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Friedrich Schleiermacher: Platons Werke - Kapitel 112
Quellenangabe
typetractate
booktitlePlatons Werke
authorFriedrich Daniel Ernst Schleiermacher
firstpub1817-26
year1984-87
publisherAkademie Verlag
addressBerlin
titlePlatons Werke
created20060311
sendergerd.bouillon
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Viertes Buch

Darauf nahm Adeimantos das Wort und sprach, Wie aber, o Sokrates, wirst du dich verteidigen, wenn jemand sagte, du machtest diese Männer eben nicht sehr glücklich, und das durch ihre eigne Schuld, denen zwar eigentlich zu reden die Stadt gehört, sie haben aber nicht das mindeste von dem Guten der Stadt zu genießen, wie doch die Andern welche Ländereien besitzen, und große und schöne Häuser bauen und eine diesen geziemende Einrichtung anschaffen, und den Göttern ihre eigenen Opfer darbringen, und Fremde bei sich aufnehmen, und ja auch, was du eben sagtest, Gold und Silber besitzen, und alles was denen zukommt, die glücklich sein sollen; sondern ganz offenbar, möchte einer sagen, tun sie wie gemietete Hülfstruppen nichts in der Stadt als Wache stehn. – Ja, (420) sprach ich, und noch dazu sind sie nur Kostgänger, und bekommen nicht außer der Kost auch noch Lohn, wie die andern; so daß auch nicht einmal, wenn sie für sich zu verreisen Lust hätten, ihnen dieses frei stehn wird, noch Mädchen zu beschenken oder sonst irgend anders wozu etwas aufzuwenden, wie die, welche für glücklich gehalten werden, doch aufwenden. Dieses und mancherlei anderes der Art übergehst du noch in der Beschuldigung. – Gut, sprach er, so sei auch dieses noch mit einbegriffen. – Und wie wir uns verteidigen wollen, meinst du? – Ja. – Wenn wir nun, sprach ich, auf demselben Stege fortgehen, werden wir, wie ich meine, wohl finden was zu sagen ist. Wir wollen nämlich sagen, es würde zwar gar nichts wunderbares sein, wenn auch so diese die allerglücklichsten wären; wir sähen jedoch bei der Einrichtung unserer Stadt gar nicht darauf, daß irgend Ein Stamm ausgezeichnet glücklich sei, sondern daß die ganze Stadt es sei so sehr als möglich. Denn wir gedächten in der so eingerichteten am meisten die Gerechtigkeit zu finden, und wiederum in der am schlechtesten eingerichteten die Ungerechtigkeit, und wenn wir diese betrachtet, über das zu entscheiden, was wir schon so lange untersuchen. Jetzt also, wie wir glauben, bilden wir uns die glückselige, nicht als wollten wir abschneidend nur Einige wenige solche in ihr setzen, sondern sie selbst ganz. Hernach aber wollen wir die entgegengesetzte betrachten. Wie nun, wenn jemand, indem wir Statuen malten, herzuträte und uns tadelte, daß wir den schönsten Teilen des Körpers nicht auch die schönsten Farben auflegten, weil die Augen, als das schönste, doch nicht mit Purpur würden bestrichen sein, sondern mit Schwärze, – wie wir glauben würden uns ganz angemessen gegen diesen zu verteidigen, wenn wir sagten, Du wunderlicher, verlange nur nicht, daß wir so schöne Augen malen sollen, daß sie gar nicht mehr als Augen erscheinen, und so auch die andern Glieder; sondern sieh nur darauf, ob wir bei jedem das gehörige anbringen und so das Ganze schön machen. So also auch jetzt nötige uns nicht unsern Wächtern eine solche Glückseligkeit beizulegen, die eher alles andere aus ihnen machen wird als Wächter. Denn das verständen wir wohl auch recht gut die Ackersleute mit Prachtkleidern zu behängen und mit Gold, und ihnen zu heißen die Erde zu ihrem Vergnügen anbauen, und die Töpfer recht artig ums Feuer herumzulagern, schmausend und zechend die Scheibe bei der Hand habend um zu drehen so viel sie eben Lust haben, und so auch die andern alle auf ähnliche Weise beglückt zu machen, damit uns die ganze Stadt in Freuden lebe. Allein sinne uns das nicht an, weil, wenn wir dir folgen, weder der Landmann mehr Landmann sein wird, noch der Töpfer Töpfer, noch irgend ein anderer irgend etwas von dem darstellen wird, woraus doch die (421) Stadt besteht. Auf die übrigen nun kommt freilich weniger an. Denn wenn uns auch die Riemenschneider schlecht geworden und verdorben sind, hat es noch keine Not mit der Stadt. Aber die Hüter der Gesetze und der Stadt, wenn die es nicht sind, sondern nur scheinen: so