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Philosophie und Okkultismus

Hanns Freiherr von Gumppenberg: Philosophie und Okkultismus - Kapitel 8
Quellenangabe
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authorHanns von Gumppenberg
titlePhilosophie und Okkultismus
publisherRösl & Cie./München
seriesPhilosophische Reihe
volume17. Band
editorAlfred Werner
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090818
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Jedenfalls aber bestätigen die durchschnittlichen Erfahrungen, die man mit den »Intelligenzen« des Mediumismus macht, die Richtigkeit der logischen Feststellung, daß alle menschlichen Subjekt-Objekte, auch die minderwertigsten, sich über den Tod hinaus zu Einheiten höheren Grades weiterentwickeln, und nicht etwa nur einzelne hochstehende Menschen, wie manche Denker meinten.

Die ohne künstliche Mittel eintretende Ausschaltung des normalen Bewußtseins des Mediums im sogenannten »Trance«-Zustand dokumentiert immer die radikale »Besessenheit« seiner Persönlichkeit seitens eines nachmenschlichen Individuums, das als teilweise identisch in dieser Persönlichkeit mitexistiert: während bei dem früher als »Ich-Spaltung« erwähnten, in allen Menschen rein gedanklich sich abspielenden Widerstreit des eigentlich menschlichen Ich-Willens (des augenblicklichen Willens des jeweiligen menschlichen »Erfahrungsichs«) mit der inneren Willenskundgabe eines oder mehrerer mit dem betreffenden Menschen teilweise identischen nachmenschlichen Individuen der eigentlich menschliche Ich-Wille jenem beziehungsweise jenen anderen Willen noch in gleicher Kraft gegenübersteht. Unter den völligen Ausschaltungen des normalen Ichs im »Trance«-Zustand sind die auffallendsten und überzeugendsten die » Trance-Reden« der Medien und die medialen » Materialisationen«. Bei den ersteren bedient sich eines der innewohnenden nachmenschlichen Individuen der natürlichen Sprechorgane des Mediums zu einer selbständigen Ansprache, deren Inhalt dem normalbewußten Ich des Mediums nachweisbar durchaus ferne liegt, ja oft durchaus unzugänglich ist, die sich ferner durch fremden Stimmklang und völlig andere Ausdrucksweise von den bezüglichen normalbewußten Eigentümlichkeiten des Mediums unterscheidet und häufig auch in einer fremden Sprache erfolgt, von der dem normalen Ich des Mediums kein Wort bekannt ist. Benützt hier das betreffende nachmenschliche Individuum zu seiner Manifestation nur grobmaterielle Organe des Mediums, die auch dessen normalbewußtes menschliches Ich zu gebrauchen versteht, so bildet die Grundlage einer von einem nachmenschlichen Individuum bewirkten medialen » Materialisation« sehr wahrscheinlich jene feinere, »realere« Materie der Körperlichkeit des Mediums, die dieses mit ihm gemeinsam hat, die aber dem normalen menschlichen Bewußtsein des Mediums noch nicht zugänglich ist; die bisherigen okkultistischen Beobachtungen sprechen dafür, daß das nachmenschliche Individuum bei der »Materialisation« zunächst einen großen Teil dieser gemeinsamen feinmateriellen Körperlichkeit (die weniger dicht ist als die atmosphärische Luft) »exteriorisiert« (das heißt: dem Körper des Mediums entzieht, außerhalb dieses Körpers verlegt) und dann nebst der (gleichen, homogenen) Feinmaterie seiner übrigen ( nicht mit dem Medium gemeinsamen) Körperlichkeit zu dem betreffenden