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Philosophie und Okkultismus

Hanns Freiherr von Gumppenberg: Philosophie und Okkultismus - Kapitel 6
Quellenangabe
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typetractate
authorHanns von Gumppenberg
titlePhilosophie und Okkultismus
publisherRösl & Cie./München
seriesPhilosophische Reihe
volume17. Band
editorAlfred Werner
year1921
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090818
projectid0990c12c
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Wie hat man sich nun die Weiter- und Höherentwicklung des illusorischen menschlichen Subjekt-Objekts nach dem Tode zu denken?

Nach den bisherigen Ausführungen muß diese Höherentwicklung darin bestehen, daß das in der Illusion befangene reale Sein, insofern es sich als das betreffende Subjekt-Objekt wirklich existierend wähnte (so wie es sich auch als die übrigen, von diesem verschiedenen illusorischen Subjekt-Objekte wirklich existierend wähnt), die entsprechend engen Grenzen des Selbstbewußtseins und Bewußtseins bis zu gewissen neuen Grenzen erweitert, sich also von dem Illusionszustand in gewissem Umfang befreit. Würde bei einem solchen Fortschritt der individuellen Höherentwicklung eines illusorischen menschlichen Subjekt-Objekts die Illusion gänzlich aufgehoben, so würde das eben nur die Vernichtung des betreffenden illusorischen Subjekt-Objekts als solchen und den Abbruch seiner unendlichen Höherentwicklung (der Weiter-Vereinheitlichung und Weiter-Differenzierung des realen Seins in der Linie dieser individuellen Entwicklung) bedeuten, also einen inneren Widerspruch. Was heißt das nun aber, daß die Illusion der menschlichen Erfahrungswelt für das reale Sein, insofern es sich als das betreffende einzelne menschliche Subjekt-Objekt wirklich existierend glaubte oder »träumte«, in gewissem Umfang aufgehoben wird? Diese Illusion bestand in der scheinbar getrennten »Realität« der verschiedenen menschlichen, tierischen, pflanzlichen und anorganischen Subjekt-Objekte; wird sie in gewissem Umfang, bis zu einem gewissen Grade für das sich als einzelnes menschliches Subjekt-Objekt träumende reale Sein aufgehoben, so muß es sich also als Subjekt-Objekt seiner Identität mit einem anderen Subjekt-Objekt oder mehreren, ja vielleicht vielen, aber nicht allen Subjekt-Objekten der menschlichen Erfahrungswelt bewußt werden, und auch das nicht in idealer und restloser Vollkommenheit, sondern nur bis zu einem gewissen Grade: denn die logische Notwendigkeit, daß die Illusion da nur bis zu gewissen Grenzen aufgehoben wird, darf nicht bloß quantitativ (räumlich), sondern muß auch qualitativ verstanden werden. Die neuentstehende illusorische Einheit (das neuentstehende illusorische Subjekt-Objekt höheren Grades) wird also, obwohl sie sich bewußt wird, »realeres« Wesen jenes anderen Subjekt-Objekts oder jener anderen Subjekt-Objekte der menschlichen Erfahrungswelt zu sein, sich doch von ihm beziehungsweise von ihnen unterscheiden, sie wird (für ihr Selbstbewußtsein und Bewußtsein wie auch für das Bewußtsein der Neben-Subjektobjekte ihres Grades) einesteils mit dem betreffenden einen Subjekt-Objekt der menschlichen Erfahrungswelt beziehungsweise mit jedem der betreffenden Subjekt-Objekte derselben in einem »realeren« Sinne identisch sein, andernteils aber mit (illusorischen) Sonder-Eigenschaften von dem betreffenden Subjekt-Objekt beziehungsweise von jedem der betreffenden Subjekt-Objekte verschieden sein und » darüber hinausreichen« (was ja, wenn es sich um mehrere Subjekt-Objekte handelt, auch schon unmittelbar einleuchtet). Jeder aufmerksame Leser der bisherigen Untersuchung wird sich nun sagen, daß unser früher besprochenes »bewußtes Ich-Sein«, das nicht zur menschlichen