siehst du wohl, wie sie uns die ganze Stadt von Grund aus verderben und dann gute Muße haben sich für sich allein gut einzurichten und sich wohl zu befinden. Wenn wir nun wahrhafte Verteidiger stellen, die nichts weniger als der Stadt gefährlich sind, wer aber jenes sagt Landbesitzer eigentlich und wie auf einem allgemeinen Volksfeste nicht aber in der Stadt überglückliche Gastgeber: so muß dieser wohl von etwas anderem reden als einer Stadt? Also müssen wir doch erwägen, ob wir darauf sehen sollen bei Anstellung der Wächter, daß ihnen selbst so viel Glückseligkeit als möglich werde, oder ob wir dieses vielmehr für die ganze Stadt uns zum Augenmerk machen sollen, und zusehn wie ihr dies werde, die Gehülfen aber und Wächter vielmehr nötigen sollen jenes zu tun, und sie bewegen, daß sie nur so trefflich als möglich ihr eigenes Werk verrichten, und mit den übrigen insgesamt eben so; und ob wir nicht, wenn nur der ganze Staat gedeiht und gut eingerichtet ist, es schon gehen lassen sollen, wie für jede einzelne Abteilung die Natur es mit sich bringt an der gemeinen Glückseligkeit Teil zu nehmen. – Allerdings, sprach er, scheinst du mir Recht zu haben. – Wird dir also auch, sprach ich, das hiermit verschwisterte verständig gesagt vorkommen? – Was doch recht? – Die andern Arbeiter betrachte nun wieder, ob dieses sie verdirbt, daß sie ganz schlecht werden. – Was nur? – Reichtum, sprach ich, und Armut. – Wie doch? – So. Wenn ein Töpfer reich geworden ist, glaubst du, daß er sich dann noch wird um seine Kunst bekümmern wollen? – Mit nichten, sagte er. – Sondern er wird immer fauler und nachlässiger werden? – Gar sehr. – Also wird er ein schlechterer Töpfer werden? – Auch das, sagte er, immer mehr. – Aber auch, wenn er sich seine Werkzeuge nicht anschaffen kann aus Armut oder sonst etwas zur Kunst gehöriges, wird er sowohl seine Arbeit schlechter machen als auch seine Söhne, oder wen er sonst in der Lehre hat, zu schlechteren Arbeitern aufziehn, – Wie sollte er nicht! – Durch beides also, Armut und Reichtum, werden sowohl die Werke der Arbeiter schlechter als auch sie selbst. – Das leuchtet ein. – Noch etwas anderes also, wie es scheint, haben wir für die Wächter aufgefunden, was sie auf alle Weise hüten müssen, daß es nicht ihnen unbemerkt sich in die Stadt einschleiche. – Was doch? – Reichtum, sprach ich, und Armut, indem jener Aufwand und Faulheit und Neuerung mit sich bringt, diese aber Niederträchtigkeit (422) und Untauglichkeit außer der Neuerung. – Freilich wohl! sagte er. Aber dieses, o Sokrates, überlege doch, wie uns die Stadt wohl im Stande sein wird Krieg zu führen, wenn sie keine Reichtümer besitzt, zumal wenn sie gegen eine große und reiche genötigt würde Krieg zu führen. – Offenbar, sprach ich, gegen eine wohl schwerer, gegen zwei solche aber leichter. – Wie meinst du das? sprach er. – Zuerst doch, antwortete ich, wenn sie fechten müssen, werden sie etwa nicht als im Kriege geübte Kämpfer fechten mit reichen Männern? – Ja, das wohl, sagte er. – Wie nun, sprach ich, o Adeimantos? Ein Fechter, aufs vollkommenste hierauf eingerichtet, meinst du nicht, daß der mit zweien, die nicht Fechter sind aber reich und fett, sehr leicht fechten werde? – Vielleicht doch wohl nicht auf einmal, sagte er. – Auch nicht, sprach ich, wenn es ihm frei stände zu entschlüpfen, und dann gegen den, der ihm jedesmal zuerst nahe kommt, sich zu wenden und auszuschlagen, und wenn er dies mehrmals tun könnte in der Hitze und in der Kälte? könnte dann nicht ein solcher auch mehrere solche überwinden? – Offenbar, sprach er, wäre das gar kein Wunder. – Aber glaubst du nicht, daß die Reichen noch mehr Kenntnis haben und Übung in der Fechtkunst als in der Kriegskunst? – Gewiß. – Leicht also werden aller Wahrscheinlichkeit nach unsere Kämpfer auch mit der doppelten und dreifachen Anzahl das Gefecht bestehen. – Das will ich dir einräumen, sagte er, denn du scheinst mir recht zu haben. – Und wie, wenn sie eine Gesandtschaft in die andere Stadt schickten, und dieser ganz die Wahrheit sagen ließen, nämlich Wir bedienen uns nicht Goldes oder Silbers, es ist uns auch nicht erlaubt; euch aber. Fechtet also mit uns, und nehmet das der Andern: glaubst du wohl, daß irgend welche, wenn sie dieses vernommen