Materialisationsgebilde verdichtet (zusammenzieht), wobei aber eine Verbindung mit dem Körper des Mediums erhalten bleibt, die aus unverdichteter Feinmaterie derselben Art besteht. Daß eine menschenähnliche Materialisation von der in unseren früheren Darlegungen bezeichneten ideal vollkommenen Übereinstimmung mit der letztbekannten äußeren Erscheinung eines Verstorbenen jene nachmenschliche Persönlichkeit zum Urheber habe, zu der er sich nach dem Tode weiterentwickelte, muß, wenn der Charakter des Mediums hinreichend bekannt und von dem (menschlichen) Charakter des Verstorbenen durchaus verschieden ist, auch keine Verwandtschaft oder sonstige nähere Beziehung zwischen beiden bestand, nach den philosophischen Denkergebnissen für sehr unwahrscheinlich erklärt werden; ist doch die Materialisation eines nachmenschlichen Individuums durch ein Medium als abhängig von einer »realeren« Wesensidentität mit diesem anzunehmen, welche Wesensidentität Charakterverwandtschaft im menschlichen Sinne zur Voraussetzung hat (wenigstens bei jenen ersten nachmenschlichen Entwicklungsgraden, die für Materialisationsphänomene wohl allein in Betracht kommen können). Aber auch wenn der Charakter des Mediums nicht hinreichend oder überhaupt nicht bekannt ist (letzteres etwa beim Erscheinen eines solchen täuschend ähnlichen Phantoms ohne feststellbares Medium außerhalb okkultistischer oder spiritistischer Sitzungen), oder wenn das (bekannte) Medium tatsächlich mit dem Verstorbenen charakterverwandt oder blutsverwandt ist oder in sonstigen nahen Beziehungen zu ihm stand, vermag die philosophische Einsicht kein neues Kriterium für die sichere Urheberschaft jener nachmenschlichen Persönlichkeit zu liefern, zu der sich der Verstorbene weiterentwickelt hat; es bleibt da eben nach wie vor die Möglichkeit offen, daß die betreffende plastische Kopie von einem anderen nachmenschlichen Individuum geformt und »als Maske getragen« wird. Allerdings kann die anscheinend endgiltige Unmöglichkeit dieses »Identitätsnachweises« nur die sinnlich anspruchsvollsten Freunde des Unsterblichkeitsgedankens enttäuschen, denn eine solche (ohnehin nur sehr mittelbare) sinnenfällige Demonstration ist zur allgemeinen Überzeugung von der persönlichen Fortexistenz (richtiger: Fortentwicklung) gar nicht nötig, sprechen doch für diese, wie gezeigt wurde, schon genug reinlogische Notwendigkeiten, die zudem durch andere okkulte Phänomene vollkommene Bestätigung finden.

Beim gewöhnlichen »medialen Schreiben« bleibt, wie bereits erwähnt, das menschliche Erfahrungsich des Mediums in der Regel bewußt, wenngleich die Alleinherrschaft über die schreibende Hand, also wohl auch hier die Alleinherrschaft über die gemeinsame Feinmaterie (die aber in diesem Falle nicht oder nur in geringem Maße exteriorisiert ist) dem betreffenden nachmenschlichen Individuum überlassen wird, und die fremde Persönlichkeit, die am Werke ist, deutlich genug sich kundgibt in dem Inhalt der Niederschriften und deren stilistischen Eigentümlichkeiten, im besonderen Charakter der Handschrift und oft auch in schreibtechnischen Abnormitäten (zum Beispiel sehr schnellem Schreiben mit der linken Hand unter Einklemmung des Bleistifts zwischen Mittelfinger und Zeigefinger). Dagegen pflegt das Phänomen der »direkten Schrift«, das reichliche Exteriorisation von Feinmaterie voraussetzt, im »Trance«-Zustand zu erfolgen.