Erfahrungswelt gehört und von uns nur unmittelbar durch Identität mit uns gewußt wird, ein solches illusorisches Subjekt-Objekt höheren Grades sein muß, wie es durch die Weiter-Vereinheitlichung und Weiter-Differenzierung des realen Seins in der individuellen Entwicklungslinie eines einzelnen menschlichen Subjekt-Objekts nach dem Tode entsteht. Während die Tatsache, daß wir es zwar als mit unserem Ich identisch wissen, aber trotzdem als etwas, das unser äußeres wie auch unser inneres Erfahrungsich als Bewußtseinsobjekt sich gegenüber hat, nur allgemein für ein nachmenschliches Subjekt-Objekt spricht, muß die außerordentlich geringe, nur als logische Notwendigkeit festgestellte und für unsere Wahrnehmung (richtiger: unser unmittelbares Wissen) der Identitätsdauer gleichkommende Veränderlichkeit dieses »bewußten Ich-Seins« für das illusorische Wesen eines Subjekt-Objekts jenes Höherentwicklungsgrades, der unmittelbar auf den Tod des menschlichen Subjekt-Objekts folgt, sehr unglaubwürdig erscheinen; wir müssen daher unser »bewußtes Ich-Sein« einem Subjekt-Objekt weit höheren Grades zuerkennen, das nunmehr mit uns in noch weit realerem Sinne wesenseins ist als etwa ein ehedem menschliches Subjekt-Objekt oder (was wahrscheinlicher ist) mehrere ehedem menschliche Subjekt-Objekte unmittelbar nach ihrem Tode (auch) »realeres« Wesen von uns wurden (das heißt: als »realeres« Wesen von uns sich bewußt wurden). Da jedes ehedem menschliche illusorische Subjekt-Objekt bei seiner logisch notwendigen unendlichen Höherentwicklung sich seiner Wesensidentität mit immer mehr Subjekt-Objekten der menschlichen Erfahrungswelt bewußt werden muß, und zwar in immer »realerem« Sinne, immer mehr im Sinne des in Wahrheit allein existierenden realen Seins, so müssen in jedem Subjekt-Objekt der menschlichen Erfahrungswelt zahllose Subjekt-Objekte unausdenkbar höheren Entwicklungsgrades als mit ihm in einem »realeren« Sinne identisch mitexistieren und wirksam sein.

Es leuchtet ohne weiteres ein, daß sich einem ehedem menschlichen Subjekt-Objekt nach dem Tode das Bewußtsein einer » realeren« Wesensidentität mit solchen Subjekt-Objekten der menschlichen Erfahrungswelt am leichtesten und unmittelbarsten ergeben muß, mit denen sie schon als Menschen in einem tieferen, »realeren« (wenn auch immer noch sehr illusorischen) Sinne charakterverwandt waren. Denn was wir als den »Charakter« eines Menschen beobachten, reicht ohne Frage in tiefere (»realere«) Gründe seines Wesens hinab, als sie unserer äußeren oder inneren menschlichen Erfahrung erschlossen sind: und die Gemeinsamkeit dieses »realeren« Charakters muß dann, bewußt geworden, zu der bewußten (teilweisen, unvollkommenen) Identifizierung führen. Natürlich kann es sich dabei um im menschlichen Sinne gute oder auch um im menschlichen Sinne schlechte Charaktereigentümlichkeiten handeln; da aber die im menschlichen Sinne »schlechten« durchweg »egoistischer« Natur sind und der »Egoismus« nichts anderes ist als Blindheit gegen die reale Identität mit den übrigen Subjekt-Objekten, können solche »schlechten« Charaktereigentümlichkeiten wohl nur bei den allernächsten nachmenschlichen Entwicklungsgraden für die Identifizierung (Vereinheitlichung) mit menschlichen Subjekt-Objekten entscheidend in Frage kommen. – Nun sind unter den Menschen nahe Blutsverwandte sehr häufig auch charakterverwandt; ferner pflegt der Bund von Freunden oder Liebenden meist auf Grund irgendwelcher Charakterverwandtschaft geschlossen zu werden. Daher mag die nachmenschliche Persönlichkeit eines Verstorbenen oft mit dem entsprechend »realeren« Wesen eines überlebenden nahen Blutsverwandten oder solcher Menschen, die ihm in Freundschaft oder Liebe verbunden waren, teilweise identisch werden.