haben, lieber werden wollen gegen starke und magre Hunde Krieg führen, als mit diesen Hunden gegen feiste und weichliche Schafe? – Das dünkt mich wohl, sagte er; aber wenn nun aller Reichtum der Andern in Eine Stadt zusammenfließt, so siehe nur zu, daß nicht dieses der nicht reichen Gefahr bringe. – Du bist sehr unschuldig, antwortete ich, daß du meinst es verdiene irgend eine andere, daß man sie eine Stadt nenne, außer nur eine solche, wie wir eingerichtet haben. – Aber warum denn nicht? sagte er. – Die andern, sprach ich, muß man vornehmer benennen. Denn eine jede von ihnen ist gar viele Städte, aber nicht Eine Stadt, wie es im Spiel heißt. Denn zweie sind nun schon auf jeden Fall darin einander feind, eine der Armen und eine der Reichen, und in jeder von diesen wiederum gar viele, so (423) daß, wenn du sie als Eine behandeln wolltest, du gewiß ganz fehlgreifen würdest, wenn aber als viele und du den Einen der Andern Macht und Reichtum gäbest, oder auch ihre Mitglieder selbst, du immer viel Bundesgenossen haben wirst und wenig Feinde. Und so lange die Stadt sich mäßig hält, so wie sie eben ist eingerichtet worden, wird sie immer die größte sein, ich meine nicht dem Ansehn nach in welchem sie steht, sondern buchstäblich und in der Tat die größte, und wenn sie auch nur tausend waffenführende Männer stellte. Denn so groß wirst du wohl nicht leicht Eine Stadt weder unter Hellenen noch Barbarei antreffen, gar viele aber freilich, die gar vielmal größer scheinen als diese. Oder bist du anderer Meinung? – Nein beim Zeus, sagte er. – So wird auch wohl, sprach ich, dieses die sicherste Grenzbestimmung sein für unsere Befehlshaber, wie weit sie die Stadt ausdehnen, und wieviel Land sie ihr nach ihrer Größe beilegen sollen, um mehreres aber sich nicht bekümmern. – Was für eine Grenze? fragte er. – Ich denke wenigstens, sprach ich, diese. So lange sie wachsend noch Eine bleiben will, sie zu vergrößern, weiter aber nicht. – Ganz richtig wohl, sagte er. – Und wollen wir nicht auch noch diese andere Aufgabe unsern Hütern aufgeben, dies auf alle Weise zu verhüten, daß die Stadt weder klein noch groß scheine, sondern als eine genügsame und als Eine. – Das ist ja wohl etwas geringes, sagte er, was wir ihnen da aufgeben. – Und etwas noch geringeres als dieses, sprach ich, wird jenes sein, dessen wir auch vorher schon gedacht haben, als wir sagten, man müsse, wenn von den Wehrmännern irgend ein schlechter Sprößling sich zeigte, ihn zu den Andern entlassen, und wenn aus den Andern ein edler, diesen zu den Wehrmännern herüberholen. Dieses sollte aber andeuten, daß man auch die andern Bürger jeden zu dem Einen Geschäft, wozu er geeignet ist, hinbringen müsse, damit jeglicher des Einen ihm eigentümlichen sich befleißigend nicht Viele sondern Einer werde; und so auch die gesamte Stadt uns zu Einer erwachse und nicht zu vielen. – Freilich, sprach er, ist dies noch kleiner als jenes. – Auch, sprach ich, mein guter Adeimantos, schreiben wir ihnen gar nicht, wie einer wohl glauben könnte, dieses als vielerlei großes vor, sondern es ist alles gering, wenn sie nur das Eine große, wie man zu sagen pflegt, oder vielmehr genügende statt große recht beobachten. – Welches doch? fragte er. – Den Unterricht, sprach ich, und die Erziehung. Denn wenn sie durch gute Erziehung Männer geworden sind, die das rechte Maß halten: so werden sie dies alles leicht selbst einsehen und noch vieles andere, was wir jetzt übergehen, das Heiraten und die Ehe und Kindererzeugung, daß sich dies alles nach dem Sprichwort möglichst gemeinsam (424) unter Freunden machen muß. – Am richtigsten wäre das wohl, sprach er. – Denn, fuhr ich fort, eine Staatsverfassung, wenn sie einmal den rechten Ansatz genommen hat, geht sie immer wachsend wie ein Kreis. Denn tüchtige Erziehung und Unterricht aufrecht erhalten bildet gute Naturen, und wiederum tüchtige Naturen von solcher Erziehung unterstützt gedeihen noch trefflicher als die früheren sowohl in anderer Hinsicht als auch für die Erzeugung, wie wir das auch an andern lebenden Wesen sehen. – Natürlich wenigstens, sagte er. – Um es also in kurzem zu sagen, hierauf müssen die Vorsteher der Stadt halten, daß es nicht ihnen unvermerkt in Verfall gerate, sondern sie dieses ja