Von mediumistischen Mitteilungen (durch buchstabierendes Klopfen, durch den »Psychographen« oder durch mediales Schreiben), die den Charakter primitiven Mutwillens und Unfugs tragen, war bereits im Vorigen die Rede; zu derselben Klasse von Phänomenen zählen auch die meisten rein physikalischen »Spuk-Erscheinungen«, die seitab von aller wissenschaftlichen Séancen-Feierlichkeit und bezeichnenderweise meist im derbsten Bauern-Milieu immer wieder beobachtet werden, und bei welchen es sich um die (oft sehr heftige) Bewegung von Gegenständen ohne (wahrnehmbare) Berührung, also um sogenannte »Telekinese« (das heißt: von ferne her bewirkte Bewegung, bewegende Fernwirkung) handelt. Es werden da beispielsweise Menschen oder Haustiere »von unsichtbarer Hand« mit Kartoffeln, Äpfeln, Rüben, Holzscheiten oder Steinen beworfen, Tische und Stühle werden vom Platze bewegt, Gläser, Krüge und Töpfe werden durcheinandergeworfen, Wirtschaftsgeräte durch die Luft geschleudert, alles im Sinne einer plumpen Büberei, die ärgern und erschrecken oder auch nur »sich austoben« will. Gründlichste Untersuchung durch Polizeileute und Sachverständige hat da regelmäßig die Abwesenheit menschlicher, normal »arbeitender« Störenfriede festgestellt, aber auch immer die Anwesenheit einer medial veranlagten Person, an die das Auftreten der Spukerscheinungen gebunden erschien, ohne daß dieses Medium selbst aktiv dabei beteiligt war (was sich um so leichter feststellen ließ, als die Spukerscheinungen sich gewöhnlich während der offiziellen Untersuchung fortsetzten). Nach den Feststellungen des reinen Denkens ist klar, daß es sich da ganz wie bei jenen medialen Mitteilungen bübisch-mutwilliger Art um derbe Späße und Bosheiten eines nachmenschlichen Subjekt-Objekts niedersten Grades handeln muß, das mit dem betreffenden Medium teilweise identisch ist. Es ergab sich uns als logische Folgerung, daß die feinere, das heißt: »realere« Körperlichkeit jedes nachmenschlichen Subjekt-Objekts auch die entsprechende »realere« Körperlichkeit von untermenschlichen (organischen und anorganischen) Einzeldingen seiner näheren oder weiteren Umgebung (diese »Umgebung« im Sinne unserer menschlichen Erfahrung gedacht) in sich begreift; und da im vorliegenden Falle auch ein (entsprechend »realerer«) Teil der Körperlichkeit des Mediums dieser Körperlichkeit des nachmenschlichen Subjekt-Objekts angehört, so besteht schon vor dem Auftreten der Spukphänomene eine mittelbare (durch das nachmenschliche Individuum, nämlich durch seine partielle Wesensidentität mit dem Medium hergestellte) Verbindung zwischen dem Medium und den (später bewegten) Gegenständen und eine unmittelbare zwischen dem mit dem Medium teilweise identischen nachmenschlichen Individuum und denselben Gegenständen. Soll das nachmenschliche Individuum die »Kraft« gewinnen, die Gegenstände im grobmateriellen Sinn unserer Erfahrung in Bewegung zu setzen (welche »Kraftgewinnung« freilich im realen Sinne eine Schwächung bedeutet, bei der negativen Bedeutung alles Materiellen, also auch der materiellen »Kräfte«), so ist dazu nur nötig, daß es ihm möglich wird, die »realere« Feinmaterie seiner Körperlichkeit durch entsprechende teilweise Exteriorisation aus dem Körper des Mediums außerhalb dieses Körpers an zweckmäßiger Stelle zu einer grobmateriellen »Kraftwirkung« zu verdichten (also »weniger real« zu machen), welche grobmaterielle »Kraftwirkung« dann die menschlich beobachtete Bewegung herbeiführt; hierzu aber bedarf es wieder nur der hinreichenden »medialen (passiven) Nachgiebigkeit« des Mediums. Und ebenso logisch begreiflich, ja logisch notwendig ist bei der schon früher betonten Bedeutung der Charakterverwandtschaft für die partielle Identifizierung unmittelbar nach dem Tode das primitiv boshafte Gepräge dieser Phänomene in einer Volksschicht, in der auch die Erwachsenen, wenn sie minderwertig sind, zeitlebens rohe Buben bleiben; wird doch bei solchen ländlichen Spukerscheinungen