Wie bereits betont wurde, kann nach logischer Notwendigkeit die Identifizierung keine vollständige sein, da ja das nachmenschliche Subjekt-Objekt als solches stets auch über den Persönlichkeitsbereich des betreffenden einzelnen menschlichen Subjekt-Objekts hinausreicht, und die Identifizierung immer nur ein » realeres« Wesen von diesem betrifft, nicht aber sein reales Wesen selbst, nämlich das reale Sein vollkommen freier Selbstbestimmung; eine Identifizierung der Subjekt-Objekte in diesem letzteren Sinne liegt als Ziel der Entwicklung in der Unendlichkeit: dächte man es erreicht, so gäbe es überhaupt keine illusorischen Subjekt-Objekte mehr. Ebenso folgerichtig ist aber, daß die Identifizierung mit dem menschlichen Subjekt-Objekt eine relativ desto vollkommenere, das heißt: » realere« sein muß, je höher der Entwicklungsgrad des betreffenden nachmenschlichen Subjekt-Objekts ist. Diese reinlogisch mit Notwendigkeit sich ergebende Unvollständigkeit der Identifizierung liefert eine sehr einfache Erklärung für ein Phänomen der menschlichen Alltagserfahrung, das von den Erfahrungswissenschaften noch nicht befriedigend gedeutet werden konnte: nämlich für die sogenannte » Spaltung des Ichs«, wie sie nicht bloß in selteneren grellen und mehr oder weniger abnormen Erscheinungen solcher Art, sondern auch bei der großen Mehrzahl der Menschen vor jeder Willensentscheidung sich kundzugeben pflegt. Zwei oder noch mehr innere Persönlichkeiten scheinen da (für das Selbstbewußtsein des betreffenden Menschen) miteinander zu streiten, jede von ihnen will anders und bringt andere Gründe vor, bis schließlich eine den Sieg und die bestimmende Herrschaft über das menschliche Subjekt-Objekt für den betreffenden Einzelfall an sich reißt. Bei der organischen Lebens- und Funktionseinheit des einzelnen Menschen als »simplen Naturprodukts«, wie die Erfahrungswissenschaften ihn auffassen, bleibt die Möglichkeit dieses Widerstreits verschiedener Willen in ihm rätselhaft, trotz aller gezwungenen Erklärungsversuche: denn logischerweise müßte sich da in jeder Augenblickslage mit derselben Notwendigkeit ein einziger und ungeteilter Wille zeigen, mit der auch sonst die Einzelfunktionen des Körpers einheitlich arbeiten, sich zur einheitlichen Gesamtleistung des Körpers zusammenschließen. Nach unserer letzten Feststellung aber handelt es sich dabei einfach um verschiedene in dem betreffenden Menschen mitexistierende nachmenschliche Subjekt-Objekte niederen Grades, insofern sie eben nicht ganz identisch mit dem betreffenden Menschen sind; weil sie aber immerhin teilweise mit ihm identisch sind, muß der betreffende Unschlüssige sie nichtsdestoweniger mit seinem »Ich« identifizieren und fühlt sich daher »mit sich selbst uneins«.