vor allen Dingen verhüten, daß nichts geneuert werde in der Gymnastik und Musik gegen die Einrichtung, vielmehr sie diese aufs möglichste aufrecht halten; und wenn einer sagt, es ehre den Gesang das lauteste Lob der Menschen, welcher den Hörenden rings der neueste immer ertönet, sich wohl vorsehn, daß nicht etwa einer glaube, der Dichter meine nicht bloß neue Gesänge, sondern neue Gattungen des Gesanges und lobe dieses. Dergleichen darf man aber nicht loben und es auch so nicht verstehen. Denn Gattungen der Musik neu einzuführen, muß man scheuen, als wage man dabei alles; weil nirgends die Gesetze der Musik geändert werden, als nur zugleich mit den wichtigsten bürgerlichen Ordnungen, wie Dämon sagt und ich auch gern glaube. – Auch mich, sagte Adeimantos, setze unter die, welche davon überzeugt sind. – Hier also, sprach ich, müssen sich, wie es scheint, unsre Wächter ihre Hauptwacht erbauen, in der Musik. – Wenigstens, sagte er, schleicht diese Gesetzwidrigkeit sich gar leicht ein und unbemerkt. – Ja, sagte ich, als wenn es nur Scherz wäre, und gar nichts böses daraus entstände. – Es entsteht auch, sagte er, nichts anderes daraus, als daß sie nach und nach sich festsetzend allmählig in die Sitten und Gewöhnungen einfließt, aus diesen dann versteigt sie sich schon größer in die Geschäfte der Bürger mit einander, und von diesen Geschäften, o Sokrates, kommt sie dann an die Gesetze und die Verfassung in großem Übermut und Üppigkeit, bis sie endlich alles, das gemeinsame Leben und das besondere, umgekehrt hat. – Wohl! sprach ich, verhält sich nun dieses so? – Das dünkt mich, sagte er. – Also, wie wir anfänglich sagten, schon die Spiele müssen gesetzlicher sein, an denen unsere Kinder teil haben, weil, wenn diese gesetzlos sind und also auch die Knaben solche, es unmöglich ist, daß gesetzliche und ernste Männer aus ihnen erwachsen. – Wie (425) könnte es anders sein, sagte er. – Wenn aber die Knaben schon beim Spiel auf die gehörige Art angefangen haben, und gute Ordnung durch die Musik in sich aufgenommen; so wird auch, ganz im Gegensatz mit jenen, diese sie überall begleiten und mit ihnen wachsend auch das berichtigen, was etwa vorher im Staat in Unordnung geraten war. – Richtig gewiß, sagte er. – Und das für geringer gehaltene gesetzliche, fuhr ich fort, erfinden sich diese selbst, was die vorherigen ganz in Verfall gebracht hatten. – Was doch recht? – Dergleichen, daß die Jüngeren vor den Älteren schweigen, wie es sich ziemt, und sich verneigen und aufstehen, und die Achtungsbezeigungen gegen die Eltern, und wie man sich schert und trägt und beschuht und das ganze äußerliche Ansehn, und was noch sonst dergleichen ist. Oder meinst du nicht? – Ich auch. – Gesetze darüber zu geben, halte ich aber für einfältig. Denn es geschieht doch nicht und würde sich auch nicht erhalten, wenn wörtlich und buchstäblich vorgeschrieben. – Wie sollte es! – Es scheint wenigstens, sprach ich, o Adeimantos, wie einer von seiner Erziehung her anfängt, eben so auch das andere zu folgen. Oder ruft nicht immer ähnliches das ähnliche herbei? – Wie sollte es nicht! – Und so gestaltet es sich, werden wir denke ich sagen, am Ende in ein vollständiges und ausgebildetes, es sei nun gutes oder das Gegenteil. Denn wie anders? – Gar nicht, sprach er. – Ich also wenigstens, fuhr ich fort, würde dieserhalb gar nicht erst versuchen über dergleichen Gesetze zu geben. – Natürlich, sagte er. – Und wie, um der Götter willen, sagte ich, diese Marktsachen wegen des Verkehrs das sie auf dem Markt mit einander treiben, und auch so, wenn du willst, über der Handarbeiter Verkehr und Beschimpfungen und Beleidigungen, und die Anstellung der Klagen und die Einsetzung der Richter, oder wenn wo Zölle notwendig sind einzutreiben und aufzulegen auf dem Markt oder im Hafen, oder insgesamt was irgend Marktrecht ist oder Stadtrecht oder Hafenrecht oder sonst dergleichen, wollen wir uns damit abgeben darüber Gesetze zu geben? – Es lohnt ja nicht, sagte er, rechtlichen und tüchtigen Männern dergleichen erst vorzuschreiben. Denn wie sie dergleichen einzurichten haben, werden sie leicht selbst finden. – Ja, lieber, sagte ich, wenn Gott ihnen Erhaltung derjenigen Gesetze verleiht, die wir vorher durchgenommen haben. – Und wo