als Medium sehr häufig eine Person festgestellt, der man wegen ihres bekanntermaßen boshaften oder albern-mutwilligen Charakters auch selber die absichtliche und eigenhändige Verübung des Unfugs zutrauen könnte, wenn nicht die völlig abnorme Natur der Phänomene diese Möglichkeit ausschlösse. Trotz aller offensichtlichen Unmöglichkeit pflegen auch die Bauersleute das jeweilige Medium der persönlichen und absichtlichen Ausführung der Bübereien zu bezichtigen: und ohne Zweifel lag dem alten Hexenwahn ursprünglich dasselbe tragische, schuldig-unschuldige Verhältnis zugrunde. Mindestens die ersten »Hexen« des Mittelalters waren sicher solche Medien von niederen Spukerscheinungen; man überzeugte sich wohl schon damals, daß die unheimlichen und anscheinend feindseligen Phänomene durch die Nähe des meist schon vorher nicht ohne Grund unbeliebten Mediums bedingt waren; bei der natürlichen Unerklärbarkeit der Vorgänge und der kirchlichen Phantastik der Zeit mußte man einen Bund mit dem »Teufel« annehmen, und der ganze unselige Hexenglaube war fertig. – Einen interessanten Überblick über die bezeichnendsten Ergebnisse der neueren okkultistischen Experimentalforschung auf dem Gebiet der »Telekinese« bietet das bereits an früherer Stelle erwähnte Buch des Freiherrn Dr. A. von Schrenck-Notzing »Physikalische Phänomene des Mediumismus«; bedeutsam sind da namentlich die Einzelbeobachtungen über die Verdichtung der feinmateriellen Verbindung zwischen dem Körper des Mediums (oder, wie man ebensogut sagen könnte: zwischen der feinmateriellen Körperlichkeit des im Medium mitexistierenden nachmenschlichen Subjekt-Objekts) und dem Gegenstande, der bewegt werden soll.

Das räumliche Fernsehen eines Menschen ist nach unseren logischen Feststellungen einfach dadurch zu erklären, daß ein mit diesem Menschen teilweise identisches nachmenschliches Subjekt-Objekt kraft der Allgegenwart (räumlichen Identität), die ihm als solchem in gewissen Grenzen eigen ist, die Kenntnis des (für den betreffenden Menschen) entfernten Gegenstandes liefert, wobei es das beschränktere Normalbewußtsein des »fernsehenden« Menschen vorübergehend in mehr oder minder vollkommenem Maße auf seinen Standpunkt zieht. Voraussetzung ist auch hier (wie bei der gewöhnlichen Medialität) die Veranlagung zur Hingabe an das ( nur teilweise mit dem betreffenden Menschen identische) nachmenschliche Subjekt-Objekt; daß es sich auch hier im Grunde um nichts anderes als um Mediumismus handelt, zeigt sich auch darin, daß man an den Fernsehenden dieselbe Umstellung der Augen zu konvergierendem Einwärtsschielen beobachten kann wie bei Medien im »Trance«-Zustand. Nun ist aber naturgemäß die unmittelbare Kenntnis des betreffenden Gegenstandes durch »realere« Identität mit ihm, also »von innen heraus«, wie sie dem betreffenden nachmenschlichen Subjekt-Objekt eigentümlich ist, etwas völlig Andersartiges als das menschliche (bloß objektive, weniger reale) Vonaußensehen; es muß daher bei vollkommenem Fernsehen im Sinne der menschlich-objektiven Richtigkeit eine vollkommene Übersetzung der ersteren, »realeren« Kenntnis in die menschlich-objektive Form der »äußeren Ansicht« erfolgen: und es muß – wenn unsere Erklärung des Phänomens richtig ist – bei unvollkommenem Fernsehen die nicht ganz geglückte Übertragung und das Wesen der anderen, nicht objektiven Wahmehmungsweise deutlich hervortreten. Dies wird aber tatsächlich durch die Erfahrung bestätigt, denn bei unvollkommenem Fernsehen ist regelmäßig zu beobachten, daß wohl allerlei (illusorische) Wesenseigenschaften des Gegenstandes richtig bezeichnet werden, aber nicht der Gegenstand in seiner Gesamtheit, wie er sich als Einzelobjekt (Einheitsvorstellung} im Sinne der menschlich-illusorischen Erfahrungswelt »von außen« darstellt (während eben für das betreffende nachmenschliche Subjekt-Objekt diese illusorische Einheitsvorstellung bereits in der höheren Einheit seines Eigenwesens »aufgelöst« ist).

