen menschlichen Traum für Wachende verfertigtes?

Theaitetos: Ganz gewiß.

Fremder: Und werden wir nicht so auch in allem andern zweierlei als zwiefache Werke unserer hervorbringenden Kunst anführen, eins, die Sache selbst durch die eigentlich hervorbringende, dann das Bild durch die nachbildende.

Theaitetos: Nun habe ich es besser verstanden, und setze auf zwiefache Weise zwei Arten der hervorbringenden Kunst, eine göttliche und eine menschliche nach der einen Teilung, und nach der andern eine durch welche die Sachen selbst, und eine durch welche etwas denselben Ähnliches entsteht.

Fremder: Von der bildnerischen nun wollen wir uns erinnern, daß eine Art sich mit den Ebenbildern, die andere mit den Trugbildern beschäftigen sollte, wenn nämlich das Falsche als wirklich falsch seiend, und als auch ein seiendes von Natur sich zeigen würde.

Theaitetos: So war es.

Fremder: Nun hat es sich aber gezeigt, weshalb wir denn jetzt ohne Streit jene zwei Arten aufzählen.

Theaitetos: Ja.

Fremder: In der trugbildnerischen nun machen wir wieder zwei Abteilungen.

Theaitetos: Wie so?

(267) Fremder: Die eine gebraucht Werkzeuge, in der andern gibt sich wer das Trugbild macht selbst zum Werkzeuge her.

Theaitetos: Wie meinst du das?

Fremder: Wenn jemand, meine ich, seines eigenen Leibes sich bedienend deine Gestalt oder deine Stimme mittelst der seinigen ganz ähnlich erscheinen macht, so heißt dieser Teil der Trugbildnerei gewöhnlich die Nachahmung.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Dieses also wollen wir von dem Ganzen abteilen, und die nachahmende Kunst nennen, das übrige aber übergehen, um es uns bequem zu machen, einem Andern überlassend es in eins zusammenzufassen und ihm einen schicklichen Namen beizulegen.

Theaitetos: So sei dieses abgeteilt, das andere losgelassen.

Fremder: Auch dieses aber, o Theaitetos, lohnt uns noch als zwiefach anzusehen. Sieh zu weshalb.

Theaitetos: Sage nur.

Fremder: Die Nachahmenden tun dieses teils kennend was sie nachahmen, teils ohne es zu kennen. Und was für einen größeren Unterschied könnte man wohl setzen als zwischen Unkenntnis und Kenntnis?

Theaitetos: Keinen gewiß.

Fremder: Das eben angeführte nun war Nachahmung eines Wissenden. Denn nur wer deine Gestalt und dich kennt kann sie nachahmen.

Theaitetos: Unbedenklich.

Fremder: Wie aber die Gestalt der Gerechtigkeit und der gesamten Tugend überhaupt? Gibt es nicht gar Viele, die sie eigentlich nicht kennen, sondern sich nur ohngefähr vorstellen, sich aber gar sehr darauf legen, das was sie dafür halten als ihnen einwohnend erscheinen zu machen, indem sie es soviel nur irgend möglich in Handlungen und Reden nachahmen?

Theaitetos: Gar sehr Viele.

Fremder: Und verfehlen etwan Alle dieses, gerecht zu scheinen da sie es doch keinesweges sind? oder nicht vielmehr ganz das Gegenteil?

Theaitetos: Ganz und gar.

Fremder: Diesen Nachahmer also werden wir doch für verschieden erklären müssen von jenem, von dem wissenden diesen nichtwissenden.

Theaitetos: Ja.

Fremder: Woher nimmt man also für jeden von ihnen einen schicklichen Namen? oder ist das nicht offenbar schwer, deshalb weil in Absicht der Teilung der Gattungen in Arten die Früheren einen alten unbewußten Grund hatten, so daß keiner eine solche Einteilung auch nur versuchte, weshalb ich denn mit den Namen notwendig nicht gar leicht daran bin. Dennoch wenn es auch kühner gesprochen sein sollte, wollen wir der Unterscheidung wegen jene von einer bloßen Vorstellung ausgehende Nachahmung die Dünkelnachahmung nennen, die aber von der Erkenntnis, die kundige Nachahmung.

Theaitetos: So sei es.

Fremder: Mit jener haben wir es also zu tun. Denn unter den Wissenden war der Sophist nicht, wohl aber unter den Nachahmenden.

Theaitetos: Gar sehr.

Fremder: Den Dünkelnachahmer laß uns also beschauen wie ein Eisen, ob er aus einem Stück ist oder ob er noch irgendwo eine Spur zeigt, daß er aus zweien zusammengeschlagen ist.

Theaitetos: Das wollen wir tun.

Fremder: Und die zeigt er recht sichtlich. Der eine nämlich ist ehrlich und glaubt wirklich das zu wissen, was er sich (268) vorstellt. Des Anderen Benehmen aber, weil er sich so gar sehr in seinen Reden hin und her dreht, zeigt daß er selbst großen Verdacht und Argwohn hegt, das nicht zu wissen, was zu wissen er sich gegen Andere das Ansehn geben will.

Theaitetos: Gewiß gibt es deren von beiden Arten, wie du sie beschreibst.

Fremder: Wollen wir nun den einen als den einfältigen Nachahmer setzen, den Andern als den der sich verstellt?

Theaitetos: Das geht wohl.

Fremder: Und gibt es von diesem wieder nur eine Art oder zwei?

Theaitetos: Sieh du zu.

Fremder: Ich sehe schon, und mir erscheinen allerdings deren zweie; der eine der öffentlich und in langen Reden vor dem Volke sich zu verstellen versteht; der andere der unter Wenigen und in kurzen Sätzen seinen Mitunterredner zwingt sich selbst zu widersprechen.

Theaitetos: Vollkommen richtig gesagt.

Fremder: Wer wollen wir nun nachweisen, daß der langredende sei? Der Staatsmann oder der Volkssprecher?

Theaitetos: Der Volkssprecher.

Fremder: Und wie wollen wir den anderen nennen, den Weisen oder den Sophisten?

Theaitetos: Weise wohl unmöglich, da wir ihn ja als nichtwissend gesetzt haben; da er aber ein Nachahmer des Weisen ist, so muß er doch wohl von diesem etwas in seinen Beinamen bekommen, und ich verstehe nun wohl, wir müssen eben diesen bezeichnen als jenen auf alle Weise wahrhaft ächten Sophisten.

Fremder: Wollen wir nun wie vorher seinen Namen festknüpfen und von Anfang bis zu Ende in einander flechten?

Theaitetos: In alle Wege.

Fremder: Also die Nachahmerei in der zum Widerspruch bringenden Kunst des verstellerischen Teiles des Dünkels, welche in der trügerischen Art von der bildnerischen Kunst her nicht als die göttliche sondern als die menschliche tausendkünstlerische Seite der Hervorbringung in Reden abgesondert ist; wer von diesem Geschlecht und Blute den wahrhaften Sophisten abstammen läßt, der wird wie es scheint das richtigste sagen.

Theaitetos: Auf alle Weise gewiß.

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