nicht, sagte er, so werden sie gar viel dergleichen festzusetzen und wieder zu berichtigen haben ihr Lebenlang in der Meinung so das Beste zu ergreifen. – Du meinst, sagte ich, diese werden leben wie solche Kranke, die aus Unmäßigkeit nicht Lust haben von ihrer schädlichen Lebensweise abzulassen. – Allerdings. – Und diese leben freilich sehr anmutig. Denn durch alles Heilenlassen (426) richten sie nichts aus, als daß sie ihre Krankheit immer bunter und größer machen, und immer hoffen, so oft ihnen einer ein neues Mittel anrät, durch dieses gesund zu werden. – Grade so, sagte er, geht es solchen Kranken. – Und wie, sprach ich, ist das nicht anmutig, daß sie den für ihren ärgsten Feind halten, der ihnen die Wahrheit sagt, daß, ehe sie nicht aufhören im Übermaß zu trinken und zu essen und der Liebe zu pflegen und faul zu sein, weder Arzenei noch brennen noch schneiden noch auch Besprechungen und Amulette oder irgend dergleichen etwas das mindeste helfen können? – Nicht sehr anmutig, sagte er. Denn auf den Wohlmeinenden unwillig sein, darin ist keine Anmut. – Du bist also, sprach ich, wie es scheint, kein Lobredner solcher Leute. – Nein beim Zeus. – Also auch, wenn die gesamte Stadt, wie wir eben sagten, so verfährt, wirst du sie nicht loben. Oder scheinen dir nicht offenbar eben so wie solche Menschen alle Staaten zu Werke zu gehn, welche schlecht eingerichtet sind und ihren Bürgern ansagen, an der gesamten Verfassung der Stadt ja nicht zu rühren, denn wer dieses tue, werde sterben müssen? wer sie aber in dieser ihrer Verfassung am angenehmsten pflegt, und sich durch Dienstfertigkeit einschmeichelt, ihre Wünsche im voraus abmerkt, und es durchsetzen kann sie zu befriedigen, dieser wird der tüchtige Mann sein und weise in großen Dingen und wird von ihnen geehrt werden. – Dasselbe, sagte er scheinen sie mir allerdings zu tun, und ich lobe sie auch nicht im mindesten. – Wie aber die, welche solchen Staaten dienen wollen und sich recht um sie beeifern, bewunderst du die nicht über ihre Tapferkeit und Gefälligkeit? – Allerdings, sagte er; außer die von ihnen hintergangen sind, und sich einbilden in Wahrheit Staatsmänner zu sein, weil sie von der Menge gelobt werden. – Wie meinst du? sprach ich. Das siehst du den Männern nicht nach? oder hältst du es für möglich, wenn einer nicht messen kann, und viele Andere eben solche ihm sagen, er sei sechs Fuß hoch, daß er das nicht von sich selbst glauben wird? – Nein sagte er, das nicht. – Nun so zürne auch nicht. Denn es sind ja die besten Männer von der Welt, welche immerfort Gesetze geben wie wir eben durchgegangen sind, und immer daran bessern, in der Meinung ein Ende zu machen mit den Betrügereien im Handel und allem was ich vorher anführte, ohne zu wissen daß sie in der (427) Tat nur an der Hydra schneiden. – Gewiß, sagte er, anders tun sie nichts. – Ich also meines Teils, sprach ich, war der Meinung, daß mit dieser Art von Gesetzen und Einrichtungen weder in einem gut noch in einem schlecht eingerichteten Staat der wahre Gesetzgeber sich sonderlich abgeben müsse; in dem einen, weil sie unnütz sind und nichts dabei herauskommt, in dem andern, weil einiges daran wohl jeder finden kann, anderes aus den vorher bestehenden Einrichtungen von selbst folgt. – Was also, sagte er, wäre uns noch übrig von der Gesetzgebung? – Und ich antwortete, Uns wohl nichts; dem Delphischen Apollon aber noch die größten, schönsten und ersten aller Anordnungen. – Was für welche doch? sprach er. – Die Einrichtungen der Tempel und Opfer und andern Verehrungen der Götter, Dämonen und Heroen; und die Beisetzung der Verstorbenen, und was man denen dort leisten muß um sie günstig zu haben. Denn dergleichen verstehen wir ja selbst nicht, und werden auch, indem wir die Stadt gründen, keinem andern darin folgen, wenn wir Vernunft haben, noch uns eines andern Ratgebers bedienen als des vaterländischen. Denn dieser Gott ist in dergleichen Dingen allen Menschen der vaterländische Ratgeber, weil er inmitten der Erde auf ihrem Nabel sitzend seine Sprüche erteilt. – Sehr wohl gesprochen, sagte er, und so wollen wir es machen. –