Auch die »psychometrischen« Erscheinungen (hellsehendes Gewinnen jedes beliebigen Aufschlusses über einen räumlich oder zeitlich entfernten Gegenstand oder eine räumlich oder zeitlich entfernte Persönlichkeit mittels eines unmittelbar zugänglichen anderen Gegenstandes, der sich damit in Kontakt befand) bieten nach unseren philosophischen Einsichten keine Erklärungsschwierigkeiten. Da nämlich jedes Subjekt-Objekt unserer menschlichen Illusionssphäre als solches besondere Wirkungen auf alle übrigen Subjekt-Objekte dieser Sphäre ausübt und an oder in ihnen besondere Eindrücke seines (illusorischen) Wesens hinterläßt, diese empfangenen Eindrücke von der (illusorischen) Wesenswirksamkeit jenes Subjekt-Objekts aber am deutlichsten und reichhaltigsten an oder in einem anderen Subjekt-Objekt (gleicher Sphäre) sein müssen, das in unmittelbarem Kontakt mit ihm stand, so braucht der psychometrisch hellsehende Mensch nur die Fähigkeit zu erlangen, die Einwirkungen des untersuchten Gegenstands auf den unmittelbar gegebenen zu erkennen und richtig zu deuten. Seinem normalen menschlichen Ich ist nur die Erkenntnis und richtige Deutung von grobmateriellen Spuren entsprechend grobmaterieller Einwirkungen zugänglich (man denke an die Leistungen virtuoser Detektivs, die aus minimalsten hinterlassenen Einwirkungen das vollständige Bild des Menschen entwickeln, der sie verursachte); tritt aber wieder an Stelle dieses normalen menschlichen Ichs ein in »realerem« Sinne teilweise damit identisches nachmenschliches Subjekt-Objekt in Aktion, so erscheint auch das Erkennen und richtige Deuten feiner und feinster äußerer und innerer Einwirkungen auf den vermittelnden Gegenstand möglich.

Daß alle okkulten Erscheinungen des inneren Fernsehens (»Gedankenlesen«) und der inneren Fernwirkung (»Telepathie«, »Gedankenübertragung«, Weckung von Gefühlen und Vorstellungen in dem inneren Erfahrungsich eines räumlich entfernten Menschen ohne äußere Vermittlung) nach den Ergebnissen des philosophischen Denkens sehr einfach zu deuten sind, bedürfte kaum einer besonderen Erwähnung; es ist klar, daß auch hier wieder die Leistung einem in »realerem« Sinne teilweise mit dem Einzelmenschen identischen nachmenschlichen Subjekt-Objekt zuzuschreiben ist. Bedeutsam ist bei den Erscheinungen dieser Gruppe (zu welchen auch das vermeintliche äußere Sehen des »Doppelgängers« eines räumlich entfernten Menschen zählt), daß sie meist zwischen zwei Menschen eintreten, die in besonders inniger seelischer Gemeinschaft leben, sodaß man annehmen kann, daß einunddasselbe nachmenschliche Subjekt-Objekt zum Teil das »realere« Wesen von beiden ist: womit die »Übertragung«, ja die annähernde Gemeinsamkeit von Gedanken, Gefühlen und Vorstellungen, wie sie die Erfahrung so häufig zwischen Liebenden oder zwischen Eltern und Kindern zeigt, sich schon unmittelbar aus dem Zusammenhang des »realeren Wesens« ergäbe.