Da die Existenz im Raume und in der Zeit gleichbedeutend ist mit der illusorischen Existenz der Subjekt-Objekte aller Entwicklungsgrade, müssen die Subjekt-Objekte aller nachmenschlichen Entwicklungsgrade auch selbst (nicht bloß, insoweit sie mit menschlichen Subjekt-Objekten auch Körperliches gemeinsam haben) im Raume (illusorisch) existieren, also eine eigene (illusorische) Körperlichkeit besitzen. Es muß aber diese » realere« Körperlichkeit (der Ausdruck ist an sich gewiß paradox, aber vielleicht doch der deutlichste, der im Anschluß an das vorher Festgestellte möglich ist) viel feiner, weit weniger dicht sein als dasjenige, was die Erfahrungswissenschaften vom menschlichen Körper kennen; da sie im Raume auch als irgendwelche Verbindung zwischen jenen verschiedenen Subjekt-Objekten der menschlichen Erfahrungswelt existieren muß, welche sie (die »realere« Körperlichkeit) mit dem betreffenden nachmenschlichen Subjekt-Objekt irgendwie teilweise gemeinsam haben, und menschliche Prüfung zwischen den in Betracht kommenden Subjekt-Objekten unserer Erfahrungswelt sehr häufig überhaupt nur Luft, mindestens aber streckenweise nur Luft festzustellen vermag, muß ihre Dichtigkeit jedenfalls noch geringer sein als die der Erdatmosphäre. Dabei muß diese schon unmittelbar nach dem Tode ätherisch feine Körperlichkeit der nachmenschlichen Subjekt-Objekte bei der Erreichung jedes höheren nachmenschlichen Entwicklungsgrades noch mehr an Dichtigkeit verlieren, sich also immer mehr »der Immaterialität annähern«, ohne sie doch jemals zu erreichen.

Es ist logisch unabweisbar, daß das illusorische Wesen des nachmenschlichen Subjekt-Objekts nach dem Tode auch mit dem »realeren« Wesen untermenschlicher (tierischer, pflanzlicher, anorganischer) Subjekt-Objekte unserer menschlichen Erfahrungswelt bis zu einem gewissen Grade, also teilweise identisch wird, sind doch auch diese nur illusorische Formen des realen Seins. Auch bei dieser teilweisen Identifikation muß aus denselben logischen Gründen, die für die teilweise Identifikation mit menschlichen Subjekt-Objekten gelten, der tiefere individuelle Charakter des betreffenden nachmenschlichen Subjekt-Objekts die in seine individuelle Einheit bis zu einem gewissen Grade miteinbezogenen untermenschlichen Subjekt-Objekte unserer Erfahrungswelt bestimmen. Wie aber schon in unserer (menschlichen) Erfahrungswelt die menschlichen Subjekt-Objekte die untermenschlichen die Tiere, Pflanzen, anorganischen Dinge) beherrschen und zu ihren menschlichen Zwecken gebrauchen, so hat man sich wohl auch die bewußte teilweise Identifizierung mit ihnen nur im Sinne einer gesteigerten Macht über die untermenschliche Natur, nämlich einer Macht von innen heraus zu denken, ungefähr wie der Mensch sich der Organe seines Körpers unmittelbar bedient. Diese Macht über die untermenschlichen Subjekt-Objekte unserer Erfahrungswelt muß desto umfassender und größer sein, je höher der Entwicklungsgrad des betreffenden nachmenschlichen Subjekt-Objekts ist, doch kann auch sie niemals zu einer vollkommenen und ausschließlichen Beherrschung aller untermenschlichen Subjekt-Objekte unserer Erfahrungswelt werden, weil eben auch dies wieder eine vollkommene Identifizierung des betreffenden nachmenschlichen Subjekt-Objekts mit dem realen Sein und damit die Auflösung auch dieses (illusorischen) Subjekt-Objektes selbst zur notwendigen Voraussetzung hätte.