Gegründet also sprach ich, wäre dir nun schon, o Sohn des Ariston, die Stadt. Nächstdem aber schaue nun in ihr umher mit hinlänglichem Lichte versehen du selbst und rufe auch deinen Bruder und den Polemarchos und die Andern herbei, ob wir etwa sehen können, wo nun wohl die Gerechtigkeit ist und wo die Ungerechtigkeit, und wie sie von einander verschieden sind, und welche von beiden nun der besitzen muß, der glückselig sein soll, mag er nun auch allen Göttern und Menschen verborgen bleiben oder nicht. – Nichts gesagt! erwiderte Glaukon, denn du hast versprochen selbst suchen zu wollen, weil es von dir frevelhaft wäre der Gerechtigkeit nicht nach Vermögen zu helfen auf alle Weise. – Ganz recht, sagte ich, erinnerst du mich, und so soll es sein; aber auch ihr müßt mit Hand anlegen. – Wohl denn! sagte er, das wollen wir tun. – Ich hoffe also, sprach ich, es auf diese Weise zu finden. Ich denke unsere Stadt, wenn sie anders richtig angelegt ist, wird ja auch wohl vollkommen gut sein. – Notwendig, sagte er. – Offenbar also ist sie weise und tapfer und besonnen und gerecht. – Offenbar. – Also welches von diesen wir auch in ihr mögen gefunden haben, das übrige wird allemal das nicht gefundene sein. – Freilich. – Wie nun, wenn wir von anderen (428) vier Dingen Eines in irgend etwas suchten, wir, wenn wir eben dieses zuerst erkennten, gleich zufrieden gestellt sein würden; wenn wir aber die drei andern zuerst erkennten, eben dadurch doch auch das Gesuchte erkannt wäre – denn es kann offenbar nichts anderes sein als das übriggebliebene? – Richtig gesprochen, sagte er. – Also müssen wir wohl auch bei diesen, da sie ja gleichfalls viere sind, auf dieselbe Weise suchen? – Offenbar. –

Zuerst nun scheint mir in ihr die Weisheit offenbar zu werden. Und es zeigt sich etwas wunderbares dabei. – Was doch? sprach er. – Weise nämlich dünkt mich doch die Stadt zu sein, die wir beschrieben haben; denn sie ist wohlberaten. Nicht wahr? – Ja. – Und eben dieses ist doch offenbar eine Erkenntnis. Denn nicht durch Unwissenheit, sondern durch Erkenntnis ist man wohlberaten. – Offenbar. – Es sind aber gar viele und vielerlei Erkenntnisse in der Stadt. – Wie sollten sie nicht? – Ist nun etwa vermittelst der Erkenntnis der Baumeister die Stadt weise und wohlberaten zu nennen? – Keinesweges wohl vermittelst dieser, sagte er, sondern bauverständig. – Also nicht vermöge der Erkenntnis von hölzernen Gefäßen, indem sie Rat pflegt, wie diese am besten sein können, ist die Stadt weise zu nennen? – Gewiß nicht. – Wie aber? etwa vermöge der von ehernen oder irgend einer andern ähnlichen? – Auch nicht wegen Einer solchen, sagte er. – Wohl auch nicht durch die von Erzielung der Früchte aus der Erde, sondern nur landwirtschaftlich? – So dünkt mich. – Wie aber, sprach ich, gibt es etwa eine Erkenntnis in der eben von uns eingerichteten Stadt bei einigen Bürgern, welche nicht über irgend etwas von dem in der Stadt Rat gibt, sondern über sie selbst ganz, auf welche Weise sie mit sich selbst und mit andern Städten am besten umgehn soll? – Die gibt es freilich. – Welche, sprach ich, und bei wem? – Eben diese, sagte er, die Obhut tragende und bei eben diesen unsern Befehlshabern, die wir nur eben die vollkommenen Hüter genannt haben. – Wegen dieser Erkenntnis also, wie nennst du die Stadt? – Wohl beraten, sagte er, und in Wahrheit weise. – Was meinst du nun wohl, sprach ich, werden sich in unserer Stadt mehr Schmiede finden oder mehr von diesen wahrhaften Hütern? – Bei weitem mehr Schmiede. – Auch wohl, sprach ich, unter allen übrigen, welche, weil sie eine gewisse Erkenntnis haben auf gewisse Weise benannt werden, werden diese immer die wenigsten sein. – Bei weitem. – Also vermöge der kleinsten Zunft und Abteilung derselben, und der dieser einwohnenden Erkenntnis, der nämlich, welche vorsteht und befiehlt, wäre die ganze naturgemäß eingerichtete Stadt weise. Und dieses, wie sich zeigt, ist von Natur der kleinste Teil, dem es zukommt an dieser Erkenntnis Teil zu haben, welche allein unter allen Erkenntnissen (429) Weisheit genannt zu werden verdient. – Vollkommen wahr gesprochen, sagte er. – Dieses eine also unter den vieren haben wir, ich weiß selbst nicht wie, gefunden, was es ist und wo in der Stadt es seinen Sitz hat. – Mir wenigstens, sagte er, scheint es ganz befriedigend erklärt zu sein. –