Ferner wurde an früherer Stelle ausgeführt, daß jedem nachmenschlichen Subjekt die jeweils zeitlich fernliegenden (zukünftigen oder vergangenen) Vorgänge der menschlichen Erfahrungswelt in gewissem Umfang und gewissem Bestimmtheitsgrade gegenwärtig sein müssen, und zwar in desto weiterem Umfang und desto bestimmter, je höher der Entwicklungsgrad des betreffenden nachmenschlichen Subjekt-Objekts ist. Hierdurch können aber auch die okkulten Phänomene des zeitlichen Fernsehens in die Zukunft und Vergangenheit (Prophezeiungen, Wahrsagen, Ahnungen, »Wahrträume«) ihre Erklärung finden, denn sobald ein in dem betreffenden Menschen teilweise »realer« mitexistierendes nachmenschliches Subjekt-Objekt hinreichend hohen Entwicklungsgrades durch entsprechende passive Nachgiebigkeit des menschlichen Erfahrungsichs die persönliche Führung erhalten und für den betreffenden Menschen erkennend in Aktion treten kann, ist die logische Möglichkeit des menschlichen Fernsehens nicht nur in die Vergangenheit, auch in die Zukunft bis zu einem gewissen Grade gegeben. Freilich soll damit keineswegs dem Betrug und der Selbsttäuschung das Wort geredet werden, die gerade beim Prophezeien, Wahrsagen und »Ahnen« erfahrungsgemäß vorherrschen, um derentwillen aber die erwiesenen echten Erscheinungen dieser Art nicht unbeachtet bleiben dürfen. Die Phänomene des »zweiten Gesichts« wären als Sonderfälle des Fernsehens in die Zukunft, bei welchen der betreffende künftige Vorgang meist in symbolischer Einkleidung wahrgenommen wird, sicher auf dieselbe Weise erklärbar. Das gleichfalls schon an früherer Stelle erwähnte »Geistertheater« (das einen grellen Vorgang der Vergangenheit an seinem Schauplatz scheinbar sinnenfällig vorführt) kann entweder ebenso durch die unmittelbar vergegenwärtigende Fähigkeit eines mit dem betreffenden »Geisterseher« teilweise identischen nachmenschlichen Subjekt-Objekts erklärt werden oder auch – und zwar noch wahrscheinlicher – auf dieselbe Weise wie die »psychometrischen« Erscheinungen, wobei dann (freilich in potenziertem Maße) die in dem betreffenden Schauplatz erhalten gebliebenen Wirkungen (Spiegelungen) des Ereignisses dem (mit dem späteren Zuschauer teilweise identischen) nachmenschlichen Subjekt-Objekt die Möglichkeit geben, den Vorgang in vollkommener sinnlicher Treue vor dem »inneren Auge« des betreffenden Menschen zu reproduzieren.

Wiewohl sich die letzteren Ausführungen auf allgemeine Andeutungen beschränken mußten, dürften sie doch von der orientierenden Bedeutung überzeugt haben, welche die reinlogische Untersuchung unserer Erfahrungswelt für die okkultistische Experimentalforschung gewinnen kann. Früher oder später wird diese Arbeitsgemeinschaft auch sicher eintreten, ja unsere Gegenwart scheint bereits die dafür nötigen Voraussetzungen zu schaffen. Der Okkultismus wird schon heute wissenschaftlich ungleich höher geachtet als um die Jahrhundertwende, seine volle Anerkennung ist nur mehr eine Frage kurzer Zeit: und manche Zeichen deuten darauf hin, daß auch die offiziellen Lehrmeister des spekulativen Denkens sich darauf besinnen wollen, das logisch Haltbare aus dem bunten Wirrwarr der philosophischen Systeme zu lösen und als das System wissenschaftlich zu vertreten. Sobald das aber geschieht und seine Früchte trägt, wird die Philosophie an unseren modernen Hochschulen nicht mehr das bloß geduldete und vielverspottete Aschenbrödel unter den Wissenschaften sein; das Königinnenkleid wird sie dann anlegen, das ihr an der Wiege versprochen war, und Hand in Hand mit ihrem tapfern, einst nicht minder verhöhnten, nun aber siegreichen jungen Bruder vor aller Welt sich zeigen.

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