Da die begrenzte Aufhebung der räumlichen (körperlichen) Illusion eine partielle Aufhebung der (scheinbar wirklichen) raumfüllenden Nebenexistenzen für das nachmenschliche Subjekt-Objekt mit sich bringen muß, so muß dessen Vorstellung der (für dieses nachmenschliche Subjekt-Objekt scheinbar wirklichen) Raumwelt (Körperwelt) von dem für den Menschen bestehenden räumlichen (körperlichen) Weltbild verschieden sein, und zwar im Sinne vereinheitlichender Zusammenziehungen und Miteinbeziehungen. Und ebenso wie die Welt der Objekte (der Subjekt-Objekte als Objekte betrachtet) muß dem nachmenschlichen Subjekt-Objekt auch die Welt der Subjekte (der Subjekt-Objekte als Subjekte betrachtet) infolge der aus der partiellen Aufhebung der Illusion sich ergebenden Miteinbeziehungen in höherem Grade vereinheitlicht (identifiziert) erscheinen als dem Menschen. Da innerhalb der Einheit des eigenen körperlichen Ichs eines illusorischen Subjekt-Objekts die Vorstellung räumlicher Ferne (die Vorstellung eines Abstandes, einer Getrenntheit von diesem körperlichen Ich) aufgehoben ist, so muß die allgemeine Vorstellung räumlicher Entferntheit, räumlich entfernter Körperdinge (im Sinne der menschlichen Erfahrungswelt) in desto weiterem Umfange verschwinden, je mehr solcher räumlich getrennter Körperdinge der menschlichen Erfahrungswelt die neue Einheit eines nachmenschlichen Subjekt-Objekts (als in » realerem« Sinne mit ihnen teilweise identisch geworden) in sich begreift; auch die Veränderungen, in der die mit einem nachmenschlichen Subjekt-Objekt in » realerem« Sinne (teilweise) identischen Körperdinge der menschlichen Illusionswelt begriffen sind, erfolgen für die Vorstellung dieses nachmenschlichen Subjekt-Objekts nicht mehr wirklich, sondern nur die Veränderungen seiner eigenen körperlichen Illusionswelt höheren (Realitäts-) Grades. Und ganz ebenso wie die Wirklichkeits-Illusion von äußerlich getrennten, mehr oder weniger voneinander entfernten Objekten (Körpern) muß auch die Wirklichkeits-Illusion von innerlich getrennten, voneinander verschiedenen Subjekten als Weltvorstellung in desto weiterem Umfange für das nachmenschliche Subjekt-Objekt verschwinden, mit je mehr solchen inneren Erfahrungsichen (der menschlichen Erfahrungswelt) es in » realerem« Sinne teilweise identisch wurde; seiner Illusion werden auch nicht mehr die von diesen inneren Erfahrungsichen erlittenen Veränderungen, sondern nur jene (gleichfalls immateriellen, innerlichen) Veränderungen wirklich erscheinen, die sich an den inneren Erfahrungsichen höheren (Realitäts-) Grades seiner eigenen Illusionswelt vollziehen. Alle diese (körperlich-objektiven und seelisch-subjektiven) Veränderungen, die für die Vorstellung des nachmenschlichen Subjekt-Objekts wirklich erfolgen, müssen sich aber mit logischer Notwendigkeit weniger radikal, weniger wesentlich und weniger schnell vollziehen als die körperlichen (objektiven) und seelischen (subjektiven) Veränderungen der menschlichen Erfahrungswelt, weil sie beobachtet werden an » realeren«, vom illusorischen Charakter bis zu einem gewissen Grade befreiten Objekten (Körperlichkeiten) und Subjekten, die dem überhaupt keinem Wandel, keiner Vergänglichkeit unterworfenen, (für die zeitliche Anschauung der Subjekt-Objekte) in Identität dauernden realen Sein näher stehen als die Objekte und die Subjekte der menschlichen Erfahrungswelt. Hieraus ergibt sich, bei der Untrennbarkeit von Zeitvorstellung und Veränderungswahrnehmung, daß auch die Zeitvorstellung des nachmenschlichen Subjekt-Objekts eine andere sein muß, als sie für die menschliche Erfahrung gilt: und zwar in der Weise, daß dem nachmenschlichen Subjekt mit seiner fortschreitenden Annäherung an das reale Sein (für das alle »Vergangenheit«, und »Zukunft« der menschlichen Erfahrung vollkommene » Gegenwart« ist) in immer weiterem ( menschlich zeitlichem) Umfang und in immer vollkommenerer Weise das »Vergangene« und »Zukünftige« der menschlichen Erfahrungswelt sich als gegenwärtig darstellt. Die durchaus umfassende, vollständige und vollkommene »Vergegenwärtigung« alles zeitlichen Geschehens in der menschlichen Erfahrungswelt liegt aber für jedes nachmenschliche Subjekt-Objekt als ideales, nie ganz erreichtes Ziel in der Unendlichkeit.