Aber die Tapferkeit sowohl selbst, als auch wo in der Stadt sie sich befindet, um welches willen dann die ganze Stadt so zu nennen wäre, ist wohl gar nicht schwierig zu sehen. – Wie so? – Wer möchte wohl, sprach ich, auf irgend etwas anderes sehend die Stadt feige oder tapfer nennen, als auf den Teil derselben, der sie verficht und für sie zu Felde zieht? – Niemand gewiß, sagte er, auf etwas anderes. – Denn ich glaube nicht, fuhr ich fort, daß durch die Andern in ihr, mögen sie nun feige oder tapfer sein, sich entscheidet, ob auch sie selbst das eine ist oder das andere. – Freilich nicht. – Also auch tapfer ist die Stadt durch einen Teil ihrer selbst. Deshalb nämlich, weil sie in diesem eine solche Kraft hat, welche beständig in Beziehung auf das furchtbare die Meinung aufrecht halten wird, es sei das und derlei was und welcherlei der Gesetzgeber in der Erziehung dafür erklärt hat. Oder nennst du das nicht Tapferkeit? – Ich habe nicht völlig verstanden, sagte er, was du meintest, also erkläre es noch einmal. – Ich meine also, antwortete ich, die Tapferkeit sei eine Bewahrung und Aufrechthaltung. – Was für eine Aufrechthaltung doch? – Die der von dem Gesetz durch die Erziehung eingeflößten Meinung über das furchtbare, was und welcherlei es ist. Und ich nannte sie eine beständige Aufrechthaltung, weil sowohl wer in Schmerzen ist sie durchführen soll als wer in Lust, und in Begierde sowohl als in Furcht, und sie nicht fahren lassen. Ich will sie dir aber vergleichen, womit sie mir Ähnlichkeit zu haben scheint, wenn du willst. – Freilich will ich. – Du weißt doch, sprach ich, daß die Färber, wenn sie Wolle in feinen Purpur färben wollen, zuerst aus so vielen Farben der Wolle nur die eine Art aussuchen, die weiße, und dann durch gar vielfältige Zubereitungen sie so bearbeiten, wie sie bestmöglichst die Farbe annehmen kann, und so färben sie dann. Und was auf diese Weise gefärbt ist, das wird dann ächt, und alles Waschen ohne oder mit Lauge kann die Farbe daraus nicht ausziehn; was aber nicht so, das weißt du wohl wie es wird, es mag einer nun auf anderen Grund den Purpur aufsetzen, oder auch auf diesen aber ohne vorherige Bearbeitung. – Ich weiß, sagte er, daß das nur Waschfarben sind und ganz schlechte. – Dergleichen nun nimm an, daß wir auch nach Vermögen getan haben, als wir die Kriegsmänner aussuchten und durch Musik und Gymnastik erzogen, und glaube nicht, daß wir irgend (430) etwas anderes damit beabsichtigt haben als nur, daß sie so bearbeitet die Gesetze wie dort die Farbe recht gründlich einsaugen und annehmen möchten, damit ihre Vorstellung ächt werde die von dem furchtbaren sowohl als alle übrigen, weil sie nämlich sowohl die rechte Natur haben als auch die rechte Erziehung genossen haben, und auch solche Laugen nicht im Stande sein mögen ihnen die Farbe auszuwaschen, die sonst wohl tüchtig ausspülen, wie Wollust, die stärker hierin ist als alle Pottasche und Kalkerde, und Schmerz und Furcht und Begierde, die es mehr sind als jede andere Lauge. Diese solche Kraft und durchgängige Aufrechthaltung der richtigen und gesetzlichen Vorstellung von dem was furchtbar ist und was nicht nenne und erkläre ich für Tapferkeit, wenn du nicht etwas anderes darunter verstehst. – Nichts anderes, sagte er. Du scheinst mir nämlich die richtige Vorstellung hierüber, die ohne Bildung entstanden ist, so wie auch die tierische und die knechtische nicht für recht gesetzmäßig zu halten, und auch anders als Tapferkeit nennen zu wollen. – Ganz richtig, sprach ich, verstehest du mich. – Ich nehme also an, daß dieses Tapferkeit ist. – Nimm auch nur an, sprach ich, daß es die bürgerliche wenigstens ist, und du wirst ganz recht annehmen. Ein andermal aber wollen wir, wenn du willst, dies noch genauer durchgehen; denn jetzt suchen wir nicht sie, sondern die Gerechtigkeit, und um diese zu suchen, reicht, wie ich glaube, das bisherige zu. – Sehr wohl gesprochen, sagte er. –

Zweierlei also, sprach ich, ist uns noch übrig, was wir im Staate auffinden müssen, die Besonnenheit und die Gerechtigkeit, um derentwillen wir alles andere mit suchen. – Allerdings. – Wie können wir also wohl die Gerechtigkeit finden, damit wir nicht erst noch Weitläuftigkeiten haben mit der Besonnenheit. – Ich meines Teils, sagte er, weiß es nicht, und möchte auch gar nicht, daß sie sich eher zeigte, da wir uns hernach um die Besonnenheit nicht mehr kümmern würden; sondern, wenn du mir gefällig sein willst, so laß uns diese eher als jene betrachten. – Das will ich ja wohl gern, sprach ich, wenn ich nicht unrecht tue. – Untersuche sie also, sagte er. – Das soll geschehen, antwortete ich. Und von hier aus anzusehen scheint sie mehr als das vorige einem gewissen Einklang und Zusammenstimmen zu gleichen. – Wie das? – Ein gewisser Anstand ist doch, sprach ich, die Besonnenheit und eine Mäßigung gewisser Lüste und Begierden wie sie sagen; und stärker als er selbst pflegen sie ihn, ich weiß nicht recht auf welche Weise, zu nennen, und noch einige andere ähnliche Spuren gleichsam werden von ihr angegeben. Nicht wahr? – Ganz richtig, sagte er. – Nun ist doch das stärker als er selbst lächerlich. Denn wer stärker als er selbst wäre, wäre doch offenbar auch schwächer als er selbst, und der Schwächere stärker; denn es ist doch immer derselbige der in allen diesen Redensarten auf beiden Seiten aufgeführt wird. – Freilich (431) wohl. – Allein mir scheint diese Erklärung sagen zu wollen, daß es in dem Menschen selbst an der Seele irgend ein besseres gibt und ein schlechteres; und wenn nun das von Natur bessere über das schlechtere Gewalt hat, dies nennt sie stärker sein als er selbst, denn dies lobt sie ja; wenn aber durch schlechte Erziehung oder Behandlung von der Menge des schlechteren das kleinere bessere überwältigt wird, dieses scheint sie als einen Schimpf zu tadeln, und dies schwächer sein als er selbst zu nennen und den so gestimmten einen zügellosen. – So zeigt es sich freilich, sagte er. – Sieh also her, sprach ich, auf unsere neue Stadt, und du wirst das eine von diesen beiden in ihr finden. Denn daß sie Herr ihrer selbst sei, wirst du sagen müssen, könne man ihr mit vollem Recht beilegen, wenn doch das Ganze, dessen besseres das schlechtere beherrscht, besonnen zu nennen ist und Herr seiner selbst. – Ich sehe her, sagte er, und du hast Recht. – Und die vielen und vielerlei Begierden und Lüste und Unlüste findet einer doch wohl überall am meisten bei Weibern und Gesinde, unter den sogenannten freien Leuten aber nur bei dem großen und gemeinen Haufen. – Allerdings. – Einfache und mäßige aber, die von Vernunft und richtiger Vorstellung verständig geleitet werden, wirst du nur bei Wenigen antreffen, und zwar bei den bestgearteten und besterzogenen. – Wahr, sagte er. – Nun siehst du doch, daß du dieses alles auch in der Stadt hast, hier aber die Begierden in den Vielen und Schlechten beherrscht von den Begierden und der Vernunft in den Wenigeren und Edleren. – Das sehe ich, sagte er. – Wenn man also einen Staat Herrn der Lüste und Begierden und also auch sein selbst nennen darf, so ist es dieser. – Auf alle Weise gewiß, sagte er. – Also auch wohl, wenn in einer anderen Stadt dieselbige Vorstellung einwohnt den Regierenden und den Regierten darüber, wer regieren soll, würde sich dasselbige auch in dieser finden. Oder meinst du nicht? – Freilich, sagte er, gar sehr. – In welcher von beiden Abteilungen der Bürger wirst du nun sagen sei die Besonnenheit, wenn sie sich so verhalten? in den herrschenden oder in den beherrschten? – In beiden doch wohl, sagte er. – Siehst du also, sprach ich, daß wir vorhin ganz richtig geahndet haben, die Besonnenheit sei einer Zusammenstimmung zu vergleichen? – Wie das? – Weil nicht, wie die Tapferkeit und die Weisheit jede nur in einem Teile einwohnend die ganze Stadt die eine weise die andere tapfer machten, (432) eben so auch diese die ganze Stadt besonnen macht, vielmehr ist sie ganz durch sie verbreitet, und nach dem vollkommensten harmonischen Gesetz macht sie die in derselben Beziehung schwächsten zusammenstimmen mit den stärksten und mittleren, seien sie es nun an Einsicht oder an Stärke oder auch an Zahl oder Reichtum oder was dergleichen du sonst willst. So daß wir also vollkommen richtig sagen können, diese Einmütigkeit sei Besonnenheit, nämlich des von Natur Besseren und Schlechteren Zusammenstimmung darüber, welches von beiden herrschen soll, in der Stadt sowohl als in jedem Einzelnen. – Das dünkt mich völlig eben so. –

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