Zur Verhütung irrtümlicher Vorstellungen sei nochmals nachdrücklich betont, daß die »Vereinheitlichung« mehrerer Subjekt-Objekte der menschlichen Erfahrungswelt in einem nachmenschlichen Subjekt-Objekt nicht etwa darin besteht, daß letzteres einfach die Kollektiv-Einheit der betreffenden Subjekt-Objekte der menschlichen Erfahrungswelt würde und als solche im Sinne der für die menschliche Vorstellung bestehenden Körperwelt den Raum der Gesamtheit dieser Subjekt-Objekte einnähme; vielmehr wird das nachmenschliche Subjekt-Objekt mit entsprechend » realerem« Wesen von ihnen teilweise identisch, und nur hierin besteht die »Vereinheitlichung«.

Wie das menschliche Individuum seinen Körper, seine Seele und seinen Geist nicht schon von Geburt aus vollkommen beherrscht, sondern diese dreifache Beherrschung erst lernen muß, eine Beherrschung, die eben erst die Vereinheitlichung (Identifizierung) des Individuums im praktischen Sinne bedeutet, so ist auch alles, was im Vorstehenden den nachmenschlichen Entwicklungsgraden des Subjekt-Objekts zugeschrieben wurde, nur als potentielle Möglichkeit aufzufassen, nicht als vollendete Wirklichkeit in jedem Einzelfall; die volle Verwirklichung des geschilderten Zustandes ist auch hier als der persönlichen Bemühung anheimgestellt zu denken, und sie wird je nach der Beschaffenheit des betreffenden nachmenschlichen Subjekt-Objekts eine längere oder kürzere Zeit erfordern. Daher wird beispielsweise die partielle Identifizierung eines nachmenschlichen Subjekt-Objekts mit einem oder mehreren Menschen unmittelbar nach dem Tode je nach den Qualitäten dieses nachmenschlichen Subjekt-Objekts wie auch nach jenen der betreffenden menschlichen Subjekt-Objekte in sehr verschiedenem Maß erfolgen, ebenso auch die Beherrschung der untermenschlichen Subjekt-Objekte. Auf welche Weise und wann (unter welchen Voraussetzungen) das Fortschreiten aus einem nachmenschlichen Entwicklungsgrad zu einem noch höheren erfolgt, läßt sich reinlogisch nicht beurteilen; schroffe Katastrophen nach Art unseres Todes sind aber da sehr unwahrscheinlich. Stirbt ein Mensch, in dem ein nachmenschliches Subjekt-Objekt des ersten nachmenschlichen Grades mitexistierte und wirkte, so identifiziert es sich statt dessen vielleicht (teilweise) mit dem nächst-charakterverwandten Menschen – allein das sind bloße Vermutungen ohne zureichende logische Basis. Als logische Notwendigkeit ist uns lediglich das unendliche Fortschreiten jedes Subjekt-Objekts zu immer höheren Entwicklungsgraden erkennbar. Hiernach muß es aber in jedem Augenblick der für uns Menschen bestehenden Zeit auch ein hochentwickeltes nachmenschliches Subjekt-Objekt geben, dessen Persönlichkeit annähernd (nicht völlig) auch mit allen (im Sinne unserer menschlichen Erfahrung) gleichzeitig existierenden Subjekt-Objekten der Erde identisch ist: sodaß der »Erdgeist« Goethes mehr als ein dichterisches Phantasiegebilde bedeutet. Ebenso muß es dann aber auch einen »Sonnengeist« geben und »Geister«, das heißt: hochentwickelte Subjekt-Objekte, deren Persönlichkeit ganze Weltsysteme unseres Sternenhimmels (annähernd) miteinschlösse: und so weiter ins Unendliche, wobei aber die begrenzte (nicht weiter reichende) persönlich unmittelbare Beherrschung einer solchen Sphäre von jedem nachmenschlichen Subjekt-Objekt, das sie erreichte, an ein anderes abgegeben wird, sobald das erstere sich zur Beherrschung einer noch weiteren Sphäre aufschwang.

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